Dostojewski-Denkmal
Zeitströmungen im Blick gehabt: Dostojewski-Denkmal in Dresden / dpa

200. Geburtstag Dostojewskis - Dokumentarist der Moderne

Wie kaum ein anderer Autor griff Fjodor Dostojewski die Verwerfungen seiner Zeit auf, die Spannungen zwischen Konservativen und Progressiven, Adel, Bürgertum und Intellektuellen, Religion und Moderne, Industrialisierung und ländlichen Traditionen. Entsprechend hatte er ein feines Gespür für die kulturellen und ideologischen Strömungen seiner Zeit und ihre grausamen Konsequenzen.

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Er gilt als einer der ganz großen Autoren der Weltliteratur. Wir verdanken ihm Werke wie „Schuld und Sühne“ („Verbrechen und Strafe“), „Die Dämonen“ oder „Die Brüder Karamasow“. Sein Leben war gekennzeichnet von höchsten Höhen und tiefstem Fall. Er war Salonlöwe und Internierter eines Arbeitslagers, Revolutionär und Reaktionär, Atheist und großer Frömmler: Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Heute vor 200 Jahren wurde er in Moskau geboren.

Sein überragender Ruf als Weltromancier, sein unglaublicher Erfolg und die ungeheuerliche Wirkung, die er im 19. und 20. Jahrhundert entfaltet hat, trüben jedoch mitunter den Blick auf sein Werk. Wie bei vielen Künstlern, so gibt es auch in diesem Fall nicht nur den einen Dostojewski, den Titanen der Literatur und russischen Nationalheiligen, sondern ziemlich viele, höchst unterschiedliche Dostojewskis. Das liegt zum Teil in seiner Biografie begründet, aber nicht nur.

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Tomas Poth | Do, 11. November 2021 - 13:26

War ein Schreiber der menschlichen Brüche, der Ambivalenz, des Bösen und Guten daß in allen schlummert, und das in einer beeindruckenden bis beklemmenden Sprache und Nähe zu den beschriebenen Charakteren.

Karl-Heinz Weiß | Do, 11. November 2021 - 13:42

Eine sehr anregende Lebensbeschreibung. Wir leben in der Post-Moderne: im Putin-Russland hätte er keine Chance auf Rehabilitierung.

Wolfgang Tröbner | Do, 11. November 2021 - 13:57

Dostojewski noch heute ist, zeigt der Satz "Die Toleranz wird ein solches Niveau erreichen, dass intelligenten Menschen das Denken verboten wird, um Idioten nicht zu beleidigen". Beschreibt er nicht die heutigen Zustände?

Dostojewski sagte auch: „Bevor ihr den Menschen predigt, wie sie sein sollen, zeigt es ihnen an euch selbst.“
Wäre doch ein guter Spruch, für die grüne Regierungsbank!

Dostojewski- lange her das ich die "Die Brüder Karamasow" las.
Muss mal in meiner Bücherkiste auf dem Boden wühlen. Der Winter ist die Zeit des lesens. Danke Herr Grau für interessante Einblicke in die Biographie.

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