Foto: Viele Absolventen in schwarzen Roben und Hüten bei einer Abschlussfeier, Rückenansicht.
Unter jedem Doktorhut wird das Gleiche gedacht / picture alliance / photothek | Ute Grabowsky

Wissenschaftsfreiheit - „Leute in Gremiensitzungen wirken wie Sprechautomaten“

Wachstumsskepsis, Klimabewegung, Identitätspolitik – viele der großen ideologischen Debatten unserer Zeit entstehen an Universitäten. Der Historiker Andreas Rödder erklärt im Interview, welche Rolle postmoderne Narrative dabei spielen – und warum das Drittmittelsystem diesen Trend verstärkt.

Autoreninfo

Mia Kilian hat Umweltsystem- wissenschaften und Volkswirtschaftslehre studiert. Derzeit absolviert sie ein Praktikum bei Cicero.

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Andreas Rödder ist Historiker und Professor für Neueste Geschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Er beschäftigt sich mit den ideengeschichtlichen Grundlagen westlicher Gesellschaften sowie mit aktuellen politischen und kulturellen Konflikten.

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IngoFrank | Di., 17. März 2026 - 07:26

braucht man sich nicht zu wundern warum die Patentanmeldungen in Deutschland stark zurückgegangen ist.
Nicht nur die Studenten scheinen immer dümmer zu werden, wohl auch ihre
Professoren ?
Mit besten Grüßen aus der Erfurter Republik

Ingbert Jüdt | Di., 17. März 2026 - 07:35

Das ist ein ganz wichtiger Faktor, der regelmäßig übersehen wird und dafür sorgt, dass in der Öffentlichkeit Koch und Kellner verwechselt werden. Das Elend der kritischen Eliten dieser Republik ist ganz wesentlich darauf zurückzuführen, dass sie sich nach 1990 in die neoliberale Ordnung haben kooptieren lassen, weil sie ihnen alternativlos schien. »Das Ende der Geschichte« fühlte sich plausibler an als »dialektischer Widerspruch von Kapitalismus und Demokratie«. Dementsprechend waren fundamentalistische Symbolpolitiken attraktiver als nüchterne Systemanalysen.

Man hat angefangen, gegen ein vermeintlich homogenes, aber schlechtes System zu wüten, für dessen ganz und gar nicht aufgehobenen inneren Widersprüche man blind geworden war. Tatsächlich hat man aber bloß die ökonomische Übermobilisierung des Menschen durch seine moralische Übermobilisierung komplementiert und sich dadurch zum Laboratorium einer kulturellen Repression gemacht. Die besten Linken, die man für Geld kaufen konnte.

Peter William | Di., 17. März 2026 - 09:11

weil ich den Text nicht gelesen habe. Sie wissen schon das der Postkolonialismus und die Critical Race Theory auf der kritischen Theorie deutscher Soziologen und diese wiederum auf dem Marxismus-Lenisismus basieren?

All diese geisteswissenschaftlichen Theorien sind sozialistische Theorien der Gleichmacherei zu erreichen durch Umverteilung, Quoten und Apparatschicks, alle gleich arm außer die "Elite".

Die Auswirkungen sind (N)GO, eine staatlich organisierte und finanzierte "Zivilgesellschaft" und durch staatliche Medien verbreitete Propaganda. Wie schon Anfang der 90er beschrieben entwickelt sich unter den privaten Medien eine Meinungsmonokultur durch wirtschaftliche Zwänge.

Aufgebrochen wird diese im Moment durch die neuen und die sozialen Medien.

Ingbert Jüdt | Di., 17. März 2026 - 10:12

Antwort auf von Peter William

(1) Die »kritische Theorie deutscher Soziologen« beruht nicht auf dem Marxismus-Leninismus. Sondern auf dem Versuch, den Marxismus (ohne Leninismus) um eine Kulturtheorie zu ergänzen, die ursprünglich auf der Rezeption der Psychoanalyse beruhte (bevor Habermas die Psychoanalyse durch die Entwicklungspsychologie von Piaget und Kohlberg ausgetauscht hat).

(2) Die »Critical Race Theory« und andere postmoderne Verirrungen beruhen auf einem europäischen Re-Import der amerikanischen Adaption französischer Philosophen, die wiederum Heidegger adaptiert haben. Eine größere Distanz zu welcher Variante von Marxismus auch immer ist kaum denkbar.

Man muss ja weder das eine noch das andere mögen, aber wenn man alles in einen Pott rührt (»Kulturmarxismus« ist hierfür ein sehr beliebtes Etikett bei der politischen Rechten), dann wird das völlig zu Recht als »Verschwörungstheorie« bezeichnet.

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie grobschlächtig Feindbilder ausfallen können.

Eselsbrücke | Di., 17. März 2026 - 10:00

nur vollumfänglich bestätigen. Ich arbeite selbst in einer sehr großen Forschungsinstitution.

Walter Buehler | Mi., 18. März 2026 - 13:05

Antwort auf von Eselsbrücke

... ist derselbe. Die pandemische Leistungs- und Technikfeindlichkeit geht Hand in Hand mit der Infantiliserung und Banalisierung, die sich hinter gewaltigen Phrasenwolken verstecken (Gendern, Einfache Sprache, Denglisch, ...).

Es gibt noch rühmliche Ausnahmen, die einem Hoffnung machen, aber leider nur wenige.

Urban Will | Di., 17. März 2026 - 11:20

ist ein gesellschaftliches.
Es gab seit Jahrzehnten eine dramatische Bewegung nach linksgrün, v.a. durch Merkels Vernichtung alles Bürgerlich-Konservativen in ihrer Partei (Pardon: der Partei, der sie sich zugehörig fühlt) und Umpolen auf ihren Kurs des grün dominierten Sozialismus. Trittin hat es gefallen, dem Land massiv geschadet.
Merz hat nicht ansatzweise d Kraft, dies zu beenden.
Und kommenden Sonntag werden wir die Sprechautomaten wieder erleben, wenn die AfD ihr Ergebnis verdoppelt haben wird, aber am Ende der Wähler linksgrün (duckmäuserisch begleitet von der Union) bekommt
Es gibt längst in der Gesellschaft eine Mehrheit derjenigen, die weg wollen von dieser linksgrünwoken Bevormundung und damit verbundenen Vernichtung vom allem, was Deutschland einst auszeichnete. Leider kapieren die Unions-Wähler, die dies möchten, nicht, dass sie die falsche Partei wählen, aber das nur am Rande.
Und leider dominieren immer noch die Sprechautomatismen und Stigmatisierungen der Blauen.

Marco Riccardi | Di., 17. März 2026 - 16:23

Es ist ja wirklich nicht verwunderlich dass wir nichts mehr auf dem Ideenmarkt bringen wenn wir uns nur noch mit politischer Korrektheit und Quoten herumschlagen anstatt die offenen Posten mit den besten Leuten zu besetzen.
Gleichberechtigung bedeutet ja nicht dass wir gleiche Ergebnisse bekommen sondern nur dass wir gleiche Chancen bekommen.
Wenn die Frau die am besten geeignete Person für diesen Forschungsplatz ist dann bekommt sie die Stelle so oder so, immerhin will man die beste Person für den Platz.
Wenn sie nicht die beste Person für den Platz ist, dann sollte sie ihn auch nicht über einen Quotenplatz bekommen, nicht nur reduziert sie das nämlich auf ihr Geschlecht, es reduziert auch die Leistung der Forschungsabteilung an sich.
Wie kann man nur so dumm sein?