Michel Foucault
Der anerkannte Philosoph: Michel Foucault mit 60 Jahren in seinem Arbeitszimmer / Foto: Sophie Bassouls/Bridgeman Images

100. Geburtstag von Michel Foucault - Die rote Pille

Vor hundert Jahren wurde Michel Foucault geboren. Bis heute untergräbt sein Werk die vermeintlichen Gewissheiten unserer Gesellschaft. Wer war dieser Eigenbrötler und „Mikrophysiker der Macht“ – und warum sind seine Analysen von Wahrheit, Kontrolle und gesellschaftlicher Disziplin heute aktuell?

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Zuletzt erschien von ihm „Die Zukunft des Protestantismus“ bei Claudius.

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In dem Film „Matrix“ der Brüder Wachowski wird erzählt, wie die Menschen in einer computergenerierten Scheinwelt leben – besagter Matrix. In einer Schlüsselszene stellt Morpheus, der Anführer einer menschlichen Widerstandsgruppe, den Helden Neo vor die Wahl: Schluckt er eine blaue Pille, kehrt er wieder zurück in die Scheinwelt unserer vermeintlichen Realität, in die Matrix. Nimmt er jedoch eine rote Pille, gibt es kein Zurück mehr und er wird die Wahrheit über die Matrix erfahren.

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Rainer Mrochen | So., 13. September 2026 - 13:42

"Für Foucault gibt es nur eine Instanz, die sich der Macht der Diskurse entgegenstemmen kann: das Individuum." Diese Sichtweise ist In der heutigen, globalistisch angestrebten Gleichmacherei des Individuums, zu dessen Auslöschung, absolut berechtigte, notwendige und dem Hedonismus der totalen Selbstverwirklichung angemessene Vorgehensweise. Siehe auch Max Stirner: "Der Einzige und sein Eigentum." Foucault ist so umstritten wie Philosophie überhaupt. Leben geht weiter.

Thorwald Franke | So., 13. September 2026 - 14:54

Der Artikel versucht Werbung zu machen für Foucault, weil er analysieren hilft. Doch Foucault hat die Analyse vernebelt. Er hat die Begriffe verbogen. Vernunft ist keine Vernunft mehr, Wahrheit keine Wahrheit mehr. Das schadet unendlich mehr, als es nützt. Deshalb ist Foucault einer jener Denker, die nur dadurch nützen, dass sie herausfordern. Man denken an Karl Marx und die Ökonomie: Was nützt Marx für die Ökonomie? Nicht wirklich viel.

massgeblich gewesen sein, in dem es annhähernd heisst, "Man muss noch genug Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können"
WAS FÜR EINE SPRACHE
Das ist aber Vernunft, wenn man diese nicht "linear" denkt, sondern "dialektisch"?
Wenn wir hier aber über Vernunft sprechen, dann will ich die tiefen Wunden nicht verdecken, die ihre Überlegungen auch geschlagen haben.
Ich "ermittele" nicht verdeckt, aber sehr sehr vorsichtig...
ABER, "Der Schlaf der Vernunft" dürfte nach Goya nicht die Lösung sein, denke ich mal.
Das kann man auch in Umberto Ecos Buch "Der Name der Rose" sehen.
Wenn von jeher nach den Frauen gerufen wurde, dann sind wir eventuell mittlerweile so zivilisiert und weitsichtig, sie "unbehelligt" walten zu lassen?

Dorothee Sehrt-Irrek | So., 13. September 2026 - 14:57

Würdigung eines der größten Denker der Moderne, Michel Foucault.
RIP
Dennoch wage ich es, einen "Randaspekt" aufzugreifen, da ich das gar nicht wußte,
Foucault unternahm Selbstmordversuche während er Student der ENS war?
Okay, das muss mit den Schulen selbst nichts zu tun haben, aber hat da mal jemand überlegt in Richtung sexuellen Missbrauchs, dem Foucault in seiner Kindheit oder Jugend ausgesetzt gewesen sein könnte?
Goyas Werk würde ich zudem eher als einen Schrei nach der Vernunft sehen und dann wäre es kein Wunder, dass Nietzsche zu einer "Offenbarung" für Foucault wurde, vielleicht sogar mit seinem meines Erachtens bedeutendsten Werk "Also sprach Zarasthustra"?
Nietzsche ruft an die Ewigkeit.
Das ist nicht weniger Vernunft, das ist mehr.
Dass ich zu einer Zeit leben durfte, in der es solche Künstler des Denkens gab wie Michel Foucault, aber auch noch Albert Camus ff, das macht mich doch sehr glücklich.

Johannes | So., 13. September 2026 - 22:20

in der Uni. Gleichzeitig waren fast alle linksradikal ideologisch.
Nach diesem Artikel habe ich ihn auch ein bisschen verstanden.
Vielen Dank dafür

Brigitte Miller | Mo., 14. September 2026 - 09:28

war für viele die rote Pille.
Auch für mich, obwohl ich mich schon vorher in der Realität wähnte.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 14. September 2026 - 13:10

Antwort auf von Brigitte Miller

ob mit oder ohne "Pille", war das die Realität?
Ich bin nicht sicher und möchte deshalb genauere Untersuchungen.
Nur bei schweren Verfehlungen kann Abgeordneten die Immunität entzogen werden und ich hoffe sehr, dass wir nicht in diese Gefilde kommen.
Denn...obschon nicht unproblematisch, könnte diese Impfung ein medizinischer Glücksfall gewesen sein.
Das rechtfertigt m.E. nicht die Vorgehensweise, aber ich möchte möglichst bald wieder zu seriöser medizinischer Forschung in diesen Bereichen.
Wenn man sich fragt, warum China eventuell an Gain-of-Function-Forschung interessiert war oder ist, muss man vielleicht in die Zeit der japanischen Besetzung Chinas schauen?
Warum das eventuell Staaten nutzen, in denen diese Forschung verboten ist, sollen sie bitte selbst erklären.

Hans-Hasso Stamer | Mo., 14. September 2026 - 12:29

Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, hält Faucault den Wahrheitsbegriff für Definitionssache und gib damit den Hütern des (derzeit linken) Diskurses er so richtig Macht. Es kann aber immer nur um die Beschreibung der Wahrheit gehen, die selbstverständlich von den Begriffen, mit denen sie erfolgt, abhängig ist. Die Wahrheit selbst ist es nicht.
Es gab in der DDR einen wunderbaren Satz, der sich über die Zeit des Sozialismus hinaus in allen Phasen meines Lebens immer wieder bestätigt hat:

„Das Kriterium der Wahrheit ist die Praxis.“

Ohne diesen Satz würde keine Rakete von SpaceX fliegen, geschweige denn, zurückkehren. Auch nur ein geringer Fehler in den Berechnungen dermTreibstoffenergie würde sie unweigerlich zum Absturz bringen.

Es kann nur den Hirnen von Philosophen und Gesellschaftswissenschaftlern entsprungen sein, dass die Wahrheit im Sinne des Konstruktivismus Definitionssache sei. Sie ist es nicht, nur die menschliche Beschreibung der Wahrheit ist Definitionsache.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 14. September 2026 - 12:59

Antwort auf von Hans-Hasso Stamer

und Sie glauben wirklich, ein großer Philosoph hätte das ganz anders gesehen?
Ich las die "Ordnung der Dinge" und dachte, wow, die Welt ist geordnet.
Nicht so, dass Foucault darin sich hätte bestätigen können, aber wer weiss?
Ich wußte nichts von den Selbstmordversuchen, gehe aber nicht davon aus, dass dafür in den Kreisen, in denen Foucault sich bewegte, seine "Homosexualität" ausschlaggebend gewesen sein könnte.
Nein, für mich war Foucault ein verdeckt ermittelnder Aufklärer, wie weiland Nietzsche, was aber zu Missverständnissen geführt haben könnte in bestimmten Kreisen, von denen man nur hoffen kann, dass sie nicht einfach nur lasen, was sie lesen wollten.
Unter der Voraussetzung einer "Ewigkeit" konnte Foucault sich vlt. selbst nicht finden, vorfinden aber schon.
Ich habe Jahrzehnte darüber nachgedacht und komme bislang nur auf die realen schwarzen Löcher.
Es dauert vielleicht lange im Universum, bis sich kosmische Modifikationen zuordnen?
Wir sind weit entfernt von Gewissheiten?

des Vorhandenseins und der Idee der Ewigkeit dann auch "Sexualität und Wahrheit"?
Diese Verknüpfung setzt erst in der Moderne an?
Für viele Kulturen gibt es dieses Band gar nicht oder nur als zu Überwindendes, mindestens Einzu-Ordnendes?
Gleichzeitig ordnet Sexualität unsere Lebenszusammenhänge.
Ich glaube nicht, dass Foucault auf die Idee gekommen wäre, seine Sexualität als reines Konstrukt seines Willens zu begreifen.
Würde er nicht heute fragen, warum Sexualität derart in eine Welt als "Wille und Vorstellung" genommen würde, obwohl sie, wenn nicht vorausliegend, so doch existenziell gedacht werden muss?
Mir ist viel daran gelegen, wenn es nicht mehr so einfach ist, sich hinter Foucault zu "verstecken", sondern je eigene Beiträge zum Beispiel zur "Sexualität und Normativität" geleistet werden müssen.
Ich glaube nicht, dass Marx oder Nietzsche zu Gewalt aufgerufen hätten oder Foucault zu Repression...
In ihrem Namen trauen sich das aber Leute zu?
Erkläre dich selbst und ver/antworte

evtl. als solche zur Tradition der Vernunft gesehen haben, könnte Schopenhauer stilbildend für sie gewesen sein?
Den kenne ich leider nicht, entnehme aber dem Wikibeitrag, dass dessen Philosophie des Willens und auch Begehrens jedenfalls keine der subjektiven Willkür wäre.
Zudem müßten auch die je zu verwerfenden Ordnungszusammenhänge der Welt ihren Sinn haben?
Der Wille nach Schopenhauer wäre Kants "Ding an sich"?
Der Grad dieser Objektivität in der Welt wäre gebunden an unsere Fähigkeit, unseren subjektiven Willen zu "überwinden"?
Vielleicht sieht Foucault in allen bisherigen Ordnungen die Unfähigkeit zu dieser ohne Gewalt und Verzerrung waltenden Lebensform aufzuschliessen?
Ich habe viel übrig für so eine Sicht auf das Leben, es geschehe, was will...
Das ist vlt. nur eine Abwandlung zum Gebet der Christen:
Vater unser im Himmel....
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.

Es ist m.E. ein Fehler, Werke nur als Handlungsanweisungen zu lesen und den Schmerz zu überlesen.