SPD-Vorsitz - Unbeirrt ins Abseits

Am 1. September ist die Bewerbungsfrist abgelaufen. Die SPD sucht eine neue Spitze und hat sich selbst dabei verloren. Sie vertritt nicht mehr die Interessen ihrer Klientel, sondern die unerschütterlichen Überzeugungen ihrer Funktionäre

Die drei kommissarischen Vorsitzenden der SPD, Manuela Schwesig (l-r), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD-Vorsitzender in Hessen, und Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, unterhalten sich zu Beginn der Sitzung des SPD Präsidiums im Willy-Brandt-Haus.
Wer wird den kommissarischen Vorstand der SPD ersetzen? / picture alliance

Autoreninfo

Holger Fuß ist freier Journalist und hat monatelang im Maschinenraum der SPD recherchiert.

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In seiner sprachlichen Holprigkeit erinnert der Wettbewerb ein bisschen an die Reklame für Eurocard, deren Claim vor Jahren lautete: „Deutschlands meiste Kreditkarte“. Die SPD sucht nun die „Digitalsten Ortsvereine“ in ihrer Partei. Jene Ortsgliederungen, die beim Mitgliederentscheid über den künftigen Parteivorsitz den höchsten Anteil von Online-Abstimmenden aufweisen, werden mit Gutscheinen für den SPD-Shop belohnt und können sich dort formschöne Merchandisingartikel aussuchen wie Kaschmirschals, Waffeleisen, Handy-Ladekabel, Automatik-Taschenschirme, Teddybär Lotta oder einen Modellnachbau von Willy Brandts Salonwagen aus dem Bundestagswahlkampf 1972. Alles mit leuchtrotem SPD-Logo. Die Partei muss sparen, und eine möglichst hohe Onlinebeteiligung würde den finanziellen Aufwand einer Urwahl von 420.000 Mitgliedern erheblich senken.

Dabei liegt der Grundidee, die Parteimitglieder am Wahlverfahren für den oder die neuen Parteivorsitzenden zu beteiligen, ohnehin ein Denkfehler zugrunde. Denn die Menschen, die der Schlüssel für neue Wahlerfolge sind, werden auf diese Weise gar nicht berücksichtigt. Jene Wähler, die sich von der SPD abgewendet haben, jene Ex-Genossen, die die Partei verlassen haben, haben keinerlei Einfluss darauf, wer in Zukunft die SPD führt. Abstimmen werden diejenigen, die aus unterschiedlichen Gründen der Partei die Treue halten, sei es aus Gewohnheit, aus Sentimentalität, aus Ratlosigkeit oder weil sie in der Partei Karriere gemacht haben und nun um ihre persönlichen Privilegien besorgt sind.

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Ernst-Günther Konrad | Mo, 2. September 2019 - 10:51

könnte man Ihren sehr guten Artikel Herr Fuß auch titeln. Sie haben alles zum Thema SPD gesagt. Es wird offenbar nur noch jemand gesucht, der das Licht im Willy-Brandt-Haus ausmacht. Ich sage Ihnen was. Es ist mir egal.

dieter schimanek | Mo, 2. September 2019 - 11:05

Ich wähle eine Partei, wenn ich von ihr erwarten kann, daß sie eine vernüftige Politik für mich macht. Wenn die Partei den Kampf gegen rechts als ihre dringenste Aufgabe ansieht, dann wähle ich sie nicht. Für mich zählen positive Ergebnisse für den Wähler und nicht Haltung zeigen gegen rechts. SPD und LInke haben nichts begriffen, am Besten, sie lassen sich von ihren Flüchtlingen und Migranten wählen, nachdem sie allen einen deutschen Pass gegeben haben.

Philipp Berens | Mo, 2. September 2019 - 14:41

In reply to by dieter schimanek

Lieber Herr Schimanek,

nur gegen rechts zu sein, reicht als politische Haltung nicht aus. Vor allem dann nicht, wenn man nicht klarmacht, wofür man ist.Aber Ihr Verweis auf Flüchtlinge und Migranten ist nichts anderes als nazinahe Hetze im Stil der AfD. Und gegen diese zu sein, ist für mich eine Grundvoraussetzung für demokratisches Denken.

dieter schimanek | Mo, 2. September 2019 - 19:00

In reply to by Philipp Berens

Da sind wir unterschiedlicher Ansicht, warum nicht? Sie können ja gerne ein paar "Schutzsuchende" bei sich aufnehmen und dafür bezahlen. Die Kosten dafür aber Anderen aufs Auge zu drücken, ist nicht die feine englische Art. Oder sind sie bereit meine Hobbis zu finanzieren?

Brigitte Miller | Mo, 2. September 2019 - 19:09

In reply to by Philipp Berens

die AfD zu sein ist Grundvoraussetzung für ( Ihr) demokratisches Denken.
Das ist eine interessante Auslegung von demokratischem Denken.

Stefan Forbrig | Mo, 2. September 2019 - 19:39

In reply to by Philipp Berens

Sich gegen ungesteuerten Migrantenzuzug auszusprechen, die immer öfter durch falsche Identitäten am Ende einen deutschen Pass erhalten, hat überhaupt nichts mit "nazi-nah" zu tun. Das ist einfach immer mehr Realität und das wissen Sie auch. Wenn Sie demokratisches Denken praktizieren, dann handeln Sie auch danach. Das ist eine freie Meinungsäußerung, auch wenn sie Ihnen nicht gefällt.

Fritz Ritzinger | Di, 3. September 2019 - 20:26

In reply to by Philipp Berens

Herr Berens,
warum schwingen Sie gleich die Nazikeule gegen Herrn Schimanek?
Das können Sie gerne und mit meiner vollen Unterstützung tun, hätten Sie die Keule besser aufgespart für Leute die Mauthausen, Bergen-Belsen, Dachau etc. und Leugnern der Pogrome gegen Juden und millionenfachen Mord an Unschuldigen auch heute noch oder wieder für gutheissen.
Also bitte, konzentrieren Sie Ihre Kritik auf solches Klientel und schieben Sie diese nicht auf Zeitgenossen, die auf erkannte Misstände in D. in freier Meinungsäusserung und vielleicht etwas sarkastisch hinweisen, in die rechte Ecke. Damit unterstellen Sie Hr. Schimanek aber genau diese ewig gestrige politische Einstellung. Pfui für solche maßlose Kritik !!

Gisela Fimiani | Mo, 2. September 2019 - 11:50

Parteien, die sich seit langem nur mit sich selbst beschäftigen, deren Parteivasallen es in erster Linie um Posten und Versorgung geht, die Loyalität folglich nur noch der Partei gegenüber empfinden, haben völlig vergessen, dass es einen „Souverän“, den Bürger, gibt, dem man verpflichtet ist. Darüberhinaus, da die Parteien vor allem Vasallen brauchen, hat man gern auf „kluge, denkende Köpfe“ verzichtet. Eitelkeit paart sich mit einem erschreckenden Ausmaß an Dilettantismus und Ignoranz. Eine fatale, eine destruktive Mischung, die bürgerverachtender und demokratieverachtender kaum sein kann.

Was sollte von Parteien erwartet werden, die mit Installation einer ihnen willfährigen Treuhand die Wiedervereinigung zum Goldrausch allen deutschen Westkapitals genutzt hat. Bezahlt wurde mit Staatszuschuss in Form dessen 50%iger Abzugsmöglichkeit von eigentlich zu enrichtender Steuer. Die Verträge bzgl. Fristen zur Erhaltung vorhandener Arbeitsplätze waren weder Papier noch Toner wert.
Nennt sich Enteignung.
Das sage ich als schon länger = lebenslang im, Deutschland bezeichneten, westlichen "Verwaltungsbereich" lebender Bevölkerer.
Das Gute an all dem ist, dass sich "Die dunkle Macht" zu erkennen gab. Bestätigte, dass weder der zurückliegender >totale< Zusammenbruch Deutschlands, noch die daraus folgenden paradiesischen Zeiten am Konstrukt der politischen Verwaltung irgendetwas etwas zum Besseren gewendet hat.
Ein System wie eh und jeh - wie es leibt und lebt.

Markus Michaelis | Mo, 2. September 2019 - 23:35

Zitat: "Die Abgehängten, die sich nicht in den kosmopolitischen Lifestyle der Großstädte einfügen, ..." und der ganze Absatz.

Ja, natürlich gibt es viele Menschen bei den Kosmopoliten und Nicht-Kosmopoliten, auf die dieser Absatz zutrifft. Ich denke es gibt aber auch viele gebildete und welterfahrene Menschen, denen dieser Kosmopolitismus zu simpel ist. Mir scheint die Welt komplexer zu sein und sich nicht auf einen kosmopolitischen Standpunkt einigen zu können. Dazu muss einem doch mehr einfallen, als dass alle anderen dumm sind. Mir scheint man eher mit so einer Vereinfachung einfach unterzugehen - die bunte Welt rollt darüber weg.

Christoph Wirtz | Di, 3. September 2019 - 23:14

.. ablesen, die sie zwischenzeitlich mal für das Zustandekommen einer Großen Koalition gestellt hatte: Familiennachzug für Migranten. Statt mit einer Forderung wie z.B. "14 Euro Mindestlohn" oder "50 Milliarden für den Sozialen Wohnungsbau" als Interessenvertreter der hier lebenden Menschen zu agieren, besonders der weniger Begüterten, biedert sie sich bei besser situierten Salonlinken an, als Fürsprecher wildfremder Menschen aus fernen Ländern. Darüber kann ich nur den Kopf schütteln, genau so wie über dieses absurde Findungsverfahren für den Vorsitz. Diese SPD wird verschwinden, und sie hat es verdient.

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