AfD Wahlparty
AfD-Wahlparty in Berlin-Blankenburg / picture alliance/dpa | Fabian Sommer

Selbstkritik statt Überzeugungsversuch - Wer keine starke AfD will, muss mit der kritischen Betrachtung bei sich selbst anfangen

Politik, Wirtschaft und Medien haben in den vergangenen Jahren immer wieder versagt. Das Ergebnis ist eine multiple Krise und eine Verschiebung der politischen Tektonik. Wer keine starke AfD will, muss mit der kritischen Betrachtung bei sich selbst anfangen.

Ben Krischke

Autoreninfo

Ben Krischke ist Leiter Digitales bei Cicero, Mit-Herausgeber des Buches „Die Wokeness-Illusion“ und Mit-Autor des Buches „Der Selbstbetrug“ (Verlag Herder). Er lebt in München.

So erreichen Sie Ben Krischke:

Wenn Künstler im öffentlich-rechtlichen Rundfunk über die AfD sprechen, gilt es als ausgemacht, dass sie mindestens besorgt sind. Das war bei Caren Miosga am Sonntagabend nicht anders, wo der Schauspieler Christian Friedel zur AfD zu sagen hatte, was erwartbar war. Die Kurzform lautet: ganz schlimm.

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Markus Michaelis | Mo., 24. August 2026 - 17:14

Wichtig ist, ob diese Gesellschaft überhaupt irgendeine Mitte findet. Ich glaube, dass immer mehr Menschen Zweifel daran haben, dass das noch die alte Mitte sein kann. Dafür haben sich Gesellschaft und Welt zu sehr verändert, die alte Mitte wird demografisch zu klein, scheint inhaltlich zu überfordert. Manche glauben fest daran, fast alternativlos, aber mehr Leute haben eben auch Zweifel, ob das noch lange so gut geht.

Klare Alternativen gibt es nicht, weil (für mich offensichtlich) niemand mehr Mehrheiten hinter sich vereint, schon gar keine großen Mehrheiten von >80% (außer in Einzelfragen).

Die alte Mitte finde ich insofern problematisch, weil sie lange staatstragend war, von daher mehr Verantwortung hatte, und als einen höchsten Wert für sich selber und Vorwurf an andere hat, weltoffen zu sein.

Auch wenn alle AfD-Wähler zurück zur CDU kämen, bliebe die ungelöste Frage, wie die Gesellschaft in Zukunft aussehen soll. Auch die alten Mitteparteien haben für nichts Mehrheiten.

"Wichtig ist, ob diese Gesellschaft überhaupt irgendeine Mitte findet. Ich glaube, dass immer mehr Menschen Zweifel daran haben, dass das noch die alte Mitte sein kann."

>> meine Rede...!! 👍👍👍

Mehrheiten von >80% sind in einer Demokratie nicht wirklich erreichbar, das hatten nur autoritäre Systeme wie die DDR oder sozialistische Staaten des Warschauer Pakts.

Heidemarie Heim | Mo., 24. August 2026 - 17:31

Kenn ich nicht lieber Herr Krischke;)! Gehört das überhaupt noch zum neudeutschen Vokabular? Ich meine mich zu erinnern,das dies irgendwas im Zusammenhang mit Reflexion oder so zu tun hat.Ein wenn Sie mich fragen, äußerst mühseliges Geschäft und Unterfangen. Meiner Erfahrung nach ist es doch ungleich einfacher angesicht dieser Konfrontation mit sich selbst, einen Sündenbock für eigens begangene Fehltritte zu finden und diesen mittels framing ins rechte Licht zu rücken.Scheinbar bin ich nicht allein wenn ich mir den Zirkus um Brandmauer und den dahinter verbannten Prügelknaben AfD betrachte. Und zum Missionar eigne ich mich ebenfalls nicht. Zudem wie Sie auch bemerken geehrter Herr Krischke, dass es sich dabei wohl um eine "Mission impossible" handeln dürfte;). Also drucken Sie Ihren wie immer fulminanten Artikel aus u. verteilen Sie ihn als Denkhilfe an alle "unsere Demokratie-Inhaber/innen", die aktuell wie das Kaninchen vor der Schlange auf die kommenden Landtagswahlen starren;)

Andreas Peters | Mo., 24. August 2026 - 17:37

ist doch absurd. Welche andere Partei stellt sich hin und erzählt so etwas über eine andere Partei außer der AfD? Es ist alles os absurd und das nimmt den leuten die hoffnung auf Besserung. Und Verursacher des ganzen Schlamassels ist aus meiner Sicht ganz klar die CDU. Man kann der CDU kein Wort glauben weil es hinterher sowieso ganz anders kommt.

A. Rusch | Mo., 24. August 2026 - 18:16

Die "letzte Patrone der Demokatie" hat FM bereits am ersten Tag nach der letzten Wahl verschossen, indem er, so dürfte es (nicht nur) der konservativ-liberale Teil der Wählerschaft empfinden, scheinbar alle wesentlichen Versprechen brach, die von ihm und seiner Partei vor der Wahl gemacht wurden ("links ist vorbei"). Davon gab es keine Erholung mehr. Die Brandmauer macht es der AfD leicht, sich als einzige Partei zu inszenieren, die wirklich anders vorgehen will - also beginnt der Souverän sich damit anzufreunden, es mal mit den Anderen statt mit den immer Gleichen zu versuchen. Je mehr man in Politik und Medien die Wähler dafür in die Schmuddelecke stellt, umso sicherer werden sie in ihrer Entscheidung. Die Vertreter "unserer Demokratie" hätten es in der Hand gehabt, allein schon die vom Autor aufgezählten Verfehlungen ihrer Politik zu berichtigen, weigern sich aber standhaft, das zu tun. Dann werden sie am Ende eben abgewählt. Das ist Demokratie.

Herr F. aus B. | Mo., 24. August 2026 - 20:10

Antwort auf von A. Rusch

ist seit dem Wahlabend, an dem Frau Weidel kurz und prägnant an Herrn Merz die Frage richtete: "Und mit wem wollen Sie etwas davon umsetzen - mit der SPD?" inhaltlich nichts, wirklich nichts hinzugekommen.
Seit dem Wahlabend erleben wir nur die Umsetzung von
Karl Valentin: Es ist alles gesagt, aber noch nicht von jedem.

Bernd Windisch | Mo., 24. August 2026 - 19:01

Christian Friedel wirkte mit den ständigen Hinweisen auf "seine Kunst" bei Miozga schon ein wenig entrückt.

Außerdem finde ich auch alles ganz schlimm und ich versuche deswegen mit meiner Kunst ein Zeichen zu setzen.

Wolfgang Borchardt | Mo., 24. August 2026 - 19:27

abgeworfen worden, sondern Symptom einer gescheiterten Politik, die eine Blase für gut hält, deren Gedanken ausschließlich um Hautfarben, sexuelle Vorlieben und den Kampf gegen "Rechts" Kreisen und deren hartnäckige Realitätsverleugnung der AfD täglich Nahrung gibt. Nach dem Ausfall der FDP gibt es keine Opposition mehr außer der AfD. Opposition gehört zu einer Demokratie, auch wenn "unsere" Demokratie glaubt, ohne die auskommen zu können. Die AfD ist auch nicht die Lösung, dazu bräuchte es einen Herkules, aber ein wichtiges Korrektiv. Und wer den Teufel an die Wand malt, verbirgt seine wahren Motive. Belehrungen und Agitation an der Haustür haben schon in der DDR nicht funktioniert

... besonders für den Halbsatz "Die AfD ist auch nicht die Lösung, dazu bräuchte es einen Herkules ...". Und auch der hätte m.E. keine Chance, weil´s weltweit nicht mehr um den sprichwörtlichen Augiasstall geht - es sei denn, diese eingetretene Phase des hochentwickelten Kapitalismus würde man als solchen bezeichnen. (Wäre übrigens gar nicht so verkehrt, bloß nützen würde auch das nix!)
Zur Klarstellung: ich habe ansonsten a) nichts gegen die AfD, halte aber b) sehr viel von der Kapitalanalyse von Marx (im Gegensatz zu seinen politischen Spintisierereien), und so, wie in erster Linie die jeweiligen Stadien des Kapitalismus maßgebend für den 1. und 2. Weltkrieg waren, ist nun nach dem Zerfall des Ostblocks und dem enormen Erstarken Chinas mit seiner nur nominell "Kommunistischen" Partei ein Zustand eingetreten, in dem alle bisher geltenden Mechanismen und Abmachungen der Tendenz nach obsolet geworden sind.
Ich hoffe, dass nicht nur Herr Jüdt versteht, wie ich das meine - nix für ungut!

Karl-Heinz Weiß | Mo., 24. August 2026 - 19:34

Im Herbst 2018 hatte Friedrich Merz die Halbierung der AfD-Wählerschaft als sein Ziel genannt. Zwischenzeitlich konnte die AfD ihren Stimmenanteil verdoppeln. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist (auch hier) das Hauptproblem des Kanzlers. Mit der "Brandmauer" hat er sich eingemauert - ein Musterbeispiel von Führungsversagen. Nach den anstehenden Landtagswahlen wird ein "Wendehals" gefragt sein, um dieses Führungsversagen aufzulösen. Die CDU verfügt dank der "Eliminierungspolitik" der früheren Kanzlerin über keine solchen "Talente", aber die CSU.

Gisela Hachenberg | Mo., 24. August 2026 - 23:21

Sie haben sich wieder mal selbst übertroffen mit Ihrem tollen, mutigen Beitrag, lieber Herr Krischke! Als ich heute Morgen in der NZZ einen Artikel von einem mir bis dato unbekannten Schreiber Bernath las, musste ich wahrhaftig schlucken. Er schrieb: Mit einem Sieg der AfD in SA könnte es mit der BRD, wie wir sie kennen: stabil, übersichtlich, verlässlich, vorbei sein“! Ich dachte mir, vielleicht meint er eine BRD von vor 15/20 Jahren. Stabil und verlässlich war mal. Und jetzt? Nein, ich will nicht wieder den ganzen Werdegang, den das Land bis zum bitteren Ende vollzogen hat, wiederholen. Aber der Schreiberling meint das ernst. Und leider denkt und schreibt die Mehrzahl der heutigen, meist linken Journalisten und Redakteure so. Aber es hat sich etwas im Land verändert, was diese Typen nicht wahrhaben wollen. Sie sollten mal die Leserforen in den wichtigsten Medien anschauen. Da geht es rund. Aber das tun sich diese von sich Überzeugten ja nicht an.
Dank an Herrn Krischke!

Stabil desaströs, ist auch eine Form von Stabilität, liebe Frau Hachenberg;-) Insofern hat der Schreiberling damit nicht ganz unrecht, kommt ganz auf die Perspektive an. Und internationales Schlusslicht zu sein, ist eben auch sehr zuverlässig immer wieder der Fall. Dass mit all dem Schluss sein könnte, wenn eine alternative andere Politik vollzogen wird als die bisherige und diese zuverlässige Schieflage tatsächlich ein Ende haben sollte, das können solche Schreiberlinge offenbar nur sehr schwer verkraften, Bullerbü halt.

Achim Koester | Di., 25. August 2026 - 07:49

kann der AfD nicht widerfahren, denn sie erlaubt es, aus der sicheren Position heraus, nie in Verantwortung genommen zu werden, alle Regierungsmaßnahmen zu kritisieren. Man kan sie nur "entzaubern", indem man ihnen die Gelegenheit gibt, zu beweisen, ob sie es besser können.

IH | Di., 25. August 2026 - 09:11

Das sehe ich auch so. Und einer der Gründe für den unaufhaltsamen Aufstieg ist womöglich die Arroganz und Totalverweigerung der sogenannten etablierten Parteien, die Corona Zeit ehrlich aufzuarbeiten. Und ein weiterer Grund mag die empfundene Abscheu gegen den Umgang dieser etablierten Parteien gegenüber der AfD sein: wer Demokratie will, aber totalitär handelt, macht sich unglaubwürdig. Der Entzug des passiven Wahlrechts ist da nur ein Beispiel, der ja insbesondere in Niedersachsen auf Geheiß des Innenministeriums betrieben wurde.

Ernst-Günther Konrad | Di., 25. August 2026 - 16:17

....aber dann ist es zu spät. Ich habe heute Müller-Ullrich auf Kontrafunk in seiner Sendung "ganz persönlich" mit Ullrich Siegmund gehört. Das sollte sich jeder mal anhören. Ein Menschen, wie du und ich, erzählt ungeschminkt über sein Leben. Solche Politiker gab es früher noch zu Hauf. Heute haben die nichts mehr zu erzählen. Warum? Schaut Euch deren Biografien an, dann wisst ihr es. Was Sie da schrieben, analysieren und fordern Herr Krischke ist eine Binse. Die werden sich nicht selbstkritisch betrachten, solange sie noch Macht ausüben. Und nein, die haben keine Angst davor, dass die AFD an die Macht kommt. Die haben Angst davor, dass die was besser machen könnten. Das sie deren Schweinereien aufdecken. Dass sie die vermeintlichen Parteien der "demokratischen" Mitte entlarven. Das ihr Hauptunterstützer die NGOS, der ÖRR und politisch gesteuerten Behörden neu besetzt werden und wieder zurück in die Neutralität gelenkt werden. Das sich einige verantworten müssen, davor haben die Angst.

Urban Will | Di., 25. August 2026 - 23:16

Ich stelle mir gerade vor, ich hätte, sagen wir, eine Schreinerlehre absolviert und müsste nun immer nur Nägel in ein Brett klopfen. Immer das gleiche.

So wie Artikel im Sinne von „warum nur ist die AfD so stark und warum nur kriegt man sie nicht klein“.
Und dann kommt halt der Sermon von Migration, Vergewaltigungen, Wokeness, Meldestellen, all das Zeug, das jeder kennt und – wow – dann kommt das Resultat: Macht bessere Politik!
Ach ja und eine „multiple Krise“ haben wir auch noch. Echt jetzt?
Wirklich bahnbrechende Erkenntnisse, die man da aufgetischt bekommt.

Weidel hat in ihrem Sommerinterview endlich mal einen drauf gehauen. Gut so. „Flachzangen“ ist noch ein Lob für diesen verlogenen S..haufen Merz-Regierung. „Dank“ der KI muss ich mich hier zurückhalten.
Weidel hat Wut im Bauch und diese Wut habe ich auch.
Und Weidel wird Kanzlerin werden, das hoffe ich inständig. Und dann gibt es hoffentlich solche Artikel nicht mehr, weil wir nicht mehr in einem Irrenhaus leben.