- Aus der Zeit gefallen
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer betrachtet YouTube als „das neue Fernsehen“ – und will die Plattform entsprechend regulieren. Es ist ein hilfloses Herumstochern im Bereich der digitalen Medien. Hat er überhaupt verstanden, worum es geht?
Wolfram Weimer will, dass die Landesmedienanstalten sich YouTube zur Brust nehmen. Ein ziemlich merkwürdiger, ja chaotischer Vorschlag.
Die Deutschen, die Politik und die Medienordnung sind ein heikles und vielschichtiges Thema. Zu heikel und zu vielschichtig, als dass Wolfram Weimer weiter unüberlegte Vorstöße machen sollte. Aber nehmen wir uns etwas Zeit für eine grobe Einordnung:
Als Rundfunk und Fernsehen nach dem Krieg ihren Sendebetrieb in Westdeutschland wieder aufnahmen, entschied man sich recht bald für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk nach britischem Vorbild. Denn die Frequenzen zur Verbreitung von Inhalten waren knapp, und die Machtstellung durch das Innehaben der Frequenzen erschien zu groß, um sie Privaten – wie in der Weimarer Republik – oder dem Staat direkt – wie de facto in Hitler-Deutschland – zu überlassen. Es entwickelte sich recht bald ein offensichtlich streitbarer Rundfunk in den Ländern, der Bundeskanzler Adenauer so sehr ärgerte, dass er die Gründung eines Bundesfernsehsenders versuchte. Das war verfassungswidrig, denn Rundfunk ist Ländersache. Adenauers Idee scheiterte, und die Länder gründeten stattdessen das ZDF.
Die große Chaotisierung abgewendet
In den 1980er Jahren kam dann die Revolution durch die Einführung des privaten Rundfunks. Aber da Frequenzen immer noch knapp waren, standen diese Angebote unter dem Vorbehalt einer Rundfunklizenz. Die Aufsicht wurde den Landesmedienanstalten übertragen. Mit dieser – sehr bundesrepublikanischen – Rundfunkordnung kam man ganz gut durch das ausgehende 20. Jahrhundert. Aber dann kam die technologische Revolution, die auf bräsige deutsche Bürokratie traf. Denn was die Streamer da auf YouTube und anderen Plattformen trieben – war das nicht auch irgendwie so etwas wie Fernsehen?
Ja, fanden die Landesmedienanstalten – und schickten saftige Bußgeldbescheide an ahnungslose Gamer und sonstige Streamer, die sich plötzlich in der Rolle illegaler Rundfunkveranstalter wiederfanden. Nach einigen Jahren wurden Bagatellgrenzen in den Medienstaatsvertrag eingezogen. Lizenzen braucht nur noch, wer eine gewisse dauerhafte Reichweite hat. Nun gut, immerhin war die große Chaotisierung durch die Landesmedienanstalten abgewendet. Diese überwachen weiter auch den digitalen Raum und verteilen gelegentlich Bußgelder wegen fehlender Werbekennzeichnung oder Ähnlichem. So weit ist also alles wieder in lang geübter bundesrepublikanischer Ordnung.
Und dann tritt Wolfram Weimer auf den Plan und hat es plötzlich nicht mehr auf die Streamer selbst abgesehen, sondern auf die Plattform – also YouTube. Das hat er jüngst in einem Gastbeitrag in der Welt verlautbaren lassen. Ausgangspunkt seiner Betrachtungen war die Aussage des YouTube-CEO, dass YouTube „das neue Fernsehen“ sei. Dann, so der Kulturstaatsminister, brauche es auch eine ähnliche Regulierung. Dass er dabei nicht auf die Ersteller der Inhalte, sondern auf die Plattform selbst zielt, begründet er damit, dass die Plattformen die Inhalte ja sortieren, priorisieren und empfehlen. Wer so agiere, übernehme publizistische Verantwortung.
Nun ist es durchaus so, dass dem Kulturstaatsminister schon bei der Einleitung seines Textes ein nicht unwesentliches verfassungsrechtliches Detail hätte auffallen können. Denn wenn YouTube wirklich „das neue Fernsehen“ ist, dann hat ein Kulturstaatsminister im Bundeskanzleramt hierüber keinerlei Hoheit. Es ist und bleibt – siehe Adenauer-Fernsehen – Ländersache. Und wenn es das nicht ist, hat der Bund bereits eine Aufsichtsbehörde eingerichtet: die Bundesnetzagentur. Genau entlang dieser Unterscheidung erfolgt übrigens auch schon jetzt die aufsichtsrechtliche Zuständigkeit, die Weimer anmahnt: Medienplattformen bei den Landesmedienanstalten, der Rest bei der Bundesnetzagentur.
Insofern muss die Frage erlaubt sein: Was will Wolfram Weimer eigentlich? Geht es nur um den Vorstoß selbst? Will er – nachdem ein YouTube-Interview mit enormen Aufrufzahlen Schlagzeilen gemacht hatte – Stärke demonstrieren? Weimer schreibt, das Ziel müsse ein „Level Playing Field“ sein: faire Wettbewerbsbedingungen zwischen klassischen Medien und Plattformen. „Medienregulatorische Ansätze“ seien auf „neue Akteure“ zu übertragen. Aber genau das geschieht doch schon seit vielen Jahren.
Unfaire Wettbewerbsbedingungen
Und unfair sind vor allem die Wettbewerbsbedingungen zwischen klassischen Verlagen und öffentlich-rechtlichen Medien, die in der analogen Welt keine Konkurrenz hatten und in der digitalen Welt nun in direkter Konkurrenz stehen – was angesichts der üppigen öffentlichen Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beileibe keine Vielfaltsgarantie ist. Aber statt hier einen Punkt zu setzen, stochert der seit einem Jahr glücklos agierende Weimer hilflos im Bereich der digitalen Medien herum, von denen ich nicht weiß, ob er sie als Verleger verstanden hat. Als Politiker hat er sie jedenfalls offenbar nicht verstanden.
Ich habe den Verdacht, dass es Wolfram Weimer gar nicht um diese Fragen geht, sondern dass er einfach irgendetwas beitragen wollte, das von den schlechten Schlagzeilen um seine Person ablenkt. Fakt ist: Der Podcast-Boom der vergangenen Jahre hat die Medienvielfalt nicht eingeschränkt, sondern bereichert. Sie ist auch nicht auf eine Plattform zu begrenzen, sondern das Ausspielen solcher Inhalte erfolgt plattformübergreifend. Wenn auf Spotify ein Format erfolgreich ist, wird YouTube dieses Format dort nicht verstecken – und umgekehrt.
Die Talkformate politisch sehr unterschiedlicher Lager erzielen mittlerweile Reichweiten, die die „klassischen Medien“ wie Amateure aussehen lassen. Aber diese klassischen Medien sind natürlich selbst längst Akteure auf diesen Plattformen und beteiligen sich daran. Die Weimer’sche Trennlinie – die gibt es seit bald 20 Jahren nicht mehr. Auch deswegen wirkt dieser Vorstoß in seiner Tonalität so merkwürdig antiquiert. Hier will einer die neue Zeit regulieren, die er offenbar selbst nicht mehr richtig versteht.
Treffen während der Corona-Pandemie im Kanzleramt
Ich habe allerdings bei YouTube und Politik ein Anliegen, auf das ich seit Jahren keine befriedigende Antwort bekomme. Auf eine parlamentarische Anfrage von mir wurde mir 2023 bestätigt, dass Google (YouTube) und Facebook sich während der Corona-Pandemie im Kanzleramt zu Gesprächen eingefunden hatten. Das Thema lautete: „Die Corona-Pandemie und die in diesem Kontext zu beobachtende Verbreitung von Fehl-, Falsch- und Desinformationen“. Bei dem Treffen war nicht nur Steffen Seibert anwesend, sondern auch Vertreter mehrerer Ministerien. Was waren die Ergebnisse dieser Besprechung? Haben sich die Plattformen von der Regierung beeinflussen lassen? Gab es Druck? All das sind naheliegende Fragen in einem Land, das zu Recht stolz auf seine Meinungs- und Pressefreiheit ist. Ich habe auf diese Fragen nie Antworten bekommen.
Herr Weimer, übernehmen Sie! Sie sitzen an der Quelle und könnten tatsächlich etwas für Transparenz und Vertrauen in der neuen Medienwelt tun.
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Youtube gibt es noch? Das Format allein ist doch schon antiquiert.
wenn etwas antiquiert ist, dann sind es die ÖR- Sender des eigenes Heimatlandes, zumindest innerhalb der EU.
Zur ihrer Info, der Youtube ist eine inernationale Plattform, die den Menschen ermöglicht in jeder beliebigen Sprache eine unendliche Vielfalt an Beiträgen zu empfangen, und das ist die Zukunft für jeden mündigen Kosmopoliten!
Tja, wer den hiesigen "Sandkasten" als das Non plus Ultra ansieht, der gilt eher als ewig gestrig antiqiuert.
...angebliche, demokratische Rechtsmäßigkeit des öffentlich deutschen "Altparteienpropagandaapparats"! Das Geld für die vielen dort, im Versorgungswerk für Familienmitglieder des politischen Establishment, geparkten Großverdiener, fließt zwangsweise und wird stetig mehr! Nur das "Dumme" ist, wie man mit Füssen abstimmen kann, kann man auch mit der Fernbedienung, Maus oder dem Touchdisplay abstimmen! Die Menschen haben das Volksverdummungs-, Geschichtsverdrehungs-, Schuldzuweisungs- und Wahlverdrehungsprogramm satt! Wie erreicht man eine Jugend, die man mit Lügen, Wehrpflicht, Klimaschwachsinn und dummen Sprüchen von Pflichtjahren und Pflichten dem Staat gegenüber verloren hat? Klar, mit noch mehr Zwang! Zensiert wird ja schon mehr als in Russland, China und Nordkorea zusammen! Aber wie der Corona Absatz zeigt, sind auch diese Medien anfällig, der Meinung ihrer Besitzer und dem Druck von Regierungen gegenüber! Aber ich habe Vertrauen, dass die Jugend sich nicht einlullen lässt!
Warum sollten sich die neueren Menschen weniger "einlullen" lassen wie die früheren...?
Die Bauart und die darin begründete Funktionalität des Menschen als bio-psycho-soziales Gesamtkunstwerk stammt aus dem Paläolithikum.
Es begann vor ca. 2,5 Millionen Jahren und dauerte etwa bis 10.000 v. Chr. Geburt.
Die Menschen der Altsteinzeit waren Jäger und Sammler.
Für diese Zeiten ist der Mensch primär gemacht... das Cerebrum auch... und die evolutionären Anpassungsprozesse laufen äußerst langsam.
Einstein meinte, die Dummheit des Menschen sei unendlich...
Was veranlaßt Sie zu der Annahme, daran ändere sich etwas...?
Gerade jetzt, so mein Eindruck, zeigt sich eher, daß nicht einmal Deutschland trotz "Aufarbeitung der Shoa" etwas dazugelernt hat.
Inwiefern...?
Naja, Rußland ist wieder der "Feind"... und man macht sich Kriegs-tüchtig.
Also da ist niemand "schuld"... das liegt quasi in den "Genen", die den Hund zum "Bellen" bringen und die Katze zum "Miauen" und die Taube zum "Gurren".
dass die Dummheit der Menschen unedlich sein kann, das zeigt sich bereits in der Behauptung "Deutschland hat die Shoa aufgearbeitet", da zu einer Aufarbeitung immer eine komplexe ehrlich gemeinte Betrachtung der Rassenpolitik der Nazis unumgänglich wäre, die blieb aber vollends aus, man beschränkte sich nur auf die unumgängliche Floskeln zu einem einzigen Aspekt, in dem der gänzliche Zivilisationsbruch dieser deutschen Epoche am markantesten zu Tage trat!
Mein erster Gedanke war (und ist), dass die Politik YouTube sehnsüchtig gerne so einhegen möchte, wie die Tagesschau (die über vieles wichtige nicht berichtet). Wie die Kuschel- und AfD-Inquisitionspolittalks, wo ein Daniel Günther einen Markus Lanz zu abenteuerlichen Lügen vor Millionenpublikum auffordern kann uvm.
Die Unabhängigkeit des ÖRR ist doch nur noch eine sentimentale Erinnerung. Eine unverschämte Geld-Eintreibemaschine für maßlose Spesenritter ist er obendrein.
viel wichtiger als 'früher', denn wie sonst soll die demokratischen Mitte (aka "unsere Demokratie") noch die verbleibenden Gläubigen und :innen bei der Stange halten..., bei DEN! Zuspruchzahlen der 'Demokratiefeinde' auf ein Höcke-Interview...!??
>> je höher die AfD-Umfragen..., desto wichtiger die Alleinherrschaft über den ÖRR... - und möglichst viele (Traum: ALLE) 'alternativen' Medien in Deutschland...
Das ist die Motivation.
/Ironie und Sarkasmus ENDE
Natürlich steckt den Etablierten das Höcke-Interview und vor allem dessen Reichweite 'in den Knochen' - die 'Staatsmeinung' ist gefährdet...!! 🤔
"Will er – nachdem ein YouTube-Interview mit enormen Aufrufzahlen Schlagzeilen gemacht hatte – Stärke demonstrieren?" - genau das...
Vielleicht beschäftigt sich mal jemand beim ÖRR - oder noch besser in der Regierung... - mit den inhaltlichen Aspekten des Höcke-Interviews....?? Außer pauschale Ablehnung und billige Verächlichmachung (z.B. bei Extra3) habe ich da bisher NICHTS GEHÖRT!!
Warum auch, viele sprechen von einer End- Dämonisierung Höckes, die das Interview gesehen und vor allem gehört haben..
Und das zuzugeben ohne alle Ansichten Höckes zu teilen „geht nicht“ und läuft den Staatstreuen Medien und deren von „oben“ bestimmter Propagandaapparat diamental entgegen.
Sie tun was sie seit bestehen der „echten“ politischen Konkurrenz, die außerhalb der eigenen Schwarz Grün linken Blase immer getan haben, sie schweigen……👎👎👎
Mit besten Grüßen aus der Erfurter Repupilik
Und nähern sich dem „Kippunkt“ im Wochen- Takt in dem sich der Vorsprung der AfD nunmehr auf 7% Punkte zur Union weiter erhöht hat. Und Union und SPD verlieren weiter …..je - 1% lt. neuster Umfrage für d Bild a Sonntag 17.05.26
Und immer noch höre ich die Alarmglocken weder im Adenauer noch im Brandt Haus leuten. & kann mit gut vorstellen, warum dem Steinmeier der Angstschweiß, vor den durchaus möglichen Neuwahlen, auf der Stirn steht. 😂
Mit freundlichen Grüßen a d Erf. Rep.
"Wer zu spät kommt... ..." - ist bekannt... 😉
und alte und neue Medien im Wettbewerb vertikaler und horizontaler Berichterstattung.
Wie die "Superdemokraten" den demokratischen Diskurs verstehen ist hinlänglich genug beschrieben worden; nämlich dessen Aushöhlung im Namen der Demokratie. Bedarf keiner näheren Erläuterung mehr. In der Diskussion um alte und neue Medien ist ein Kampf um die Meinungshoheit entbrannt. Alt: hierarchisch, vertikal >>Meinungshoheit des Mainstream. Neu: demokratisch, horizontal >>Meinungsabbildend des Souveräns.
Ich habe darüberhinaus den Verdacht das auch in diesem Fall eine Art von Regulierung stattfinden soll, denn ein Herr Weimer ist ja nicht völlig naiv, insbesondere gegenüber seiner eigenen Person. Ob ein Beitrag "irgendetwas beitragen sollte, das von den schlechten Schlagzeilen um die eigene Person ablenkt" oder nur mangelndes Verständnis für die Thematik zeigt, sehe ich hier nicht ausschliesslich. Der DSA (Dig.Serv.Act) der EU meint es ja angeblich auch nur gut für Konsumenten. Tatsächlich was?
Die Zeit der Altmedien ist vorbei, und damit auch die der Gatekeeper. Dieser Trend wird durch selbstverschuldete Deskreditierung (Relotius, KI-Skandal im ZDF) noch verstärkt. Man (ver)traut nicht mehr einem Sender oder einer Zeitung, sondern dem individuellen Überbringer der Nachricht. Ja, YT ist das neue Fernsehen, ebenso wie Podcasts das neue Radio und Plattformen die neuen Zeitungen sind. Man sucht sich die Personen, die Expertise haben und „folgt“ diesen. Zu jedem Thema gibt es Kanäle. Das Netz ist schier unerschöpflich. Besteht die Gefahr in eine Blase zu geraten? Bei politischen Inhalten sicherlich. Doch ist der ÖRR nicht minder eine Blase. Muss man Skepsis walten lassen? Ja, klar. Klickt man viel Quatsch an, bevor man die Perlen findet? Das auch.
Das Netz hat das Angebot diversifiziert und demokratisiert. Und das enttarnt die Scheinheiligkeit der Machtinhaber, die jetzt nach Regulierung rufen. Es geht nämlich nicht um Diversität und Demokratie. Es geht um Macht, die schwindet.
