Martin Schult hebt beide Hände zum Victory-Zeichen
Mit der richtigen Strategie hätte Martin Schulz als Sieger aus der Wahl hervorgehen können / picture alliance

SPD - Warum Martin Schulz der Richtige war und doch abstürzte

Der SPD-Chef macht schon wieder Wahlkampf, aber alle reden über seine entblößenden Bekenntnisse. Doch Schulz und die SPD haben vor der Bundestagswahl fatale strategische Fehler gemacht. Dabei war die Chance da, Kanzlerin Merkel zu stürzen

Autoreninfo

Stefan Tillmann ist Chefredakteur und zweiter Geschäftsführer der Berliner Stadtmagazine tip Berlin und ZITTY. Gerade ist er in Elternzeit.

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Ist Martin Schulz als SPD-Parteichef noch tragbar? Das fragen sich viele nach der Wahlniederlage und noch mehr nach der großen Spiegel-Titelgeschichte, bei der Reporter Markus Feldenkirchen Schulz sehr lange begleitete. Die entscheidende Frage ist aber eine andere, und die bleibt weitestgehend unbeantwortet: Warum genau erfolgte im Bundestagswahlkampf dieser Absturz in den Umfragen? Schulz und sein Team wunderten sich erst über den Hype, dann über den Absturz. Schulz sagte im Spiegel: „Ich stehe vor einem Rätsel“,  und: „Wenn ich nur wüsste, was ich falsch gemacht habe?“ Es sind letztlich die entscheidenden Sätze, denn so ehrenwert es war, dass Schulz sich öffnete, so deutlich zeigt sich, dass er und sein Team überhaupt keine Strategie für den Wahlkampf hatten. Sonst wäre er womöglich der nächste Kanzler.

Denn: Der Hype kam zwar mit großer Wucht, ließ sich aber gut erklären. Schulz war der richtige SPD-Mann zur richtigen Zeit und der perfekte Gegenkandidat zur kühlen Machtpolitikerin Merkel. Es war die perfekte Erzählung:  Alkohol, Arbeit, Aufstieg. Ein Buchhändler ohne Abitur, ein Familienmensch aus der Mitte der Gesellschaft. Plötzlich waren sie alle wieder da, die die durchakademisierte SPD über die Jahre verloren hatte: die Krankenschwestern, die Handwerker, die Verkäufer. Plötzlich war da an der Spitze wieder einer von ihnen. Dass Schulz jahrelang Präsident des Europäischen Parlaments war, verlieh ihm obendrein etwas Staatsmännisches, etwas, was Sigmar Gabriel nie haben wird.

Die große Zufriedenheit

All das ist bekannt, und auch Markus Feldenkirchen schreibt das. Es wird aber gerne vergessen, und das ist das eigentlich Interessante, dass zu Beginn der Kandidatur auch die SPD in einer dankbaren Ausgangslage war. Sie hat sie nur überhaupt nicht genutzt. Die SPD hatte in der Großen Koalition einiges durchgesetzt, wesentliche Reformen wie den Mindestlohn und die Rente mit 63 – und diese bedienten die Kernwählerschaft. Am Ende der Legislaturperiode stand Deutschland wirtschaftlich gut da, auch dank der Union und der SPD.

Die CDU begnügte sich – verständlicherweise – mit der großen Zufriedenheit, ohne wirklich ihren Beitrag zum Erfolg erzählen zu können. Die SPD aber hätte wissen müssen, dass die objektiven Zahlen in Deutschland zwar gut waren, die Umfragen aber eine tiefe Verunsicherung zeigten. Sie hätte Themen aufgreifen können, die die Menschen beschäftigen und die vielfach ebenfalls klassische SPD-Themen sind: Die Menschen sorgen sich um den alternden Sozialstaat, haben Abstiegsängste, viele Städte veröden und vergreisen. Zuwanderung und neue Armut belasten vor allem einfache Stadtteile, und ganz allgemein wächst die Distanz zwischen Politik und Bevölkerung. Bei all diesen Themen hätte Schulz, der Newcomer, gegen Merkel punkten können, ohne die SPD zu vergraulen.

Das klassische SPD-Klientel nicht konkrekt angesprochen

Die SPD hätte sich als „Motor für ein besseres Deutschland“ stilisieren können, überhaupt hätte „Deutschland besser machen“ als Slogan sehr gut zu einem kleinen Koalitionspartner gepasst. Im Wahlkampf hätte man den Spruch entlang der SPD-Geschichte erzählen können: vom Frauenwahlrecht bis zum Mindestlohn. Und Schulz wäre der Mann aus der Mitte gewesen, der die nächsten Reformen vorantreibt, während Merkel nur wartet.

Stattdessen ernannte Schulz, der bewusst lange nicht konkret werden wollte, die fehlende Gerechtigkeit als zentrales Thema. Er erzählte die Geschichten von den bösen Managern und den armen Menschen am Fließband. Ein uraltes Thema, das nicht dadurch besser wird, dass die SPD schon seit Ewigkeiten an der Regierung ist. Vermutlich dachten die Strategen, mit diesem SPD-Kernthema nichts falsch machen zu können. Aber das taten sie. Sie trafen keinen Nerv. Zum einen stellt sich jeder etwas anderes unter Gerechtigkeit vor, zudem ist es offenbar einfach nicht das entscheidende Thema der zurzeit. Den Menschen geht es aktuell gut, sie machen sich aber Sorgen um die Zukunft.

Nachdem Schulz immer wieder daran erinnert wurde, dass es Deutschland ja doch hervorragend gehe, schwenkte er um. Wer weiß, ob dahinter ein Plan stand. Fortan räumte er quasi ein, dass Deutschland bestens dastehe, er bedankte sich bei den hart arbeitenden Menschen und mahnte, es könne Deutschland aber noch viel besser gehen. Es klang wie ein Lob an Angela Merkel mit dem Verweis, dass er es eventuell noch besser machen würde.

Öde Kampagne ohne Gespür für Themen

Dann, auch das lässt der Spiegel außen vor, kam die Werbekampagne. Und zwar mit Sprüchen, die man sich nicht merken konnte, und mit Themen, die nicht zwingend wirkten. Man denke an die Krankenschwester, die gewissermaßen der Fixpunkt der SPD sein sollte: harte Arbeit, wenig Geld, mitten im Leben. Und dann liest sie Zahlen über ein Gender-Pay-Gap, bei denen sie nicht wissen kann, ob sie stimmen, Forderungen nach kostenlosen Kitas auch für Besserverdiener oder nach einem Rückkehrrecht in Vollzeit, das viele gar nicht in Anspruch nehmen wollen.

Für den ungewöhnlichsten Kandidaten, den die SPD seit langem hatte, hatte sie nur die gewöhnlichste und ödeste Kampagne zu bieten. Es scheint tatsächlich keine Idee für eine Erzählung vorhanden gewesen zu sein. Oder kein Gespür für die Themen, die die Menschen bewegt. In einer Rede wollte Martin Schulz, so schreibt es der Spiegel, die Forderung nach „Vereinigten Staaten von Europa“ aussprechen, offenbar ohne zu wissen, dass man mit dieser akademischen Idee der Nullerjahre heutzutage nicht mehr punktet, erst recht nicht bei der besagten Krankenschwester. Und so taumelte Schulz durch den Wahlkampf, testete etwas wahllos Themen und schaute fatalistisch auf die Umfrageergebnisse, ohne eine stringente Strategie zu verfolgen. Das kann man nicht unbedingt nur ihm anlasten, aber am Ende ist der Spitzenkandidat auch für sein Team verantwortlich – und ist schlecht beraten, seine Berater verantwortlich zu machen.

Inge Schulz wäre sein Trumpf gewesen

Es ist aus SPD-Sicht ein Jammer, denn ein Trumpf lag die ganze Zeit zum Greifen nah: Schulz‘ Ehefrau Inge. Feldenkirchen beschreibt an mehreren Stellen, wie intensiv und auch liebenswert Schulz sich mit seiner Frau austauscht. Warum gab es keine große Homestory? War er es nach all den Berichten über seine frühere Alkoholsucht leid? Warum kennt man seine Kinder nicht? Weil er das nicht wollte? Vielleicht, aber wenn man Kanzler werden will, muss man eben auch Opfer bringen. Schulz brachte sein eigenes Opfer, indem er sich für die Spiegel-Story öffnete, allerdings unter der Bedingung, dass die Geschichte erst nach der Wahl veröffentlicht werden dürfe. Es ist aller Ehren wert, dass Schulz das mitgemacht hat. Er wird sich gedacht haben, dass er nicht viel zu verlieren hat: Verliert er die Wahl, ist es das Protokoll eines Kämpfers, gewinnt er, ist es eine Erfolgsgeschichte.

Aber warum wählte er die Sicherheitsvariante, die keinen Einfluss auf die Wahl haben würde? Warum nutzte er die Möglichkeit nicht noch offensiver? Schulz hätte im Wahlkampf mit voller Offenheit gegenüber der verschlossenen Merkel punkten können, wenn er den Spiegel  gleich komplett ins Boot genommen hätte: Spiegel TV, Spiegel Online plus Print. Jeden Tag live aus dem Wahlkampf, Politik hautnah, die Geschichte eines ganz normalen Menschen, der Bundeskanzler werden will. Das wären schließlich die Momente gewesen, in denen Schulz punktet. Es sind nicht die stillen, in denen er nachdenken muss oder auf Antworten seiner Berater wartet.

Dieser Text erschien auch im Opinion Club

Mathias Trostdorf | Do, 5. Oktober 2017 - 18:00

Darf man fragen, warum der Prototyp des Brüsseler Apparatschiks der "Richtige" gewesen sein soll? Als einer der mächtigsten Männer der EU ist er doch mitverantwortlich an vielen Fehlentwicklungen und Versäumnissen in Europa und der daraus resultierenden Politkmüdigkeit vieler Leute.
Gehypt wurde Schulz doch vor allem von der Presse. Und bejubelt von seinen SPD-Funktionären, die das ureigendste Interesse hatte, daß Schulz erfolgreich wird , denn es hätte ja deren Posten gesichert. Es ist aber letztendlich auch egal. Die SPD ist nicht mehr die Partei der Arbeiter oder des Steuerzahlers, sondern eine Umverteilungspartei wie Linke und Grüne. Deshalb wird sie auch von den ehemaligen Stammwählern nicht mehr gewählt. Mit Martin nicht. Ohne Martin nicht.

Karin Zeitz | Do, 5. Oktober 2017 - 18:07

Martin Schulz konnte zwar auf dem SPD-Parteitag punkten, weil er durch sein Rednertalent die SPD-Genossen mitreißen konnte. Wer sich dagegen intensiv und nüchtern mit ihm und seiner Rolle in der EU befasst hat konnte den Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit klar erkennen. Da hätte auch ein besseres Marketing nichts genützt - nur ein paar Leser/innen der Zeitung "Bunte" wären vermutlich darauf hereingefallen. Die SPD braucht keine abgehalfterten Eurokraten, sondern junge, unverbrauchte Typen mit neuen Ideen zur Gestaltung der Zukunft Deutschlands in ihrer Führungsspitze.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 5. Oktober 2017 - 18:19

die mir Schulz vollends sympathisch macht.
Die Vorlaufzeit war zu gering.
Um die Themen richtig zu wählen, muss man eine Weile im Land sein.
Bin gespannt, ob er sich durchringen kann weiterzumachen.
Es war die Wahl der AfD, dennoch bin ich froh, dass Schulz sie nicht verteufelte.
Mit guter Arbeit und entsprechenden Ideen und Projekten kann man sicher Leute zurückgewinnen, nachdem der Bundespräsident eine Linie eingezogen hat.
Schade also, dass die SPD mit Martin Schulz so wenige Stimmen erhielt.
Interessieren aber würde mich, wie man sehenden Auges CDU wählen konnte.
Schulz hat Merkel nicht geschont.
Alleine damit ragt er schon weit über seine Genossen hinaus.
Es wird wohl auch vom Niedersachsenergebnis abhängen, ob er bleiben kann.
Meinen Respekt hat er.

... er wollte sie als Bundeskanzler aus dem Bundestag "rausschmeissen". Den letzten Kanzler, der so etwas äußerte, kennen wir alle ...

Es ist auch verkehrt, dass Schulz der richtige sein sollte. Er brachte ein paar Eigenschaften mit, die im Wahlkampf nützlich sein könnten, aber die müssen auch zur Politik der Partei passen. Und leider ist er nicht nur der "Mann aus dem Volk" sondern ein herumpöbelnder Unsympath.

seien Sie nicht gar so empfindlich, zumal doch niemand aus der AfD wirklich mit der SPD zusammengehen würde.
Man sagt gemeinhin "politischer Gegner" oder zugespitzter Feind.
Der `Feind´ der AfD ist mitnichten die CDU, der `Feind´ ist vor allem Merkel, aber auch eine evtl. im Sinne der Mittelständigen, vor allem Alteingesessenen und Selbstständigen zu starke Auslieferung, national ungeschützt an die Globalisierung.
Es macht evtl. einen Unterschied, wem die Betriebe gehören...
Aber ganz sicher sollen sie nicht den Arbeitnehmern gehorchen müssen?
Also machen wir uns doch ehrlich, wie der Bundespräsident formulierte und sprechen jetzt in einem anderen Zusammenhang ganz ohne Scheu aus, dass die AfD für die SPD ganz sicher ein politischer Gegner ist.
Ich verstehe nur nicht, wieso stärker als die CDU/CSU.
Ich halte die soziale Intelligenz leider auch durch Schröders Reformen in diesem Land für verkümmert, ohne sie gibt es aber keine Ewigkeit!
Ich weiss also warum ich in der SPD bin.

Robert Müller | Do, 5. Oktober 2017 - 18:30

Ich weiß nicht ob es wirklich die "Verkaufe" war. Ich persönlich habe zwischen Merkel und Schulz inhaltlich nur geringe Unterschied gesehen. Und ob der Kanzler einer von UNS ist oder nicht, ist doch sowieso nicht real. Bei Politikern ist das auch nicht wirklich der entscheidende Maßstab. Wichtiger erscheint mir zu sein, dass der Kanzler / die Kanzlerin die Probleme von DE und EU erkennt und zeigt wie er / sie diese angehen möchte. Merkel sagt in dieser Hinsicht nichts und Schulz ist von einem Minithema zum nächsten gesprungen. Imho taugen beide nicht zum Kanzler, wobei Merkel immerhin gezeigt das, dass sie das Handwerk beherrscht (auch wenn mir ihr tun zuletzt sehr missfallen hat).

Dr. Roland Mock | Fr, 6. Oktober 2017 - 12:56

In reply to by Robert Müller

Genauso ist es. Ein noch so perfektes Marketing macht aus einem billigem Kleinwagen keinen Porsche. Die SPD hat das Dauerproblem ihrer aus Bebels, im Fall ihres linken Flügels gar aus Marx‘ Zeiten, stammenden Programmatik als Klassenkampfpartei. Damit bleibt sie eine Partei für die eher bildungsfernen „unteren“ Schichten. Und Schulz mit seiner im Artikel beschriebenen Eierei zwischen Kümmerer aus Würselen und Riesen-EU-Staatsmann war lediglich derjenige, der den Abwärtstrend der einst stolzen Sozialdemokratie nur noch beschleunigte. Letztlich ging es nur darum, ob die SPD eher 20 oder eher 25% kriegt. Mehr ist für die Genossen, solange sie sich im vorletzten Jahrhundert bewegen, einfach nicht drin.

Marc Meyer | Do, 5. Oktober 2017 - 18:42

Ich halte die EU für sinnvoll, bin nicht gegen sie, auch nicht gegen den Euro, aber als EU Elite hat man bei uns in der Unterschicht sofort schlechte Karten.

"Dass Schulz jahrelang Präsident des Europäischen Parlaments war, verlieh ihm obendrein etwas Staatsmännisches, etwas, was Sigmar Gabriel nie haben wird."

Das genaue Gegenteil ist der Fall. "Die da" in Brüssel verdienen viel mehr Geld als wir mit den Hungerlöhne, die die SPD überhaupt erst eingeführt hat. (habe so einen tollen Lohn!)

Martin Schulz symbolisiert für mich genau das, was ich an der EU ablehne. Es ist genau die Elite, deren Sprüche man nicht mehr ertragen kann.

Ich glaube da liegt der Unterschied zwischen Journalisten und kleinen Bürgern. Die einen glauben, ein EU-Amt wäre ein Bonus, während wir glauben, dass das genau ein Minuspukt ist.

Und im Wahlkampf schwiegen CDU und SPD wenn es um Euro und EU ging. Keine Ansagen, man schwieg das Thema tot. Aber nach der Wahl ist das DAS Thema. Komisch.

Bodo Böll | Do, 5. Oktober 2017 - 19:04

Der Herr Schulz und die Facetten der sozialdemokratischen Dolchstoßlegenden.
Wie muss es um das "klassiche SPD-Klientel" bestellt sein, wenn Inge Schulz die Rettung gewesen wäre. Vielleicht hätte die roten Medieninfluencer lieber ins Goldene Blatt oder Bild der Frau investieren sollen, als in all die Bewusstseins erweiternden Substanzen , die von den Redakteuren in den einschlägigen Blättern geschnieft worden sein mussten, damit der Umzug aus Brüssel des Herrn Schulz bis ins letzte verbliebene Lesergehirn als der finale Messias eingeimpft werden sollte. Der verwirrte Leser fragte nur kurz, warum die SPD Regierung mit dem Brüssel Schulze jetzt erst alles besser machen soll. Insbesondere wo deren Genossen in der Flüchtlingskrise unisono der Kanzlerin frenetisch zugejubelt haben bei ihrem Zuwanderungsgestammel. Jetzt muss Schulze selbst aufpassen, dass ihn zukünftig nicht auch die Altersarmut seiner "klassischen SPD-Klientel" droht oder er im Nahverkehr ein Einzelschicksalsopfer wird.

Tomas Poth | Do, 5. Oktober 2017 - 19:16

entzieht den ehemaligen Volksparteien das Vertrauen, das wird sich fortsetzen bis die Wähler merken es geht in der Politik auch um ihre Interessen. Solange Regierungen die Belastungsschrauben für ihr Volk(ist der Begriff im GG etwa völkisch?)immer weiter anziehen, sh. Migration, Euro-Rettung, EU-Vertiefung, Energiewende usw. werden sie Zustimmung verlieren. Alles was wir derzeit über die Wahl zu lesen, zu hören oder zu sehen bekommen, wie dies zu verstehen sei, ist nur Therapiersitzung für die Verlierer. Sie wollen das Ergebnis nicht annehmen und weitermachen wie bisher.

Reiner Kraa | Do, 5. Oktober 2017 - 19:32

Schulz war nie der richtige Mann, zu keinem Zeitpunkt. Die Wahrheit des Dilemmas ist: Die SPD ist personell und zumindest in wesentlichen Teilen ihrer Politik am Ende. Wer die Unwucht der Migrationskrise nicht begreift, so viele falsche Weichen stellt und so viele Leute so dilletantisch vor den Kopf stößt (Dunkeldeutschland, Pack, Brüssler Zentralstaat, Eurorettung, Draghi-Milliarden usw.), der hat es auch nicht verdient, maßgeblich an der deutschen Politik beteiligt zu werden. Schulz wird nie Kanzler. Nur, wer Berichten des Spiegel glaubt, kann zu solch einem Schluss kommen.

Heinrich Kehmeier | Do, 5. Oktober 2017 - 19:40

Ich kann die aufgestellte Vermutung aus folgenden Gründen nicht nachvollziehen.
1. Der Schulzhype hat gezeigt, dass die Menschen mit wesentlichen Teilen der Merkelpolitik (Flüchtlings- und Migrationspolitik, Europpolitik, Industriepolitik) nicht einverstanden sind. Als sie merkten, dass Schulz in weiten Teilen nichts anderes wollte, war der Hype vorbei.
2. Die klassische SPD Klientel vom "einfachen" Arbeiter bis zum aufstrebenden Fachabreiter spricht man durch eine durchdachte Industrie- und Steuerpolitik an und nicht durch Vermarktung der eigenen Biographie.
3. Zumal diese brüchig ist. Die EU Nähe erfährt der klassische SPD Wähler nicht als staatsmännisch, sondern als Gängelung und Bevormundung.
4. Die Forderung nach der Instrumentalisierung der Ehefrau muss doch wohl nicht kommentiert werden...

Jeder Ihrer Punkte ist richtig. Kein Wort zuviel, keines zuwenig. Wenn er so viele Fehler gemacht hat, wie im Artikel aufgeführt wurden, war er halt nicht der richtige Kandidat.

Dimitri Gales | Do, 5. Oktober 2017 - 20:20

Die Chance, Merkel zu stürzen war nicht da. Dazu ist die SPD in einer zu schlechten Verfassung. Sie hat keine neuen Ideen, kein gesellschaftliches Projekt, sie kann sich von der CDU nicht differenzieren - wo ist da noch ein Unterschied; und dann ist da noch die schwere Hypothek der Schröder-Jahre. Auch den Ex-Kanzler zum Wahlkampf einzuladen war ein grosser Fehler.
Die SPD muss sich erst einmal wieder auf ihre originäre Bestimmung besinnen, dann kann man mit ihr vielleicht eines Tages wieder rechnen.
Schulz war im Gesamtbild ein eher schwacher Kandidat, ohne Kante, ohne zündende Ideen. Merkel bietet viele Angriffsflächen, aber der nette Herr Schulz blieb merkwürdigerweise ein artiger Kontrahent. Da greift der Wähler eben lieber zum Altbekannten(Merkel) oder wählt AfD.

Akbar Barialai | Do, 5. Oktober 2017 - 21:24

Danke! Eine nachvollziehbare, evidente Erklärung für das rätselhafte Phänomen Schulz-Kandidatur. Vielleicht die beste der bisher erschienen Analysen.

Dr Walter Reimund | Do, 5. Oktober 2017 - 21:36

Ich denke, dass es eine klassische Klientel bezogen auf die SPD nicht mehr gibt! So wie auch Karstadt keine klassische Klientel mehr hat. Abgegrenzte Kundschaften haben FDP, Grüne und die Linke. Das sind Boutiquen. Das Wahlergebnis war für CDU und SPD übrigens nicht weit weg von 2009. Es hat bei der CDU Rück-Austausch zur FDP gegeben (Wechselwähler). Bei der SPD gingen Stimmen an die Grünen, um die Grünen in einem Jamaika zu stärken. Ein Teil zu den Linken, weil die Positionierung sich nicht unterschied, die Linken lauter waren. Dann waren von den großen Parteien (insbesondere CSU) Abwanderungen zur AFD und Nichtwähler-Wanderungen zu AFD. Dies wegen Angst vor Zuwanderung und Islam und wegen Identitätsbedrohungsempfinden. Ich, in der Marktforschung, höre öfter Wahrnehmungen, viele Innenstädte seien inzwischen wie Berlin-Neukölln, ob live oder medial vermittelt. Diese Gefühle haben alle anderen Parteien ignoriert. Insgesamt ist die Wahl 2017 also nicht spektakulär ausgegangen.

Detlev Dinter | Do, 5. Oktober 2017 - 21:46

Nein, Schulz ist durch seine EU - Tätigkeit geprägt.
Deutschland stand auf seiner Agenda nicht sehr weit oben - aber als Spesenritter, der für 365 Tage Sitzungsgelder beansprucht ... !
Dann mit dem Thema "Gerechtigkeit" auf Stimmenfang zu gehen ... nun ja, eine seltsame Strategie!

Thomas Bonsack | Do, 5. Oktober 2017 - 21:55

um es mal auf das Wesentlich herunter zu brechen. Das sich andere Wahlthemen in einem besseren Wahlergebnis niedergeschlagen hätten ist zunächst eine Spekulation. Zulässig aber strittig. Ich würde behaupten, dass Themen zwar eine Rolle spielen, aber hier fehlte es nicht nur am passenden Thema sondern am passenden Kandidaten. Mit Schulz lassen sich keine Wahlen gewinnen, von daher halte ich Ihre Aussage: "Schulz war der richtige SPD Mann..." für eine sehr mutige Aussage. Außerdem hat er die Flüchtlingskrise umschifft und die damit verbundenen Folgen treiben viele Menschen um.

Holger Stockinger | Do, 5. Oktober 2017 - 23:16

treffen nicht immer zusammen. Muss auch nicht sein - dem "Autor" mit seinem Beitrag im CICERO scheint dies aber gelungen zu sein. Weder ernst noch "kindisch" lehnt "frau" sich zurück und denkt:

Wäre mehr SPD besser als weniger Merkel?

Jörg Meyer | Do, 5. Oktober 2017 - 23:20

Ich bezweifle stark, dass eine Homestory etwas geändert hätte, auch wenn man auf das mit üppigem EU-Salär gestaltete Heim gespannt wäre. Die Wahrheit ist, dass die BAT-Boheme der SPD längst Politik gegen die arbeitende Bevölkerung macht, die meist sehr gut weiß, dass die Politik nicht die Löhne, wohl aber die Steuern macht, und das Wort "Gerechtigkeit", das weiß der Lohnsteuerzahler, bedeutet für ihn noch mehr Steuern. Denn jeder sieht: Steuern auf Rekordniveau, und es ist der SPD immer noch nicht genug. Die Krönung ist dann die Entdeckung des Projektes Weltsozialamt, das so herrlich das Herz wärmt. Bezahlen muss das de facto der kleine Mann, der dann auch noch auf dem Wohnungsmarkt mit Migranten konkurriert, deren Wohngeld er miterarbeiten muss, weil - Überraschung - nicht Ingenieure, sondern Analphabeten ohne jede Berufschance in unserem Hochtechnologieland einwandern. Ach ja, er zahlt auch noch deren absehbar sinnlosen Fortbildungskurse. Wer noch SPD wählt, dem ist nicht zu helfen.

Jürgen Althoff | Fr, 6. Oktober 2017 - 00:08

die beste Strategie, wenn es - wie sage ich es, ohne mit meinem Kommentar hinten runter zu fallen - an Wissen und auch noch an den kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten fehlt, notfalls auch mit einer leeren Festplatte gut rüberzukommen?
Und wie soll jemand, der als EU-Spitzenfunktionär und Vertrauter von Juncker, Timmermans etc. die Abschaffung der EU-Nationalstaaten und deren ständige Durchmischung mit Migranten aus fremden Kulturen betreibt, plötzlich den verunsicherten Deutschen glaubhaft das Gegenteil erzählen?
Die ewige SPD-Masche von der sozialen Gerechtigkeit ist erstens ausgelutscht und wird zweitens von der Linken glaubwürdiger vertreten. Alle Merkel-Fehler sind auch SPD-Fehler, da hätte als Überraschungsstrategie höchstens eine nachträgliche Distanzierung von Grenzöffnung und Rechtsbrüchen und eine Abkehr von den für die deutsche Wirtschaft tödlichen Dekarbonisierungs-Phantasien helfen können. Dann wäre er aber auch von den Genossen verhauen worden.

Ursula Schneider | Fr, 6. Oktober 2017 - 15:54

In reply to by Jürgen Althoff

Genau so sehe ich das auch.
Von Anfang an ein missglückter Ritt auf dem falschen Pferd mit einem höchstens durchschnittlich talentierten Reiter.

Anna Schmidt | Fr, 6. Oktober 2017 - 02:02

Zum Glück geht es hierzulande den meisten Politikern tatsächlich (noch) um Inhalte, und das Interesse, politisch mitgestalten zu können. Herr Schulz scheint dagegen Wahlkampf und Politik primär als eine Art Realityshow zu betrachten.Ein Spiel, bei dem die Inhalte nur als Vehikel zum Erreichen von Status und Macht dienen. Bereits 2013 hatte Spiegel-Autor Feldenkirchen dies in einem excellenten Artikel dargelegt, auch damals sehr fair und gleichermaßen entlarvend in dokumentarischer Schilderung von Schulzens Alltag, damals noch als Eu-Präsident: .EUROPA: Unter Eierköppen - DER SPIEGEL 11/2013
www.spiegel.de › DER SPIEGEL
Schulz schadet mit seiner unehrlichem Show-Gehabe und offensichtlichem Desinteresse an politischem Handeln jenseits von Machtspielchen allen, die sich ernsthaft für Politik aufreiben und authentisch und integer Engagement zeigen. Ein Jammerspiel!

Thomas Schmid | Fr, 6. Oktober 2017 - 07:38

Herr Schulz hat einfach nicht erklärt, bzw. erklären können, warum die SPD ihre Klientel in einen brutalen Wettkampf um Niedriglohnarbeitsplätze und bezahlbaren Wohnraum stürzt. Ebenso wenig konnte er seinen potentiellen Wählern vermitteln, warum die SPD in der Flüchtlingskrise so jämmerlich versagt hat, es an Differenzierung in Bezug auf die Asylforderer mangeln ließ und es für seine Truppe offensichtlich keine nationalen Interessen gibt.
P.S. Folgenden Satzbaufehler bitte korrigieren:
"Zum einen stellt sich jeder etwas anderes unter Gerechtigkeit vor, zudem ist es offenbar einfach nicht das entscheidende Thema der zurzeit. "

Bernhard K. Kopp | Fr, 6. Oktober 2017 - 08:26

Mehrere Kriterien schienen ihn zum idealen Kandidaten zu machen. So ist er zu 100% gekommen. Die Partei, und die insbesondere die Führungsriege, haben sich deshalb so geirrt, weil sie ausser Acht gelassen haben, dass dieser Mann, jahrzehntelang, ausser Selbstdarstellung und Aktionismus noch nie richtig gearbeitet und etwas geschaffen hat. Er war mehr als 20 Jahre nichts als ein mehrsprachiger Dampfplauderer, der nie für irgendwas verantwortlich war, und nie etwas erledigt hat. Das sogenannte EU-Parlament, das natürlich kein richtiges Parlament ist, ist auch kein Rahmen, in dem man über so lange Zeit mehr als ein parasitärer, aktionistischer Selbstdarsteller sein könnte. Politik wird ganz woanders gemacht.

Reinhard Oldemeier | Fr, 6. Oktober 2017 - 08:42

Die SPD ist mit ihren Kanzlerkandidaten noch nie zimperlich umgegangen.
Das Kernproblem ist aber, die Partei sucht sich immer noch selbst. Ihr wurden die Themen weg genommen. Die Grünen nahmen Ihnen das Thema Frieden weg. DIe Linke das Thema soziale Gerechtigkeit. Vieles war dem Pragmatismus geschuldet, dem machbaren, welches die Partei aufrieb. Deswegen war der Wahlkampf so hingeeiert. Des Weiteren waren sie an der Regierung.
Herr Schulz war der richtige Kandidat für die Partei, aber nicht der Richtige für den Kanzler. Ihm fehlte die Durchsetzungskraft. Er wäre viel lieber in Brüssel geblieben, aber er sagte es nicht Nun wird von ihm eine Homestory zum Abschied im Spiegel gebracht. Warum jetzt ? Irgendwie schaut alles so aus, als ob man es nicht gewollt hat, nur das sagt auch keiner in der SPD.
Da kann man nur sagen Hätte hätte Fahrradkette

Udo Dreisörner | Fr, 6. Oktober 2017 - 09:22

war nie der Richtige. Aber es gab keinen anderen.
Es ist schlichtweg der Realitätsverlust der SPD geschuldet das so krachend die Wahl verloren wurde. Die SPD ist lange genug mit in der Regierungsverantwortung gewesen und hat dementsprechend einiges an Schlamassel mit zu verantworten was politisch den Bürgen langsam auf die Nerven geht. Das Pack hat die Schnauze voll vom Gerechtigkeitsgeschwafel wo nichts, aber auch wirklich gar nichts positives ganz unten ankommt. Nicht nur in den USA konnte der Wähler nur zwischen Pest und Cholera wählen, auch bei uns. Leider.

Georg Peters | Fr, 6. Oktober 2017 - 09:36

Schulz hatte keine Chance, weil er seine Wähler nicht kennt: er ist als Politiker nicht ins Volk integriert.

... er ist als Politiker nicht ins Volk integriert."

Putzig Herr Peters.
Zunächst ist Herr Schulz ist doch als Deutscher aus Würselen von Geburt an ins Volk integriert. Deutsch kann er ebenfalls gut. Bier trinkt er und Currywurst isst er. So weit ich weiß bekennt er sich zum Christentum und verschmäht kein Schweinefleisch.
Immerhin, von 100 Prozent Wahlvolkes hat er und die SPD noch gut 20 Prozent zur SPD intergriert ;-) .

Zwei Anfragen an Sie lieber Herr Peters:
*Kennen Sie auch nur einen Politiker im Land der ins gesamte Volk (ich geh davon aus Sie meinten das deutsche Volk) integriert ist?
*Was vestehen Sie überhaupt unter ins Volk integriert bei einem Politiker?

Peter Lieser | Fr, 6. Oktober 2017 - 10:31

Wäre es möglich das diese "Umfragen" gar nicht repräsentativ waren, sondern nur ausgewählten Zielgruppen befragt wurden ? Sozusagen Gefälligkeitsergebnisse ? Soviel kann er gar nicht falsch gemacht, erst auf Augenhöhe mit Merkel dann Totalabsturz. Als Branchenkenner bin ich in diesem Fall äusserst mißtrauisch und ich kannte auch keinen der den Umfragen zu diesem Zeitpunkt getraut hat.

Ralf Altmeister | Fr, 6. Oktober 2017 - 10:34

Die Regierungsparteien erhielten ihre Quittung für die Politik der vergangenen 4 Jahre, deren Folgen, für jeden sicht- und spürbar sind: In der Erhöhung der Terrorgefahr, der Verschlechterung der inneren Sicherheit, des Dahinschmelzens der Altersvorsorge und Spareinlagen durch 0-Zins-Politik mit Folgen für Bau- und Mietpreise und allgemeiner Wohnungsknappheit, Kritikerdiffamierung.
Wie hätte Schulz zu den offenliegenden Fehlentwicklungen kritisch in Stellung gehen sollen, wenn seine Partei diese forcierend mitbefördert hat ?
Es ist der gleiche falsche Denkansatz, den schon Lucas Gerrits in seinem Beitrag "So gewinnen Sie die nächste Bundestagswahl. Oder nicht" gemacht hat. Er glaubt ernsthaft durch eine positive Wahlkampfkampagne ließen sich 4 Katastrophenjahre vergessen machen oder kompensieren. Es zeigt, dass man den Wähler für unmündig und vergeßlich hält.

Peter Huber | Fr, 6. Oktober 2017 - 10:43

Ich denke, dass er von der überwiegend, linken deutschen Presse und den TV Medien hochgejubelt wurde. Die Umfragen und Erhebungen hatten mit der Realität in den Niederungen der Wahl-und Steuerbürger gar nichts zu tun. Die Quittung gab es am 24. Sept. !

Wolfgang Lang | Fr, 6. Oktober 2017 - 10:55

Ich bin vom Glauben abgefallen, als ich es erfuhr. Dazu die undemokratische Schmierenkomödie seiner Nominierung. Der Mann war von vorne herein verbrannt. Das peinliche Video des Abstreitens der Tagegelder, der nicht eingehaltene Vertrag auf dem Schmierzettel. Das reicht schon. Spassbad obendrauf. EU-Apparatschick.

Wolfgang Tröbner | Fr, 6. Oktober 2017 - 10:55

Ich muss dem Autor widersprechen. Schulz war von Anbeginn an der falsche Kandidat für die SPD. Jeder wußte, dass Schulz ein typische Vertreter der Brüsseler Bürokratie war, der von vornherein als Inkarnation aller Vorurteile gegenüber Brüsseler Politiker galt (machtbewußt, geldgierig, arrogant, abgehoben). Und zwar unabhängig davon, ob zutreffend oder nicht. Dazu kam, dass man ihm als SPD-Vorsitzenden nicht abnahm, die Probleme, die Merkel (zusammen mit seiner SPD) dem Lande gebracht hatte, wirklich lösen konnte bzw. wollte. Ähnlich wie Merkel hat er es ja lange Zeit auch tunlichst vermieden, diese Probleme überhaupt anzusprechen. Genauso wie Merkel hat er die Wähler auch lange Zeit im Unklaren darüber gelassen, mit wem er regieren wollte. Man sollte nicht vergessen, dass er ursprünglich eindeutig Rot-rot-grün anstrebte - damit hat er die Wähler endgültig verschreckt. Erst unter dem Eindruck der verlorenen Landtagswahlen hat er sich dann davon mehr als widerwillig verabschiedet.

Andrea Bast | Fr, 6. Oktober 2017 - 11:04

Ich habe gewählt ! Aber eine Wahl oder Auswahl hatte ich nicht, was die Regierungsbildung betrifft., ausser einem weiter so, mit Merkel. Schlimm !

Hans Lutz Oppermann | Fr, 6. Oktober 2017 - 11:09

Wer Kanzler werden will braucht einen langen Atem. Hat er ihn? Die Analyse zeigt auf wichtige Details, hier hätte der Kandidat authentischer sein können - M.Schulz hat nie den obersten Knopf aufgemacht, nicht die Ärmel hochgekrempelt - der Knoten am Hals war kein Aufmacher - wir wollten ja nicht den Sparkassendirektor wählen - sondern den SPD Kanzlerkandidaten, der mit einer Vision für das Land überzeugt - und an Gerechtigkeit kann man nach Ausschwitz, Ruanda usw. Doch ernsthaft nicht mehr glauben -

Yvonne Walden | Fr, 6. Oktober 2017 - 11:30

Die Parteien haben ihre Strategen und Berater, und trotzdem ging die "Kampagne Schulz" voll daneben.
Wenn die SPD nicht seit Jahrzehnten eine "Wackelpeter-Partei" wäre, hätte sie durchaus Chancen, wieder stärkste Kraft im Lande zu werden.
Die SPD hat sich leider von ihren ursprünglichen Zielen weit entfernt.
Sie war eine Arbeiterpartei und hätte sich schon vor Jahrzehnten in eine Partei für alle unselbständig Beschäftigten wandeln können.
Und für kleine Selbständige.
Stattdessen drängten zunehmend akademisch ausgebildete Facharbeiter und diplomierte Kaufleute in die Partei hinein, deren Vorstellungen sich nicht unbedingt mit denjenigen der "Arbeiterklasse" deckten.
Dadurch entfernte sich die Parteispitze zunehmend mehr von der Parteibasis.
Ein Wirtschaftsminister Schiller (Wirtschaftsprofessor) und ein Finanzminister Möller (Vorstand eines Versicherungskonzerns) hatten andere politische Vorstellungen als die Kleinen Leute, die bisher die SPD wählten. Das war eine Fehlentwicklung.

Susanne antalic | Fr, 6. Oktober 2017 - 12:37

Als ich am Abend der Wahl diese SPD Personal unter der Statue von Willi Brandt gesehn habe, dachte ich, er fängt gleich an zu weinen, was aus diese Partei geworden ist. Ich bin ehemalige Wählerin der SPD, aber diese SPD kann man nicht wählen, mit oder ohne Schulz. Stegner,Oppermann, Nahles, Maas , Gabriel etc. sind keine ernsthafte Politiker, es sind Despoten, die sich nur an die Macht klammern und umerziehen wollen, nach ihren Vorstellungen, das Volk ist ihnen Wurscht.

Dominik Maassen | Fr, 6. Oktober 2017 - 12:37

Für mich zeigt diese Analyse und auch die im Spiegel nur, dass dieser Mann nicht professionell genug für dieses Amt war und daher zu Recht verloren hat. Allein den Hinweis, dass nicht genug Zeit für die Vorbereitung des Wahlkampfs war, kann ich nicht mehr hören. Das konnte man als Normalbürger vorher überall lesen, noch öfter danach. Da erwarte ich doch vom Kandidaten und den Granden in der Partei, dass sie selbst eine solch banale Selbstverständlichkeit umsetzen, sowie die Durchsetzungskraft haben, sich nicht vom erratischen Gabriel den Zeitpunkt bestimmen zu lassen. Wer noch nicht mal den Wahlkampf vernünftig organisieren kann, will dann ein Land regieren? Der Müntefering hatte angeblich zwei
Konzepte für zwei Kandidaten ausgeheckt! Und die kriegen das nicht mal für einen Menschen hin?
Erinnert alles stark an die vielen Patzer von Hillary Clinton. Die FDP hat positiv vorgemacht, wie man Wahlkampf strategisch, digital und visuell gut umsetzt.

Elke Halefeldt | Fr, 6. Oktober 2017 - 13:30

Man ist „der Richtige“, wenn man sich öffentlich mit einer schlauen Strategie, wie ein Schauspieler, zum eigenen Nutzen inszeniert. (?) So Volks-nah. Alkohol, Arbeit, Aufstieg. Ein Buchhändler ohne Abitur. Sympathische Familie im heimischen Wohnzimmer. „Sorgen“ der Menschen aufgreifen, mit denen man „punkten“ kann, von Abstiegsängsten bis Zuwanderung ( „... und neue Armut belasten vor allem einfache Stadtteile“ [– ist das allen Politikern überhaupt klar? Und geht es „den Menschen“ tatsächlich „aktuell gut“?]).
Medien „ins Boot nehmen“, aha. Dann noch ein bisschen EU-Glanz. Schicker Wahlkampf-Slogan: „Deutschland besser machen“, offen nach allen Seiten und genauso nebelig wie das Plädoyer für Gerechtigkeit.

Ist Herrn Tillmann wohl bewusst, dass so die Politikverdrossenheit der Bürger (weiter) zunimmt? Die wollen kein „Gespür für Themen“ und optimales Marketing, sondern echte politische Überzeugung.

Reinhard Rogosch | Fr, 6. Oktober 2017 - 13:42

Frage an den Autor: wer von der ehemaligen Arbeiterpartei Verlassenenen liest den Spiegel? Wer vom "Pack"?

Torsten Knecht | Fr, 6. Oktober 2017 - 14:15

... er hat von Wirtschaft keine Ahnung u. scheint als angeblicher Sozialdemokrat noch nicht einmal die Tragweite von A2010 begriffen zu haben.

Schulz & SPD verkörpern fast alles, wofür Merkel steht. Mehr muss man nicht sagen.

Schulz ist die falsche Person für einen Neuanfang und die SPD sollte sich entweder umbenennen o. ihr Agenda - Personal von der Spitze befreien, damit ein glaubwürdiger Neuanfang statt finden kann.

Alles andere sind kleine Baustellen, die das Fundament der SPD nicht stabiler machen.

Manfred STRICKER | Fr, 6. Oktober 2017 - 14:44

Das Martin SCHULTZ der richte war heißt doch auch, oder nur, das die SPD keinen besseren fand

Werner Schick | Fr, 6. Oktober 2017 - 14:51

Werter Herr Robert Müller,
merken sie eigentlich nicht, dass sie sich in ihren Kommentaren häufig selbst widersprechen und dies noch im selben Satz. Beispiel: Schulz und Merkel taugen nicht als Kanzler, wobei Fr. Merkel bewiesen hat dass sie ihr Handwerk beherrscht ?????????? und ihr persönliches Missfallen ist ohne Belang. Mein Lebensgrundsatz, äussere dich über Mitmenschen im guten oder gar nicht, verbietet mir an dieser Stelle weiterzuschreiben.

martin falter | Fr, 6. Oktober 2017 - 14:52

die SPD ist ja mehr wie Schulz und da bin ich mit den Leuten überhaupt nicht einverstanden. Von Maas bis Nahles und erst recht keine Schwesig. Für mich hätte die SPD schon vor 4 Jahren in die Opposition gehört. Dort hätte sie sich - vielleicht - neu programmatisch und personell aufgestellt. Dann aber nur dann wäre die Chance da gewesen. Aber eine von Merkel ausgelutschte SPD die noch dazu alles eifrig mitgemacht hat - nein die kam für mich diesmal nicht in Frage.

Da haben Sie größtenteils recht. Nur hat die SPD nicht bloß Merkels Politik migemacht sondern sie im Gegenteil in großem Maße bestimmt, nicht zuletzt in der Flüchtlingspolitik.

Ronald Jacob | Fr, 6. Oktober 2017 - 15:23

Sozial-liberale Regierungen in DE waren durchaus erfolgreich, diese Möglichkeit hätte die SPD gleich nach der Schulz Wahl im Frühjahr ergreifen müssen und ehrlich machen, Dinge, die den Menschen unter den Nägeln brennen ansprechen auch gegen Merkel agieren. Alles machbar allerdings ohne das Peronal in der Führung, ich denke da an Stegner, Maas, Özugus, Oppermann, Gabriel usw. aber da war die SPD zu feige, sie sollten mal im kleinen Zirkel darüber nachdenken, es gilt nach der Wahl ist vor der Wahl

Ronald Jacob | Fr, 6. Oktober 2017 - 15:30

Schulz sagte im Spiegel: „Ich stehe vor einem Rätsel“, und: „Wenn ich nur wüsste, was ich falsch gemacht habe?“

Er sollte mal über seine Berater nachdenken, ob das die Richtigen waren

Bernd Rundfeder | Fr, 6. Oktober 2017 - 17:59

mit eine bisschen Abzocke, Nepotismus und Abrechnungsschwindel, passend zu Kumpel Juncker.
Viel interessanter aber das Demokratieverständnis des Autors. "Stürzen" anstelle von "ablösen". Sagt alles.

Gundi Reck | Fr, 6. Oktober 2017 - 20:57

Verstehe nicht, was ein derartiger Artikel in CICERO zu suchen hat - Kindergartenniveau. Zu Schulz hat Dohnanyi bereits alles gesagt, was zu sagen ist.

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