Frank A. Meyer
Frank A. Meyer / Illustration: Sören Kunz/WILDFOXRUNNING

Verachtung der Sprache - Ohne Worte keine Welt

Ein großer Irrtum der digitalen Gegenwart ist die Verachtung der Sprache. Mit Simplifizierung erfasst man die Welt nicht besser, sondern lässt die Wirklichkeit verkümmern. Deswegen brauchen wir ein Zurück zur Schriftlichkeit.

Autoreninfo

Frank A. Meyer ist Journalist und Kolumnist des Magazins Cicero. Er arbeitet seit vielen Jahren für den Ringier-Verlag und lebt in Berlin.

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Der Deutschlandfunk sendet seit einiger Zeit „Nachrichten in einfacher Sprache“. An bundesrepublikanischen Schulen werden Werke der Weltliteratur „in einfacher Sprache“ gelesen, nicht nur an Grundschulen, sondern auch schon an Gymnasien. Gibt es eine „komplizierte Sprache“? Ist Deutsch nicht länger einfach Deutsch, sondern zweifaches Deutsch – je nachdem, wer gerade angesprochen wird, wer gerade lesen darf, wer gerade verstehen soll? Oder wozu sonst braucht es Journalismus und Literatur in einfacher Sprache?

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Rainer Mrochen | Fr., 15. Mai 2026 - 08:44

…im zeitgeistigen Kontext, führt ja gerade auch zur Entschlüsselung der <<Sprache>> der Tiere. Die Vereinfachung der menschlichen Sprache führt geradewegs über die Verständigung der Neandertaler zurück zum Grunzen. Das nenne ich Fortschritt. Nun will ich die ohne Frage vorhandene Kommunikation der Tiere nicht in Frage stellen allerdings sollte die biologische Entwicklung des Menschen als entscheidender Schritt der Evolution verstanden werden. Simplifizierung ist daher als degenerativ zu betrachten. Es kommt allerdings ganz wesentlich auf Förderung der Kommunikationsfähigkeit an. Ist wohl im derzeitigen deutschen Schulsystem nicht leistbar. Downgrading geht da viel besser. Ist eh einfacher. Dieser Text ist 4you. Was für eine fatale Entwicklung.

... das Späßken in Ihrem vorletzten Satz animiert mich, einen Gedanken beim Lesen von Frank A. Meyers Artikel auszuführen: ist nicht die über Jahrzehnte täglich millionenfach verkaufte und "gelesene" Bild-Zeitung sprachbildend im schlechtesten Sinn für die Nachkriegszeit gewesen? "Wir sind Papst" und tausende anderer himmelschreiender Plattheiten und Geschmacklosigkeiten, dazu "die privaten Fernsehsender", damals von CDU/CSU als "Bereicherung des Meinungsspektrums" angepriesen und durchgesetzt.
Da sah ich interessehalber auf SAT.1 in den späten90ern Sendungen für Jugendliche "nach der Schule" mit Oliver Geissen, wo sich junge "Angeklagte" und "Ankläger:innen" unter dem Gejohle der durchgängig jugendlichen Studiogäste mit Begriffen bedachten, deren Nennung hier wohl zur KI-Löschung führen würden.
Und dann wunderten sich die hohen Herren in den Parteien, dass genau diese Sprache zur "Umgangssprache" an den Schulen wurde - ich brauche nicht genauer zu werden, hoffe ich: Dat kömmt von dat!

Wolfgang Borchardt | Fr., 15. Mai 2026 - 08:45

spiegeln eine kulturelle Entwicklung. Rhetorische Fähigkeiten und ein umfassender Wortschatz sind Voraussetzung, um gesellschaftlich präsent zu sein. Wer über einen großen Wortschatz verfügt, kann besser mit Menschen kommunizieren und sogar selbst Vergnügen daran haben. Sicher erscheint es nur folgerichtig, an den Schulen das Sprachniveau an das allgemein nachlassende Bildungsbestreben anzupassen - alle sind auf niedrigster Ebene gleich - und doch ist es nur ein weiteres Symptom gesellschaftlichen Verfalls. Lesen erweitert den Wortschatz erheblich. Die Unlust am Lesen erweitert den Wortschatz nicht, befördert gesellschaftlichen Abstieg, nimmt dem Leben ein Vergnügen und vermittelt ein Gefühl der Unterlegenhet, weil man Worte nicht versteht und den Sprecher für abgehoben hält. Sprache ist Macht! - siehe "Rumpelstilzchen". Aber niemand wird sich verbieten lassen, mehr zu wollen.

Ingo Frank | Fr., 15. Mai 2026 - 08:47

Ganz einfach, unsere Kinder werden immer dümmer gemacht und lassen sich damit leichter staatstreu grün links beeinflussen.
(Kinder &Lehrerschulung gegen Rechts mit Bus und der Parteivorsitzenden der größten Oppositionspartei im stilisierten Gefängnis)

Die andere Variante, man will nur Geld und keine Integration und in seiner eigenen religiösen Blase leben. Das reicht die einach gestellte Frage: Wo (gibts) Geld …..
MfG a d Erfurter Republik

christoph ernst | Fr., 15. Mai 2026 - 08:58

so jedenfalls sollte es sein, und so dürfte es auch Hugh Greene als Gründer des Vorläufers des ÖRR gesehen haben.
Wer Sprache zensiert, begradigt, vereinfacht, gendergerecht zurechtstutzt und politisch korrekt verstümmelt, Begriffe für tabu erklärt und aus dem Gebrauch verbannt, zugleich 'Schreiben nach Gehör' und 'einfache Schrift' verordnet, nach Sütterlin Schreibschrift und das Lesen von Fraktur abschafft, möchte Menschen mit ihrer tradierten Sprache auch den Zugriff aufs Gedächtnis ihrer Altvorderen wegnehmen, um sie noch unmittelbarer und ohnmächtiger dem Brei seines ideologischen Schwachsinns auszusetzen.
Ziel ist das Kastrieren des Denkvermögens, das zwangsweise Anlegen des mentalen Geschirrs, die 'Dekonstruktion' mündiger, erwachsener, realitätstauglicher Identität.
Das ist die Welt des Glottisschlags und der Gendersternchen: Die liebt Abhängigkeit und Stumpfsinn.

Wolfgang Borchardt | Fr., 15. Mai 2026 - 09:10

zum Dank kann niemand "einfache Sprache" verordnen. Soll Unterricht in "einfacher Sprache" die Gesellschaft weiter spalten? Denn nach wie vor wird es Deutsche geben, die ihre Muttersprache lieben und dann wohl zu einer Elite gehören (wann wird die eingesperrt). Wer Goethe in "einfacher Sprache" braucht, braucht ihn sicher gar nicht

Wolfgang Dubbel | Fr., 15. Mai 2026 - 09:58

Orthographie, Grammatik, Interpunktion, das ist wohl alles rassistisch.

Jens Böhme | Fr., 15. Mai 2026 - 15:58

Antwort auf von Wolfgang Dubbel

...weißer Kolonialismus.

Michael Marx | Fr., 15. Mai 2026 - 22:02

Antwort auf von Wolfgang Dubbel

Da haben Sie ganz Recht, daß derartiges rassistisch sei: mit Bormann-Schreiben vom 3.Januar 1941 sollte die Frakturschrift, insonderheit die "Alte Schwabacher", als Judenschrift eliminiert werden - was ja weitgehend gelungen ist: viele Jüngere (ich bin im 80., habe dies noch in der Schule gelernt, in der Volksschule wurde es uns geboten, und dann zum zweiten Male im Gymnasium - und so habe ich auch mein Abitur geschrieben) können so etwas nicht mehr lesen . . .

Christa Wallau | Fr., 15. Mai 2026 - 10:28

Wer eine "einfache" Sprache fordert bzw. für gut befindet, öffnet damit dem "einfachen" Denken Tür und Tor.
Den Nutzen einer solchen Maßnahme werden dann nur diejenigen haben, welche weiterhin mit einer Sprache aufwachsen (darin "gebildet" werden), die komplizierte, schwierige Denkinhalte benennen kann; denn sie sind dann in der Lage, das reduzierte Denken der vielen anderen im ihrem Sinne zu beeinflussen (zu manipulieren).

Jede Demokratie benötigt dringend das differenzierende Denken möglichst Vieler im Volke! Deshalb ist eine gemeinsame Hoch-Sprache, die komplizierte Inhalte adäquat beschreiben kann, in dieser anspruchsvollen Staatsform das Wichtigste überhaupt!

Eigentlich dürfte es in diesem Punkt keine Uneinigkeit geben. Doch leider ist das
"einfache" Denken offenbar in den Köpfen der sich als "geistige Elite" unseres Landes Dünkenden bereits so weit fortgeschritten, daß sie zu dieser grundlegenden Erkenntnis nicht mehr fähig sind.

... Sozio- oder Polito-Logen, wenn sie mit jemandem sprechen, den sie für dumm oder trottelig halten, oder wenn sie sich selbst im dunklen Wald ihrer eigenen Phrasen rettungslos verirrt haben.

Aber vielleicht sprechen manche diese Sprache, weil man damit auch einfach Geld verdienen kann - wie die Werbetexter für den Berliner Senat, die BVG und die BSR täglich beweisen.

Es ist bei uns allerdings nicht mehr unwahrscheinlich, dass irgendwann in Deutschland alle dumm sind. Die Nicht-Dummen sind dann längst nach Dubai ausgewandert. Dann bleibt hier natürlich nur die einfache Sprache.
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Vielen Dank, Herr Meyer, für diesen Artikel.

Brigitte Miller | Fr., 15. Mai 2026 - 15:21

100% einverstanden, Herr Meyer.

Jens Böhme | Fr., 15. Mai 2026 - 15:56

Es geht bei einfacher Sprache um Teilhabe. Diejenigen, denen Bildung aus verschiedenen, individuellen Gründen nicht möglich ist, sollen verstehen können. Fraglich ist, ob diese überhaupt verstehen wollen. Ob sie Goethes "Faust" lesen und verstehen wollen, ist humanistische Blödelei.

Ist die menschliche Blödelei (im Gegensatz zur KB, zur künstlichen Blödelei) gemeint? Blödelt derjenige Mensch humanistisch, dem Bildung aus verschiedenen, individuellen Gründen nicht möglich war, oder blödelt der Kultusminister humanistisch, der durch die einfache Sprache gewissermaßen Wasser in Wein verwandeln will?

Achim Koester | Fr., 15. Mai 2026 - 15:59

ganz besonders aber wegen ihrer Vielfältigkeit und Mehrdeutigkeit, z.B. Doppelbedeutungen, der Sinnveränderung durch Interpunktion: „der brave Mann denkt an sich(,) selbst zuletzt. Das Alles geht durch die Entstellung, getarnt als Vereinfachung verloren.Vom Genderwahnsinn und dem „Wallah-Deutsch will ich erst gar nicht reden.

Angelika Sehnert | Sa., 16. Mai 2026 - 09:35

Der Artikel beschreibt nur einen Aspekt des kulturellen Niedergangs dessen, was man etwas unscharf, aber dennoch treffend „den Westen“nannte. Man vergleiche nur die Architektur des späten 19. frühen 20. Jhds.mit den Produkten zeitgenössischer Architekten, deren Einfallslosigkeit durch Gigantomanie kaschiert wird. Im privaten Bereich sieht es noch schlimmer aus. Keine Liebe zum Detail, keine Handwerkskunst, nur nackte Effiezienz, architektonische Sprachlosigkeit. Man betrachte das äußere Auftreten unserer staatlichen Repräsentanten, in schlecht sitzender Kleidung und ausgelaschten Schuhen,selbst bei offiziellen Anlässen, trotz großzügiger Alimentierung.Die verarmte, phrasenhafte Sprache der gehaltenen Reden wundert nicht mehr.
Was man vor kurzem als kulturelle Vielfalt bezeichnete,wurde erfolgreich in eine angeblich demokratische Inklusion aller bei allem umfunktioniert,zwangsläufig auf niedrigstem Niveau.Das geht eben nur mit einfachster Sprache.
Wir verarmen in allen Bereichen.