Sheinbaum
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo, 08.08.2025 / picture alliance / NurPhoto | Eyepix

Adidas und die Huarache-Sandalen - Niemand sollte sich für „kulturelle Aneignung“ entschuldigen

Adidas entschuldigt sich, weil man einen Schuh nach Art einer traditionellen mexikanischen Sandale entwarf. Der Fall zeigt erneut nur, wie unsinnig der Vorwurf „kulturelle Aneignung“ ist.

Autoreninfo

Gideon Böss ist Roman- und Sachbuchautor und hat unter anderem über Religionen in Deutschland und Glücksversprechen im Kapitalismus geschrieben.

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Mexiko ist in Aufruhr. Bis hinauf zur Präsidentin Claudia Sheinbaum empört man sich über Adidas. Grund ist, dass sich eine neue Sandale des Sportartikelherstellers an einer solchen orientiert, die eine Gemeinde in Mexiko herstellt. Der Vorwurf lautete darum prompt: kulturelle Aneignung! Adidas brach auch sofort ein, entschuldigte sich und ließ auch den Designer öffentlich bedauern, was er da getan hatte. Schade eigentlich. Niemand sollte sich nämlich dafür entschuldigen, kulturelle Aneignung zu betreiben.

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Thomas Hechinger | Fr., 15. August 2025 - 11:04

Den Wein haben wir von den Römern. Das Huhn, dessen Eier aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken sind, kommt aus China. Der Pfirsich auch. Er ist über die Perser zu uns gekommen. Daher heißt er auch so: „Pfirsich“ von lateinisch „(prunus) persica“ ~ „persischer (Pflaumenbaum)“. Und die Zahlen haben wir den Arabern „abgekupfert“. Sie waren einfach praktischer als die alten römischen Zahlen. Wir ehren die Araber dafür, indem wir die Zahlen „arabische Zahlen“ nennen. Und wir verraten auch nicht, daß die Araber diese Zahlen wiederum von den Indern „geklaut“ haben. Und wenn die mexikanische Präsidentin ihr Smartphone nimmt und den Adidas-Chef anruft, nehmen wir es ihr nicht gleich weg, weil es nicht von den Mexikanern erfunden wurde. Es hat leichte Vorteile gegenüber Rauchzeichen, mit denen noch die Azteken Nachrichten übermittelt haben. Und man wüßte auch nicht, ob die Rauchzeichen in Herzogenaurach ankämen und richtig gedeutet würden.

Kulturelle Aneigung gibt es nämlich gar nicht.

Maria Arenz | Fr., 15. August 2025 - 11:15

den ideellen Kern dieses" Kulturkampfes" nicht verstanden. Kulturelle Aneignung kann -ebenso wie das Verbrechen Rassismus- nur von Weißen begangen werden. Das ist keine Ironie von mir sondern steht so in den Heiligen Schriften der woken Religion. Weil angeblich nur die Weißen sich als überlegene Kultur/Rasse sehen und deshalb gefälligst die Finger von den Errungenschaften der von ihnen einstmals kolonisierten und ausgebeuteten Völker zu lassen haben. Wenn Chinesen diese Azteken-Latschen nachahmen und weltweit verramschen, ist das ok. Daß der Rassendünkel der Chinesen den der Europäer in tiefsten Schatten stellt, kann jeder bezeugen, der sich-u.U. nach 3 Whisky-schonmal mit Chinesen über das Thema unterhalten hat. Sheinbaum hätte ich für intelligent genug gehalten, zu verstehen, was der eigentliche Antrieb des Vorwurfs "kulturelle Aneigung" ist -nämlich ein tief sitzender Minderwertigkeitkomplex der durch diesen Unsinn nur bestätigt wird. Aber offenbar hat sie den Quatsch nötig.

Heidemarie Heim | Fr., 15. August 2025 - 11:20

Mein Gott!, möchte man Mexiko und seiner ersten Frau an der Spitze zurufen! Habt ihr keine anderen Probleme als ein fehlendes Patent auf eine Sandale? Zum Beispiel, dass Ihr einen Spitzenplatz in der Welt einnehmt was "Femizide" und alltägliche nicht aufgeklärte bzw. verfolgte und verurteilte Gewalt gegen Mädchen und Frauen betrifft? 10 davon pro Tag! verlieren im Schnitt ihr Leben, von den nicht registrierten zahllosen Missbräuchen und gewalttätigen Übergriffen erst gar nicht zu sprechen! Eine Kultur, und ich musste wirklich überlegen ob ich es aussprechen sollte aufgrund dieser erschütternden Fakten und Tatsachen, ist eine, die sich bestimmt kein zivilisierter Mensch "aneignen" möchte! MfG

Michael Kaufmann | Fr., 15. August 2025 - 11:23

Das Christentum ist dann wohl auch Kulturelle Aneignung. Könnte ja ein spaßiger Spieleabend werden, diese seltsame Moralisierung .

Gerhard Hellriegel | Fr., 15. August 2025 - 11:28

Wir haben das Dezimalsystem (einschließlich der genialen Null) von den Arabern übernommen, die wieder von den Indern.
Alles klar?

Könnte es sein, dass es gar nicht um kulturelle Aneignung, sondern eher um business geht?

Wolfgang Borchardt | Fr., 15. August 2025 - 11:41

dümmsten grünen Schlagworte. Die gesamte Menschheitskultur beruht auf Austausch, Weiterentwicklung, Umdeutung. Das gilt auch für Ökonomie und Forschung. Wer solche Blödheiten vertritt die Spaltung der Gesellschaft. Die Annahme von deutschem Steuergeld durch voraussetzungslos eingereiste Menschen fremder Kulturen - kulturelle Aneignung, aber Grüne wollen das. Fremdsprachen zu erlernen, ist der Beitrag des Einzelnen zur eigenen Bildung, zu "Frieden und Völkerverständigung" (alte DDR- Lösung, sollte auch Links-Grün gefallen). Kein Afrikaner darf in ein deutsches Auto steigen? Wieviel deutsche oder amerikanische Ingenieursleistung würde in einem afrikanischen Auto stecken? Darf ein Japaner Beethoven spielen. Die Aufforderung zur Nichtaneignung von Kultur kommt der Aufforderung zur selbst gewählten Dummheit gleich. Die Vereinigung amerikanischer Ureinwohner hat nichts gegen "Indianer". Das Phänomen einer deutschen Intellektuellen-Blase, sich begeistert vermeintlich Betroffenen zu widmen.

S. Kaiser | Fr., 15. August 2025 - 11:43

Ja, das Konzept der kulturellen Aneignung steht dem Grundgedanken des freien Individuums entgegen, der die Freiheit hat, sich einer Kultur anzuschließen, deren Werte u/o Ästhetik er teilt. Dahinter steht eine Anerkennung und Validierung einer anderen Kultur, worüber man sich eigentlich freuen sollte.
Aber hier ist der Fall mE doch etwas anders gelagert.
Ein Gegenbeispiel: einer lokalen Seniorengruppe wurde es bei der letztjährigen BuGa verwehrt, bei einer Gesangseinlage mit einem Sombrero aufzutreten. Der Vorwurf: kulturelle Aneignung. Lächerlich. Hier würde die o.a. Argumentation mMn greifen.
Bei adidas kann man das allerdings anders sehen: Ein internat. Konzern, der das Design eines Traditionsgutes eines Schwellenlandes vermarktet – „links“ gesprochen: „ausbeutet“. Keine clevere Strategie. Adidas hätte die Sandalen ebenso in Kooperation mit einem lokalen Hersteller lancieren können, und diesen entsprechend offiziell/finanziell beteiligt. Das zB wäre Anerkennung auf Augenhöhe gewesen

Mag sein. Aber warum reagiert Adidas im Anschluß so unterwürfig? Ich hätte in der mexikanischen Gemeinde beim Bürgermeister angerufen und mich für die wunderschöne Idee, die man jetzt vermarkte, bedankt. Dann hätte ich gefragt, was denn so in der Gemeinde anstehe: die Sanierung einer Schule, ein neuer Sportplatz, die Restaurierung der Kirche oder was auch immer. Und da kann man einmal ein paar zehntausend Euro dafür spenden. Oder noch besser: Ich hätte angeboten, von jedem verkauften Sandalenpaar 0,10 € einzubehalten und die Gemeinde mit diesem Betrag am Gewinn zu beteiligen. Alles besser als dieses erbärmliche Einknicken.

Michael Maschke | Fr., 15. August 2025 - 11:47

Lieber Gideon Böss,
Klasse Statement, ich kann mich zu 100 % anschließen. Es ist nur wieder einmal traurig, dass man überhaupt über so einen bekloppten Begriff diskutieren muss.
Danke für die klaren Worte!
Gruß

Brigitte Miller | Fr., 15. August 2025 - 11:47

wäre noch , zu wissen, w e r Mexico in diesen "Aufruhr" verstzt hat.
Ich denke nicht, dass es die Hersteller der traditionellen Sandalen waren, jedenfalls nicht aus eigenem Antrieb.

Christoph Deinet | Fr., 15. August 2025 - 12:21

Erstens: Hat jemand mal die Einwohner der mexikanischen Gemeinde gefragt, welche Zahlensymbole sie verwenden, wenn sie Rechnungen über verkaufte Sandalen schreiben?

Zweitens und andersherum: Hat sich eigentlich Decathlon inzwischen von dem Namen "Quechua" für die Eigenmarke getrennt und sich bei den vereinnahmten indigenen Völkern Südamerikas entschuldigt?

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr., 15. August 2025 - 12:46

wir Christen befleissigen uns einer der größten Aneignung überhaupt, der des hebräischen Glaubens in Form des Alten Testamentes.
Schon dieses könnte durch Moses stark beeinflußt worden sein von der ägyptischen Religion.
Es braucht also eigentlich nicht nur den vergleichenden Ethikunterricht, sondern auch vergleichenden Religionsunterricht.
Superschicke Sandalen!
Was hindert Adidas daran hinzuzufügen, inspiriert von ...?
Wir gehen miteinander um, wir lernen voneinander, am besten mit Achtung und Respekt.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr., 15. August 2025 - 12:56

Unterdrückte Kulturen begehren aber manchesmal auf, auch solche, die zwar Hochkulturen, aber verschwiegen werden.
Deshalb ist es wichtig, in Europa von einer christlich-jüdischen Kultur zu sprechen, aber immer schon und hoffentlich immer wieder offen für Viele.
Ich bin jetzt nun mal im Osten, China etc. angelangt, begonnen habe ich aber mit England und der amerikanischen, auch lateinamerikanischen Kultur und der Antike.
Bei Wagner etc. konnte ich nie andocken.
Ich fühle mich in der Welt aufgehoben..., möchte aber dennoch ein selbständiges Ostpreussen.
Nu

Diogenes | Fr., 15. August 2025 - 13:56

Wenn man das ernst nimmt, "kulturelle Aneignung" abzulehnen - ist das nicht "ethno-pluralistisches" Denken in Reinform? Was der Verfassungsschutz ja als Kriterium für verfassungsfeindliche Gesinnung ansieht?
Was denn nun? Wenn jede Sandale, jede Haarlocke, jeder Sombrero unmittelbar zu seiner Kultur ist und nicht 'migrieren' darf, gilt das dann nicht für die Kultur selber?

Sabine Lehmann | Fr., 15. August 2025 - 14:59

Ich liebe Aneignungen, vor allem wenn sie mir gehören;-) So habe ich mir seit einigen Wochen angewöhnt, meinen Kaffee bei Hitze grundsätzlich kalt zu trinken. Woher ich das habe? Natürlich vom besten Ehemann von allen. Jetzt hat er da etwas aufgeschnappt, wie Ehemänner nun mal sind mitunter recht oberflächlich;-) und echauffiert sich über meinen kulturellen Übergriff, schließlich sei es seine Idee gewesen, u. überhaupt sei das eigentlich eine italienische Eigenart, da in bestimmten Regionen Italiens der Kaffee fast nur so getrunken würde. Ich habe mich erstmal dumm u. stur gestellt, so wie das bei den besten Ehefrauen von allen so üblich ist u. noch eine Provokation oben drauf gesetzt beim letzten Frühstück und habe zum kalten Espresso noch eine Kugel Vanilleeis kredenzt. Da fiel dem besten Ehemann von allen die Kinnlade runter u. er meinte, eigentlich sei ICH die beste kulturelle Aneignung derer er sich jemals schuldig gemacht hätte;-)
(Sorry, ernsthaft geht bei diesem Irrsinn nicht!)

Klaus Elbert | Fr., 15. August 2025 - 15:30

Die ganze Welt bedient sich aus den Errungenschaften, die auf medizinischem, ökonomischen, kulturellem und sonstige Lebensbereiche betreffenden Gebiet (überwiegend von westlichen "weißen" Wissenschaftlern) entwickelt wurden. Es ist selbstverständlich, dass beispielsweise auch Menschen in der Karibik davon Gebrauch machen. Aber wehe, wenn in unseren Breitengraden sich jemand erlaubt, eine Rastafrisur (Dreatlocks) zu tragen, wie sie in karibischen Ländern weit verbreitet ist. Dann kommen die Woken ins Spiel und meinen, dies als unerlaubte kulturelle Aneignung brandmarken zu müssen. Das ist das eine. Das andere, viel schlimmere ist das unterwürfige Einknicken der Gemaßregelten. Solange sich daran nichts ändert, werden wir diese unselige Wokeness ertragen müssen.
Was sich Adidas da "geleistet" hat, ist einfach nur erbärmlich. Fehlt nur noch, dass sich die Außenminister beider Länder zu einem Versöhnungstreffen verabreden.

Christoph Kuhlmann | Fr., 15. August 2025 - 22:05

in vielen Werken in Mexiko bauen ließ und die Mexikaner sich die Kisten liebend gerne aneigneten, dann sind Vorwürfe wegen ein paar Sandalen irgendwie erbärmlich.

Jens Böhme | Sa., 16. August 2025 - 00:08

Ist die Ehe oder Lebensgemeinschaft mit jemanden aus einer anderen Kultur kulturelle Aneignung? Findet eine gleichberechtigte kulturelle Aneignung miteinander statt oder wird eine/r von beiden kulturell diskriminiert?

Achim Koester | Sa., 16. August 2025 - 09:02

als vor Jahren in Bayreuth die schwarzen Sopranistinnen Grace Bumbry und Jessye Norman aufgetreten sind?
Ausgerechnet bei Richard Wagner. dem typischten aller "deutschen" Komponisten.