Karl Marx, Trier, China und Corona - Die Mutationen des Kommunismus

Die Volksrepublik China hatte Trier im Jahr 2018 eine Karl-Marx-Statue geschenkt. Gerade in Zeiten der Coronakrise ließe sich sagen: Der Kommunismus kehrt auf verschlungenen Wegen in seine Heimat zurück.

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Der Kommunismus findet seinen Weg zurück nach Trier / dpa

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Alexander Marguier

Vor zwei Jahren, am 5. Mai 2018, wurde auf dem Trierer Simeonstiftplatz aus Anlass des 200. Geburtstags von Karl Marx eine 4,90 Meter hohe Bronzeskulptur des berühmtesten Sohnes der Stadt enthüllt. Das Werk des Künstlers Wu Weishan war ein Geschenk der Volksrepublik China – eines Landes also, das von einer sogenannten Kommunistischen Partei regiert wird, die ihre eigene Existenz offenbar sehr selbstbewusst auf die Lehren des Anwaltssprosses aus dem Rheinland zurückführt. Man könnte sagen, der Kommunismus war auf verschlungenen Wegen in seine Heimat zurückgekehrt.

Marx selbst hatte den Weg zur klassenlosen Gesellschaft bekanntlich nicht exakt vorgezeichnet, sondern dessen Verlauf im Ungefähren gelassen – ein iterativer Prozess voller historischer Chancen und Überraschungen. Er sollte recht behalten. Nur allzu gern wüsste man deshalb, wie Geschichtswissenschaftler in weiteren 200 Jahren darüber befinden werden. Vielleicht vergleichen sie den Marxismus dann mit einem Virus, das erst viele Mutationen durchlaufen musste, bis es seine stärkste Wirkung entfalten konnte.

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Dr. Michael Bauer | Sa, 16. Mai 2020 - 20:58

Danke. Es wäre nur noch die ermüdete und ermüdende Dekadenz zu ergänzen. Das individuelle Freiheitsbedürfnis ist im Wohlstand ersoffen. Man muss sich nur die verängstigten Maskenschafe anschauen. Eigenverantwortung? Was war das nochmal?

Es sind wohl eher die, die jegliche Gefahr der Weiterverbreitung des Virus verleugnen, die sich wie Schafe aufführen. Besoffen von der eigenen "Klugheit".

Und glauben dann noch, den Rest der Welt belehren zu können.

Das ist nicht Eigenverantwortung. Das ist Dummheit.

Seit Jahren und Jahrzehnten werden Zechen geschlossen. Die Kohlekumpels verloren und verlieren massenhaft ihre Jobs. Das fanden und finden alle total normal und völlig okay. Berufszweige sterben komplett aus. Völlig unbemerkt von einer Kultur trunkenen, durchgeistigten Bevölkerung. Party, Kiez sind das wichtigste. Uns quillt die Dekadenz aus allen Poren. Eigenverantwortung - auch und gerade bei der Berufsentscheidung - Fehlanzeige. Der Staat - also wir - sollen es dann richten, dass Teile der Bevölkerung ausschließlich ihren Spaß haben wollen. Hat Marx das so gemeint?

Kommunismus/Sozialismus hat sich primär in Gesellschaften durchgesetzt, immer mit einem Bürgerkrieg, in denen es keine Tradition der Aufklärung gab. Russland, China. Das 18./19./20.Jhdt. kann kulturhistorisch nicht ausradiert werden. Bei uns mögen sehr viele sozialstaatsbesoffen und verweichlicht sein, der Sinn für Freiheit ist aber in allen, irgendwo. Mehr oder weniger bewusst wissen die Menschen, dass " Kommunismus/Sozialismus " immer und überall, und zwangsläufig, zur repressiven Diktatur des Apparats führt.

Kommunismus? Dahinter verbirgt sich das "Kommunistische Manifest" der Autoren Karl Marx und Friedrich Engels. Und in der Wirklichkeit?
War bzw. ist die Staats- und Regierungsform in der "Volksrepublik China" wirklich "Kommunismus"? Was verbarg sich in Wahrheit hinter dem DDR-Regine?
Und die Sowjetunion? Brachte Lenin wirklich den "Kommunismus", wie von Marx und Engels konzipiert, in das Russische Reich?
Wer mit dem Begriff "Kommunismus" operiert, sollte nach Möglichkeit auch dessen theoretischen Hintergrund offenlegen und mit den gesellschaftlichen Praktiken vergleichen.
In den meisten Fällen dürfte sich herausstellen, daß es "Kommunismus" eigentlich gar nicht gibt und auch nicht gegeben hat.
Gut gemeint, aber schlecht gemacht. Dies dürfte auch auf die gesellschaftlichen Konstrukte zutreffen, die schlechthin als "Kommunismus" bezeichnet werden.

Haben Sie eigentlich auch in die Hände geklatscht, als in Venezuela der Sozialismus an die Macht kam? Jetzt ist das Land ruiniert die Menschen verarmt und nun war es wieder nicht der ECHTE Sozialismus/Kommunismus.
Während hier die wohlstandsverwöhnten Intellektuellen vom erneuten echten Sozialismus träumen, fliehen die Menschen aus den sozialistischen Ländern in ein kapitalistisches Land um nicht zu verhungern. Ich frage mich, warum die Leute hier so anfällig für Ideologien sind. Ist das normale Leben hier zu langweilig und zu niveaulos? Oder ist es die Sehnsucht nach Abgabe von Eigenverantwortung, wie ein Kommentator angemerkt hat?
Wie viele kommunistische Menschenversuche brauchen Sie denn noch, um sich mit der Realität abzufinden? Sorry, alle haben natürlich Marx und Engels falsch verstanden.

Sie versuchen sich und uns durch rhetorische Rabulistik an den Fakten vorbeizumogeln. In der DDR wurde das Wort von 'real existierenden Sozialismus' formuliert. Diesen gab es in der Sowjetunion und in China sowie in deren abhängigen Gebieten: (DDR, Ost-Europa, Nordkorea, Kambodscha, Vietnam, Kuba, Äthiopien, Mocambique, Angola usw.) und neuerdings Venezuela. Alle diese Staaten stehen für Unfreiheit, wirtschaftlichen Niedergang, Armut, Menschenrechtsverletzungen, eine gesteuerte Einheitspresse. Stalin, Mao, Pol Pot, Mengistu waren Massenmörder. Marx kann sich zu den praktischen Ergebnissen seiner (ggf. auch verfälschten) Lehre nicht mehr äußern.
Wenn Sie meinen, der 'real existierende Sozialismus' hätte mit dem Marxschen Konzept/Entwurf nichts oder wenig zu tun - dann jagen Sie einer Fata Morgana nach. Entscheidend ist: Es gibt KEIN positives Beispiel.
Und:
Das Gerede von den 'Völkerabfällen' (Tschechen, Bretonen, Basken, Südslawen) klingt bereits sehr verdächtig nach HOLODOMOR.

Marx und seine Epigonen haben nur nie begriffen, dass eine Wirtschaft ohne Markt und Privateigentum nie die Grundlagen für eine " gerechte Gesellschaft " produzieren kann, und dass die Diktatur des Apparats immer nur Privilegien für die Apparatschiks und relative Gleichheit aller auf bescheidenem Niveau ermöglicht. Dies schließt keineswegs aus, dass auch eine kapitalistische Marktwirtschaft sozial ausgeglichener sein kann als es die Ordo-Liberalen nach dem Krieg mit der " Sozialen Marktwirtschaft " bisher geschafft haben.

Christa Wallau | So, 17. Mai 2020 - 02:45

Wir hatten ihn in DE bereits einmal - 40 Jahre lang als "Deutsche Demokratische Republik".
(Demokratisch???... Hahaha!)
1989 befreiten sich mutige Deutsche f r i e d l i c h von dieser "Diktatur des Proletariats". Eine großartige Leistung!
Und w a s passierte dann???
Ausgerechnet eine in der DDR sozialisierte, machtbewußte Frau wählten sich die wohlstandsverblödeten Westdeutschen zur Kanzlerin, und so kehrte - peu à peu - eifrig unterstützt von linken Salon-Sozialisten in allen Medien - der Sozialismus zurück.
Kampf d. Bürger für Grundrechte, Freiheit, Selbstbestimung wird nur 30 Jahre nach dem Ende der DDR erneut geächtet!
Vorgestern geschah - meines Erachtens - etwas Ungeheuerliches:
In Mecklbg.-Vorpomm. wurde eine Frau zur Verfassungsrichterin gewählt, die seit 1976 Mitglied der SED war u. nach der Wende nahtlos der PDS u. den Linken angehörte. Eine astreine Kommunistin!
Kann da noch jemand ernsthaft bezweifeln,
daß der Kommunismus in DE auf breiter Front im
Vormarsch ist?

Frau Merkel will also in der BRD den Kommunismus einführen - oder wenigstens voranbringen?

So eine Aussage kann man nur als hochgradig wirr bezeichnen.

Nun gut, dass Frau Merkel für AfDler wie Frau Wallau eine direkte Reinkarnation von Karl Marx ist, ist sicher irgendwie nachvollziehbar.

Vielleicht informiert sich die stramme Anti-Kommunistin mal, wie viele ehemalige SEDler sich heute in den Ost-Landesverbänden der vaterländisch-völkischen AfD wohlfühlen.

Ernst-Günther Konrad | So, 17. Mai 2020 - 07:38

Ach ja, der gute alte Marx. Hat da was theoretisch Wohlklingendes und Menschenfreundliches geschrieben. Nicht immer ganz konkret, doch sich gut anhörend und eigentlich auch gut anfühlend, wenn man es nur liest. Setzt man seine sicher an der ein oder anderen Stelle, eben theoretisch erkannten Gedanken in die Tat um, kommt da Sowjetunion, China, Venezuela, Nordkorea und einige bereits vergangene Staatengebilde heraus.
Theorie und Praxis, da trennen sich Welten. Ich kenne keinen kommunistischen Staat, der tatsächlich die theoretischen Ansätze, menschenfreundlich ohne Zwang und Fremdbestimmung des Volkes umgesetzt hat.
Nicht nur diese Skulptur fand ihren Weg nach DE, auch einige kommunistische Theorien haben Einzug in die aktuelle deutsche Politik gefunden. Eine ehem. FDJ-Sekretärin versucht sich, einige dieser Theorien wieder einmal in die Praxis umzusetzen. Tja. Marx ist bei einigen alternativlos. Sie wird scheitern, so wie China irgendwann scheitern wird. Die Frage ist nur:
Wann?

"Einige kommunistische Theorien haben Einzug in die aktuelle deutsche Politik gefunden...."

Wie ich sehe, halten Sie sich auch bei der Beurteilung des Marx'schen Theoriegerüstes für kompetent.

Erzählen Sie uns doch mal, welche Elemente der "Konflikttheorie" von Frau Merkel in den deutschen Politikalltag eingeführt wurden.

Nur nebenbei: Vor Jahren wählten die Leser der größten Tageszeitung Triers, einer Stadt, in der regelmässig die CDU stärkste Partei ist, Karl Marx zur bedeutendsten Persönlichkeit Triers.

Manche Menschen sind eben priviligiert darin, historische Persönlichkeiten unvoreingenommen zu betrachten - ohne automatisch negative Entwicklungen in Folge auszuschliessen.

Jens Böhme | So, 17. Mai 2020 - 11:03

Die Sehnsucht nach Abgabe der Eigenverantwortung kommt nicht von ungefähr. Die Globalisierung fordert viel mehr Verantwortung vom Individuum als noch vor 50 Jahren. Diese Last der Verantwortung will Individuum an andere Entscheider abgeben. So kann Individuum bei einer Fehlentscheidung einen Schuldigen benennen. Das Problem ist, ob das Individuum bis zur kompletten Abgabe seiner Verantwortung sich selbst noch wahrnimmt.