Torsten Albig (SPD), ehemaliger Ministerpräsident von Schleswig-Holstein
Torsten Albig (SPD), ehemaliger Ministerpräsident von Schleswig-Holstein / picture alliance/dpa | Christian Charisius

Torsten Albig empfiehlt Zusammenarbeit mit AfD - Der Vorstoß zur Hölle

Für viele Sozialdemokraten wäre eine Zusammenarbeit mit der AfD wie ein Pakt mit dem Teufel. Torsten Albig, Ex-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, hat nun den Ritt zum ersten Kreis der Hölle unternommen. Die Empörung zeigt, dass sein Vorstoß zu früh kommt.

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb ist Cicero-Autor und war Kultus- und Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört der SPD an.

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Einst war Torsten Albig (SPD) Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, heute arbeitet er als Lobbyist für den milliardenschweren Tabakkonzern Philip Morris. Und manchmal macht er mit Kommentaren zum politischen Zeitgeschehen von sich hören. So auch vor zwei Tagen.

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Pamina | Mo., 25. Mai 2026 - 14:47

Wenn Konservative die Union verlassen wollen, wenn die CDU mit der AfD zusammenarbeitet, dann sind das keine wirklichen Konservativen. Die Wüst-Günther-Riege kann ruhig zu Muttis Grünen wechseln. Vielleicht wäre eine solche Reinigung eher hilfreich für die Union. Ich denke, Merz hat den Punkt einfach verpasst, den ich in seiner Aussage im Januar 25 sehe als er die Stimmen der AfD in Kauf nahm. Er sagte: Das ist mein Weg und ich gehe keinen anderen, egal wer zustimmt. Da brach zwar der Sturm los, aber so ein Sturm dauert auch nicht ewig. So hätte er daran anknüpfend sofort eine Minderheitsregierung mit wechselnden Mehrheiten aufstellen können. Der Sturm wäre inzwischen wieder abgeklungen und das Land und die Union wären besser dran. Merz hätte Standhaftigkeit, Rückgrat und Weitsicht gebraucht, was er aber nicht hat. Mit dem sinnlosen weiteren Hochziehen der Brandmauer hat sich Merz nun jeden Weg selbst verbaut.

Pamina | Mo., 25. Mai 2026 - 14:56

Antwort auf von Pamina

Merz hatte die Brandmauer schon einmal eingerissen. Bei dieser Haltung hätte er nur bleiben brauchen. Gegenwind muss man aushalten, aber selten war die Gelegenheit so günstig, um mit dem Kindergarten der Brandmauer Schluss zu machen und seine Wahlversprechen auch umzusetzen.

Thomas Hechinger | Mo., 25. Mai 2026 - 15:26

„Und das war wohl der einzige Fehler, der Torsten Albig tatsächlich unterlief. Er eröffnete die Debatte viel zu früh, er traf nicht den Kairos.“

Das sehe ich anders. Herr Albig scheint keine Aufgabe in der Politik mehr zu suchen. Es wäre mir jedenfalls bisher nicht aufgefallen. Er kann also frei Schnauze reden. Der Gedanke der Öffnung der SPD zur AfD ist jetzt in der Welt, auch wenn er von den politischen Akteuren der SPD mit Empörung und Abscheu zurückgewiesen wird. Er wird, vielleicht, wuchern. Oder eingehen. Wäre Herr Albig aktiver Politiker, irgendein stellvertretender Landesvorsitzender von Brandmauerburg oder so, sähe es anders aus. Das wäre sein politisches Todesurteil gewesen. Als freier Wilder kann ihm das gleichgültig sein.
Es wäre übrigens ein Treppenwitz der Geschichte: Während die CDU sich von links bis zur Selbstzerstörung eine Brandmauer aufschwätzen läßt, schließt die SPD ein Bündnis mit der AfD.

... Kategorie in die politische Diskussion einbringen!

Sie werfen damit ein Schlaglicht auf die verkrustete Struktur unserer Parteien-Landschaft, und auf die verkalkte Denkstruktur der heutigen deutschen Politologie, die am Fließband denkfaule politische Funktionäre produziert, Funktionäre, die ihrer Mehrzahl nicht mehr selbst denken können und zu nichts mehr taugen. Sie können selbst beim lautesten Klang der Glocke nicht mehr verstehen, was die Stunde geschlagen hat.

Für jeden, der strategisch denken muß, ist der καιρός wichtig. Der kleine Tim wird seine Französisch-Fünf dem Vater besser nicht vorlegen, wenn der abends übelgelaunt von der Arbeit nach Hause kommt, sondern wenn er fröhlich und munter mit Mama am sonntäglichen Frühstückstisch sitzt, vielleicht noch kombiniert mit der Mathe-Drei. Und auch der Feldherr wird seine Armee erst dann ins Feld schicken, wenn er die Gelegenheit, den Feind zu schlagen, als günstig erachtet. Und so muß auch ein Politiker den richtigen Augenblick abwarten, wenn er einen kühnen Vorstoß wagen will. Insoweit gebe ich Herrn Brodkorb recht. Nur ist Herr Albig kein aktiver Politiker mehr, so daß sein Vorgehen anderen Kriterien des richtigen Moments unterliegt.
Dessen ungeachtet stimmt natürlich Ihre Diagnose, daß unsere Parteien-Landschaft eine verkrustete Struktur darstellt, die zur Lösung der schweren Depression, die in allen Feldern über Deutschland liegt, nicht mehr taugt.

Dr. Oliver Strebel | Mo., 25. Mai 2026 - 15:47

Laut INSA-Umfrage vom 23.5. reichen 44% der Wählerstimmen für die absolute Mehrheit. AfD und Linke liegen bei zusammen 40%. Was passiert bzgl. der Nato, wenn diese Parteien zusammen knapp über 44% liegen?

Aus Deutschland wird womöglich das schlingernde Schiff mitten in Europa, vor dem Alfred Dregger und von Weizsäcker (?) anfang der 90er gewarnt haben.

Die Lösung liegt in Minderheitsregierungen, die in Dänemark sehr brauchbar funktionieren. Dazu muss man auch gar nicht mit der AfD zusammenarbeiten, sondern nur dem Wähler klar machen, dass die AfD Gesetze blockiert, die in Richtung ihres Programmes gehen. Die kommunikative Kunst liegt dann darin, geschickt der AfD den schwarzen Peter für die Blockade zuzuschieben. Das ist natürlich schwieriger als tumbes Geschrei gegen die AfD.

Und ohne ein Entgegenkommen gegenüber dem Willen der AfD-Wähler geht der Schrumpfkurs der Etablierten weiter. Da sollte man sich tunlichst keinen Illusionen hingeben.

„Die kommunikative Kunst liegt dann darin, geschickt der AfD den schwarzen Peter für die Blockade zuzuschieben.“

Warum soll immer mit unlauteren Mitteln gearbeitet werden?

Dr. Oliver Strebel | Mo., 25. Mai 2026 - 16:07

Antwort auf von Pamina

Und ungeschicktes Kommunizieren schadet einem selbst. Also sollte man besser geschickt sein :-).

Ja sehe ich auch so, die AfD hat gem. der Thüringer Verfassung einen MP der FDP gewählt. Nirgendwo steht, das der eigene aufgestellte völlig Unbekannte Kandidat auch von der ihm das Amt angebotenen Partei gewählt werden muss. Jeder halbwegs 1+1 rechnen könnende Abgeordnete konnte sich ausmalen was passiert. I.ü. Ich auch da ich dieses Links grüne Possenspiel des Ober SED Erben durchschaute ohne eigene Mehrheit und ohne Absprache mit der CDU zur Wahl stellte.
Das Schlußendlich Kemmerich von der FDP als MP mit Stimmen der AfD gewählt wurde, war geschickt und nicht unlauter. Den Rest dürften Sie wohl kennen. Und nun …… Da wurde eine legitime Wahl auf Merkels Befehl rückgängig gemacht.
Was Sie da in Punkto der AfD fordern sind die gleichen Taschenspielereien wie sie von den etablierten Parteien fast täglich im Umgang mit der AfD gemacht werden, denn den Mut ein Verbotsverfahren anzustoßen, haben diese Kasperl nicht da der Ausgang höchst ungewiss ist
MfG a d Erfurter Republik

Werter Herr Frank,

Ihre Empörung bezüglich Kemmerich teile ich. Das Bundesverfassungsgericht hat ja bezüglich Merkel unsere Position bestätigt.

Bzgl. AfD reicht es mir aber schon wieder komplett, seit ich ins Landtagswahlprogramm Sachsen-A. geschaut habe. Im einen Paragraph fordert man, dass Lehrer wieder Autoritäten werden müssen. In einem späteren Paragraph jammert man, dass die Schüler indoktriniert würden, weil die Lehrer Autoritäten seien. Ja was denn nun?

Um die AfD auszumanövrieren braucht es mE. weder unlautere Methoden noch Taschenspielertricks. Es reicht mE, die Ungeschicklichkeit der AfD auszunutzen.

rügte Merkel, als Sie bereits Monate aus dem Amt ausgeschieden war. Da gabs natürlich keine Eil- Entscheidung durch das BVG …..
Zum Pkt. „Lehrer“ wenn Bekannte Linke Stiftungen zur Lehrerweiterbildung beauftragt werden, hat das genau so einen Faden linken Beigeschmack wie ein Informationsbus für Schulen in dem eine Gefängniszelle mit Frau Dr. Weidel zu sehen ist.
Meine Enkel, 3. Klasse staatliche Grundschule erzählten mir Stolz die Vorteile der EU. Auf meine Nachfrage, hat denn die EU auch Nachteile ? Betretenes Schweigen.
Das ganze Schulsystem der BRD ist doch nur ein Experimentierfeld grün linker Bildungsminister in den Ländern.und genau so ideologisch Überfrachtet wie das Bildungssystem der DDR, bloß mit dem Unterschied ,das die Facharbeiter und Ingenieure gut ausgebildet waren mit Kusshand Arbeit im Westen nach der Wende eingestellt wurden. Ich weiß wovon ich rede da ich seit 91 als Dipl.Ing. In NWR fast bis zur Verrentung arbeitete
Mit besten Grüßen a d Erf. Rep.

dass man der AfD seit vielen Jahren für alles und jedes den schwarzen Peter zuschiebt? Auch für alles, was man selber verbockt?
Zum Beispiel mit den "autoritären oder nicht autoritären Lehrern": nur gut, dass bei den anderen Parteien weder Ungeschicktheiten noch Widersprüche vorkommen..

Werte Frau Miller,

die Etablierten verstopfen die Kommunikationskanäle der Republik mit grottenschlecht erfundenem Klimbim. Das beste Beispiel ist das Wannsee-Geheimtreffen. Im Presseclub hatte die Correctiv-Chefin schon längst die Deportationen widerrufen Danach konfronierte Hayali Herrn Chrupalla trotzdem noch mit Deportationen. Das ist blanke Wahlwerbung für die AfD.

40% der Wähler, die angeben, finanziell schlechter gestellt zu sein, wählen AfD im Bund. Bringt eine bürgerliche Minderheitsregierung 30000 EUR Steuerfreibetrag für alle und für jedes Kind im Haushalt 20000 EUR obendrauf als Gesetzentwurf ein und die AfD verweigert sich, hat sie dumm den schwarzen Peter gezogen.

So meine ich das.

Viele Untersuchungen zeigen: etwa 1/3 der Deutschen haben keine Ersparnisse mehr. Wir haben ein soziales Problem. Von links tönt da nur blöder Gramsci-Sound. Und laut Programm Sachsen-A wird mE. die AfD nur einen anderen Gramsci-Sound spielen. Das braucht das Land nicht

nicht braucht, ist das von den Einheitsparteien zu erwartende und bisher auch immer praktizierte allseits bekannte 'weiter so' und um die selbst verursachten Probleme zu lösen, noch mehr davon. Nein, Dieter Strebel, mit den Einheitsparteien wird es keine Lösung geben, die haben den schwarzen Peter haben seit 20 Jahren.

Johannes Renz | Mo., 25. Mai 2026 - 15:53

Das Problem ist nicht die Brandmauer an sich, sondern die real exisierende Brandmauer. Wenn man lieber einen vernünftigen Antrag nicht durchs Parlament bringt als mit Stimmen der AfD. Aber stattdessen Anträge ohne (!) die AfD durchs Parlament bringt, die aber gleichwohl die Demokratie beschädigen (Unterstützung zweifelhafter NGOs, Petzportale etc.). Letzteres praktiziert die AfD ja auch, nur halt auf der rechten Seite, die anderen auf der linken. Letztlich gehen so Mass und Mitte verloren. Und das Wahlvolk ist frustriert. In den USA ist das letztlich genauso, aber eben eine Stufe weiter. Trump ersetzt die linke Wokeness durch eine Wokeness von rechts. Sigmund wird das in S-A bei einer absoluten Mehrheit kopieren. Dann werden die AfD-Protestwähler vermutlich aufwachen, aber möglicherweise ist es dann schon zu spät. Ungarn hat 16 lange Jahre gebraucht, bis Orban wieder weg war. Und bei Nethanjahu jährt es sich dieser Tage zum 30. Mal (!), dass er zum ersten Mal Ministerpräsident wurde.

Jens Böhme | Mo., 25. Mai 2026 - 16:02

Wenn man mit dem Gesicht an die Brandmauer gepresst ist und mit blossen Händen den Einsturz derselbigen verhindern will, kann ich die SPD gut verstehen, dass sie von einem langsam untergehenden Industriezweig (Tabakindustrie) keine Ratschläge braucht.

Johannes | Mo., 25. Mai 2026 - 16:42

und dem Höllenkreis der Sch..... zu vergleichen, finde ich sehr gut. Alles verbunden mit ekelhaftem autoritären Gehabe, Geschmacklosigkeit bis zu geistiger Gewalt.

Kommt der Vorschlag Albigs nicht vielleicht auch zu spät?

Wolfgang Borchardt | Mo., 25. Mai 2026 - 17:29

"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen einige Menschen Mauern und einige Windmühlen."

Ingo Frank | Mo., 25. Mai 2026 - 17:58

Nee, ehr wie ein den Fangschuss erhaltener alter Esel ……der weiß das seine Lebensjahre vorbei sind.
( ein Esel kann die Lebensdauer eines Menschen i.ü. Übertreffen so wie die SPD 😂)
Mit besten Grüßen aus der Erfurter Republik

C. Schnörr | Mo., 25. Mai 2026 - 20:03

… vernünftiger Vorschlag kommt niemals zu früh. Die SPD outet sich weiter, auf dem direkten Weg ins Jenseits der 5%. Gut so!

soistes | Mo., 25. Mai 2026 - 21:31

Sommer.

Der gesunde Menschenverstand ist in Deutschland wohl immer noch nicht angekommen.

Nobody told me that life is so short.

In diesem Sinne: Servus Pfüagott & vielleicht auf ein Wiedersehen. Oder auch nicht ;)

Warum Lebenszeit verschwenden, wenn die Widerhaken nicht weniger werden. Alles gute nach den 4,9 % oder beim "Kollektivrausch 30 %"

Es dauert wohl noch einige Jahre bis der gesunde Menschenverstand Deutschland wieder erreicht hat & bis der Souverän erkannt hat, dass er selbst für sich sorgen muss, weil der Außenrand jeglichen Couleur ihn hinter die "Fichte geführt" hat.

Übrigens Wassermelonen würde ich jetzt bei den heißen Temperaturen nicht wirklich essen. Warum? Die sind außen Giftgrün, innen tiefrot & durchsetzt mit braunen Kernen. Bye Bye

Das hier ist schon besser:

https://www.youtube.com/watch?v=tl-tDak8854&list=RDtl-tDak8854&start_ra…

Markus Michaelis | Mo., 25. Mai 2026 - 22:30

Ich glaube nicht, dass man Albigs Vorstoß nur taktisch auffassen sollte. Die Nicht-AfD-Parteien müssen auch nicht mit der AfD zusammenarbeiten - das ist nicht der Punkt. Ein Hauptkritikpunkt an der AfD ist, dass sie "das" Volk vertreten will, was (a) einfach falsch ist (weil >50% sie tief ablehnen) und (b) damit Menschen ausschließt. Aus Punkt (b) folgert man, dass die AfD Nazi, rassistisch und menschenfeindlich sein muss.

Dagegen stehen die Nicht-AfD-Parteien, die für Gerechtigkeit, Grundgesetz und Menschenrechte stehen, also für die Menschheit. Das scheint mir ein Hauptpunkt und dazu müssen sich diese Parteien erklären: der Volksanspruch der AfD ist anmaßend, aber selber vertritt man die Menschheit? Hat man die Menschen gefragt? Will Pakistan von den Grünen vertreten werden?

Die Parteien müssen erklären für was sie stehen und für was nicht. Wenn sie weiterhin erklären, dass sie für die Menschheit stehen, sehe ich eher schwarz für sie - egal mit wem sie nicht zusammenarbeiten.