Wahlen - Eine Verteidigung des Nichtwählens

Wählen zu gehen, ist wieder „in“, seit die AfD die Politik aufgemischt hat. Aber ist man schon ein guter Demokrat, nur weil man den Stimmzettel in die Urne wirft? Warum die Beteiligung im Alltag wichtiger ist als die Beteiligung am Wahltag. Von Matthias Heitmann

Eine Frau wirft im Wahlamt Frankfurt am Main ihren Wahlbrief in eine Wahlurne. Rund sechs Wochen vor der hessischen Landtagswahl am 28. Oktober hat die Briefwahl begonnen. Bei der Wahl sind rund 4,38 Millionen Männer und Frauen aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Es treten 23 Parteien an.
Ab in die Urne: Heute wird in Hessen und Bayern gewählt / picture alliance

Autoreninfo

Matthias Heitmann ist freier Publizist und Autor des Buches „Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“ (TvR Medienverlag Jena 2015). Im Januar 2017 ist sein neues E-Book „Zeitgeisterjagd SPEZIAL: Essays gegen enges Denken“ erschienen. Infos zum Download unter www.zeitgeisterjagd.de.

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Matthias Heitmann

Wie Sie wissen, war ja früher alles einfacher und besser. Das galt auch für Wahlkämpfe, denn die hatten nicht nur einen klar definierten Anfang, sondern auch ein eindeutiges Ende: Spätestens zwei Tage vor einem Urnengang wurden die ideologischen Messer eingepackt, um dann alles dafür zu tun, um die vom Wahlkampf genervten Menschen doch noch in die Wahllokale zu locken. Schließlich stand der Feind nicht rechts oder links, nein, er hockte gelangweilt und unbeteiligt vor der Glotze und wartete am Wahlabend auf die Sendung mit den Kuchendiagrammen. „Wählen gehen“ war schon immer der letzte Notausgang, der selbst den Verdrossenen noch ins Reich der Demokratie führte. Da war fast schon egal, wohin sein Kreuzchen rutschte, denn allein, dass es gesetzt wurde, galt als Bestätigung dafür, dass man bereit war, dem System durch die bloße (An-)Teilnahme am Ritual eine gewisse Legitimation zu bescheinigen.

Wählen gehen schafft keine Demokratie

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Christa Wallau | So, 14. Oktober 2018 - 11:11

Doch. lieber Herr Heitmann!

Dies ist immer dann der Fall, wenn der Wähler auch eine echte Chance hat, daß seine Stimme
tatsächlich über einen Sachverhalt entscheidet
und 1:1 umgesetzt werden muß. Dies ist nur bei Volksabstmmungen in einem Staat der Fall, in dem ansonsten die "Vertreter" aus unterschiedlichen Parteien die Entscheidungen auskungeln.

Jeder Wahlgang für einen Schweizer ist ein "Feiertag der Demokratie"!
In Deutschland sind wir allerdings weit entfernt davon. In diesem Punkt stimme ich Ihnen zu.

Markus Michaelis | So, 14. Oktober 2018 - 12:20

Danke an Cicero für viele Artikel, die einen zu engen staatsbürgerlichen Denkrahmen herausfordern.

Aus meiner Sicht ist Wählen natürlich schon wichtig, aber die Gedanken im Artikel sind sehr zutreffend. Mit der Finanzkrise, Eurokrise, Europafragen, Globalisierung, Migration kommt bei ganz zentralen Fragen schon das Gefühl auf, dass Wahlen zum Teil nur bestätigendes Beiwerk sind. Die eigentlichen Regeln werden anders gesetzt - eher durch Graswurzelarbeit in der Wirtschaft, Finanzindustrie, Medien, Think-Tanks, Schulen etc. Der Rahmen ist dann schon so fest gestrickt, dass Wahlen das dann noch als ein (manchmal eher kleinerer) Baustein bestätigen und festigen.

Günter Johannsen | So, 14. Oktober 2018 - 13:07

Wenn die sogenannte Demo in Berlin gemeint ist, dann kann ich nur lachen:
„Wir wissen, wann das Ei stinkt!“ sagt dazu Henryk Broder.
Wie schon zu DDR-Zeiten wollen sie uns Glauben machen, dass sie die große Mehrheit des Volkes darstellen. Genau das Gegenteil ist der Fall: sie müssen linke Vereine (LINKE/SPD; Ver.di; Antifa und andere Jugendverbände der Kommunisten) aus der gesamten Republik zusammenkarren, um dieses miserable Schauspiel aufzuführen. Die "Demonstranten" erhalten dazu noch Verpflegung und ein Handgeld, sonst würde sich wohl kaum ein Typ für solchen Schmarrn bereit finden… lächerlich einerseits, aber am roten Fahnenmeer deutlich erkennbar, wohin die Reise tatsächlich hingehen soll!

Günter Johannsen | Mo, 15. Oktober 2018 - 20:45

„Wer sich zum Wurm macht, darf sich nicht wundern, wenn er getreten wird!“
Immanuel Kant

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