Jürgen Habermas über Europa - Wie hat's der „gute Europäer“ mit der Demokratie?

Der Philosoph Jürgen Habermas fordert mehr Europa, mehr Umverteilung und feiert Emmanuel Macron für seinen Mut. Demokratie und liberale Werte sind ihm aber offenbar nicht so wichtig

Jürgen Habermas erhält den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis
Weniger Demokratie wagen: Jürgen Habermas bei der Preisverleihung im ZDF-Hauptstadtstudio / picture alliance

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Tobias Maydl studiert Philosophie und Sprechwissenschaft und schreibt für Cicero Online.

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Festreden sind eine feine Sache. Es gibt Anekdoten, über die man sich erheitern kann, es gibt schöne Zitate, denen man gefahrlos zustimmen kann und es gibt Essen im Anschluss, auf das man sich insgeheim freuen kann. Das alles hat seine 2000-jährige Tradition und Berechtigung, denn: Festreden schaffen Gemeinschaft, und um derentwillen kann man schon mal klatschen. Manchmal auch im Stehen. So wie vergangene Woche bei der Verleihung des Großen Deutsch-Französischen Medienpreises. Gesprochen hatte der Preisträger, Jürgen Habermas. An diesem Abend wurde er für sein Lebenswerk geehrt.

Doch die Standing Ovations täuschen über die Tatsache hinweg, dass Habermas Ideen am Ende alles andere als gemeinschaftsstiftend sein könnten für Europa. Nicht so sehr wegen des ‚Was‘ – er fordert eine „demokratische Euro-Zone“ mit eigenem Haushalt und Kompetenzen – sondern vielmehr wegen des ‚Wie‘: Wenn der Wähler nicht mitziehe, müssten halt notfalls die Eliten vorangehen. So impliziert es Habermas zumindest am Ende seiner Rede, denn im 19. Jahrhundert hätten die „tonangebenden Eliten“ bei der Konstruktion der deutschen Nation eben auch nicht Rücksicht genommen auf demokratische Gepflogenheiten.

Diagnose: „gutgläubige Selbsttäuschung“

Habermas kritisiert die mangelnde Kooperationsbereitschaft in der EU. Man wolle als EU gar nicht handlungsfähig sein. Das Hauptproblem hat er dann auch gleich gefunden: Der Deutsche, der glaubt, ein „guter Europäer“ zu sein, es aber im Grunde die längste Zeit gewesen ist. Dieser gute Glaube der Deutschen habe einen „faulen Fleck“: Das wirtschaftlich verengte Verständnis von Solidarität mit den europäischen Partnern. Unterm Strich sei das, was man in Deutschland Solidarität nennt, nichts weiter als ein schäbiger Kuhhandel: Solidarität gegen Eigenverantwortung, solidarische Hilfe gegen Reformen und Haushaltsdisziplin. Daraus spreche ein mangelndes Vertrauen insbesondere gegenüber den südlichen europäischen Partnern. Dieses toxische Misstrauen sei eine der Wurzeln des „trumpistischen Zerfalls Europas“.

Habermas will es nicht moralisch meinen, wenn er den Deutschen diese Trägheit des Herzens vorwirft. Schuld daran sei vielmehr der „Tenor der maßgebenden Presse“ der vergangenen Jahre, der die Deutschen noch im falschen Glauben bestärkte, gute und solidarische Europäer zu sein. Moralisch, man vermutete es, wird der Philosoph aber dann doch. Habermas stellt uns seine Version des guten Europäers vor.

Pflichten eines guten Europäers

Der gute Europäer besteht laut Habermas aus zwei Teilen. Da ist zunächst dessen Gesinnung: Es gelte nationale Identitäten zu überwinden zugunsten einer „post-konventionellen“ Identität. Diese orientiere sich am moralischen Grundprinzip des Universalismus. Das verlangt von den Bürgern, dass sie, „bevor sie ihre Stimme abgeben, auch über nationale Grenzen hinweg gegenseitig die Perspektive der jeweils anderen übernehmen.“ An sich ist das eine gute Sache. Zumal viele Probleme in der Welt heute ohnehin alle betreffen, zum Beispiel der Bürgerkrieg in Syrien.

Die andere Hälfte des guten Europäers allerdings ist problematisch. Habermas schwört ihn jetzt auf eine handfeste politische Agenda ein. Der gute Europäer müsse quasi wie selbstverständlich den französischen Präsidenten unterstützen. Denn Emmanuel Macron wolle Europa wieder zu einem Global Player der liberalen Werte machen. Für Habermas bedeute das im Klartext: Bankenunion, eine gemeinsame europäische Einlagensicherung für Sparguthaben und ein auf europäischer Ebene kontrollierter Währungsfonds. Dazu käme eine „demokratische“ Euro-Zone mit eigenem Haushalt, um die politische und wirtschaftliche Desintegration aufzuhalten. Ob ein weiterer Haushalt aber tatsächlich  hilft neben den bereits existierenden Kohäsionsfonds? Egal. Auch sind die europäischen Institutionen nicht gerade berühmt für ihre demokratische Legitimation. Wie will Habermas also sicherstellen, dass seine demokratische Euro-Zone ausreichend demokratisch ist? Offenbar stellen sich solche Fragen für den guten Europäer erst gar nicht, der gute Europäer macht einfach.

Der neue „faule Fleck“

Ein supranational-solidarisches Bewusstsein, das hat Habermas schon vor drei Jahrzehnten gefordert, zuzeiten des Historikerstreits. Jetzt führt er eine Studie an, laut der ein solches Bewusstsein echter Solidarität schon zunehme – europaweit. Aber selbst wenn dies der Fall ist: Es gibt einen neuen „faulen Fleck“ in Habermas Konzeption guter Europäer. Denn was passiert mit denen, die kein solidarisches Bewusstsein entwickeln wollen oder einfach nicht einsehen, warum ausgerechnet ein gemeinsames Budget für die Euro-Zone mehr Demokratie und Zusammenhalt in Europa bringen soll? In solchen Fällen empfiehlt er allen voran den Sozialdemokraten, die Wähler nicht weiter „normativ“ zu unterfordern. Was meint er damit?

Am Ende seiner Rede lässt es Habermas durchblicken. Er zieht eine historische Parallele. Das Nationalbewusstsein der europäischen Völker sei auch ein politischer Lernprozess gewesen: „Das über Dorf, Stadt und Region hinausgreifende Bewusstsein nationaler Zusammengehörigkeit“ sei nicht „naturwüchsig entstanden“. Vielmehr hätten es die Eliten des 19. Jahrhunderts „zielstrebig angepasst“. Aha. Im 21. Jahrhundert sollen also die sozialdemokratischen Eliten erneut tätig werden wie damals König und Adel. Mit der maßgeblichen Presse im Gepäck könnte man ein solidarisches Bewusstsein mit den passenden politischen Präferenzen notfalls eben einfordern, statt wie bisher zu „unterfordern“.

Was aber, wenn der gute Europäer dieser demokratischen Euro-Zone irgendwann einmal merken sollte, dass er gar nicht mehr so demokratisch ist? Schade, dass Außenminister Heiko Maas (SPD) hierauf keine Antwort gefunden hat. In seiner Laudatio am selben Abend empfiehlt er Habermas mit den Worten: „Wir haben Ihren Spürsinn für Relevanzen heute in Deutschland bitter nötig.“

 

wolfgang spremberg | Mo, 9. Juli 2018 - 17:54

sagt Habermas, das die Einen auf die Durchsetzung ihrer Interessen verzichten sollen damit Andere ihre Interessen durchsetzen können.....Na ja...
Und gemeinsam als EU geht es dann wieder um die Durchsetzung von ....gemeinsamen Interessen...oder ? Gegen ? Oder ohne gegen ?
Ist das Philosophie ? Große Philosophie ? Nöh..
Ich halte es da eher mit Hegel : Man kann nur wenige lieben. Ist realistischer.

Willi Mathes | Mo, 9. Juli 2018 - 18:05

Top Herr Maydl !

Die Herren J. Habermas und H.Maas - sind erfreulicherweise - nicht das Maß aller Dinge.
Deren " Maßstäbe " könnten auch leicht zu Gitterstäben werden !
Danke für die erfrischende Klarstellung !

Peter Krämer | Mo, 9. Juli 2018 - 18:06

"Wenn der Wähler nicht mitziehe, müssten halt notfalls die Eliten vorangehen"
Ja, Herr Habermas, sollte man denn den Wähler nicht ganz abschaffen und nur noch die Eliten entscheiden lassen?
Und noch etwas zum Thema Solidarität:
Meine Ersparnisse, für die ich ein Leben lang gearbeitet habe, möchte ich nicht für eine universelle Schuldengemeinschaft opfern.
Ihr persönliches Vermögen können Sie natürlich gerne für Ihr Projekt Europa zur Verfügung stellen.

Dieter Petermann | Mo, 9. Juli 2018 - 18:14

1982 bin ich in die SPD eingetreten. Da war Schmidt gerade von Kohl zusammen mit der gewendeten FDP abserviert worden und ich, damals noch Schüler, war sauer und sowieso voller Sympathie für die SPD.

30 Jahre späte, 2012, bin ich aus der SPD ausgetreten. Nachdem Gabriel, damals SPD Vorsitzender die Vergemeinschaftung der Schulden der EU Länder gefordert hat, nach einem Gespräch mit - richtig - Habermas. Sigmar "heute so morgen so" Gabriel hat diese Forderung dann wohl schnell wieder unter den Tisch fallen lassen, aber ich war schon raus. Vollkommen unerträglich, dass Deutschland oder andere Länder im Norden der Eurozone die Schulden von fast 20 Jahren Berlusconi Politik bezahlen sollten, oder die Immobilienkrise in Spanien oder den korrupten Staaten in Griechenland.

Die letzte Gruppe, die man in politischen Fragen um Rat fragen sollte sind Philosophen. Und die letzte Person ist Jürgen Habermas. Und er hat da eine wirklich sehr starke Konkurrenz.

Christa Wallau | Mo, 9. Juli 2018 - 18:31

Habermas ist wohl der letzte, der mit diesen
spinnerten Ideen ein Europa schmieden könnte, das sich dann noch demokratisch nennen dürfte.
Wenn er von "Eliten" schwafelt, die mit ihrem größeren geistigen Horizont (?) den trägen
Bürgern voranschreiten müßten, so hat das gar
n i c h t s mehr zu tun mit den Kerngedanken einer
Demokratie. Es ist viel mehr das pure Gegenteil davon.
Realistische Politik ist die einzige, die langfristig
Aussicht auf Erfolg hat und vernünftig ist.
Das heißt: Fragt die Völker, was s i e wollen!
Nicht: Fragt Habermas oder Macron!

Ich kann nur immer wieder an alle Politiker in Europa appellieren:
Schüttet den Menschen klaren Wein ein über die
möglichen Folgen ihres Handelns, aber laßt sie
um Himmels willen selber e n t s c h e i d e n , was
geschehen soll.
In der Schweiz geht das doch auch!

Karin Zeitz | Mo, 9. Juli 2018 - 19:13

sollten das deutsche Sprichwort beherzigen: “Schuster bleib bei deinen Leisten“. Visionen über eine schöne Zukunft sind die eine Seite, Reflexionen über wirtschaftspolitische Erfordernisse aber sollten Philosophen den Wirtschaftswissenschaftlern überlassen. Im Übrigen erinnert mich das habermassche Statement an die DDR, in der auch Anforderungen an die Menschen formuliert worden sind, nämlich an den sozialistischen Menschen. Das Ergebnis der Bemühungen ist bekannt - die Menschen sind geblieben wie sie schon immer waren.

Bernhard K. Kopp | Mo, 9. Juli 2018 - 19:42

Dank an den Autor für seine Skepsis. Die Rolle, die Habermas 'den Eliten = Juncker, Tusk, Oettinger, uvam.' zuspricht führt geradewegs in den Eliten-Faschismus, die Eurokraten-Diktatur, die viele der EU-Lyriker gerne hätten. Seine Missachtung für demokratische Willensbildung von unten nach oben, seine Missachtung von demokratischer Legitimität, parlamentarischer Repräsentanz und parlamantarischer Kontrolle ist geradezu verstörend. Seine Vorstellung von Universalismus ist kaum diskussionswürdig. Es gibt keine universalistische Demokratie, keinen universalistischen Rechtsstaat, keinen universalistischen Sozialstaat. Universalismus, Kosmopolismus ist nur ein intellektuelles Lebensgefühl oberhalb jeder politischen und sozialen Realität.

Gisela Fimiani | Mo, 9. Juli 2018 - 19:55

Anmerkungen:
Habermas war nie ein Vertreter einer Demokratie der Freiheitsrechte des Einzelnen. Seine intellektuelle Eitelkeit, seine unverständliche, aber überaus eindrucksvolle, gelehrte, kunstvolle Sprache, macht es geradezu unmöglich, ihn mit Vernunft herauszufordern und ihm nachzuweisen, wieviel Unsinn sich in seiner Philosophie befindet, wie sehr auch er im Trüben fischt. Seine Popularität verdankt sich dem Zeitgeist, den er mit seiner kollektivistischen Philosophie getroffen hat. Deshalb spielt nicht nur der Einzelne keine Rolle, sondern auch seine katastrophale Unkenntnis wirtschaftlicher Zusammenhäge, läßt jegliche Rationalität vermissen. Hier erleben wir eine professorale intellektuelle Überhebung, die,aus Verliebtheit in die eigenen Gedanken, zu keinerlei Selbstzweifeln mehr im Stande ist. Glücklichlicherweise gibt es in dieser Zunft auch die Tugend der Demut.

Norbert Heyer | Mo, 9. Juli 2018 - 20:22

Herr Habermas zeigt die unerträgliche Arroganz der sogenannten Eliten. Demokratie nur als Trittbrett zur Durchsetzung der dem Kapital dienenden Ziele. Langsam fallen die Masken ...

Martin Arndt | Mo, 9. Juli 2018 - 21:11

Nur eine Frage: Sind Sie sicher, dass der deutsche Aussenminister den doch immer sprachlich u. gedanklich anspruchsvollen Philosophieprofessor überhaupt verstanden hat? Man müsste es testen (können), denn er ist ja auch für deutsche Kulturpolitik im Ausland zuständig.

Dimitri Gales | Mo, 9. Juli 2018 - 21:38

Macron. Heute hielt der Präsident mal wieder Hof im Schloss von Versailles, hielt eine überlange Rede, die natürlich sogleich von der Opposition, vor allem von Le Pen, zerpflückt wurde. Macron als europäischer Führer, als Motor? Er soll erst einmal sein Land in Ordnung bringen. Die überwältigende Mehrheit der Franzosen findet die Politik Macrons ungerecht, selbstherrlich, antisozial und so weiter.
Die Eliten haben Brüssel-Europa bisher beherrscht. Das Resultat ist beeindruckend: die ursprünglich gute Idee, die von Politikern der Nachkriegszeit konzipierte Europaidee, ist gänzlich von der Wirtschaft vereinnahmt worden - eben Dank der in Brüssel zahllosen Lobbys und pressure groups. Die "Eliten" haben ganze Arbeit geleistet. Ein Europa der Bürger gibt es nicht, da kann Habermas so viel phantasieren und theoretisieren wie er will, es wird nichts mit dem Luftschluss "vereinigtes Europa".

Bernd Fischer | Mo, 9. Juli 2018 - 22:48

Ziat : Schon 2013 beklagte Habermas, dass „eine unsäglich merkelfromme Medienlandschaft alle Beteiligten darin bestärkt, das heiße Eisen der Europapolitik im Wahlkampf nicht anzufassen und Merkels clever-böses Spiel der Dethematisierung mitzuspielen“. Habermas ging in jenem Jahr sogar so weit, der „Alternative für Deutschland“ einen Wahlerfolg zu wünschen: „Ich hoffe, dass es ihr gelingt, die anderen Parteien zu nötigen, ihre europapolitischen Tarnkappen abzustreifen. Dann könnte sich nach der Bundestagswahl die Chance ergeben, dass sich für den fälligen ersten Schritt eine ‚ganz große‘ Koalition abzeichnet.“ Zitatende:
Was auch eintraf, die alten Frauen und Männer mit ihren "Willigen" durften weitermachen.
PS: Tarnkappen werden derzeit in den jeweiligen Kantinen der Parlamente """der führenden"""EU-Nationen zum Nulltarif verteilt.
Auch die Phrasen( Blasen ) Schreiber in den Parlamenten von der BRD und Frankreich haben gerade Hochkonjunktur.
Na dann, weiter so.

Tomas Poth | Mo, 9. Juli 2018 - 22:55

Na immerhin spricht man dieselbe Sprache um sich zu verständigen, um das Erwirtschafte soweit es denn gerecht geht auch so zu verteilen.
"Zielstrebige Anpassung im 19. Jahrhundert durch die Eliten" Sind damit die ganzen europäischen Kriege seit Napoleon gemeint?
Wie kann man so geschichtsvergessen argumentieren?
Aber es ging ja nur um eine Preisverleihung, da darf dann schon mal ein bißchen Gaga gesprochen werden, zur Selbstbeweihräucherung im Kreise der sogenannten Eliten.

Markus Michaelis | Di, 10. Juli 2018 - 03:03

Ein für mich in den heutigen Debatten und auch hier bei Habermas auftauchender Begriff ist "Universalismus". Es ist oft so eine Art letzte Begründung für das eigene Handeln (bei zur Zeit "progressiven" Gruppen). Ich denke, dass es sich lohnt diesen Begriff einmal sehr kritisch in seinen verschiedenen Bestandteilen, Impliklationen und Widersprüchen in sich und zur Realität zu untersuchen.

Ich glaube jedenfalls, dass sich Universalismus wie alle letzten Wahrheiten leicht für unschöne Dinge missbrauchen lässt.

Renate Brunner | Di, 10. Juli 2018 - 06:51

ein linksideologischer Philosoph, was will man schon erwarten. Er lobt Macron für seine Umverteilungsabsichten. Dazu fällt mir nur Johann Wolfgang von Goethe ein, Faust:
Nach Golde drängt,
Am Golde hängt
Doch alles. Ach wir Armen!

ALLES was nicht linksgerichtetes Denken und Handeln ist, ist reaktionärer Nationalismus, Lichtjahre entfernt vom "Universalismus" (?), ist es so? Ich denke, dass ist der Irrtum (tiefliegende Fehleinschätzunten) schlechthin und ein fataler politischer Fehler - aus vielen berechtigen Gründen und Ursachen.

Thorsten Rosché | Di, 10. Juli 2018 - 08:43

Diese Reden erreichen den Bürger etwa so, wie Botschaften aus fernen Galaxien - nämlich gar nicht.
Was da im erlauchten Kreis an "Lebenswerken" mit Standing Ovationen gefeiert interessiert noch in den Niederungen der Werktätigen keinen Menschen. Und Macron ist bisher nur in Erscheinung getreten, als legitimer Nachfolger von diversen französischen Sonnenkönigen. Die Wahl im nächsten Jahr wird zeigen, wie die Bürger die EU bewerten. Und das Publikum, mich wundert das sie im Durchschnittsalter von Metusalem überhaupt noch in der Lage sind im Stehen zu Standing Ovationen. Okay - ich muss jetzt arbeiten...........

Eduard Milke | Di, 10. Juli 2018 - 09:04

Und das ist genau der Grund warum die AFD aktuell bei 17,5 % (Quelle: INSA) und damit jetzt endlich VOR der SPD steht.
Völlig fernab jeglicher Realität werden unter den sog. "etablierten-Zeigefinger-Moralaposteln" Reden gehalten und dem deutschen, steuerzahlenden Bürger suggeriert wie die Welt zu funktionieren hat. Und das Staatsfernsehen (oder ja mittlerweile bekannt als der "Schwarze Kanal") versucht noch die letzten zu erreichen, die nicht selbstständig Denken können oder wollen.
Lediglich eine Rede des "Bundespräsidenten" fehlte mir noch bei dieser Vorstellung. Denn er kennt sich ja im Leben aus, da er ja auf Steuerzahlerkosten in einem weißen Schloss wohnt und auf roten Teppichen läuft.

Welche Leistungen hat er eigentlich vorzuweisen? Oder ist das Amt anders legitimiert? Eventuell durch Charisma? Seine Reden lassen die Zeit unendlich erscheinen.

Wolfgang Schneider | Di, 10. Juli 2018 - 09:48

Was soll man denn von einem Festredner, der auch der Preisträger des "Großen Deutsch-Französischem Medienpreises" ist, verliehen im ZDF Hauptstadtstudio, erwarten? In diesem Kontext werden doch entsprechende Meinungsäußerungen im Sinne der EU-politischen Absichten unserer Regierung erwartet. Er hat bloß geliefert.

Paul J. Meier | Di, 10. Juli 2018 - 11:17

Das passt zu Maas, der ja nach eigenem Bekunden wegen des Holocaust in die Politik gegangen ist und alles was irgendwie "rechts" erscheint verabscheut und bekämpft wie der Teufel das Weihwasser. Sehr erfolgreich ist er dabei aber nicht, wie man sieht:
1998 hatte die SPD über 40% Stimmenanteile, rechte Parteien lagen bei unter 2%. Stand heute liegt die SPD, jedenfalls bei INSA bei 17%, die AFD bei 17,5%. 2038?
Ich hatte einmal das Vergnügen mit einem Alt-68er, dazu noch Psychoanalytiker, diskutieren zu müssen! U.a. Habermas, Adorno, Positivismusstreit etc. So etwas von bornierter Selbstgefälligkeit kann man sich kaum vorstellen. Selbst faktisch widerlegte Behauptungen wiederholte er nach geraumer Zeit wie eine Gebetsmühle. Das ist wohl das Hauptproblem dieser Klientel, die Synapsen sind wie einbetoniert, belehrungsresistent und vollkommen unflexibel. Tonangebende Eliten! Das ist Diktatur und Leute wie Maas sind alles nur nicht elitär!

Jo Steiner | Di, 10. Juli 2018 - 12:01

Wo bitte sind denn die Eliten, Herr Habermass, ich sehe keine. Ich sehe nur machtgeile selbstverliebte Typen, die ihren eigenen Vorteil pflegen. Und denen soll ich nachlaufen ???

Ralf Altmeister | Di, 10. Juli 2018 - 12:08

Habermas plädiert für eine Vergemeinschaftung von gut funktionierenden Wirtschafts- und Sozialsystemen mit defizitären Strukturen. Dies hat bisher immer dazu geführt, dass, wegen der Rettung des Defizitären, die ehemals gut wirtschaftenden Einheiten nicht genug eigene Mittel für ihre Weiterentwicklung behalten konnten und selbst defizitär wurden, während die Misswirtschaft bis zum bitteren Ende am Leben erhalten wurde. Schlußendlich ging alles unter. Das historische Schicksal des Ostblockes mit ca. 300 Mio Bürgern ist bekannt. In dieser Konstellation an einen größeren globalen Einfluss und eine goldene Zukunft eines zwangsvereinigten Europas zu glauben ist schlichtweg naiv.
Wie kommen eigentlich solche hoch entwickelten Länder wie Südkorea, Schweiz, Kanada, Israel, Australien, Neuseeland, Singapur und Japan ohne Staatenbund und Währungsunion zurecht ?

Petra Führmann | Di, 10. Juli 2018 - 12:09

zustimmen, wenn es denn wirklich eine wäre, Leute also, die weise sind und nur Gutes, das Beste für die Bevölkerung wollen und tun. Sofern es aber bisher eine "Elite" gab, also einen oder wenige, die das Sagen haben, hat es noch immer das Gegenteil bewirkt. Was ich hier lese, also den Artikel, sehe ich bestenfalls als Habermas' Privatmeinung; den Kommentaren schließe ich mich dagegen an.

Andreas Thomsen | Di, 10. Juli 2018 - 12:35

Der deutsche Nationalstaat ist im 19. Jhrhundert nicht von "den Eliten" 1848 in der Frankfurter Paulskirche durch die Revolution von 1848 und die folgenden Bürgerkriege in Südwestdeutschland bis 1849 geschaffen worden, sondern mittels des von Bismarck provozierten deutsch-französischen Krieges, also letztlich mit Hilfe des preußischen Militärs.

Hat Habermas das schon vergessen?

Davon abgesehen finde ich es beunruhigend, wie historisch einmalige Vorgänge wie die Entstehung des deutschen Kaiserreiches oder des italienischen Königreiches einfach so als Blaupause für die Gründung eines vereinigten Europas hergenommen werden. Das war übrigens auch schon so beim Narrativ von der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, die man so mit dem deutschen Zollverein des 19. Jahrhunderts verglich.

Man vergißt dabei, daß andere Nationen (z.B. Polen, Frankreich), ganz andere Narrative über ihre Entstehung haben, und deshalb die deutsche Argumentation überhaupt nicht nachvollziehen können.

Birgit Fischer | Di, 10. Juli 2018 - 13:13

Mehr Europa, mehr Umverteilung? Das kann nur ein armer Irrer fordern. Richtig ist, weniger Europa, keine Umverteilung mehr. Damit unser Wohlstand erhalten bleibt und wir endlich schweizer Niveau erreichen. Das sollten wir als Exportweltmeister längst haben. Diese BRD-Regierung betrügt uns seit Jahrzehnten um diesen Wohlstand. Andere Staaten wie Schweiz, Luxemburg, Monaco, Norwegen, Canada, Australien haben ihn, obgleich keine Exportweltmeister. Warum wohl? Genau darum! Weil sie sich um sich kümmern statt um andere.

Robin Ghosh | Di, 10. Juli 2018 - 15:04

Es ist Habermas möglicherweise nicht bewusst, aber was er fordert ist hegelianischer als ihm lieb sein kann. Die Identität soll auf ein höheres - europäisches- Niveau gehoben werden, so wie die Vernunft bei Hegel vom Volksgeist zum Weltgeist schreitet. Hegel konnte nicht wissen, wohin solche Schreitbewegungen führen können, obgleich er Napoleon als Weltgeist zu Pferde durch das eroberte Berlin reiten sah. Die Eliten des 19. Jhdts erdachten das Nationalgefühl, dessen Bankerte, Rassismus und Antisemitismus unterschätzten sie aber gröblich. Das Jahrhundert der Totalitarismen folgte. Was wird den überspannten Ideen von heute folgen? Bedenkt Habermas nicht, dass es vielleicht gelingt, die staatlichen Demokratien zu entwerten, nicht aber eine anerkannte europäische Demokratie zu etablieren? Wie werden die Reaktionsbewegungen auf das erwartbare Scheitern dann aussehen? Habermas ist kein Weltgeist zu Pferde sondern ein Weltgeist als Esel.

Jacqueline Gafner | Di, 10. Juli 2018 - 15:39

wenn die professorale Altersweisheit in folgende Erkenntnis gipfelt (Zitat):
Mit der maßgeblichen Presse im Gepäck könnte man ein solidarisches Bewusstsein mir den passenden politischen Präferenzen notfalls eben einfordern, statt wie bisher zu "unterfordern" (Ende Zitat).
Ich denke, der Mann ist Philosoph und Soziologe, tönt allerdings eher wie ein Kaninchenzüchter, der zuversichtlich ist, aus dem vorhandenen Material noch mehr und Besseres herausholen zu können, so man es nur geschickt genug anstellt. Als Kaninchen, das bedauerlicherweise noch viele Merkmale der Wildform aufweist, bedanke ich mich bestens für das Angebot, muss es - nicht zuletzt auch im Blick auf meine Nachkommenschaft - aber trotzdem ablehnen. So nicht, Herr Professor Dr. Habermas, ungeachtet Ihrer 89 Altersjahre, die augenscheinlich ihre Spuren hinterlassen haben.

Bernd Muhlack | Di, 10. Juli 2018 - 15:46

Wenn Heiko die Laudatio hält ist doch bereits der Drops gelutscht, nicht wahr? Ich erinnere mich noch sehr gut an die Laudatio seitens Christian Lindner bzgl. des Buches "Die Getriebenen" von Robin Alexander; das war eine klare Ansprache! Inzwischen ist RA ab und an bei den Talkgesprächen von Frank Maischwillner anwesend, jedoch galt er damals als Paria!
Also mit Herrn Habermas kann ich wenig anfangen, habe in meiner Sturm- und Drangzeit andere geistige "Erbrecher" gelesen und oft sogar für gut befunden; rückschauend ist das manchmal seltsam; oder auch nicht?! Ich hoffe, dass es qua political correctness nicht zu Umformulierungen unserer Denker und Dichter kommen wird; bei diversen Kinderbüchern wird ja bereits der Text auf den literarischen Scheiterhaufen geworfen,(darf ich das sagen?) aus dem Lindgrenschen Negerkönig wird ein Südseekönig etc. => was soll das, qui bono???
Im ZDF (!) lief bis Mai 2012 das philosophische Quartett: Sloterdijk, Safranski & zwei Gäste, sehr gut!

Dr. Roland Hunecke | Di, 10. Juli 2018 - 15:49

Jürgen Habermas - der hohe Priester der links-grünen Wohlstandseliten und Heiko Maas - einer seiner Ministranten. Oh Herr, schmeiß Hirn ra!

Beate Maier | Di, 10. Juli 2018 - 16:11

Habermas hat seinen früher einmal geforderten "repressionsfreien Dialog" selbst verraten, indem er das konservativ-rechte Lager denunziert und geradezu gehässig verfolgt. Nur wer seine ideologischen Positionen teilt, kann offenbar mit seiner Dialogbereitschaft rechnen. Das ist eines Philosophen unwürdig! Ich freue mich, dass im CICERO dieses Denkmal endlich angegriffen wird.

ferdinand Amberger | Di, 10. Juli 2018 - 17:32

Herr habermass hats ja gut ,meine Enkel zahlen und nicht der Weise Alte!

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