Anna Kukes
Anna Kukes / Privat

Anna Kukes im Gespräch mit Ulrike Moser - Cicero Literaturen Podcast: „Die russische Gesellschaft ist zersplittert, uneinig, zerklüftet“

Anna Kukes hat Thomas Manns Essay über Schopenhauer ins Russische übersetzt, auch Bücher von Doris Dörrie. Als Hochschuldozentin an der Staatlichen Universität Moskau bringt sie im Fachbereich Germanistik ihre Liebe zur deutschen Sprache ein. Ihre Verbindungen zu Deutschland sind eng - und nun weitgehend unterbrochen. Seit gut einer Woche lebt sie in Angst, „mit einem Gefühl von Katastrophe. Ich bin in Verzweiflung. Ich bin sehr nervös und ich bin in diesem Zustand nicht allein.“

Cicero Cover 6-22

Autoreninfo

Hier finden Sie Nachrichten und Berichte der Print- und Onlineredaktion zu außergewöhnlichen Ereignissen.

So erreichen Sie Cicero-Redaktion:

Während in Russland Demonstranten für Kritik an Putins Krieg festgenommen werden, ist Anna Kukes „bereit, das Risiko einzugehen. Es wird Zeit, keine Angst mehr zu haben. Es muss sein, dass man sich äußert.“ Vielen ihrer Mitbürger attestiert sie ein zumindest unvollständiges Bild des Krieges, denn „sie wissen das, was im Fernsehen läuft“; verlässliche Informationen findet sie derzeit „in erster Linie“ auf Facebook. Es ist „der einzige mehr oder weniger Freiraum geblieben, wo man sich irgendwie äußern kann und wo man sich die Freunde ansammeln kann, die genauso denken und empfinden wie ich und andere“.

Von den vielen substanziellen Fragen, die Kukes stellt, sei hier eine längere Passage genannt: „Muss man überhaupt keine Kriege führen? Ich glaube nur an Diplomatie und Aufklärung. Ja, keinen Krieg, nur alles mögliche, nur keinen Krieg. Außerdem: Auch die Ukraine ist ein souveräner Staat mit seinem eigenen politischen System. Wieso dürfen wir einfach mal einmarschieren und sagen: Ja, wir sind gekommen, um sie zu befreien? Wieso, woher haben wir diese Vision? Wieso meint jemand, dass Russland oder ein anderes Land eine Mission hat, ein anderes souveränes Land, einen anderen souveränen Staat von etwas zu befreien? Was geht uns überhaupt noch nicht an, was in einem Land vorkommt?“

Sie können das Interview direkt hier hören, oder auch auf den bekannten Podcast-Plattformen. Bei der Direktwiedergabe werden Sie eventuell gebeten, vorab „Inhalte aktivieren“ anzuklicken:

 

 

Hier finden Sie Hintergrundberichte zur Ukraine-Krise:

Sie sind interessiert an weiteren Themen und noch kein Abonnent von Cicero Plus? Testen Sie uns, gratis für 30 Tage.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Ebenfalls gelöscht werden ad-hominem-Kommentare, die lediglich zum Ziel haben, andere Foristen zu diskreditieren. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Generell gilt: Pro Artikel ist pro Nutzer ein Kommentar und eine Replik auf einen anderen Leserkommentar erlaubt. Kommentare, die Links zu zweifelhaften Webseiten enthalten, werden nicht veröffentlicht. Um die Freischaltung kümmert sich die Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.