CDU Jens Spahn
CDU-Flagge über dem Konrad-Adenauer-Haus / picture alliance/dpa | Sebastian Christoph Gollnow

Wer folgt auf Jens Spahn? - Auf der Suche nach Mr. oder Ms. Perfect

Der Rücktritt des bisherigen Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, hat der Union den Start in die Sommerpause regelrecht verhagelt. Nun muss ein Nachfolger her. Wer infrage kommt – und wie gut die Chancen stehen.

Christian Wilp

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Christian Wilp ist freier Autor und lebt in Berlin. 

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Die Jobbeschreibung ist anspruchsvoll. Gesucht wird jemand, der mächtig ist wie Günter Krings, durchsetzungsstark wie Nina Warken, loyal wie Thorsten Frei und ein Macher wie Carsten Linnemann. Alexander Dobrindt käme diesem Idealbild schon recht nahe, doch seine Parteizugehörigkeit passt nicht jedem. „Wenn wir einen CSU-Vertreter wählen, können wir uns gleich selbst aufgeben“, heißt es vertraulich aus gut informierten CDU-Kreisen.

Der Rücktritt des bisherigen Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, hat in Berlin den Start in die Sommerpause regelrecht verhagelt. In der Sommer-Pressekonferenz des Bundeskanzlers ging es noch beschaulich zu, nach Bekanntwerden des Babyglücks im Hause Spahn/Funke per Leihmutterschaft hat die Union ein neues Thema – und ein Problem. Immerhin: Der zeitige Rücktritt des Münsterländers hat der Partei eine unselige Dauerdiskussion erspart.

Nicht alle erscheinen rundum plausibel

Fest steht: Am 29. Juli soll ein Nachfolger gewählt werden. Die Fraktionsmitglieder wurden per SMS, die Cicero vorliegt, aufgefordert, ihre Anreise nach Berlin entsprechend zu organisieren. Da die Wahl laut Geschäftsordnung geheim stattfinden muss, stand eine virtuelle Teilnahme zum Verdruss manches Abgeordneten nicht zur Debatte. Außerdem drängt die Zeit. Kanzler Merz hatte versprochen, noch im Juli die Angelegenheit abschließend zu regeln.

Zusammen mit dem CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder genießt der CDU-Chef das Vorschlagsrecht. In Berlin kursieren diverse Namen, nicht alle erscheinen rundum plausibel. Hier eine grobe Übersicht, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Thorsten Frei, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts. Er gilt als umgänglich, integer und treuer Diener des Bundeskanzlers. In der vergangenen Legislaturperiode war Frei Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und dürfte, als Kenner der Fraktion, keine lange Einarbeitungsphase benötigen. Dass der ehemalige Oberbürgermeister von Donaueschingen gern den Fraktionsvorsitz übernähme, ist in Berlin ein offenes Geheimnis, zumal er in seiner aktuellen Rolle noch nicht ganz angekommen zu sein scheint. Die Zusammenarbeit zwischen Kanzleramt, Fraktion, Minister und Koalitionspartner wird als ausbaufähig beschrieben.

Nina Warken, Bundesministerin für Gesundheit. Eine Frau an der Spitze? Für viele wäre das ein starkes Zeichen. Soeben hat die Bundesvorsitzende der Frauen-Union ein Sparpaket zur Stabilisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung auf den Weg gebracht – und sich damit Respekt verschafft. Das Gesundheitsressort, Jens Spahn kann ein Lied davon singen, gilt als schwieriges Terrain, und insofern ist Warkens Leistung nicht unterzubewerten. Allerdings hat sie noch die Pflegereform vor sich, zu der bisher erst ein Referentenentwurf existiert.  

Auch als möglicher Kanzleramtschef gehandelt

Carsten Linnemann, Generalsekretär. Als Leiter der CDU-Parteizentrale konnte sich Linnemann bisher nur eingeschränkt entfalten. Er wäre gern Arbeitsminister geworden, und hatte sich vom Amte des Generalsekretärs wohl mehr Entscheidungsspielraum erhofft. Sein Wahlspruch „Einfach-mal-machen“ gilt als legendär; er könnte diesen als Fraktionsvorsitzender jedenfalls weitaus besser mit Leben füllen als jetzt im Konrad-Adenauer-Haus. Unter dem Strich werden ihm Außenseiterchancen eingeräumt.

Günter Krings, stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Merz hätte ihn gern als Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung installiert, doch in einer Kampfabstimmung war Krings der ehemaligen Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer unterlegen. Jetzt könnte der Chef der mächtigen Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, in der Fraktionsführung für die Bereiche Inneres, Recht und Verbraucher zuständig, den großen Karrieresprung hinlegen. Das gilt selbst für den Fall, dass Frei den Fraktionsvorsitz erhält. Krings wird auch als Kandidat für die Leitung des Kanzleramtes gehandelt.

Nicht das beste Verhältnis zum Bundeskanzler

Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister. In der Union ist man sich einig: Für Dobrindt wäre der Job wie geschaffen. Ein Vierteljahrhundert im Bundestag, mit besten Drähten zur SPD, belastbar und erfahren. Sein Manko: Er ist in der falschen Partei. Kaum denkbar, dass die CDU-Abgeordneten jemanden von der Schwesterpartei zum Vorsitzenden küren. Obschon man auch argumentieren könnte, dass besondere Zeiten besondere Maßnahmen erfordern. Und was möchte Dobrindt selbst? Er führt genau das Ministerium, das er führen wollte. Von Wechselabsichten ist nichts überliefert.

Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Digitales und Staatsmodernisierung. Brinkhaus, Steuerberater aus Gütersloh, gilt als Geheimtipp. Die Junge Union im Bezirk Ostwestfalen-Lippe fordert eine Rückkehr des ehemaligen Fraktionsvorsitzenden an die Spitze. Unzweifelhaft verfügt Brinkhaus, der sich 2018 gegen die Empfehlung Angela Merkels und gegen den Amtsinhaber Volker Kauder spektakulär durchgesetzt hatte, über Erfahrung und Selbstbewusstsein. Anders als fast allen andere Abgeordneten hält er seine Reden im Bundestag völlig frei – und dennoch druckreif. Allerdings wird ihm nicht das beste Verhältnis zum Bundeskanzler nachgesagt. Das galt auch und besonders für Jens Spahn, und muss insofern kein Hindernis sein.

 

 

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Ingo Frank | Mo., 20. Juli 2026 - 16:48

stellt meines Wissens die Brandmauer gegen die AfD in Frage …..
Anders gesagt, die CDU ist weiter der Gefangene grün linker Ideologen und muss sich weiter am Nasenrig durch das woke grün linke Parlament in Berlin treiben lassen
Die kommende BT Wahl, wann immer diese terminiert wird, wird für die Union ein Desaster und dies ist mehr als nur vorhersehbar.
Es bräuchte Mut in der CDU für einen radikalen Neustart ….. der lediglich in den Niederungen der Partei- Hierarchie bereits diskutiert wird, aber „oben“ noch nicht angekommen ist bzw. totgeschwiegen wird.
Aber bei unter 20% und der realen Vorstellung vom Verlust von rd. einem 1/3 der Mandate,
(oder mehr wenn’s Richtung SPD geht) wird aller Wahrscheinlichkeit der „Matz“ in der CDU „munter“
Von den Effekten der bevorstehenden Wahlen im Osten, mal ganz abgesehen wenn eine „AfD Machtverhinnderungskoalition“ nur mit den SED Erben möglich ist.
Mit besten Grüßen aus der Erfurter Republik

Mit freundlichen Grüßen a d Erf. Rep.

ist - Span ist ja nicht wirklich dumm im Wortsinne... - dass Herr Span sich vielleich eventuell möglicherweise garnicht soo ungern ins Privatleben zurück zieht..., und sich verstärkt seiner neuen Familie widmen will... ...!?? 🤔

Schlicht und ergreifend weil er das, was Sie oben richtig skizzieren ei Fach schon (länger?) vorausgesehen hat... .... ....

Es gibt eine (unbestätigte) Zuschreibung zu Span, dass er intern, als die Unionszahlen konträr zu den AfD-Zahlen deutlich! zu sinken begannen, gesagt haben soll: "Wir [CDU] werden nicht mit denen [SPD] untergehen...!" 🤔 -- viellleicht hat er einfach nur realisiert: "Doch!!!" 🤣

Der Herr Spahn ist ja nun auch dafür bekannt sich fortwährend zu „Häuten“.
Ob als Gesundheitsminister unter Merkel oder als Fraktionsvorsitzender unter Merz. Aal-Glatt und Tefflon- Beschichtet ist er ja als Grundvoraussetzung für eine fortgesetzte Karriere auf politischen Parkett ….
Auch stimme ich Ihnen zu, soooo doof, zumindest kann ich das eigentlich nicht glauben, sind die Garden um Merz wohl auch nicht, dass sie keine Planspiele durchdenken, was passiert wenn ? Es sei denn, es herrscht im engsten Kreis der Macht Denkverbot aus Überheblichkeit & Arroganz. Alles denkbar und damit möglich. ……😀
Aber das Eine können Sie mir glauben, triebe mich nicht die Angst um, was wird aus meinen Kindern und Enkeln, würden mir diese „Schwachmaten“ samt ihrer politischen Orientierung am Allerwertesten vorbeigehen ……
Beste Grüße ins Weimaer Land

Stöpsel' auf dem langsam zu sieden beginnenden 'Pfeifkessel CDU'... - FÜR IHN ist jeder Tag Kanzler ein guter Tag (im Leben)... ...

Wenn der Stöpsel unter zu hohem Druck abfliegt, eines Tages...., dann entweicht der 'CDU-Dampf' in alle Richtungen..., mit lauter Zischen... ... ... (Bilderbuch-gemäß gesprochen...) /😉

Vielleicht wenn die CDU unter 15% rutscht... ...?

Heidemarie Heim | Mo., 20. Juli 2026 - 18:17

Da das Murmeltier hierzulande keine Auskünfte darüber gibt wie lange dieser Sommer anstatt der sonstigen Abfrage bezüglich Dauer der Eiszeit für Parteien geben möchte, bemühen wir Spekulatius und die Ostereiersuche in einem. Die Ausbeute,Sorry! Auswahl wird uns hier dankenswerter Weise von Herr Wilp, unserem "K(r)ampfbeobachter" Berlins aus der ersten Reihe vorgestellt;). Damit auch wir Provinzler zur Kenntnis nehmen können, welch exorbitante Auswahl unserem sich im Sommer-Interview etwas larmoyant ausdrückenden Kanzler zur Verfügung steht nachdem er noch nicht so genau weiß,ob er den Abgang als Verlust oder Gewinn für sich verbuchen soll so mein Eindruck.Er und andere Vorgänger besitzen eben nicht das wie ich es nenne Kohlsche Gen, welches nur ein einziges aber dafür katastrophal versagte, als er "seinem Mädchen" aus dem Osten vertraute. Ansonsten war er ein Beispiel dafür,mit welcher
Art Loyalität man sich als Machtmensch umgeben muss bzw. wie man sie einfordert. MfG

Andreas Peters | Mo., 20. Juli 2026 - 19:01

es wird ein Weiter so. Merz hat vor der Wahl große Töne gespuckt, wahrscheinlich noch am Wahlabend hat er sich wohl in die Hose gemacht und aus LINKS IST VORBEI wurde WIR MACHEN NOCH ETWAS MEHR LINKS ALS VORHER.

Thomas Veit | Mo., 20. Juli 2026 - 20:53

Antwort auf von Andreas Peters

gemacht... DA! Haben ihm seine neuen linksgrünen 'Freund:innen' mal kurz so ihre Folterwerkzeuge gezeigt... - auf der Straße und vor den CDU-Filialen... >> in dem Augenblick wurde der Löwe (🦁) zum Bettvorleger (🐭)... ... /😉🤣

Jürgen Goldack | Mi., 22. Juli 2026 - 10:01

Lieber Herr Wilp, wenn Sie Dobrindt als "Idealbild" und Linnemann als "Macher" sehen, kann man erkennen wie verfallen das Personalreservoir der CDU/CSU nach Merkel-Jahren und unter Merz ist. Dobrindt folgt stringent dem undemokratischen Überwachungs-Narrativ Brüssels/v. d. Leyens u. Merz und von Linnemann habe zumindest ich nichts gesehen was ihn als "Macher" zum Nachfolger Spahns prädestiniert. Und der entsprach schon nicht dem Idealbild eines Fraktionsvorsitzenden der CDU z. B. a la Schäuble, eines Karl Carstens oder eines Rainer Barzel! Verglichen mit diesen "Machern" sind die aktuellen Aspiranten nur lächerliche Abziehbilder! Kurzum, die CDU/CSU ist abgewirtschaftet, sie hat fertig und sollte zur Regeneration mal für eine Zeit auf die Oppositionsbank wechseln und bei der Gelegenheit die SPD gleich mitnehmen. Deutschland braucht, um zu alten demokratisch orientierten Werten zurück zu finden, eine 180° politische Kehrtwende, um den Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu beenden.