- Der deutsche Staat nimmt seine wohlwollende Vormundschaftsgewalt wahr
Ludwig Erhard würde sich im Grabe umdrehen, könnte er den Koalitionsvertrag von Union und SPD lesen: Versorgungsstaat statt wirtschaftlicher Freiheit. Der einzige Trost: Es hätte noch viel schlimmer kommen können.
„Über (seinen) Bürgern erhebt sich eine gewaltige Vormundschaftsgewalt, die es allein übernimmt, ihr Behagen sicherzustellen und über ihr Schicksal zu wachen. Sie ist absolut, ins Einzelne gehend, pünktlich, vorausschauend und milde. Sie würde der väterlichen Gewalt gleichen, hätte sie – wie diese – die Vorbereitung der Menschen auf das Mannesalter zum Ziel; sie sucht aber, im Gegenteil, die Menschen unwiderruflich in der Kindheit festzuhalten; sie freut sich, wenn es den Bürgern gut geht, vorausgesetzt, dass diese ausschließlich an ihr Wohlergehen denken. Sie arbeitet gern für ihr Glück; aber sie will allein daran arbeiten und allein darüber entscheiden; sie sorgt für ihre Sicherheit, sieht und sichert ihren Bedarf, erleichtert ihre Vergnügungen, führt ihre wichtigsten Geschäfte, leitet ihre gewerblichen Unternehmungen, regelt ihre Erfolge und teilt ihren Nachlass; könnte sie ihnen nicht vollends die Sorge, zu denken, abnehmen und die Mühe, zu leben?“
Man glaubt es kaum, aber so sah der französische Verwaltungsbeamte Alexis de Toqueville die USA nach einer Studienreise im Auftrag der französischen Regierung in den 1830er Jahren – wo es ja noch den „Wilden Westen“ gab. Würde er heute den Wirtschaftsteil des schwarz-roten Koalitionsvertrag kommentieren dürfen, würde er wohl seine poetische Beschreibung des umsorgenden Staates noch weiter ausschmücken.
Auf 144 Seiten führt die schwarz-rote „Vormundschaftsgewalt“ aus, wie sie das Behagen der Bürger (ohne die Grünen kein Gendern mehr) sicherstellen und über ihr Schicksal wachen will. Das reicht von einer 20-Kilogramm-Grenze zum Schutz der Paketzusteller über das beliebte Deutschlandticket bis zum „kostenfreien Zugang zur Sanitärinfrastruktur“ auf Autobahnrastplätzen. Denn die Deutschen pinkeln gerne umsonst. Wo es brenzlich wird – zum Beispiel bei der Organisation des Sozialstaats –, werden Kommissionen eingesetzt – dafür eine Kommission zur Sozialstaatsreform. Das Bürgergeld soll zu einer „Grundsicherung“ umgebaut werden. Aber gleichzeitig soll der Mindestlohn ansteigen. Zwar wollen die Koalitionäre an einer „starken und unabhängigen Mindestlohnkommission“ festhalten. Aber sie nehmen die Entscheidung dieser Kommission mit der Prognose eines Mindestlohns von 15 Euro im Jahr 2026 schon vorweg.
Steuersenkungen soll es erst mit der Zeit in homöopathischen Dosen geben
Das Rentenniveau soll bis zum Jahr 2031 gesetzlich auf 48 Prozent abgesichert, die Frührente (nach 45 Beitragsjahren) beibehalten und die Mütterrente ausgebaut werden. Die Mehrausgaben sollen mit Steuermitteln gedeckt werden. Aber die Abwendung des sicheren Rentenbankrotts wird an eine weitere Kommission verwiesen, die sich dem Problem ebenfalls erst Mitte der Legislaturperiode annehmen soll. Auch Steuersenkungen soll es erst mit der Zeit in homöopathischen Dosen geben, und der Soli bleibt. Dafür sollen großzügigere Regelungen bei Abschreibungen den Investitionsmotor anwerfen.
Die ausufernden Energiekosten sollen nicht mit einer Wende in der verkorksten Energiepolitik, sondern mit der Senkung einiger Abgaben eingehegt werden. Zur Beruhigung wichtiger Klientele sollen der reduzierte Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie beibehalten, die Pendlerpauschale erhöht und die „Agrardiesel-Rückvergütung“ wieder vollständig eingeführt werden. Wer sich fragt, wie das alles finanziert werden soll, wird mit allgemein gehaltenen „Leitlinien für eine zukunftsgerichtete Haushalts- und Finanzpolitik“ beruhigt.
Ein Thema durchzieht den gesamten Koalitionsvertrag: Bürokratieabbau und Verwaltungsreform. Allen dürfte klar sein, dass ohne eine solche Reform (Lieferkettengesetz, Datenschutz, Digitalisierung, usw.) aus allem nichts werden wird. Deshalb ist es folgerichtig, dass die Koalition ein neues Ministerium für Digitalisierung und Staatsreform einführen will. Doch ist es ein schlechtes Omen, dass dafür kein anderes Ministerium, wie zum Beispiel das unnötige Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, abgeschafft wird. Klar ist, ein DOGE a la Elon Musk wird es bei uns nicht geben.
Die Zeit der Ordnungspolitik, mit der das Wirtschaftswunder kam, ist vorbei
Ludwig Erhard würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er die sorgfältige Ausarbeitung der neuen Vormundschaftsgewalt sehen würde. In seiner Welt hatte der Staat für ein Regelwerk zu sorgen, das mündigen Bürgern erlauben sollte, in eigener Verantwortung ihre Ziele zu verfolgen. Die Staatsfinanzen mussten solide sein. Wer ohne eigenes Verschulden in Not geriet, dem sollte geholfen werden. Aber den „Versorgungsstaat“ – wie Erhard die Vormundschaftsgewalt nannte – hielt er für einen Wahn, an dessen Ende der „soziale Untertan“ stand. Doch seien wir realistisch. Die Zeit der Ordnungspolitik, mit der das Wirtschaftswunder kam, ist vorbei. Die Deutschen sind alt und bequem geworden. Sie wollen den behütenden Staat, der ihre Besitzstände schützt und sie vor möglichst allen Lebensrisiken bewahrt. Sie sind gerne „soziale Untertanen“. Mit diesem deutschen Volk dürfte einfach nicht mehr zu machen sein, als die Koalitionäre vereinbart haben.
Und seien wir ehrlich: Es hätte schlimmer kommen können. Immerhin sind die Koalitionäre mit der Nagelschere unterwegs, um die schlimmsten Verwerfungen aus der bleiernen Zeit der Schlafwagenkanzlerin Angela Merkel und dem kurzen Intermezzo des Pausenkanzlers Olaf Scholz sachte zu korrigieren. Und angesichts der irrlichternden und wohlstandsvernichtenden Politik Donald Trumps nimmt sich das Bemühen der Koalitionäre, den Bürgern die Sorge, zu denken, und die Mühe, zu leben, abzunehmen, beinahe rührend aus.
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Die SPD hat diesen Koalitionsvertrag letztlich gelenkt und bestimmt, damit Merzel auch gewählt wird und das bedeutet doch nur, dass es gerade so weiter geht , wie bisher. Habe heute den Kontrafunk und Tichy gehört. Die haben an diesem Vertrag kein gutes Haar gelassen und punktuell Wort für Wort aufgezeigt, was für ein Märchenbuch die da geschrieben haben und welches Lügengebäude aufgebaut wurde.
Ich wage auch hier die Prognose, dass diese Regierung nicht über die volle Zeit laufen wird. Wenn die Namen für die Ministerien feststeht und die ersten Beweise für ihre angebliche Politikänderungen antreten müssen, wird die SPD alles dran setzen, ja keine wirkliche Änderungen zu zulassen, Und die UNION wird kuschen und ihre letzten Überzeugungen über Bord werfen. Und das alles wird die AFD weiter in der Gunst der Wähler steigen lassen. Die Menschen müssen über den Schmerz lernen und der wird sich weiter im Volk verbreiten. Immer mehr werden unmittelbar betroffen sein. Über den Schmerz lernen.
Ludwig Erhard würde sich nicht nur im Grabe umdrehen,er wurde rotieren wie ein Spießbraten.
Das Wirtschaftswunder kam ja nicht durch eine unpatriotische Zwangskoalition zustande, sondern da haben sich Politiker zusammengefunden,die für die Bevölkerung dieses Landes nach der Besatzung durch die Alliierten, wieder frischen Wind in Deutschlands Segel geblasen haben.
Lediglich 10 Jahre nach Kriegsende war das eine hervorragende Leistung, wo teilweise noch die Trümmer und Altlasten der Zerstörung zu sehen waren.
Von solchem Geist sind Friedrich Merz und seine Aspiranten weit entfernt, denn wo man sich widerwillig auf irgendwas Blödsinniges einigen muß, nur um Kanzler werden, das hat mit echten Ideen die Deutschland weiterbringen rein gar nichts gemein.
Da standen sie nun zu Viert,mit Gesichtern die null Aufbruchstimmung vermittelt haben und jeder der sie gesehen hat weiß, diese Koalition hält wahrscheinlich nur von 12 bis Mittag.
Kein guter Tag für unser Land, eben ein "weiter so" merkeln.
War auch immer meine Meinung, nach endgültigem Bestand der Brandmauer mangels selbst verbauten Alternativen.
Als natürlich der Geistesblitz in Form von 1 Billion Schuldenaufnahme durchs Merzsche Hirn schlug, das noch mit dem alten BT zu beschließen, liegt nun mehr als genügend Schulden- Geld auf dem Kabinetts- Tisch. Um den Koalitionsfrieden zu finanzieren.
Wenn ich’s recht in Erinnerung habe, ist u.a. zur „Staatsverschlankung“ fix ein neues Ministerium geschaffen. Ergo, alles mit dem Geldausgeben auf gutem Weg …..Das durch Schulden finanzierte Geld, wird leider der Kitt dieser Koalition
Sein.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik
Tja, das hat der FDP letztlich nichts genützt, schlimmeres verhindert zu haben in der Rot. Grün Gelben Koalition. Die Quittung hat sie nach Unterzeichnung des Koalitionsvertrages und Besetzung der Ministerposten nach jeder Landtagswahl erhalten. Das gipfelte jedoch mit Wählervotum der letzte BT Wahl, der die FDP in die außerparlamentarische Opposition katapultierte.
Ähnliche Tendenzen des Stimmenverlustes wie bei der FDP, sind für die CDU mehr als als ablesbar….. und da ist Merz als Kanzler noch nicht gewählt &kein Geseze verabschiedet, keine LT- Wahl abgehalten die AfD ist mit der Union schon quasi gleich auf.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik
Die AfD wird sich schleunigst bedanken müssen für diese Wort- (und sicher auch bald: tat-)kräftige Unterstützung.
Energisch protestieren muss ich aber gegen das Adjektiv "wohlwollend"
Nichts an diesem Staat gegenüber den eigenen Bürgernist wohlwollend. Das Wohlwollen betrifft nur Migranten.
Der Staat setzt knallhart seine linksgeprägten "Erziehungsziele" durch und die Aktionen gegen die Meinungsfreiheit und die unbarmherzige Verfolgung von Kritikern, selbst wenn sie sich im Rahmen der Gesetze bewegen, spricht eine ganz andere Sprache.
Vorstellungen der Bürger, selbst der Mehrheit, die vom moralisch einzig anerkannten linken Weg abweichen, werden nicht nur nicht ernst genommen, sondern mit Entschiedenheit bekämpft.
Warum soll sich jemand "bedanken müssen", der von den anderen
ständig bewusst ausgegrenzt wird und die nun den Karren mit Karacho
gegen die Wand fahren?
Unabhängig davon habe ich natürlich verstanden, was Sie meinten!
MfG
Ich finde es wohl, nicht selbständig denken zu müssen. Meine knappe Zeit stellt mich oft vor einen Berg unerledigter Arbeit.
Ich danke meinem Staat. Er überwacht meine Denkweise und sagt mir, was ich denken darf. Das nennt man "betreutes Denken.
gerne „soziale Untertanen“ sind und dass mit diesem deutschen Volk einfach nicht mehr zu machen ist, als das was die Koalitionäre vereinbart haben.
So sieht es aus: Müde, überaltert, fett, satt, ambitions- und motivationslos. Bloß nicht zu viel auf einmal. Besser weiterhin schlecht regiert werden als recht(s) regiert werden. Bisher ging ja alles gut. Und die neue Regierung wird auch einfach durchgehalten und ausgesessen. Den fulminanten Fehlstart mit der Schuldenorgie wider die Nachgeborenen wird man auch schnell wieder vergessen. Es bahnt sich ja schon wieder das nächste Großdesaster an. Wer glaubt, dass der globale Handelskrieg marginale Auswirkungen hat, der irrt. Gleiches gilt für die Demographie. Die sozialen Sicherungssysteme stehen vor dem Kollaps. Die vielen Löcher an verschiedenen Stellen sind so groß, dass sie mit Steuermilliarden nicht mehr zuzuschütten sind.
Bei alldem ist hier und heute eines Gewiss:
Die Deutschen haben genau die Regierung bekommen, die sie verdienen.
