Svenja Schulze - Die Spielerin

Die Umweltministerin Svenja Schulze gehört zu den eher unbekannten Mitgliedern der Bundesregierung – sie gilt als kompetente Nervensäge, in der SPD gehört ihr die Zukunft

13.12.2018, Polen, Katowice: Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin, spricht bei einer Veranstaltung beim Weltklimagipfel zum Thema Energiewende.
Manche hielten Svenja Schulze für eine Fehlbesetzung, auch Genossen. Doch unterschätzt zu werden, hilft im Spiel / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Wöhrle ist freier Journalist und lebt in Hamburg.

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„Ist man mit 50 noch jung?“, fragt Svenja Schulze lachend, darauf angesprochen, ob sie die jüngste Hoffnung der SPD ist. Manchmal wird aus ihrem Lachen ein kindliches Prusten und Glucksen. Das war schon zu Juso-Zeiten so, berichten Weggefährten. Manche von ihnen sagen: Bei dieser Frau ist nichts Zufall. Ihre Karriere hat sie strategisch geplant. Zug um Zug. Karte für Karte. Schachspieler oder Pokerspieler verstehen etwas davon. Und weil Schulze diese Gabe hat, ist sie vielleicht wirklich ein Stück Zukunft der Sozialdemokratie. Selbst der Umstand, dass manche sie für eine Fehlbesetzung halten, auch Genossen, kann ihr in die Karten spielen: Unterschätzt zu werden, hilft im Spiel.

Da wäre zum Beispiel ihr fantastisches Verhältnis zu Andrea Nahles, mit der sie auf den legendären Juso-Partys in den neunziger Jahren abtanzte („Keine Details, bitte!“). „Ohne Nahles wäre die Schulze niemals Bundesministerin geworden“, sagt ein Genosse aus ihrer Heimat Münster. Schulze war bereit, als im Frühjahr die Große Koalition gebildet wurde, war vorbereitet. Schon 2005, als die SPD die Regierungsmacht in Nordrhein-Westfalen an Jürgen Rüttgers von der CDU verlor, fing sie an, sich für das bei Parteifreunden wenig beliebte Thema Umwelt zu interessieren. Denn Svenja Schulze wusste: Das wird noch mal wichtig. Sie wurde dann aber erst einmal Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung unter Hannelore Kraft.

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Joachim Wittenbecher | Fr, 25. Januar 2019 - 18:54

Sehr interessanter Artikel von Herrn Wöhrle. Strategische Karriereplanung, Nervensäge, kein Bundestagsmandat - das alles ruft Skepsis hervor. Es wird auf die Leistungsnachweise in naher Zukunft ankommen, auf nichts anderes.

Karsten Paulsen | Sa, 26. Januar 2019 - 00:24

Das ist eine Art von Wohlfühl Artikel, wie ich sie sonst nur von der Hofberichtenden Presse ala´ Zeit und Spiegel kenne. Ich denke Cicero sollte darauf verzichten.

Annette Seliger | Sa, 26. Januar 2019 - 09:27

Ich habe herzhaft lachen müssen als ich diese These gelesen habe. Die einzig positive Erscheinung in der SPD ist für mich bislang die Familienministerin. Sie scheint ihren Job ernst zu nehmen und kommt glaubwürdig rüber.
Die sonstigen Protagonisten, Schulze, Barley, Heil, Scholz, Maas, Nahles, etc. machen nicht den Eindruck als ob sie wirklich richtig daran interessiert sind dem Land zu dienen. Sie haben das System SPD für sich persönlich genutzt und es als irgendwie selbstverständlich angesehen, dass die SPD immer ein sicherer Arbeitgeber mit überdurchschnittlich hohem Einkommen sein wird, der die nachfolgenden Generationen sicher auf Kosten der Allgemeinheit versorgt.
Leider, für die leben wir in einer Demokratie und der Bürger entscheidet über die Arbeit der SPD. Diese wird in 2019 Niederlagen nie gekannten Ausmaßes erleiden, aber das wird für die o.g. Protagonisten nicht schlimm sein. Die haben ihre "Schäfchen" im Trockenen und ob es schlimm ist wenn es die SPD weg ist?!

Die Familienministerin ??? Ist das Ihr Ernst oder nur Ausdruck rein persönlicher, menschlicher Sympatie? Sympatisch ist mir und sicher noch vielen Anderen die Dame auch aber geht es darum? Ich bringe, frei jeglicher persönlicher, emotionaler Sympatien und Beziehung eine andere Person ins Spiel: Torsten Schäfer-Gümpel. In TSG sehe ich im Vergleich mit der Berliner Brut den einzigen authentischen Sozialdemokraten dem es noch gelingen könnte, die SPD wieder für weite Kreise der normalen, arbeitenden Bevölkerung wählbar zu machen, deren Interessenvertretung authentisch und ehrlich zu proklamieren.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 26. Januar 2019 - 09:31

uns eine gründenkende Politikerin als SPD-Retterin anzupreisen. Was außer Umwelt hat sie denn noch so drauf? Ach ja, strategisches Denken, wie man am besten zu einem Posten kommt. Stimmt , sie ist ja gut vernetzt mit der pensionierten Kraft, dem abgeschobenen Schulz und natürlich mit Pippilotta-Nahles. Wow, die kanns aber jetzt.
Wenigstens hat sie ein abgeschlossenes Studium und hat sogar mal kurz Werbung gemacht und Unternehmen beraten. Ach, biestig kann sie auch sein und nicht alle mögen, aber respektieren sie. Ach, auch sie kann mit Heimat offenbar nichts anfangen und empfindet die Herkunftsstadt ihres Mann einfach nur als Stadt der Liebe. Kein kritischer Geist in diesem Staat muss jetzt Angst bekommen vor einer erstarkenden SPD, weil es diese Ministerin gibt. Da sie strategische Planerin ihrer Karriere ist, wird sie bestimmt bei Abwahl der SPD einen Platz bei den Grünen finden. Nur, da muss sie noch ihre Einstellung zu den SUV ändern, die fahren die Grünen nämlich sehr gern.

Werter Herr Konrad, R Habeck fährt 7 BMW, das zur Ehrenrettung der Grünen ?

Claudie cotet | Sa, 26. Januar 2019 - 10:12

das erinnert mich an einen vortrag des leiters der akademie fuer fuehrungskraefte, vor circa 30 jahren im tv:
und abschliessend gebe ich Ihnen nur noch eines auf den weg:
oben wird gespielt, unten wird gearbeitet.
man sieht, wohin das deutschland gebracht hat.
die deutschen, an der regierung beteiligten parteien und die gruenen erinnern mich an die strukturen der mafia :
familien und clans ....
wie zb ist es moeglich, dass eine “politikerin” wie von der leyen
noch im amt ist?
darf hier bis zur letzten karte alles verloren werden?
auf kosten des volkes ?
ohne verantwortung zu uebernehmen.
und der reibach verschwindet in den taschen der croupiere = familien- geleitete
fehlinstruktoren.
nur ein beispiel.
fast waere schavan wieder institutionalisiert worden..
wer zieht im hintergrund die faeden?
pate/patin ?
so intelligent ist doch merkel nun auch nicht,
spieglein, spieglein an der wand, wer ist “das” maechtigste hier im land ?

Gerhard Lenz | Sa, 26. Januar 2019 - 16:26

In reply to by Claudie cotet

Im internationalen Vergleich steht Deutschland hervorragend da. Sicherlich wird die Schere zwischen Arm und Reich auch bei uns immer breiter, aber das ist weltweites Problem.

Sicherlich spielt Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Polen, Ungarn, Russland oder jetzt auch Italien - Länder, deren Spitzenpolitiker von Kritikern unseres Systems hochgelobt werden - blendend da.

Besonders ein Herr Orban wäre längst abgedankt, würden ihn nicht regelmässige Finanzinjektionen aus dem verhassten Brüssel am Leben halten.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 26. Januar 2019 - 18:24

In reply to by Claudie cotet

hat immer zwei geboren. So sagte Meister Yoda im Krieg der Sterne: " Immer zu zweit sie sind, nicht einer mehr und nicht einer weniger". :) Ich denke, wir müssen den Hintergrund einfach nur ausleuchten. Ich habe eine Idee, will aber kein Verschwörungstheoretiker werden. Irgendwann sieht man den Strippenzieher/in. Geduld ist gefragt.

Jürgen Keil | Sa, 26. Januar 2019 - 13:26

… aber vielfach des Volkes Meinung widerspiegeln. „Wir müssen raus aus der Kohle!“ „Wir brauchen weniger SUVs auf den Straßen!“ „Das Klimaschutzgesetz ist in Arbeit!“ Herr Wöhrle, woher bitte nehmen Sie die Gewissheit, dass dies des Volkes Meinung ist? Habe ich eine plebiszitäre Volksbefragung verpasst? Also, die Grünen sind nicht das Volk! Da können Sie Herrn Habeck fragen. Volk, was ist denn das?

Horst Weber | Sa, 26. Januar 2019 - 14:50

Solange Frauen wie Nahles oder diese Frau Schulze per Mimik, Gestik, Sprache und Äußerem diesen Typus verkörpern, kann die SPD sicher keinen Blumentopf gewinnen, zumal das äußere Bild ja bekanntlich für Politiker/innen das einzige sein soll, welches zählt.
Altmeier von der CDU profitiert von einer 'Fähigkeit zum rhetorischen Ablenkungsmnöver.
Armes Deutschland.

Gerhard Lenz | Sa, 26. Januar 2019 - 16:32

dürfte die große Zeit der Sozialdemokratie. Dabei gibt es dort zuhauf talentierte Politiker: Auch Barley oder Maas gehören zweifellos zum Besten, was Europa's Politik zu bieten hat.
Nur ist den Sozialdemokraten die Klientel abhanden gekommen: Der Arbeiter, den die SPD gerne vertreten würde, gibt es gar nicht mehr, und wenn, ist er möglicherweise sogar bei der AfD gelandet - obwohl die überhaupt keine Sozialpolitik ausformuliert hat - aus purem Protest. Dabei gäbe es genug für die SPD zu tun: Wohlstand wird immer ungleicher in Deutschland verteilt. Und die Linke macht sich ständig selbst unglaubwürdig: Durch Anbiederung an Putin, durch populistische Ausflüge Wagenknechts, jüngst durch Solidarität mit dem abgewirtschafteten Maduro-System in Venezuela. Chancen für eine sozialdemokratische Partei gibt es also durchaus, nur wird die SPD diese durch ihr Kleben an Merkels CDU völlig verspielen.

Gottfried Meier | Sa, 26. Januar 2019 - 20:07

Diese Frau wäre in jedem Fall ein Grund, mein Kreuz nicht bei der SPD zu machen.

Robert Hagen | Sa, 26. Januar 2019 - 23:20

Raus aus KK und Kohle, Strompreise hoch, bedrohlich sinkende Stromversorgungssicherheit; Grenzwerte für Diesel rauf, Vernichtung zweistelliger Milliardenbeträge der Werte Kleiner Leute; Milliarden versenken in sogenannten Klimaschutz fragwürdigster Wirksamkeit; Gebäudewärmedämmungswahn zu Lasten der Mieter: Stimmt, in der SPD gehört Svenja Schulze die Zukunft. Nur leider wird die SPD mit dieser Politik keine Zukunft mehr haben.

Steve Kunze | Sa, 26. Januar 2019 - 23:37

Die Ministerin hätte auch gefragt werden können, warum sie nicht überprüfen lässt, wie es zur Anerkennung der DUH (Deutschen Umwelthilfe) durch ihr Ministerium (vor ihrer Zeit) als verbandsklagebefugte Umweltschutzorganisation kommen konnte, ob wohl eine von fünf Voraussetzung dafür bis heute nicht vorliegt. Diese wäre: Es wird jeder als Vereinsmitglied aufgenommen, der bereit ist, den Vereinszweck zu unterstützen. Stattdessen ist die DUH laut Satzung ein "geschlossener Club". Aufnahmeanträge werden derzeit (noch) ignoriert. Man kann sich auch denken, was dahinter steckt. Man will einer "feindlichen Übernahme" des Vereins durch ein paar hundert Neumitglieder vorbeugen. Die könnten dann nämlich gegen die ca. 270 Stimmen der "Altmitglieder" den Vorstand umbesetzen und der ehrenwerte Herr Resch wäre seinen hochdotierten Posten los. Nun, schauen wir gespannt, wie lange das noch so laufen wird. Ich bekäme 300 Leute ohne Probleme zusammen, die dort eintreten würden. :-)