Zum Tag der Deutschen Einheit - „Wir sind noch nicht am Ende des Weges“

Auch 27 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung ist der Ost-West-Konflikt in aller Munde. Die innere Einheit sei noch nicht erreicht und unsere Demokratie keine Selbstverständlichkeit, sagt der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse im Cicero-Gespräch

Wolfgang Thierse erhebt mahnend den Zeigefinger
„Die Demokratie ist gefährdet, sie ist sensibel und wir müssen sie verteidigen“ / picture alliance

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Ulrich Thiele lebt und arbeitet als Journalist in Hamburg. Er schreibt für Cicero Online.

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Herr Thierse, Sie haben die deutsche Wiedervereinigung einmal als besonders emotionalen Moment beschrieben. Wie haben Sie persönlich den 3. Oktober 1990 erlebt?
Das war in der Tat ein großer, emotionaler Moment. Das Glück der Wiedervereinigung war historisch zunächst einmal etwas ganz Unwahrscheinliches. Am Ende eines Jahres der Wunder, das mit der friedlichen Revolution, der Selbstbefreiung der Ostdeutschen begann und dann in einem ausgesprochen schnellen Prozess in der Wiedervereinigung endete. Das war ein glücklicher Moment. Aber ich habe damals schon gewusst und auch öffentlich geäußert, dass der Weg der Angleichung der Lebensverhältnisse langwierig, schmerzlich und von so manchem Konflikt begleitet sein würde.

Wie fühlen Sie sich heute, wenn Sie zurückdenken und auch den bisherigen Prozess Revue passieren lassen können?
Wir haben viel erreicht, aber der Weg ist noch nicht zu Ende. Ich hoffe sehr, dass in diesem Jahr der 3. Oktober, der ja in Mainz gefeiert wird, anders verlaufen wird als vor einem Jahr in Dresden, wo hasserfüllte Menschen die gewählten Politiker aufs Übelste beschimpft haben. Das ist erschreckend gewesen und ich hoffe, dass sich das nicht wiederholt. Die Demokratie ist ein Ort, wo man sich frei äußern kann, wo man streiten kann und soll, aber doch nach Regeln und mit Fairness – und unter Bewahrung des menschlichen Anstandes.

Aktuell ist wieder von der Spaltung des Landes die Rede, auch durch den hohen Stimmenanteil der AfD in den neuen Bundesländern. Sprechen die Wahlergebnisse gegen eine Einheit?
Das halte ich alles für unangemessen. Wir müssen nur begreifen, dass wir noch nicht am Ende des Weges sind. Die innere Einheit, wie man das nennt, ist noch nicht erreicht. Es gibt eben Unterschiede zwischen West und Ost, die wahrnehmbar sind und die manchmal auch etwas greller sind als die Unterschiede zwischen Nord und Süd, die es ja schließlich auch gibt. Die Wahlergebnisse sind ein relativer Unterschied, kein absoluter. Schließlich hat die AfD auch in Baden-Württemberg und Bayern große Erfolge erzielt, wie im Osten natürlich auch. Dass es aber diese Unterschiede gibt, hat mit der Geschichte zu tun. Der Westen hat 40 Jahre Vorsprung in Sachen Demokratieerfahrung. Die Ostdeutschen haben eine dramatische Veränderung hinter sich, eine vollständige Umwälzung, und nicht alle sind aus dieser Umwälzung als Sieger hervorgegangen. Es gibt auch die Verlierer der Einheit, die Benachteiligten oder diejenigen, die sich so fühlen.

Es sind nicht nur die sogenannten Globalisierungs- und Wiedervereinigungsverlierer, die die AfD wählen. Bekanntermaßen erhält sie auch viele Stimmen aus Akademikerkreisen.
Ja, deswegen ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass es für den AfD-Erfolg nicht nur soziale und ökonomische Ursachen gibt. Eine mindestens genauso große Rolle spielen kulturelle Faktoren. Etwa das Gefühl, das ich eine Entheimatungs-Befürchtung nenne: Durch die dramatischen Veränderungen, durch eine Welt ohne Grenzen, eine technisch-ökonomische Entwicklung, aber eben auch besonders fassbar durch die Flüchtlingsbewegung, die das Land natürlich auch verändert. Und durch die Beobachtung, dass Staat und Regierung – also Angela Merkel im Besonderen – dies alles nicht im Griff haben.

Wurden diese Sorgen nicht genügend berücksichtigt, wie es momentan oft heißt?
Es sind ja nicht nur Sorgen. Das Eigentümliche ist, dass die AfD unter anderem da besonders erfolgreich ist, wo man die Erfolge der Wiedervereinigung besonders gut sieht: Görlitz ist die schönste Stadt Deutschlands. Sie ist mit sehr viel öffentlichem und privatem Geld saniert worden, sodass sie wie ein Zauber wirkt. Aber jetzt ist die AfD dort besonders erfolgreich. Man muss wissen, dass da die ostdeutsche Geschichte mitspielt. 1990 wollte noch eine Mehrheit der Ostdeutschen richtig an die Versprechungen von Helmut Kohl glauben, dass die blühenden Landschaften schnell kommen und dass das ohne Schmerzen geht. Und als diese Verheißung nicht erfüllt wurde, haben sie ihre Wut ein bisschen zur SPD getragen, aber vor allem zur PDS. Jetzt tragen sie diese fast autoritäre Heilserwartung in Form von Protest- und Wutstimmen zur AfD. Das ist eine ganz eigentümliche Geschichte in Ostdeutschland, die man nur erklären kann mit den übergroßen Hoffnungen und der Heftigkeit von Enttäuschungen in den vergangenen Jahrzehnten.

Wo sehen Sie diesbezüglich politischen Handlungsbedarf?
Wir müssen weiter daran arbeiten, dass es gleiche Löhne, Gehälter und Renten gibt und dass die wirtschaftliche Entwicklung im Osten stabilisiert wird – das ist die Basis. Aber dann brauchen wir vor allem den Streit miteinander. Es muss sichtbar werden, dass die AfD die teils aggressiven Hoffnungen der Ostdeutschen nicht erfüllen kann. Ich wünsche mir, dass in den nächsten vier Jahren ein Prozess der Ernüchterung gegenüber der AfD gelingt. Damit die Wähler sehen, dass die AfD nichts für sie tun kann. Dass sie zwar die Wut, den Unmut und die Verärgerung artikulieren, aber nichts Konstruktives zur Lösung der Probleme, die viele Menschen ängstigen, beitragen kann.

Viele hoffen auf einen positiven Affekt durch den Einzug der AfD in den Bundestag insofern, als es ein Weckruf sein und so die Debattenkultur auch innerhalb der etablierten Parteien stärken könnte. Wie sehen Sie das?
Ich finde, man veredelt damit das Verhalten von Wählern. Ich glaube, die Wähler konnten wissen, wen sie wählen. Denn die AfD gibt es in den Landtagen. Dort betreibt sie Obstruktion, dort gibt es hasserfüllte Reden, auch ausländerfeindliche Reden, nationalistisch-völkische Töne. Ich bin der Überzeugung, dass die demokratischen Parteien – jedenfalls eine Mehrheit von ihnen – ein Problembewusstsein davon haben, wie groß die Herausforderungen doch sind. Allerdings hat mich erstaunt, wie Angela Merkel auf dieses dramatische Wahlergebnis reagiert und gesagt hat: „Ich muss nichts ändern an meiner Politik.“

Die Jugend von heute hat naturgemäß keine so emotionale Verknüpfung zur Deutschen Einheit wie Sie, ganz einfach, weil sie diese nicht persönlich miterlebt hat. Ist es nicht positiv, dass für sie die Ost-West-Unterscheidung nicht mehr relevant ist? Muss man der heutigen Jugend den emotionalen Kern der Einheit unbedingt vermitteln?
Ja, das halte ich für wichtig. Man muss wissen, dass Freiheit, Demokratie, deutsche und europäische Einheit nicht selbstverständlich sind. Dass sie das Ergebnis eines mühseligen Prozesses sind, einer friedlichen Revolution und erheblicher politischer Anstrengungen. Wir müssen begreifen, dass Demokratie als die politische Lebensform unserer Freiheit nicht selbstverständlich ist. Wenn man ringsum sieht, dass es auch in Europa autoritäre Regime gibt, dass man die Demokratie missbrauchen kann zu ihrer Gefährdung und ihrer Selbstaufhebung, dann sollten junge Leute wissen, wie kostbar dieser friedliche Vorgang der deutschen Wiedervereinigung war, der auch ein großer Schritt für die Einheit Europas war. Nichts ist gefährlicher, als das alles für selbstverständlich zu halten. Die Demokratie ist gefährdet, sie ist sensibel und wir müssen sie verteidigen.

Wolfgang Thierse (SPD) war von 1998 bis 2005 Präsident des Deutschen Bundestages. Vor seinem Eintritt in den Deutschen Bundestag im Jahre 1990 gehörte er der Volkskammer der DDR an.

... repräsentative Parteien-Demokratie ist, wenn alle das machen was die Merkel-CDU will!

(32% von ca. 70% Wahlbeteiligung ergo ca. 23% deren Interessen Merkel vertritt, die Interessenansprüche der Anderen gehen unter. DEMOKRATIE GEHT ANDERS!!!)

H. Lang | Di, 3. Oktober 2017 - 10:49

Ein unglaublich schwaches Interview, das zigfach publizierte (und trotzdem vielfach falsche) Allgemeinplätze über die Demokratiedefizite im Osten Deutschlands herunterleiert. Hätte man sich getrost sparen können und entspricht leider nicht dem ansonsten hohen Niveau der Beiträge auf Cicero.

Jürgen Althoff | Mi, 4. Oktober 2017 - 01:40

In reply to by Gast

hängt das Niveau des Interviews unmittelbar mit dem Niveau des Interviewten zusammen.

Günter Schaumburg | Di, 3. Oktober 2017 - 10:54

"... dass man die Demokratie missbrauchen kann
zu ihrer Gefährdung und Selbstauflösung..." (letz-
ter Absatz). Wo leben Sie denn, Herr Bundestags-
präsident i.R.? Haben sie zuviel Politik gespielt, dass Sie nichts mehr mitbekommen? Wer missbraucht denn den Bundestag, wer missachtet Gesetze und Abkommen, wer befeuert die unsäg-
lichen Attacken gegen eine zugelassene und von 6 Mio. Wählern gewollte Partei. Wären Sie doch bei Ihren Leisten geblieben...

Manfred Endrich | Di, 3. Oktober 2017 - 11:02

AfD also nun drittstärkste Kraft - einer muss darn doch schuld sein, oder ? Frau Merkel, Herr Schulz, die ganz große Koalition der Willkommenskulturellen und Abschiebeverhinderer verurteilter Vergewaltiger und Kinderschänder? Nicht doch! Es wurde bereits ein viel besserer Schuldiger gefunden: der ostdeutsche Mann! Also, alle fertigmachen für ein mehrjährige Runde der weiteren Problemverschleierung, unter dem Motto, die Ostdeutschen endlich mal richtig zu erziehen. Gleichzeitig wird die Legislaturperiode wie schon untereinander abgesprochen auf 5 Jahre verlängert, damit Grüne und FDP ausreichend lange an den Fleischtöpfen verbleiben können, um die volle Alterssicherung abzugreifen. Demokratie im Jahre 2017...

Stefan Forbrig | Di, 3. Oktober 2017 - 11:06

...hat gar nichts verstanden, was gerade in unserem Land vor sich geht. Indem er die Monstranz eines abgehängten und unzufriedenen Ostdeutschen nährt, der sich nicht devot und dankbar zeigt, gegenüber dem, was der "Westen" ihm hat angedeihen lassen. Er gibt der Spaltung zwischen Ossis un Wessis neue Nahrung. Immerhin hat er bemerkt, daß sich Frau Merkel komischerweise keiner Schuld bewusst ist. Wahrscheinlich aber nur, weil er in der SPD Ist, wäre er CDU-Mitglied, würde er Merkel genau so huldigen, wie die Altmeiers und die Taubers.
Und auch er steht verwundert, vor dem Fakt, daß die AfD in vielen westdeutschen Gegenden, wo es den Leuten gut geht, auch sehr hoch abgeschnitten hat. Wahrscheinlich muß man auch diesen Leuten noch die Demokratie nur ordentlich nahebringen, was man ja offensichtlich nicht hinbekommen hat.
Oh, wie ich dieses abgehobene Getue der angeblichen Demokraten verabscheue.
Auch nichts begriffen, Herr Thierse, setzen, durchgefallen.

Yvonne Walden | Di, 3. Oktober 2017 - 11:10

Eigentlich sollte gerade Herr Thierse als ehemaliger Präsident des Deutschen Bundestages wissen oder zumindest ahnen, daß die vielzitierte "Demokratie" auch hier in Deutschland bisher nur ein Torso ist.
Denn Selbstbestimmung ohne Teilhabe aller am wirtschaftlichen Erfolg, also Beteiligung der gesamten Bevölkerung am erwirtschafteten Sozialprodukt, ist eben auch nur eine Schein-Selbstbestimmung.
Die Sozialdemokratie hat sich seit langem von der Zielprojektion eines Demokratischen Sozialismus verabschiedet; lediglich Die Linke beabsichtigt, einen Sozialismus mit demokratischen Strukturen zu verwirklichen - wenn sie hierfür ein Mandat erhält.
Gerade auch die Menschen in den jungen Bundesländern wissen nur zu gut, daß ihnen nach der Zentralverwaltungswirtschaft eine kapitalistische Wirtschaftsform aufgezwungen wurde, sie also sozusagen "vom Regen in die Traufe" gelangt sind.
Eine wirkliche deutsche Einheit kann nur dann gelingen, wenn wir die herrschende Torso-Demokratie vervollständigen.

Rudolf Stein | Di, 3. Oktober 2017 - 11:18

Bla, bla bla. Geh nach Hause Wolfgang und erfreu Dich an Deiner üppigen Rente. Und überlass den Erwachsenen, zu entscheiden, was hierzulande nötig ist oder nicht.

Gerhard Hellriegel | Di, 3. Oktober 2017 - 11:34

"Dass sie zwar die Wut, den Unmut und die Verärgerung artikulieren, aber nichts Konstruktives zur Lösung der Probleme, die viele Menschen ängstigen, beitragen kann." Wohl wahr. Nur, was trägt die SPD denn Konstruktives bei. Und warum "ängstigen"? "Ängstigt" die Obergrenze der CSU denn auch die SPD? Warum wird also hier Ablehnung umbenannt? "... Angela Merkel auf dieses dramatische Wahlergebnis reagiert und gesagt hat: „Ich muss nichts ändern an meiner Politik.“ Und was ändert denn die SPD an ihrer Politik? Mich ärgert also, wie die Etablierten hinter der wohlfeilen Kritik an den Rechten ihre eigene Ratlosigkeit verstecken. Und mich ärgern Journalisten, die sie einfach reden lassen statt sie zu stellen.

Jürgen Althoff | Mi, 4. Oktober 2017 - 01:36

In reply to by Gast

überhaupt nicht "wohl wahr"! Was die AfD und ihre Wähler fordern, ist ganz einfach und konstruktiv: sofortige Wiederherstellung des rechtsstaatlichen status quo ante.
Mit anderen Worten: Ende des rechts- und verfassungswidrigen Zustands der offenen Grenze! Das würde schon einmal viele Bürger beruhigen. Und wenn dann auch noch die zu Unrecht Eingereisten wieder nachdrücklich nach Hause expediert würden, auch gegen den erbitterten Widerstand der Profiteure wie proAsyl und der Kirchen, und der Staat seiner Pflicht zur Sicherheit seiner Staatsbürger und zur Verteidigung unseres Grundgesetzes gegenüber islamischen Forderungen endlich wieder ernst nähme und sich einheimische Arme nicht länger gegenüber Migranten benachteiligt fühlen müssten - wäre Viel zur Beruhigung beigetragen. Und dazu brauchte es nur einen Willen, sonst nichts.

Hubert Knapp | Di, 3. Oktober 2017 - 11:46

Was Thierse natürlich dabei verschweigt, ist, daß wir vor einigen Jahren schon weiter waren - nämlich bevor eine Regierungskoalition mit maßgeblicher Beteiligung seiner Parteigenossen Deutschland von "Dunkeldeutschland" wieder aktiv abgegrenzt hat, um Kritik an einer, wie es heute zunehmend Konsens wird, fragwürdigen Politik wegzuwischen.
Statt Selbstkritik also weiterhin Selbstherrlichkeit. Die SPD ist scheinbar zum Lernen schon zu alt und auch deshalb zu recht abgewählt worden.

Torsten Ulrich | Di, 3. Oktober 2017 - 11:58

Gerade er. Mußte das sein? Mir wird wirklich schlecht. Ein Interview mit Herrn Thierse zum Tag der "deutschen" Einheit. Demokratie und er oder ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt. Demokratie und er. Ich fasse es nicht.

claudie cotet | Di, 3. Oktober 2017 - 12:00

wer hass saet,
darf sich nicht wundern, wenn er aufgeht.
besonders, wenn ein bildungs-system bewusst
auf niedriges niveau gedrueckt wird.
keine mittel fuer schulz

aber ueber-ausgestatteter polit-popanz und irrwitzig-ueberfluessige "glas-palaeste".....
von flughaefen, bahnhoefen und konzert-h
allen ganz zu schweigen....

Erich Schmidt | Di, 3. Oktober 2017 - 12:04

Der Wähler verhält sich "edel", wenn er die Parteien wählt, die schon länger im Bundestag sitzen? Die AfD sitzt in vielen Landtagen und zwar durch Wählerwillen und nichts anderes. Die schon länger dort sitzenden aus den "demokratischen Parteien" wollen das aber nicht so richtig akzeptieren und lehnen zumeist eine Zusammenarbeit ab. Herr Thierse sitzt wie alle seine Kollegen aus den "demokratischen Parteien" auf einem hohen Ross und von dieser Position will er die Wähler moralisch bevormunden. Das durchschauen sie und das haben sie zunehmend satt.

Bernhard K. Kopp | Di, 3. Oktober 2017 - 12:24

Es wird so sein, dass viele Ostdeutsche zuviel vom 'System', von Kohl, vom Staat erwartet haben. Sie haben nur langsam und teilweise verstanden, dass Wohlstand in der Marktwirtschaft fast nur aus der individuellen und kollektiven Wirtschaftsleistung kommt. Die Westdeutschen hatten dies von 1945-1975 ganz anders erfahren und hatten deshalb nie übergrosse Erwartungen an die Politik. Herr Thierse und seine Partei sollten sich darauf konzentrieren, dass sie selbst überzeugende Lösungen für mindestens 40% der Wähler anzubieten haben, und sich nicht auf Schrippen-Weggle-Niveau mit der AfD befassen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 4. Oktober 2017 - 10:11

In reply to by Gast

`Stimmenfang´.
Merkel versuchte es mit ihrem "Wir schaffen das" m.E. auch, nicht beachtend, dass eine Bevölkerung nicht gravierenden Umwälzungen zujubelt.
Weitergehende Vorstellungen der Linken und der SPD in Bezug auf die Angleichung des Osten wurden von Merkel abgelehnt, womit sie m.E. - nicht jeder ist Wirtschaftsexperte - im Westen auf Stimmenfang ging.
Das Ergebnis ist Misstrauen in Deutschland selbst und eine Angleichung auf kleinstem Nenner.
Der Westen ist verschlissen, der Osten kann seinen wiedererstehenden Reichtum nicht selbst generieren und Arbeitslosigkeit im Osten für Leute, die noch nie etwas hatten, hat noch andere Auswirkungen als im Westen.
Die anstehende Altersarmut wird gravierend sein.
Der durch die Schröder-Reformen eingesammelte Staatsreichtum hätte investiv für Deutschlands Zukunft eingesetzt werden müssen.
Jetzt wird er zur Weltrettung nicht etwa armer Staaten des N. Ostens und Afrikas eingesetzt.
Merkel macht D zum unbezahlten Welt-dienstleister

... das Denken in Systemen war den Bonzen vorbehalten. Die normalen Leute waren erfinderisch u. umtriebig, da sie die Mangelwirtschaft nicht abschaffen konnten, mussten sie lernen damit effizient umgehen (u. schadete Ihnen als AK im Westen nicht!).

Die BRD kannte vor allem Wachstum. Nach der Wende hat das polit.-kapital. System den Leuten nix mehr vormachen müssen vom besseren System und hat sukzessive bis heute den Wohlstand der breiten Bevölkerung verkleinert. Anders gesagt, die Reichen reicher gemacht. Das ging mit Kohls Steuergeschenken los und hält bis heute an. Merkwürdig das die Leute im Westen das nicht in einen Zusammenhang bringen?

Mit zu hohen Erwartungshaltungen hat das im Osten nix zu tun sondern mit einer höheren Profitrate der Unternehmen. Das stinkt die Leute an. Wie kann es sein, das bei Aldi & Co. bei gleichen Verbraucherpreisen in O wie W, die MA im Osten 1/3 weniger Lohn erhalten? ... aber die LHK etwa gleich sind.

Mathias Trostdorf | Di, 3. Oktober 2017 - 12:30

Wer nicht "Überfremdung" sagen will, denkt sich ein wonna-be cool und intellektuell klingendes Wort namens "Entheimatungs-Befürchtung" aus.
Politker-Neusprech halt. Bleibt aber dasselbe.

Rolf | Di, 3. Oktober 2017 - 13:28

Ist man in einer Demokratie dazu verpflichtet eine linksliberale, sozialdemokratische und radikal internationalistische Politik zu unterstützen? Zu sagen, alle Grenzen auf, alle Ausländer rein, und der Islam sei selbstverständlicher Teil Deutschlands? Nein, definitiv nicht! Wenn im Land Deutschland tatsächlich noch 12% national gesinnte Deutsche existieren, ist das kein Skandal, sondern eine Selbstverständlichkeit. Wer war denn im deutschen Parlament vertreten? Sozialisten/Kommunisten, linksradikale Grüne, Sozialdemokraten, und eine UNION, welche sich dem linken Lager angeglichen hat. Und nun drehen alle durch, weil mit der AfD das linke Kartell gesprengt wird, und wieder eine nationalkonservative Partei, welche von der alten UNION bis zu den Republikanern reicht, in den Bundestag einzieht. Eine Alleinherrschaft der politischen Linken, ist nicht gleichbedeutend mit Demokratie!

Manfred Gimmler | Di, 3. Oktober 2017 - 13:35

Der Mensch vollendet sein Werk nicht. Stets verläßt er es.

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 3. Oktober 2017 - 13:35

Offen und ehrlich,es reicht mir, immer wieder das "Pastorengeschwätz" - ganz gleich - immer wieder derselbe "Gutmenschenmostrich." Immer dieselbe Phrasendrescherei von Leuten, die sich im Grunde nur gerne selbst reden hören. Es ist doch eine unabwendbare Realität des Lebens, daß alle Menschen nicht alle Menschen liebhaben oder lieben. Es gibt nunmal Abneigung, Unterschiede, Abgrenzung und auch Ausgrenzung. UND? Das ist die harte Realität des Lebens. Und dann dieses ewige moralisierende Gerede von Demokratie, Freiheit...alles gut und schön. Nicht jeder zitiert jeden Tag die universellen Menschenrechte, nicht jeder hat eine Reclam-Ausgabe des GG als Vademecum bei sich. Und ich höre heute von Merkel, wir sind für die Welt verantwortlich, Globalisierung menschlich zu gestalten - was für ein hanebüchener Unsinn. Wir können uns nicht von dem, was um uns herum vorgeht abschotten. Klar, aber unsere Grenzen besser sichern, denn, Mia san Mia! Und wir wollen auch Mia bleiben!

Bernd Lehmann | Di, 3. Oktober 2017 - 13:53

Es sind keine aggressiven Hoffnungen an die AfD, sondern die ganz normale Erwartung an unsere Regierung, das sie die Grenzen und die eigenen Bürger schützt und Schaden vom deutschen Volk abwendet. Und eine illegale Invasion von Steinzeitmenschen aus wirtschaftlichen Gründen, die gleichzeitig mehr Rechte als die Ursprungsbevölkerung haben, bei gleichzeitig keinerlei erkennbarem Rückführungswillen , ist rechtswidrig und gesellschaftszerstörend. Die Um- und Ansiedlung von Millionen Moslems in Deutschland werden wir niemals akzeptieren. Schon gar nicht, weil es anscheinend überhaupt kein Ende des Wahnsinns gibt.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 3. Oktober 2017 - 14:27

Wolfgang Thierse.
Nicht nur eine Stimme der Vernunft in diesen m.E. finsteren Zeiten, sondern auch die eines Hirten.
Reinhard Höppner ist schon eine Weile tot, Regine Hildebrandt schon länger.
Ihr Wirken bleibt aber länger, wenn auch evtl. nicht so gut nachzulesen wie das Werk von Christa Wolf.
Man mußte sich m.E. nie Sorgen um die ehemalige DDR machen und jetzt m.E. mehr Sorgen um den Zustand der Politik allgemein, als um ganz sicher auch unappetitliche Äußerungen von AfD-Politikern, die aber auch Ausdruck dieser Krise und weniger alter Gespenster sind.
Seriöse, glaubhafte und auch fürsorgliche Politik wird die AfD minimieren.
Wobei ich doch einmal zu ihren Gunsten sagen möchte, dass sie von ernstzunehmenden Leuten gegründet wurde.
Sie könnte sich also auch politisch konsolidieren, wenn auch vermutlich auf niedrigem Prozent-Niveau.
Man sollte in Deutschland die Sehnsucht nach Volksparteien nicht unterschätzen.
Nicht mit allen politischen Personen kann dies gestillt werden

„Seriöse, glaubhafte und fürsorgliche Politik.......“ Was soll das denn, der fürsorgliche Staat. Die Funktionäre, die uns die Verantwortung über unser Leben abnehmen. Die für uns denken und leben und uns in Abhängigkeit erhalten. DDR 2.0 ? Nein Danke, das ist nicht mein Land. Und die Fürsorge für Millionen Zuwanderer aus dem Nahen Osten dürfen die schon hier länger wohnenden finanzieren. Bis jetzt Staatsschulden von 900 Mrd. €

Ralf Altmeister | Di, 3. Oktober 2017 - 14:35

Thierse verweist aber nur auf 40 Jahre Rückstand mit Demokratieerfahrung. Beides kann man nicht voneinander trennen.
Der Unterschied zwischen Ost- und Westbürgern besteht darin, dass erstere die Erfahrungen einer Diktatur erlebt haben, einhergehend mit all der täglichen Verkasperei unter dem Motto "der Sozialismus siegt", "überholen ohne eizuholen",
"von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen" usw.
Heute heißen die Slogans: "Die Rente ist sicher"
"Scheitert der €, dann scheitert Europa", "Der Islam gehört zu Deutschland", "Wir schaffen das", " Die Energiewende kostet uns täglich nur eine Kugel Eis"
Wir sollten damals und sollen heute fest daran glauben. Wer Zweifel äußert wurde und wird diffamiert.
Daß die Ostdeutschen mit dieser Verklapserei an die Erfahrungen der Diktatur erinnert werden und sich offen dagegen wehren, kommt nicht überraschend, Westdeutsche haben hierzu Erfahrungsrückstand.

Bis ich im Osten lebte hatte ich keine Vorstellungen davon, welche Auswirkungen die `DDR-Diktatur´ auf die dort lebenden Menschen hatte.
Mir ist nur wichtig, dass sich der jetzt m.E. verständliche Groll gegen Merkel nicht auf die gesamte Politik ausdehnt oder gar noch auf die Zeit nach ihr.
Die CDU/CSU hatte keine Politik der offenen Arme für den Osten, aber auch nicht für den Westen und Überschüsse wurden auch nicht zur Weltrettung verpflichtet.
Damit ist Merkel gut gefahren.
Die "Weltrettung" ist aber keine CDU/CSU Politik, kommt zwar Menschen zugute, aber auch denen, die das weltweite Chaos moderieren.
CDU/CSU Politik war - Kohl lasse ich aussen vor - immer auf ihre Art auf das Wohlergehen Deutschlands gerichtet, auf verlässliche Zusammenarbeit in Europa und der Welt.
Merkels Alimentierung der Welt als Verantwortung Deutschlands perpetuiert den Schuldgedanken und wurde m.E. auch so durch Medien hier flankiert.
Dass ich einmal die CDU und Deutschland schützen muss...

Torsten Knecht | Di, 3. Oktober 2017 - 14:36

... eine Vision.

Mal ehrlich, wenn Herr Thierse behauptet, das wir an den gleichen Löhnen arbeiten müssen, dann beleidigt das mein Intellekt.

Nirgendwo in ganz D. gibt es so viel Leiharbeit wie in Ostdeutschland. Das war kein historisches DDR-Erbe, genau so wenig wie die Zerschlagung der Industrie durch die Treuhand, sondern das Werk seines Parteigenossen Schröder.

Ossis kennen die Parallelgesellschaften in westdt. Städten als Arbeitsmigranten aus eigener Erfahrung. Das wollen sie im Osten ALLE nicht haben und auch keine Zuwanderer mit gratis Wohlstandserwartungen.

Die Politik hat Ostdeutschland zum größten Niedriglohngebiet ohne große Industrie gemacht u. mit den führenden Stellen in Bürokratie u. Politik mit Wessis besetzt.

Das ist (auch) der Preis für die Einheit & Freiheit und daran sollte am heutigen Feiertag auch erinnert werden.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 3. Oktober 2017 - 14:40

wenn ich sage, dass mir Personen wie Wolfgang Thierse in der heutigen Politik fehlen.
Davon gibt es zu wenige.
Er wäre auch ein würdiger und verbindender Bundespräsident geworden.
Der jetzige möge mir darob nicht böse sein.
Gerade weil die Wiedervereinigung kein Katzensprung war, nicht sein konnte, aber auch nicht sein darf, hätte ich solche Stimmen eben gerne länger gehört.
Mitglied des Beirates des Cusanuswerkes und anderes mehr nach Wiki.
Cicero wird sie hoffentlich sichtbar werden lassen.
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...

... "die schwäbische Zuwanderer" wanderten nicht zu, sondern reisten per Auto, Bahn oder Fluggerät nach Berlin, wo sie u.a. auch im berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg Wohnraum bezogen und dafür zahlen.
Die allermeisten von denen backen keine Wecken und/oder Brötchen in "Prenzlauer Berg- gegend", sie kaufen Schrippen beim Bäcker oder in SB-Läden von ganz Berlin, je nachdem wo sie gerade in Berlin wohnen.
Vielleicht können Sie lieber Herr Maier mir einen schwäbischen Weckenbäcker im Prenzlauer Berg empfehlen, denn ich kenn keinen dort oder woanders in Berlin.
Dank vorab an Sie Herr Maier.

Oder halten etwa Sie den Wolfgang Thierse für einen Weckenbäcker? ;-)

"Es heißt Schrippen, nicht Wecken! Bundestagsvizepräsident Thierse beklagt sich in der "Berliner Morgenpost" über die vielen Schwaben in der Hauptstadt. Vor allem beim Gang zum Bäcker gehen ihm die Zuwanderer aus dem Südwesten auf die Nerven.!"
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wolfgang-thierse-wettert-gege…
oder:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/prenzlauer-berg-thierse-verteidigt-se…
... oder...
und wenn Ihnen irgendwie das auch "vorbei-gerutscht" ist, ist das die Tatsache.
Alles Gute.

Einfach googeln nach
„schwäbischer bäcker in berlin“, es gibt sie, und ich kann sagen das diese Bäckereien „Gut“ und „Sehr gut“ sind. Schwaben können das auch.
Friedrichshain, Köpenick oder Spandau, ist doch nicht Relevant. Aber Morgen ist eventuell auch Fladenbrot schuld?? (übrigens ist es auch wunderbar lecker!.) Probieren Sie unbedingt!
Prost!.

Ursula Schneider | Di, 3. Oktober 2017 - 15:16

Demokratie ist "ein Ort, wo man sich frei äußern kann und streiten soll, aber doch nach Regeln und mit Fairness."
Ist es fair, den politischen Gegner als "Pack", "Dunkeldeutschland", "freie Radikale", "Schande für Deutschland" usw. zu beschimpfen? Zeugt es von demokratischer Streitkultur, ihn als hasserfüllt, nationalistisch, ausländerfeindlich zu bezeichnen und jeder sachlichen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen?

Sonntagsreden helfen uns nicht weiter. Es wurden gravierende Fehler gemacht, aber keiner hat den Mut, das einzugestehen.

Ich hätte mir zum Tag der deutschen Einheit einen
besseren Beitrag gewünscht.

...sieht die SpD in der Verantwortung, gegen"die rechten Drecksäcke" vorzugehen.... So soll er sich jedenfalls in einem Facebookeintrag geäußert haben.
In anderen Medien konnte man nichts davon lesen. Ist das nicht relevant oder waren es fakenews?

Robert Müller | Di, 3. Oktober 2017 - 15:45

Man liest oft, dass da wo am wenigsten Einwanderer sind, die AfD am meisten Stimmen bekommen hat. Ich verstehe dieses Argument nicht. Es ist doch so, dass wirklich alle in DE per Medien mitbekommen haben was in DE los ist. Es gibt das "Tal der Ahnungslosen" nicht mehr. Höchstens ist es so, dass da wo die persönliche Erfahrung fehlt, die mediale Wirklichkeit alles bestimmt. Das heißt, jemand in Sachsen kennt nur das von der Silvesternacht in Köln, was in den Medien war, während ich als Kölner niemals mitten in der Nacht am Bahnhof wäre, auch nicht zu Silvester. Insofern war das nicht wirklich ein Schock für mich, eher eine Bestätigung. Man weiß einfach was man besser nicht macht und das es dann in der Regel schon gut geht. Ohne eigene Erfahrung fehlt dieses Wissen und insofern sind diese Leute sehr viel mehr davon emotional betroffen.

Überhaupt plappert Thierse vielen Unsinn nach der in den Zeitungen so steht. Bsw das mit den "40 Jahre Vorsprung in Sachen Demokratieerfahrung". wtf

Sepp Kneip | Di, 3. Oktober 2017 - 17:03

"Die Demokratie ist ein Ort, wo man sich frei äußern kann, wo man streiten kann und soll, aber doch nach Regeln und mit Fairness – und unter Bewahrung des menschlichen Anstandes."

Sehr richtig, Herr Thierse. Aber wo bleiben Fairness und der Anstand, wenn es um die AfD geht? Sie ist Teil dieser Demokratie. Sie wird verleumdet, stigmatisiert und in eine rechtsextreme Ecke gestellt. Sie greift Themen auf, die dem Bürger auf der Seele brennen.

Sie behaupten, Herr Thierse, dass die AfD nichts für die Leute im Osten tun kann. Das sehe ich anders. Die AfD muss nur die Finger in die Wunden legen, die die Merkel-Regierung an Recht Gesetz und am Bürger vorbei in diesen Rechtsstaat geschlagen hat. Die Milliarden und Aber-Milliarden, die Merkel den Bürgern hierzulande vorenthalten und anderweitig verbrannt oder verschleude hat, könnten verdammt viele Probleme lösen. Aber das will man nicht. Hier ist die AfD gefordert.

Wenn sie, Herr Thierse, mehr Demokratie einfordern, dann bei Merkel.

Reiner Kraa | Di, 3. Oktober 2017 - 18:41

Herr Thierse, als einer der Hauptgewinnler der Wendezeit, sollte sich aus Debatten über Demokratie heraushalten und in Ruhe seinen Gewinn verzehren.
Die demokratische Selbstbestimmung des deutschen Volkes ist erst dann erreicht, wenn es, mittels bundesweiter Volksabstimmungen, über sein Schicksal selbst entscheiden kann. Daran, dass das bis zum heutigen Tage immer noch verboten ist, hat Herr Thierse seinen Anteil.

Elke Halefeldt | Di, 3. Oktober 2017 - 19:05

Schon bedenklich: Nach einer Umfrage von Forsa sind (nur) 50 Prozent der Bundesbürger der Meinung, dass die Menschen in Ost- und Westdeutschland mittlerweile „weitgehend zu einem Volk zusammengewachsen“ sind; 46 Prozent sagen: „Es überwiegt noch das Trennende“. In Ostdeutschland sind 55, in Westdeutschland 45 Prozent der Befragten skeptisch. Vor allem die ab 45-Jährigen und Menschen mit Hauptschulabschluss sehen noch viel Trennendes, während die Teens und Twens in Deutschland positiver gestimmt sind.
Es gibt also in der Tat noch viel zu vereinen. Dabei dürften die unterschiedlich ausgeprägte „Demokratieerfahrung“ (politische Sozialisation speziell der Älteren) eine Rolle spielen sowie die verschiedenen sozialökonomischen Lagen – und das in der Neuzeit beliebte „Ostdeutschen-Bashing“ (à la: sind dumm, rechts, wählen falsch). Wir sollten beginnen, die Ostdeutschen stärker zu respektieren, mehr Empathie entwickeln und genauer hinsehen.

... das fängt bei der selben Mindestlohnhöhe an und hört bei der Stellenbesetzung auf kommunaler, politischer u. staatlicher Ebene im Osten mit Ossis u. nicht Wessis auf.

Für die Stasi gibt es einen Beauftragten. Warum nicht auch für die Treuhand - Abwicklung des Ostens? Schließlich wurde die westdeutsche Konkurrenz im Osten Platt gemacht u. Ostdeutschland deindustrialisiert. Dergleichen bei der Abwicklung der wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen zugunsten westdeutscher usw. ...

Der Osten ist mit seinem Volksvermögen vom Westen einverleibt worden. Die billigen AK aus dem Osten waren im Westen auch willkommen. (Heute greift man auf Migranten zurück.) Die Folgen der Deindustrialisierung durch Breugel wiegen schwer, sehr schwer. Aufbau Ost galt mehr den Fassaden u. Straßen u. nicht der Industrie.

Adrian Wellmann | Di, 3. Oktober 2017 - 20:16

"Die Demokratie ist gefährdet, sie ist sensibel und wir müssen sie verteidigen." Ja, das ist wohl wahr. So klingen eben die üblichen Sonntagsreden! Aber die Meinungsmacher der Politik, vereint mit den meisten Medien, sind ja gerade selbst die Gefährder, indem sie die ausgrenzen, die nicht in ihr Bild von Demokratie passen.

"Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen." Dies Zitat von Voltaire zeigt vielleicht etwas drastisch, was es heißt, die Demokratie zu verteidigen.

Bernd Fischer | Di, 3. Oktober 2017 - 20:30

Zitat:
Die Ostdeutschen haben eine dramatische Veränderung hinter sich, eine vollständige Umwälzung, und nicht alle sind aus dieser Umwälzung als Sieger hervorgegangen. Es gibt auch die Verlierer der Einheit, die Benachteiligten oder diejenigen, die sich so fühlen. Ende:

Und dann habt ihr , die SPD, den "Abgehängten" noch eure Agenda auf's Auge gedrückt.

Das war die Spitzenleistung der "Arbeitnehmerpartei" .

Herr Thierse, Sie kennen das ja noch mit der "Selbstkritik" aus Ostzeiten.

Wie wärs wenn die SPD damit mal anfangen würde, worauf die Bürger seit 2005 immer noch vergeblich darauf warten.

Quaken könnt Ihr ja ganz gut, das war dann aber auch schon alles.

Dr. Lothar Sukstorf | Mi, 4. Oktober 2017 - 13:03

...ich habe gewartet, gewartet und gewartet...auf den unermeßlichen Ratschluß von H. Altbundespräsident Gauck...ich konnte nicht mal ein leises Zischeln vernehmen. Was ist los? Leiden wir an Sprachlosigkeit?

Mathias Trostdorf | Mi, 4. Oktober 2017 - 23:31

In reply to by Gast

Ja, stimmt. Da war doch mal was.
Der ist irgendwie abgetaucht, oder?
Und irgendwie hab ich seitdem auch nicht mehr eine Sekunde an diesen Mann gedacht.

Marianne Bernstein | Mi, 4. Oktober 2017 - 14:41

Natürlich gibt es auch noch geographische Besonderheiten. Ich denke nicht, dass im Saarland der Autodiebstahl und das Verschwinden der Autos nach Frankreich eine Tatsache ist. Nach Polen und Tschechien, auch wenn es hier mittlerweile eine gute Zusammenarbeit mit der anderen Seite gibt, verschwinden immer noch jede Menge Autos. Außerdem ist der Unterschied zwischen Frankreich und dem Saarland geringer als eben von Deutschland nach Tschechien /Polen, dass wissen auch die Menschen in Görlitz, die sich das bei einem Spaziergang anschauen können.
Görtlitz ist übringens durch eine anonyme Geldspende das geworden, was es ist. Dadurch entstehen aber keine Industriearbeitsplätze.
Die Demokratieerfahrung haben aber mit Sicherheit der Bundesvorstand der AfD und einige ebenfalls bekannte AfDler wie Herr Höcke oder Herr Maier. Hier fragt keiner, was schief gelaufen ist. Glauben die Leute wirklich, dass ein ständiges Ossi-Bashing im Osten zu andern Wahlergebnissen führt?

Reimund Großhäuser | Mi, 4. Oktober 2017 - 21:03

.. ist ganz und gar nicht sein Ding - wie im Übrigen auch nicht das der CDU/CSU/FDP/Grüne/Linken-Regierer bzw. Möchtergern-Regierer. Sie haben nichts gelernt, wollen das auch nicht. Der Kapitän der Titanic hat auch nach dem Eisberg-Crash bis zum Schluss an die Unsinkbarkeit des Schiffes geglaubt und ist - leider sehr schmerzlich für die Passagiere - eines Anderen belehrt worden. Sie können noch so oft die Keulen auspacken, es wird sich vieles ändern, die Leute sind wach jetzt und "gut Ding braucht Weile". Allerdings bin ich schon enttäuscht, dass Cicero überhaupt ein Gespräch mit diesem Herrn geführt hat - und dann noch zu dem sensiblen Thema der Einheit in D. Bitte wieder besser machen; danke sehr.

Walter Kluck | Mi, 4. Oktober 2017 - 21:11

Die 1958 in der Bundesrepublik gegründete „Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ verfügte in der Zeit der größten Arbeitsbelastung in den Jahren 1967 bis 1971 über 121 Mitarbeiter. Diese Behörde war personell überhaupt nicht in der Lage, die erforderlichen Untersuchungen durchzuführen. So wurden z.B. heute noch lebende Angehörige der Einsatzgruppen, die an der Tötung von rund zwei Millionen Männer, Frauen und Kinder in der Sowjetunion beteiligt waren, nicht zur Rechenschaft gezogen. Die beiden Diktaturen auf deutschem Boden sind unterschiedlich zu bewerten. Richard von Weizsäcker vertrat den Standpunkt: „Beide Diktaturen haben die Freiheit unterdrückt und sind doch unvergleichbar. Die SED hat keinen Krieg begonnen und keinen Holocaust zu verantworten“ Wolfgang Schäuble rief 20.Jahre nach dem Mauerfall dazu auf, „Vergangenheit zu überwinden und Gräben zuzuschütten“

Robert Müller | Do, 5. Oktober 2017 - 02:55

Also die Rede des Bundespräsidenten finde ich um Längen besser als das was Thierse gesagt hat. Ich habe den Eindruck als ob die Öffentlichkeit jetzt dabei ist sich auf die Kritik von Seiten eines Teils der Bevölkerung einzulassen und zwar ohne der AfD hinterher zu laufen. Der Bundespräsident hat genau da mit seiner Rede eingehakt. Meiner Meinung nach gibt es nämlich tatsächlich ein Problem, und möglicherweise beginnt man das in Medien und Politik zu erkennen. Allerdings weiß ich nicht ob das so auch schon von der Union gesehen wird, man hört ja wenig momentan von denen. Im Grunde habe ich mir genau das von Jamaika erhofft. Hoffentlich ist das von Dauer.

Fred Wegener | Do, 5. Oktober 2017 - 08:47

Dieser Thierse ist eine Schlaftablette. Einer von den extrem Guten. Wer Lust hat, sollte mal auf Youtube seinen Wortbeitrag suchen, den er vor ca. 2,5 Jahren bei einer TV-Talkshow zum Thema Pegida abgab, das war die Sendung, wo diese Pegida-Frau eingeladen war. "Deeemoookratieeeee braaaaucht Zeeiiiiit". Gähn. Die merken nix mehr! Im normalen Leben wären die Bezieher von Hartz IV.

Brigitte Simon | Do, 5. Oktober 2017 - 10:02

Vor einigen Jahren zeigte Thierse unglaublichen Mut. Er beklagte die ausgeprägte "Nehmermen-
talität" der ostdeutschen Bevölkerung.
Warum sich Cicero zu einem Artikel des schon immer blaßen, unkompetenten Thierse "hergibt"ist mir ein Rätsel. Die Gegenwart und unsere Zukunft benötigt wichtigere Beiträge.
Übrigens:
Thierses üppige Pension bestätigt die von ihm
angeprangerte Nehmermentalität.

Dr. Lothar Sukstorf | Fr, 6. Oktober 2017 - 12:30

Ja, wir sind noch nicht am Ende des Weges. Die politische Klasse und ihre medialen Helfershelfer werden nicht eher ruhen, bis Deutschland - teils os-(manisch), teils afrikanisch, teils eritreisch, teils arabisch, teils afghanisch, teils irakisch, teils Mahgreb, im Wesentlichen jedoch afrikanisch, usw. usw. usw.- geworden ist. Jetzt bekakeln die Zukunftskoalitionäre, wie man es etikettieren könnte, damit die "saublöden Wähler" Ruhe geben; das Neueste nennen sie jetzt Fachkräftezuwanderung...reines Blabla...Künftig also Asyl plus Zuwanderung= noch mehr als bisher! Wie wollen die dann das jetzige "Nochdeutschland" in 15 Jahren nennen? Bundesrepublik des Fachkräftemangels, BdF? Sarazin hat recht, Deutschland schafft sich ab! Eher wäre ich noch dafür mit Frankreich eine Staatskonföderation einzugehen, als Millionen und Aber-Millionen mit unserer Kultur Unverträglicher zu uns reinzulassen.
Und eben aus dem Grunde wähle ich AfD.

... und lässt den neoliberalen Schwenk der SPD mit A2010 völlig außen vor, der besonders im Osten desaströse Auswirkungen hat.

Merkels Zuwanderungspolitik ist Wirtschaftspolitik. Welche polit. Die Wirts. will Zuwanderung u. Merkel gehorcht. Jetzt merken die Leute (im Osten) wie sie nach Rente-sicher, geringerer ML u. A2010 mit der neoliberalen Zuwanderungspolitik ein weiteres Mal verschaukelt werden.

Heute berichtete der ÖR MDR aktuell, das der Erfolg der AfD ein Thema zwischen Modernisierungsbefürworter u. M-Gegner sei. Das ist die neue Masche. M-Gegner ist der, der für die Einhaltung der Gesetze ist, seinen Job u. seine Wohnung für einen NAFRI nicht tauschen will, der im Gegensatz zu Beamten u. Politiker die Integrationskosten der Zuwanderer bezahlt und eben nicht seine KKZ bezahlen will usw. ....

Wer gegen Merkels "Weiter so" ist, der wird zum Modernisierung-Gegner abgestempelt.

Modernisierungs-Gegner suggeriert also den selbstverursachten Abgehängten von der Moderne.

Dr. Lothar Sukstorf | Fr, 6. Oktober 2017 - 12:41

und - wie Sodbrennen - kommen die Politiker uns jetzt und erklären uns, wir hätten Angst vor der Digitalisierung, Globalisierung, Angst vor der Angst etc. etc. Ich bestreite das vehement, die Leute sind wütend darüber, daß Flüchtlingen vermeintlich alles "hinten reingeschoben wird"; es ja lautet, nur ca. 1 % der Asylanten werden anerkannt aber, die restlichen 99% integriert werden sollen. Wofür frage ich mich? Die sollen doch eh wieder abgeschoben werden. Nur, das sollten die Politiker aller Ebenen mal endlich tun, diese verachtenwerten Biedermänner/frauen und Brandstifter/innen am eigenen Volk. Hier offenbart sich die Diskrepanz zwischen munter Daherplaudern, Schwadronieren und dem handeln, bzw. Nichthandeln. Da feiert man es als Erfolg, daß ca. 20.000 -30.000 das Land wieder verlassen haben...ich frage mich, ob die Politiker/Entscheider allesamt ihre Köpfe zu lange in einer Kühltruhe gesteckt haben?

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