Scholz/Geywitz und Walter-Borjans/Esken - Vier Kandidaten und ein Pflegefall

Olaf Scholz und Klara Geywitz, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sollen um den neuen SPD-Vorsitz kämpfen. Wer es wird, ist offen. Aber eine Gewissheit hat die SPD schon jetzt: Knapp der Hälfte der Mitglieder scheint es inzwischen ziemlich egal zu sein, wer sie künftig führen wird

spd-norbert-walter-borjans-saskia-esken-petra-geywitz-olaf-scholz
Norbert Walter-Borjans neben Saskia Esken schüttelt Olaf Scholz neben Klara Geywitz die Hand / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

So erreichen Sie Christoph Schwennicke:

Der Kommentar des Wahlergebnisses stand der kommissarischen Vorsitzenden förmlich ins Gesicht geschrieben. Minutenlang, bis der Schatzmeister Dietmar Nietan an die Verlesung der tatsächlich entscheidenden Zahlen kam, musste sich Malu Dreyer ein Lächeln ins Gesicht zwingen. Es wollte dort aber trotz aller Kraftanstrengung nicht so richtig halten, und immer wieder verrutschte es ihr zu einer eher starren Maske.

Verständlich, denn die erste Erkenntnis dieses Ergebnisses der ersten Urwahl der SPD zu ihrer neuen Parteispitze ist: fast der Hälfte ist es offenbar egal, wer sie führt. Egaler jedenfalls als zuletzt die Frage, ob die SPD in die Große Koalition gehen soll. Immerhin 78 Prozent der SPD-Mitglieder stimmten vor einem Jahr ab, nur 53 Prozent haben sich an der jetzigen Abstimmung beteiligt.

Angebot auswählen und weiterlesen

  • Tagespass
    i
    • 24-Stunden-Zugriff auf alle Inhalte
    3,10 €
  • Monatsabo
    i
    Unsere Empfehlung
    • 4 Wochen nur 3,90 €
    • danach 8,90 €
    • E-Paper
    • alle Plus-Inhalte
    • jederzeit kündbar
    3,90 €
  • 3-Monatsaktion
    i
    • 3 Monate lesen, 2 zahlen für 17,80 €
    • danach 8,90 pro Monat, jederzeit kündbar
    • E-Paper
    • alle Plus-Inhalte 
    17,80 €
Manfred Bühring | Sa, 26. Oktober 2019 - 20:28

Die ganze Vorstellung erinnert fatal an Let's dance. Und welches Paar ist eine Runde weiter ......?
Davon mal abgesehen, ausgerechnet GroKo- und Agenda-Olaf! Da macht die SPD ja den Bock zum Gärtner, dismal mt einer netten Geiss an der Seite.
Die Realität ist doch noch immer die beste Satire.

Ernst-Günther Konrad | So, 27. Oktober 2019 - 04:55

das wissen auch 47 % der SPD-Mitglieder. Ich denke mal, wären die sechs Duos als Verkaufsobjekte bei "Bares für Rares" angeboten worden, hätten sie vielleicht mehr erzielt, als bei dieser Wahl. Der ein oder andere Bewerber wäre wenigstens von den Gutachtern als rar oder kurios, antiquiert oder Unikat eingestuft worden.
Dennoch hätte überhaupt kein Händler ein Gebot gegeben, weil die gesagt hätten, das sie für diese "Ware" keine Käufer hätten.
Von wählenden 228000 SPD-Mitgliedern haben gerade mal 52.000 das Dreamteam Scholz/Gywitz gewählt. Der Rest der SPDler wollte andere haben oder hatten einfach keine Lust mehr am SPD-Theater aktiv teilzunehmen. Egal wer es am Ende von den übrig geblieben werden sollte. Sie müssen wenigstens soviel Kraft haben, dass sie ein paar Nägel in den SPD-Sarg schlagen können, damit der Deckel endlich geschlossen wird. Peinlich ist nicht steigerungsfähig.
Schade das Böhmermann nicht gewählt wurde, da ging es schneller.

Dieter Erkelenz | So, 27. Oktober 2019 - 05:32

Man kann es auch so sehen, Herr Schwennicke:
Die Hälfte der Mitglieder hat keinen der Aspiranten gepasst!

helmut armbruster | So, 27. Oktober 2019 - 08:54

warum sollten sie? Wer bucht schon eine Passage auf einem havarierten Schiff, dessen letzter Kapitän (Nahles) das Schiff fluchtartig verlassen hat.
Und selbst wenn einer buchen wollte, eine Passage nach wohin?
Was kann ein neuer Kapitän da besser machen?
Ach ja, er kann eine abenteuerliche Kreuzfahrt ins Blaue anbieten mit romantischem und sozial verträglichem Untergang. Dabei ist nicht einmal klar ob überhaupt Rettungsboote an Bord sind.
Sehr lustig, aber nicht überzeugend.

Klaus Funke | So, 27. Oktober 2019 - 09:51

Ja, nicht nur knapp die Hälfte der SPD-Mitglieder, nein auch uns, der normalen, poltisch interessierten Bevölkerung ist es inzwischen egal, wer diese Truppe anführt und ws aus ihr wird. Die SPD ist nicht zu retten. Erst, wenn sie an Haupt und Gliedern glaubhaft erneuert ist, wenn all die alten Funktionäre der letzten Jahre verschwunden sind und wenn ein Programm verabschiedet wird, dass wieder sozialdemokratisch ist, wenn sich die SPD aus der babylonischen Gefangenschaft der CDU befreit hat, könnte man wieder SPD wählen. Da aber Besitzstände und Posten den meisten (alten) Funktionsträger wichtiger als alles andere sind, wird es nichts werden. Ein toter Gaul wird nicht wieder lebendig. Scholz wird wie alle vorherigen Vorsitzenden der letzten Jahre scheitern. Zumal, er ist AM hörig und ohne Charisma. Nein, Olaf, det wird nix. Wir wählen lieber was anderes...

Klaus Peitzmeier | So, 27. Oktober 2019 - 11:45

Schleichend, aber unaufhörlich verschwindet die SPD. Jetzt ist den Mitgliedern schon egal wer sie führen soll. Wenn nicht einmal mehr die Mitglieder selbst Interesse an der Partei zeigen, warum sollten dann die Wähler dies tun?
Und tatsächlich, die Kandidatenpräsentation plätscherte dahin. Ohne Highlights, ohne Esprit.
Da kommt nichts, was andere Parteien nicht auch vertreten. Im marktwirtschaftlichen Sinne kann man sagen, die SPD hat ihre Marktbedeutung verloren. Ihr Angebot wird nicht mehr nachgefragt. Auf Mittelaltermärkten kann sie noch ihre Historie verkaufen. Für den Weltmarkt reicht es nicht.

Heidemarie Heim | So, 27. Oktober 2019 - 16:04

Und ich muss unserem;) Herr Chefredakteur recht geben was die erneute Peinlichkeit dieses Auftritts betrifft. Autosuggestive Begeisterung und mühsam aufrecht erhaltene Gesichtszüge, treffender hätte ich meine Gedankengänge beim Anblick dieses neuerlichen Debakels einer Partei, der mein alter Herr ein Leben lang treu verbunden war, nicht formulieren können! Zum Glück muss er das nicht mehr erleben! Und natürlich werden die letzten Verzweifelten darum kämpfen sich nicht dem Abgrund vorzeitiger Wahlen mit einem GroKo-Ausstieg auch nur zu nähern und ziemlich sicher im Parlament auf die Sitzgröße einer Minderheitspartei zu schrumpfen. Außerdem stellt die Aussicht mit ihren ärgsten rechten Widersachern zusammen Oppositionsarbeit machen zu müssen wohl auch eine weitere, wie besonders heikle Antriebsfeder dar;-). MfG

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 27. Oktober 2019 - 17:05

Herr Schwennicke, denn die Krankheit hat viele Gesichter, aber ich hätte dieses manchmal etwas Krampfhafte bei Frau Dreyer eher auf die Krankheit zurückgeführt.
So ein Doppelstress ist evtl. nur mit einer enormen Willensanstrengung zu meistern, auch ohne Krankheit.
Meinen Respekt dafür.
Nur ein kleiner Hinweis in eigener SPD-Sache.
Die Kandidaten haben sich bereits vorgestellt.
Vor lauter mails in den letzten Wochen, glaubte ich die zur Abstimmung gelöscht zu haben.
Das kann man auf mein Alter zurückführen und ich will die Bedeutung der Wahl als Richtung auch nicht kleinreden, aber man sollte auch nicht übertreiben.
High Tech ersetzt keine politische Überlegung.
Das Endergebnis ist wirklich offen, aber Herr Walter-Borjans und Frau Esken kamen gut rüber.
Ich lebe im Osten und wähle den Osten, mit Herrn Scholz fällt es mir leichter, Herr Pistorius wäre auch okay gewesen, aber ohne Frauen beide nicht.
Die SPD ist weiblicher geworden.
Schade, dass Frau Nahles so früh hinschmiss.