Links Gemälde mit drei nackten Figuren, rechts Porträt eines Mannes; Personen unbekannt. Foto und Gemälde.
Alberich, der erste Kapitalist, raubt den Rheintöchtern das Rheingold (Gemälde von Hans Makart, 1883) / picture-alliance / akg-images | akg-images

150 Jahre „Ring des Nibelungen“ - Am Ende steht der Weltenbrand

Vor 150 Jahren wurde Wagners „Ring“ uraufgeführt. Der Opernzyklus ist keine verstaubte Germanenklamotte. Er handelt von Kapital, Macht und einer Ordnung, die an ihren eigenen Gesetzen zugrunde geht. Eine hochaktuelle Parabel.

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Zuletzt erschien von ihm „Die Zukunft des Protestantismus“ bei Claudius.

So erreichen Sie Alexander Grau:

Er ist einer der gewaltigsten Opernzyklen der Musikliteratur: Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Uraufgeführt vor 150 Jahren, am 13. August 1876. Insgesamt vier Opern mit einer Gesamtdauer von etwa 15 Stunden. Ein Drama um Eigentum, Recht, Neid, Liebe und Geltungswahn. Ein Kampf zwischen Fabelwesen, Menschen und Göttern, der schließlich in einem gewaltigen Flammenmeer endet.

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Martin | Sa., 15. August 2026 - 12:49

Beitrag für mich, da ich den Ring über mehrere Jahre in der Kölner Philharmonie mit großartiger Besetzung der Positionen, Kent Nagano und Orchestern aus Köln und Dresden erlebt habe. Im Juni zuletzt den letzten Teil.
Ich sehe den Inhalt allerdings sehr viel positiver: am Ende sind Götter und Helden tot- übrig bleibt der ( schwache?) Mensch. Das sehe ich eher positiv!

Walter Bühler | Sa., 15. August 2026 - 13:20

... Wagners nie viel anfangen können.

In meiner Jugend kannte ich nur Wagner-Verehrer aus den großen düsteren Villen der Zeit um 1900, die mich biederen Handwerkerssohn nicht besonders beeindrucken konnten.

Ich liebe Alte Musik und Volksmusik, weil sie mir als Individuum noch einen Zugang gewährt, während Wagners Musik mich einfach nur überwältigen will: so ne Art Techno für Spießbürger aus Neuschwanstein.

Inzwischen habe ich auch Menschen kennengelernt, die nicht zu diesen Neuschwanstein-Spießern gehören, und trotzdem mit Wagners Musik was anfangen können. Aber meine Abneigung gegen den musikalischen Lärm ist geblieben.

Germanische Mythologie war mir immer fremd, lieber Herr Grau, und ich bin halt etwas nüchtern veranlagt. Wallfahrer zum Hügel wirken auf mich etwas lächerlich.

Aber ja - De gustibus non est disputandum.

Nix für ungut.

Ich halte es für unfair und ahistorisch, über historische Gestalten (Personen) MORALISCHE Urteile zu fällen, wenn diese Urteile auf Tatsachen beruhen, die erst NACH dem Tod der betreffenden Person stattgefunden haben.

Es ist in meinen Augen daher Unsinn, in den Grabstein "Richard Wagner" eine moralische Schuld an Auschwitz zusätzlich einzumeißeln. Ja, er hat krude Bilder der Apokalypse entworfen, - aber er hat Auschwitz NICHT organisiert.

Legitim ist es dagegen zu prüfen, ob, wie und warum sich gewisse Ideen Wagners bei den Planern und Tätern in Auschwitz ausgewirkt haben. Die Wirkungsgeschichte konkreter Ideen oder Ideologien muss erforscht werden, und man muss für die ZUKUNFT daraus politische Konsequenzen ziehen.
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Sonst: Geschmackssache:

"Nun zäume dein Ross, reisige Maid!
Bald entbrennt brünstiger Streit:
Brünnhilde stürme zum Kampf,
dem Wälsung kiese sie Sieg!
Hunding wähle sich, wem er gehört;
nach Walhall taugt er mir nicht.
Drum rüstig und rasch, reite zur Wal! .."

Martin | So., 16. August 2026 - 11:30

Antwort auf von Walter Bühler

Ich schreibe ungern meinen vollständigen Namen, seit mich hier der berühmte berüchtigte"frühling "angemacht hatte.

Klaus Funke | Sa., 15. August 2026 - 13:56

Und die sagen unisono, Wagner sei musikalisch nicht viel wert. Allen voran Clara Schumann. Sie hasste Wagner geradezu. Auch Brahms und Robert Schumann mochten den "schnupfenden Gnom" nicht - wie ihn Thomas Mann einmal nannte. Rein äußerlich ein Zwerg mit übergroßer Nase. Ein Mann, der immer besonders scharf auf anderer Männer Weiber war, der mit Cosima im Bette lag, während ihr "noch" Ehemann Hans von Bülow "Die Meistersinger" dirigierte, ein Mann der den unreifen Schwärmer Ludwig II. schamlos ausnahm, das bayrische Staatsvermögen plünderte, kurz, ein Unsympath. Sein "Ring" wird auch hier im CICERO (von Herrn Grau) überinterpretiert, da wird in diese Germanenschmalzoper hineingeheimnisst, was sie gar nicht hergibt, nur um die Berechtigung abzuleiten, dass dieser Schwulst heute noch aufgeführt werden sollte. Nein, wer Wagners Musik liebt, hat einfach keinen Geschmack. Das ist Musik für unreife Machos. Ja, Machomusik. Grauenhaft. Übelster Schwachsinn. Mir wird übel davon.

Michael Marx | So., 16. August 2026 - 22:17

Zugegeben: Oper ist etwas für Spezialisten, und da ist Wagner nicht der erste, der mit seinem Werk die Sinnfrage, die Frage nach der Berechtigung dieser Kunstform herausfordert.
Akzeptiert man die Oper als Kunstform (wozu niemand gezwungen wird - im Gegensatze etwa zur Verwendung von Wasser, der niemand entgehen kann), dann muß man sich mit den Regeln, den Gepflogenheiten dieser Kunstform zurechtfinden und schauen, was man daraus machen (will und wenn, dann:) kann.
Und da kann man nicht umhin, Richard Wagner zuzugestehen, daß er aus der Kunstform OPER denn doch einiges herausgeholt hat.
Unabhängig von dieser eher theoretischen Betrachtungsweise: mir gefallen die Meistersinger, der Holländer, Tristan, Siegfried, das Rheingold (Reihung willkürlich, ohne Wertung), und wenn man mich für verrückt (zu welchem Grade auch immer) oder Spinner erklärt - damit kann ich leben und ich freue mich, wenn ich die Möglichkeit geboten bekomme, derartiges als Aufführung zu erleben.