Illustration einer Schülerin. Anbei Hefter, Laptop und Notizzettel.
Seit 2015 fallen deutsche Schüler im Pisa-Test wieder zurück / Illustration: Julia Kluge

Alltag an deutschen Schulen - Das System der Ausreden

Unser Autor ist Lehrer an einer Realschule in Bayern. Im Schulalltag muss er immer wieder erleben, dass sich Leistung selbst bei den Jüngsten nicht mehr lohnt. Deutschland steckt in einer Bildungskrise – Szenarien aus einem Alltag am Rande des Wahnsinns.

Autoreninfo

Jonas Schreiber ist Autor sowie Lehrer an einer Realschule in der Nähe von München.

So erreichen Sie Jonas Schreiber:

„Herr Schreiber, ich habe jetzt auch taktisches LRS“, unterbreitete mir mein Schüler Valentin grinsend. „Bitte, was hast du?“, fragte ich den Zehntklässler irritiert. „Bei uns in der Klasse haben so viele eine LRS-Diagnose und deshalb 25 Prozent mehr Zeit bei Prüfungen, das finde ich unfair. Darum habe ich mir das jetzt auch geholt“, meinte er ohne auch nur einen Hauch von Schuldgefühlen. Eine LRS (Lese-Rechtschreib-Störung) bezeichnet erhebliche Schwierigkeiten beim Erlernen und Anwenden von Lese- und Rechtschreibfähigkeiten, die nicht durch Intelligenzmangel oder mangelnde Beschulung erklärbar sind.

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Christa Wallau | Mo., 9. Februar 2026 - 18:04

Die "Gleichmacherei" in den Schulen (wie überall in der Gesellschaft!) wird seit Jahrzehnten systematisch betrieben, ist also absolut nichts Neues.
Die Hauptursachen für den Niedergang von Wissens- und Bildungsstand deutscher Kinder/Jugendlicher wurden schon zigmal
benannt:
- Abkehr vom Leistungsprinzip
- Disziplinlosigkeit
- methodisches Herum-Experimentieren
ohne anschl. ehrliche Evaluation
- Abkehr von Sonderschulen
- mangelhafte Lehrerausbildung u. -kontrolle
usw.
Was fehlt, das ist der politische WILLE, eine Kehrtwende in der Bildungspolitik zu vollziehen und zu b e w ä h r t e n Prinzipien zurückzukehren, wobei inhaltlich durchaus neue Felder im Bildungskanon hinzukommen müssen.

Es gibt nur eine Chance für Deutschland:
Die Schüler müssen wieder gefördert werden, indem man ihnen Leistung abverlangt, sie also nicht schont, sondern f o r d e r t.
Nur so gelang es früher, daß jedes Kind (außer geistig Behinderten) eine Basisbildung in Deutsch u. Mathematik erhielt.

Sie haben es richtig beschrieben Frau Wallau. Ich frage mich immer nur, wenn doch Lehrer selbst erkennen was da passiert, warum wählt ein Großteil der Lehrerschaft aber diese links-grüne Bildungspolitik. In den Landtagen sitzen teils grüne Bildungsminister oder grünverstrahlte Unionsminister, die das alles fördern und sich von den Bildungsversagern bestimmen lassen. Sie haben Recht. Natürlich braucht es wieder den Leistungsgedanken. Aber wer soll das ändern, außer der AFD? Der Rest besteht doch inzwischen nur noch aus Politikern ohne Schulbildung oder Berufserfahrung und stellt an sich selbst auch keinerlei Anforderung. Und die wenigen Lehrer bzw. ehem. Lehrer, wie auch Sie, werden nicht gehört. Ich glaube nicht, dass irgendein grünen Bildungspolitiker solche Artikel oder Kommentare liest. Und selbst wenn. Sie würden es gar nicht verstehen (wollen).

Sunstreet | Mo., 9. Februar 2026 - 22:35

Sehr geehrter Herr Schreiber, Sie schreiben mir aus dem Herzen.
Aber glauben Sie wirklich, dass die Politik oder die meisten (politisch hörigen) Schulleitungen etwas ändern werden?
Gerade die Politik ist doch mittlerweile eine Spiegelbild für fehlende Leistung und Bildung, für Lügen und Betrügen oder für das Missachten gesellschaftlicher und noch schlimmer gesetzlicher Normen. Und das sind diejenigen, die über unser Bildungssystem bestimmen. Außer dümmlichen Aktionen und Appellen an den Schulen, die den Lehrern noch mehr Zeit für einen vernünftigen Unterricht stehlen sowie vom Hauptproblem ablenken sollen, sowie Hochglanzprospekten und medialen Kampagnen über Schulen für Klimaschutz, Schulen gegen Rassismus, Schulen für Kriegstüchtigkeit, Schulen für Demokratie, Schule für Bewegung etc. wird sich leider auch die nächsten Jahre nichts tun.
Dazu sehe ich auch viel zu wenige kritische und engagierte Lehrer wie Sie.

Sebastian Habel | Di., 10. Februar 2026 - 11:41

Der Schüler Valentin ist doch durchaus pfiffig. Ernsthaft: Wenn er von sich aus von taktischer LRS spricht, finde ich das beeindruckend. Vielleicht ist er ja sogar wirklich so hochbegabt, wie alle Eltern ihre eigenen Kinder einschätzen. Auf jeden Fall hätte ich als ausländische Fachkraft ja direkt Lust, mein Kind in so einem Umfeld beschulen und aufs Leben vorbereiten zu lassen. Dafür drücke ich auch gerne 49% vom Netto ab... NICHT.