Talkshow-König Oskar Lafontaine

Oskar Lafontaine ist Deutschlands ungekrönter Talkshow-König. Insgesamt acht Mal war der Vorsitzende der Linkspartei in 2008 zu Gast in einer der drei großen Politik-Talksendungen im deutschen Fernsehen. Egal ob bei Will, Illner oder Plasberg: Die SPD war Dauergast. Politiker der Linkspartei hatten besonders viele Auftritte bei Anne Will.

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Keiner war 2008 gefragter als er: Oskar Lafontaine häufiger als jeder andere Politiker zu Besuch in einer der drei großen Politik-Talksendungen im deutschen Fernsehen. Jeweils drei Auftritte hatte der Vorsitzende der Linkspartei bei "Anne Will" (ARD) und "Maybrit Illner" (ZDF). In Frank Plasbergs Diskussionsrunde "Hart aber fair" (ARD) trat er zwei Mal auf. Besonders das Duell zwischen Lafontaine und Friedrich Merz (CDU) bei Maybrit Illner am 30. Oktober dürfte in Erinnerung geblieben sein, hier stritten der Wirtschaftsliberale und der Sozialist ganz grundsätzlich: "Kapitalismus gegen Sozialismus?" Nur Illner gelang es, Merz in die Show zu holen. Plasberg und Will bekamen den CDU-Politiker überhaupt nicht zu sehen. Den zweiten Platz im Talkshowgäste-Ranking teilen sich gleich vier Politiker. Jeweils sechs Auftritte hatten CDU-Fraktionsgeschäftsführer Norbert Röttgen, der ehemalige grüne Umweltminister Jürgen Trittin, SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und FDP-Chef Guido Westerwelle. Ein besonderes Faible für Politiker der Linkspartei bewies Anne Will: Sie hatte in 13 von 43 Sendungen (30,2 Prozent) einen aktuellen Mandatsträger oder Funktionär der Linken zu Gast. Gefolgt von Frank Plasberg mit 22,9 Prozent (8 von 35 Sendungen) und Maybrit Illner mit 22,5 Prozent (9 von 40 Sendungen). Gregor Gysi und Bodo Ramelow, je mit drei Auftritten bei Anne Will zu Gast, wurden von Illner und Plasberg gänzlich gemieden. Egal ob bei Plasberg, Will oder Illner: Die SPD war fast immer vertreten. In den 118 Talkshows im vergangenen Jahr gab es 89 Auftritte eines ehemaligen oder aktuellen Mandatsträger der SPD (75,4 %). 68 Mal war die CDU vertreten (57,6 %). Schlusslicht ist - trotz Guido Westerwelle - die FDP mit 22 Auftritten. CSU-Politiker befanden sich besonders häufig bei Anne Will auf der Gästeliste (15 Auftritte). Illner und Plasberg begrüßten zusammen nur 10 Mal einen CSU-Politiker. Wenn Norbert Blüm (CDU) zu sehen war, hieß sein Gegenüber immer Maybrit Illner. Vier Auftritte hatte der Ex-Arbeitsminister in der ZDF-Sendung. So oft wurde kein anderer Politiker in eine der drei großen Shows eingeladen. Auch wenn „Anne Will“ im letzten Jahr ganze 43 Mal und damit drei Mal mehr als „Maybrit Illner“ und acht Mal mehr als „Hart aber fair“ ausgestrahlt wurde, beachtlich ist die parteiübergreifende Statistik über die Gäste trotzdem: 95 aktuelle Mandatsträger oder Funktionäre der sechs großen Parteien waren bei Frau Will zu Gast. Illner mit 68 und Plasberg mit 55 Gästen haben das Nachsehen. Auffällig viele ehemalige SPD-Spitzenpolitiker (15) wurden bei Anne Will eingeladen. Grund dürfte die mittlerweile über zehn Jahre andauernde Regierungsbeteiligung der Sozialdemokraten sein. ARD-Kollege Plasberg und Illner hatten zusammen nur zehn ehemalige SPD-Mandatsträger zu Gast. Nicht eingeflossen in die Statistik sind die Talkshow-Besuche von Oswald Metzger. Der Ex-Grünen-Politiker trat zwar im Januar bei Maybrit Illner und im März bei Anne Will auf. Zum Zeitpunkt der Sendungen war Metzger aber parteilos. Erst im April 2008 trat er nach gut 20 Jahren Mitgliedschaft bei den Grünen der CDU bei. Auch Peter Sodann, Bundespräsidentschaftskandidat der Linken, beeinflusste die Statistik nicht. Anfang Juli begrüßte Frau Illner ihn. Da war er noch Tatort-Schauspieler. Foto: Picture Alliance

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