Lauterbach
Karl Lauterbach im Bundestag / picture alliance / dts-Agentur | -

Weltgesundheitsorganisation und Lauterbach im Alarm-Modus - Die Forderung nach dem Klima-Notfall ist gefährlich

Die Weltgesundheitsorganisation hat aus Corona nichts gelernt. Eine WHO-Kommission mit Karl Lauterbach will den Klimanotstand ausrufen und gegen vermeintliche Desinformation vorgehen. Dabei argumentiert man selbst mit fragwürdigen Zahlen.

Ferdinand Knauß

Autoreninfo

Ferdinand Knauß ist Cicero-Redakteur. Im März erscheint sein Buch „Der gelähmte Westen. Chronik einer Selbstaufgabe“. 2018 erschien „Merkel am Ende“.

 

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Der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, sprach zur Eröffnung des Jahrestreffens am Montag von „schwierigen, gefährlichen und von Spaltung geprägten Zeiten“. Auf den Anteil der WHO an dieser Spaltung während der Corona-Politik ging er allerdings in seiner Rede nicht ein. Damals hatte sie, schon unter seiner Führung, nicht zuletzt durch Ausrufung eines globalen Notstands den nationalen Regierungen eine überstaatliche Schein-Legitimation für Grundrechte einschränkende Maßnahmen geliefert. 

Und Adhanom Ghebreyesus macht klar, dass die WHO sich auch weiterhin nicht mehr auf ihren früheren Kernauftrag – Wissenschaft, Daten, Normen, Standards – beschränken will. Die Erfahrungen der Corona-Zeit interpretiert er nicht selbstkritisch im Sinne einer künftigen Mäßigung bei der Ausrufung von Notständen. Im Gegenteil: „Wir haben erkannt, dass die Welt bessere Möglichkeiten braucht, um Bedrohungen schneller zu erkennen und darauf zu reagieren.“

Lauterbach sieht Klima als „medizinischen Notfall“

Einen Tag später, am Dienstag, rief der WHO-Chef, ohne auf die Empfehlung seines von ihm selbst einberufenen Notfallausschusses zu warten, einen Notfall aus wegen des Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda. Es sei das erste Mal gewesen, dass er dies ohne den Ausschuss getan habe, so ließ die WHO mitteilen, weil er die Lage als so dringlich betrachtete, dass er nicht warten wollte.

Ganz in diesem Sinne des dringlichen Alarmschlagens ist auch ein Aufruf, den internationalen Gesundheitsnotstand wegen der Klimakrise auszurufen, den eine WHO-Kommission namens PECCH (Pan-European Commission on Climate and Health) pünktlich zum Jahrestreffen veröffentlichte. In Deutschland sorgte das Kommissionsmitglied Karl Lauterbach, Ex-Bundesgesundheitsminister und seinerzeit oberster Corona-Dramatiker der Republik, mittels Vorab-Information des Spiegel und der dpa für mediale Resonanz. Lauterbach verkündete ganz im Coronazeit-bewährten Tenor der Katastrophenprosa: „Abwarten im Verlauf der Katastrophe macht keinen Sinn.“ Denn die Folgen der Verbrennung fossiler Brennstoffe würden jährlich allein in Europa für 600.000 Todesfälle sorgen, dazu kämen rund 60.000 Hitzetote. „Es wird Zeit, dass wir erkennen, dass wir es mit einem medizinischen Notfall zu tun haben.“

Wer hat die Hitzetoten gezählt?

Nun haben solche Zahlen mit empirischer Wissenschaft eher wenig zu tun. Das entscheidende Wörtchen in den Publikationen (etwa diese), auf die sich Lauterbach und der Alarmruf der Kommission stützen, ist nämlich „estimated“. Das heißt, die Zahlen sind nichts weiter als Schätzungen. Was auch sonst! Niemand kann ernsthaft feststellen, wie viele alte oder krankheitsgeschwächte Menschen einen heißen Sommer womöglich überlebt hätten, wenn er weniger heiß gewesen wäre. In den Zusammenfassungen und Überschriften fällt das entscheidende Wort Schätzung allerdings meist weg. Da heißt es einfach: „63 000 people died from heat-related causes across Europe in 2024.“

Niemand wird bezweifeln, dass extreme Hitze den Gesundheitszustand beeinträchtigen kann. Was man aber mit einiger Wahrscheinlichkeit behaupten kann: Nur die allerwenigsten der geschätzten Hitzetodesfälle in Europa werden ausschließlich auf Hitze zurückzuführen sein. Junge und gesunde Menschen sterben außerhalb von Wüstenregionen oder Extremsituationen üblicherweise nicht an Hitze, sofern sie nicht bereits an gefährlichen Krankheiten leiden oder andere Umstände hinzukommen. 

Es ist daher unredlich, wenn etwa die Klima-Allianz Deutschland und andere Aktivisten die geschätzte Hitzetoten-Zahl mit der empirisch genauen Zahl der Verkehrstoten vergleichen. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für die von der Kommission behaupteten 600.000 Todesfälle durch Luftverschmutzung aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Niemand wird bezweifeln, dass solche Abgase gesundheitsschädlich sind. Aber kein Wissenschaftler kann ernsthaft feststellen, wie viele der 2024 Verstorbenen noch lebten, wenn in Europa weniger Kohle und Öl verbrannt worden wären.  

Der von der PECCH und vielen anderen Aktivisten verwendete Begriff der Hitzetoten ist daher generell mit äußerster Vorsicht zu betrachten. Denn er transportiert keinen wissenschaftlichen Erkenntniswert, sondern eignet sich als politischer Kampfbegriff, mit dem bewusst Angst geschürt wird. Lauterbach und seine PECCH-Kollegen machen daraus auch gar keinen Hehl. Der Daseinszweck der Kommission ist nach eigenen Angaben, „das politische Bewusstsein zu schärfen, die Unterstützung zu stärken und wichtige Akteure für entschlossene, wissenschaftlich fundierte Maßnahmen gegen die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels zu mobilisieren“. Ihr Papier nennen sie durchaus treffend „Call to Action“, einen Aufruf an die Politik, zu handeln.

„Mechanismen“ statt demokratischer Entscheidungen

Bedenklich wird ein solcher Aufruf aber da, wo die Aufrufer die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und politischem Aktivismus einreißen. Nicht nur bedenklich, sondern gefährlich für jede offene Gesellschaft ist es, wenn solcher Aktivismus seine Deutungshoheit mit staatlichen Machtmitteln im öffentlichen Diskurs durchsetzen will. Genau darauf laufen aber viele der zentralen Forderungen der PECCH hinaus.

PECCH fordert Regierungen beispielsweise auf, „nachhaltige Mechanismen“ innerhalb von Kabinetten und Ministerien einzurichten „mit dem ausdrücklichen Auftrag, Maßnahmen im Bereich Klimawandel und Gesundheit zu unterstützen“. Die von PECCH und der Weltgesundheitsorganisation gewünschte Politik soll also quasi mechanisch in nationalen Regierungen installiert werden. Für demokratisch legitimierte Entscheidungsfindung und Kontrolle soll offenbar möglichst wenig Raum übrigbleiben.  

„Mit Mythen aufräumen“

Es sei dringend notwendig, fordern Lauterbach und Co. etwa, einen „nutzerfreundlichen und vertrauenswürdigen Dienst“ einzurichten, der unter anderem die „Kapazitäten zum Erkennen von Falsch- und Desinformation stärken“ solle. Diese Plattform „würde wissenschaftliche Informationen in leicht zugängliche Informationspapiere und Faktenblätter umwandeln und so die Nutzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen als Grundlage für die Politikgestaltung erleichtern. Sie würde zudem dazu beitragen, Falsch- und Desinformation entgegenzuwirken, beispielsweise durch Faktenblätter, die mit Mythen aufräumen, und durch die Förderung bewährter und vielversprechender Kommunikationspraktiken.“

Kurz gesagt: Lauterbach und Co. fordern eine Art überstaatlichen WHO-Klima-Gesundheits-Propaganda-Dienst, der vermeintliche Wahrheiten wie die von den 63.000 Hitzetoten verbreitet, Kritik daran als „Falsch- und Desinformation“ denunziert und Politikern vorgibt, welche klima- und gesundheitspolitischen Entscheidungen sie zu treffen haben. Man kann der Weltgesundheitsorganisation und den ihr Zuarbeitenden einen mehr als gesunden Willen zur Macht attestieren. 

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Achim Koester | Mi., 20. Mai 2026 - 11:31

einen zweifelhaften Ruf und den Spitznamen "Apokalypsen-Karl". Beidem versucht er jetzt gerecht zu werden, um wenigstens vorübergehend aus der Bedutungslosigkeit in die Schlagzeilen zu kommen. Wenn er's halt braucht.

soistes | Mi., 20. Mai 2026 - 11:59

das dieser unseriöse Typ unter "Sprechdurchfall" leidet. Es nicht der einzige seiner Art.

Übrigens, was passiert wenn man Wasser über Jahre in einem Behältnis bunkert?

Es verfärbt sich sehr stark & beginnt übelst zu stinken.

Den Pinocchio gibt es bekanntlich nicht mehr,
ab sofort heißt dieser, ach Mist das habe ich jetzt schon wieder vergessen.

Tja das Olafsyndrom hat wieder zugeschlagen. Ist auch nicht so wichtig, wie diese undurchsichtigen Typen in Ihren unwichtigen Funktionen. Aber irgendeine Beschäftigung benötigt diese Spezies.

Wie wäre es mit Backe, backe Kuchen im Artgerechten Sandkasten?

Wolfgang Brennenstuhl | Mi., 20. Mai 2026 - 12:02

"Niemand wird bezweifeln, dass CO2 und andere Abgase gesundheitsschädlich sind."
CO2 und andere ABGASE?
Seit wann ist CO2 gesundheitsschädlich?
Das, lieber Herr Knauß, müssen Sie erklären.
Ohne CO2 wäre kein Leben auf diesem Planeten möglich, weder menschliches, tierisches noch pflanzliches Leben.
Es wird immer irrer.

Wolfgang Borchardt | Mi., 20. Mai 2026 - 12:37

Meinungsmonopole, mit denen man Geld verdienen und Andersdenkende ausgrenzen kann. Ohne jeden wissenschaftlichen Anspruch.

Sunstreet | Mi., 20. Mai 2026 - 12:43

Lauterbach, das Synonym für Desinformation will gegen Desinformation vorgehen. Solche Artikel hat man früher nur am 1. April gelesen.
Stanislaw Jerzy Lec, der große polnische Aphorismendichter muss Lauterbach gekannt haben, als er feststellte : „Ich bin schön, ich bin stark, ich bin weise, ich bin gut. Und das alles habe ich selbst entdeckt!“ Sein erster Vorname lautet ja schließlich auch „Professor“.
Der Mann ist absolut beratungsresistent, unehrlich und seit Jahrzehnten auf Staatskosten als purer Lobbyist der Gesundheitsindustrie unterwegs.

C. Schnörr | Mi., 20. Mai 2026 - 13:02

... inszeniert sich lediglich in der von ihm gewohnten Manier als Nachfolgerkandidat für die WHO Spitze. Er ist selbst ein "medizinischer Notfall". Hier präziser zu werden erspare ich der CM-Torwächter KI.

Karl-Heinz Weiß | Mi., 20. Mai 2026 - 18:11

Die Motivation, warum Karl Lauerbach im Stil der "letzten Generation" argumentiert, bleibt unklar. Lerneffekt aus seiner desaströsen Corono-Kommunikations-Politik: Fehlanzeige. Die Scherben seiner Ankündigungspolitik als Minister muss derzeit mühsam seine Nachfolgerin einsammeln. KL könnte seine Glaubwürdigkeit steigern, wenn er sich an die Spitze einer Kommission zur Aufklärung des „Wuhan-Laborunfalls“ setzen würde. Dessen Folgen haben deutlich mehr als 60.000 Menschen das Leben gekostet.