- Halt auf halber Strecke
Gesundheitsministerin Nina Warken hat ihre Vorschläge für eine Reform der Krankenkassenfinanzierung vorgelegt. Vieles ist darin enthalten. Eines aber fehlt offensichtlich: die Herausnahme der Bürgergeldempfänger aus der gesetzlichen Versicherung.
Mit einem Mal geht alles ganz schnell. Über Jahre hinweg hat die Politik an den überbordenden Kosten des deutschen Gesundheitssystems herumgedoktert, ohne dass es zu echten Erfolgen geführt hätte. Im Gegenteil: Im ältesten öffentlich finanzierten Gesundheitssystem der Welt wurden die Lücken mit jedem Jahr größer. Allein im vergangenen Jahr, so sagen es Zahlen des Gesundheitsministeriums, sind die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen um 7,8 Prozent nach oben gegangen. Weltrekord! Und wer damit nun glaubte, das Ende der Fahnenstange sei endlich erreicht, dem hielt der GKV-Schätzerkreis bereits Ende des vergangenen Jahres eine neue und gefährliche Wasserstandsprognose für das nun laufende Jahr entgegen: Demnach sollen die Ausgaben für 2026 nämlich noch einmal von 352 Milliarden auf am Ende 369,5 Milliarden Euro steigen.
In Anbetracht immer größer werdender Finanzierungslücken kam es da fast einem Wunder gleich, dass CDU-Gesundheitsministerin Nina Warken so lange ruhig geblieben ist. Zwar hatte sich die schwarz-rote Koalition bereits Anfang 2025 im Koalitionsvertrag gegenseitig versichert, dass ihr Ziel darin bestehen müsse, „die Finanzsituation zu stabilisieren und eine weitere Belastung für die Beitragszahlerinnen und -zahler zu vermeiden“. Doch die neue Führung im Gesundheitsministerium schien in der Öffentlichkeit wenig Aufhebens um die weiterhin prekäre Lage der gesetzlichen Krankenkassen zu machen. Es mochte zwar nicht an guten Absichten fehlen, doch über den Weg zum lang ersehnte Ziel beließ man den Versicherten im Unklaren.
Stabile Beiträge
Und jetzt also überstürzen sich die Ereignisse. Es bestehe großer Handlungsbedarf, so die zuständige Ministerin am vergangenen Dienstag im Bundesgesundheitsministerium. Es waren mehr als hingehuschte Worte. Nachdem nämlich schon eine von Nina Warken eingesetzte Finanzkommission Gesundheit Ende März einen 66 Punkte umfassenden Empfehlungskatalog zur Stabilisierung des Beitragssatzes ab 2027 vorgelegt hatte, folgte nun ihre eigene Vorstellung für ein sinnvolles Sparpaket. Denn es sei natürlich weiterhin „das Ziel, die erwartete Finanzlücke bis 2030 zu schließen und die Beiträge stabil zu halten“, so die Gesundheitsministerin, die sich überzeugt davon zeigte, dass das mit dem von ihr nun vorgestellten Reformpaket weiterhin möglich ist. Denn immerhin: Von den einstmals 66 Punkten, die Warkens Expertenkommission vor gut zwei Wochen in ihrem ersten Bericht vorgelegt hatte, sind in ihrer eigenen Vorlage immerhin gut drei Viertel der Ursprungsideen eingearbeitet worden. Und sollte es beim Zeitplan bleiben, dann könnte der Gesetzentwurf noch Ende April ins Kabinett kommen, um dann noch vor der Sommerpause in einem Bundestagsbeschluss zu münden.
Sollte Nina Warken also den Ernst der Lage verstanden haben? Die Antwort ist ein klares Jein! Zwar betonte die Unionsministerin bei der Vorstellung ihrer Reformvorschläge, dass diese die GKV-Beiträge künftig planbarer und sozialverträglicher machten, doch noch ist das alles kaum mehr als ein frommer Wunsch. Denn so hilfreich die jetzt vorgelegten Vorschläge auch sein mögen, sie markieren nicht das Ende des beschwerlichen Reformweges. Und das liegt nicht nur daran, dass Warken um die Unterstützung des kleineren Koalitionspartners werben muss, es hat vor allem auch damit zu tun, dass ihr die eigene, im September 2025 eingesetzte Expertenkommission ins Stammbuch geschrieben hatte, sie müsse alle 66 Vorschlagspunkte umsetzen, wolle sie für das kommende Jahr wirklich ein angepeiltes Einsparvolumen von 42,3 Milliarden Euro erreichen. Bis zum Jahr 2030 wären es dann sogar 60 Milliarden Euro, die die GKV sparen könnte – immer vorausgesetzt aber, die Politik hielte sich mit jedem Punkt und jedem Komma an das Gutachten ihrer Experten.
Ein guter Werkzeugkasten
Das aber tut Nina Warken nur halbherzig. Zwar wagt sie sich mit ihren Vorschlägen an die Honorarbudgets der Ärzte, fordert verpflichtende Zweitmeinungen bei überbordenden Operationen oder mahnt Sparregelungen bei Arzneipreisfindungen an; sie koppelt Leistungen an Evidenz, will die Verwaltung bei den Krankenkassen beschneiden und strebt sogar eine heftig umstrittene Einschränkung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern bis 2028 an. Doch die wirklich hart umkämpften Brocken fehlen. Die Kommission habe einen guten Werkzeugkasten vorgelegt, so Warken in einer Pressekonferenz zur Vorstellung ihres Entwurfs. Warum sie dann aber nicht bis in die Tiefen des Kastens hineingreift, bleibt ihr Geheimnis.
So ist der Entwurf ein Halt auf halber Strecke. Da wäre etwa die angedachte Lenkungssteuer auf ungesunde Genussmittel wie Nikotin, Alkohol oder Zucker. Laut Expertenkommission wäre die nicht nur ein Anreiz für mehr Eigenverantwortung, sie wäre auch ein Vorstoß, um eine seit Langem klaffende Gerechtigkeitslücke im System zu schließen. Zudem spülte sie Geld in die Kasse: Allein eine Anhebung der Tabaksteuer brächte 1,2 Milliarden Euro. Da eine derartige Steuer aber in die Zuständigkeit des Finanzministeriums fiele, blieb die Steuer- und somit auch die (Selbst-)Verantwortungsfrage vorerst offen.
Das Goldene Kalb der Koalition
Und nicht anders verhielt es sich mit einem Punkt, der laut Gutachten mehr als ein Viertel der angestrebten Einsparungen brächte, den CDU und SPD aber seit langer Zeit so zaghaft umtänzeln, als wäre er das Goldene Kalb der Koalition: Es geht um die Gesundheitsversorgung der gut 5,5 Millionen Bürgergeldempfänger in Deutschland. Die wird bis dato nämlich aus dem immer leerer werdenden Topf der 58 Millionen GKV-Versicherten gezahlt, was zunehmend zu einer offensichtlichen Ungerechtigkeit im gesamtgesellschaftlichen Gefüge führt. Kritiker fordern bereits seit langem, die Gesundheitskosten von Bürgergeldempfängern aus der GKV herauszunehmen und stattdessen aus dem Steueraufkommen zu bezahlen: „Bei einer vollständigen Kostenübernahme der Behandlungskosten durch den Bund“, so sagt es auch der Bericht der Finanzkommission Gesundheit, „würde die GKV um rund 12 Mrd. € jährlich entlastet.“
Es ist die SPD, die diese Idee bis dato weitestgehend ablehnt – und die damit unbemerkt große Teile der eigenen Wählerschaft verprellt. Dem klassischen Angestellten etwa ist es vermutlich längst nicht mehr zu vermitteln, warum zumeist besserverdienende Privatversicherte sowie Beamte nicht an den Kosten für die Gesundheitsversorgung der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft beteiligt werden sollten.
Noch hält Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) die Diskussion für eine „Milchmädchenrechnung“, wie er vor einigen Tagen in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte. Doch die Diskussionen um diese offensichtliche Schieflage reißen nicht ab – zumal die Kassenärztliche Bundesvereinigung sehr zu Recht darauf hingewiesen hat, dass gut die Hälfte der Bürgergeldempfänger keinen deutschen Pass besäßen. Nun ist es natürlich nicht die Aufgabe von Lobby- und Standesvertretern, einen Teil ihrer Kundschaft gegen einen anderen Teil auszuspielen. Dennoch muss in der aktuellen Situation eine Frage erlaubt sein: Wenn nun von den Ärzten über die Krankenhäuser, die Apotheken und die Krankenkassen bis hin zu den Versicherten und Mitversicherten, den eingebildeten, den akuten und den chronisch Kranken alle einen Beitrag zur Rettung des Systems leisten müssen, warum sollten dann jene außen vor bleiben, die bis dato zu den stärksten Profiteuren dieses Systems zählen? Es wäre im Sinne der distributiven Gerechtigkeit, würde man die Gesundheitsleistungen von Bürgergeldempfängern aus der gesetzlichen Krankenversicherung herausnehmen.
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Versicherung - das auf Gegenseitigkeit beruht - ad acta gelegt. Alle, die in einen großen Topf einzahlen, können aus diesem Topf im Bedarfsfall etwas zurück erhalten, u. U. auch mehr. Wer nicht einzahlt, kann nicht Teil der Versicherten-Gemeinschaft sein. Dass das, was daraus folgt, unerträglich wäre, muss der Staat, also der Steuerzahler einspringen und die Folgen politischer Entscheidungen ausbaden. Aber das Geld wird nicht reichen, wenn a l l e Zuwanderer und Arbeitslosen nicht schnell in Arbeit gebracht werden. Das ist derzeit wohl nicht zu erwarten.
Sie haben mit jedem Wort Recht. Es ist ein Betrug am Beitragszahler, wenn Millionen, die nie einbezahlt haben, die gleichen Leistungen beziehen können. Für solche Fälle muss der Staat zahlen, oder besser, die Leistungen streichen.
Der Bund zahlt aktuell eine Pauschale, die laut BKK-Dachverband nur rund ein Drittel der tatsächlichen Aufwendungen für Bürgergeldempfänger deckt. Bei dieser eindeutigen Sachlage von den schon aktuell stark belasteten Versicherten noch mehr Eigenanteile zu verlangen, ist zwar gegen jegliche Logik, aber offenbar mit dem Selbstverständnis der Ampel 2.0 vereinbar.
wenn auf Zucker, Alkohohl & Nikotin moderate
Steuererhöhungen kämen. Das Problem was ich sehe, damit wird nicht das Gesundheitssystem gestützt sonder zu 100% zweckenddfremdet wird, um Haushaltslöcher zu stopfen..
Man denke an die Milliarden Sondervermögen und wohin das Geld für 2026 zu 95 % geflossen ist ….. im Haushalt verschwunden ……
Und so lange der Wahlmichel derart verarscht wird, lehne ich jegliche Steuererhöhungen ab weil das Geld in diesem Land nur noch verplämpert wird. Wenn ich was zu sagen hätte gäbe es nur Steuerefhöhungen wenn die Summe der Neuen Einnahmen im Haushalt ebenfalls eingespart wird.was in der Endkonsequenz keine Steuererhöhungen zur Folge hätte. Des Staat muss sparen
( Entwicklungshilfe, NGOs Finanzierung, Subventionen aller Art usw) und nicht den Bürger immer mehr abzocken durch Direkte & Indirekte Steuern wie z.B. beim Tanken. Das ist schlicht eine Frechheit, was da passiert !
MfG a d Erfurter Republik
Das ganze System müsste vom Kopf auf die Füße gestellt werden. In diesem Land wird jeden(!) Tag eine Milliarde € im Gesundheitswesen umgesetzt und man glaubt mit solchen Kinkerlitzchen etwas zum Guten wenden zu können? Natürlich müssen die Bürgergeldempfänger raus aus der GKV. Aber auch alle andere GKV- Versicherten müssen sich daran gewöhnen, dass erhöhte Risiken nun mal höhere Tarife zur Folge haben. In der PKV funktioniert das schon immer so. Wer bei Aufnahme übergewichtig und Raucher ist zahlt von Anfang an mehr als schlanke Nichtraucher. Wer einen Selbstbehalt vereinbart, spart Geld. Wer sich gesundheitsbewusst verhält, bekommt Beiträge zurück. Es wäre wie bei der KFZ- Versicherung: Eigenverantwortliches Verhalten würde Geld sparen und wäre gut für die Gesundheit. Steuern auf Tabak, Alkohol und Zucker würden nur im allgemeinen Etat versickern, außerdem gibt es das Haushaltsrecht des Parlaments. Man muss die Menschen nicht zu Abstinenz erziehen, sondern zu Eigenverantwortung!
Zu echten Reformen, im Wortsinn ein System neu aufsetzen, ist dieses Land nicht mehr fähig.
Der konsequente Einsatz der Gesundheitskarte würde gigantische Summen sparen. Sparen könnt man auch durch Digitalisierung der Verwaltungen. Die aufgeblähten Apparate der vielen GKVs und kassenärztlichen Vereinigung müsste radikal gestutzt werden. Die KV ist im Vergütungssystem völlig überflüssig, ein Relikt aus dem vorletzten Jahrhundert, eine reine Funktionärsveranstaltung.
Die Indikationen für Knie- und Hüft-OPs sowie gefässchirurgische Eingriffe müssen strikt einem Protokoll folgen. Nirgendwo auf der Welt werden so viele teure und sinnlose und dabei durchaus gefährliche Herzkatheteruntersuchungen gemacht wie in Deutschland! Man kratzt nur man der Oberfläche, aus Angst vor den Lobbygruppen. Aber die Ehefrauen, die Kinder, Haus und Hof versorgen, die sollen jetzt zahlen und so das System retten! Absurd! Grotesk!
Man braucht schon keine Glaskugel mehr ,die nächste Schlacht am sozialen Buffett ist eröffnet.Nach Klingbeil gegen Reiche,nun unser blanker Haushaelter gegen Warken.Und so sicher wie das Amen in der Kirche können wir lebenslang in die GKV zahlenden Solidartrottel:( für Gott und die Welt mit bezahlen Als Lohn für unsere monatliche gute Tat,dürfen wir dann beim Facharzt unseres Herzen nach der Eingangsfrage "Privat oder zweite K(l)asse?" unserer motzenden Bandscheibe erklären, weshalb sie sich noch ein paar Monate gedulden muss🤕.Und die familienversicherte Hausfrau ohne Kleinkinder oder nebenbei zu pflegende Eltern wie Sie die dann fällig werdenden 225 Euronen für sich auf treibt.Denn der Ernährer der Familie u. sein AG zahlen ja nicht genug.
Und auch sollte ich langsam nerven,so hätte ich doch gerne einmal gehört, wie es um die Klage GKVs gegen Finanzministerium um die
nicht annaehrend kostendeckende Pauschale für die von Warken verschonten Buergergeldempfaenger steht??? MfG
Und das schlimme daran, von privilegierten Schichten und Politikern, die selber nicht betroffen sind und zum Teil fleißig mitverdienen! Ganz einfach! Auch im Gesundheitssystem sind Migranten ein glänzendes Geschäft! Migration ist ein Multimilliarden schwerer Wirtschaftsfaktor, auf kosten der Steuer- und Beitragszahler! Darum schreit nicht nur die grünrote Klientel, sondern auch die deutsche Wirtschaft ständig noch immer mehr Migranten! Sie nennen sie zur Tarnung "Fachkräfte"! Nur ein Bruchteil wird davon selber zu Steuer- und Beitragszahlern, aber die Wenigen werden immer Thematisiert und uns als unverzichtbar präsentiert! Dabei haben die auch oft den "Braten gerochen" und suchen das Weite, weil die Abgabenlast dieses Land für ECHTE Fachkräfte unattraktiv macht!
Die Überschrift fand ich sehr treffend. Diese Politikgarde macht keinen Sinn mehr. Wer nicht will, hat schon. Nicht mehr mit mir!
Warum wird nicht auch über das deutsch-türkische Sozialversicherungsabkommens von 1964 diskutiert, aufgrund dessen in Deutschland gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmer oder Rentner ihre Familienangehörigen (Ehepartner, Kinder) in der Türkei mitversichern können und auf diesem Wege jährlich bis zu bis zu 70 Mio. Euro aus der deutschen GKV in die Türkei gezahlt werden? Die Zeit der Gastarbeiter ist lange vorbei und das Abkommen überholt.
zeigen, sind nur rund ein Viertel der Wähler bereit, per Wahl die Dinge zu ändern.
Solange dieser Altparteien-Stadl regiert, wird das Geld – auch im Gesundheitswesen – zum Fenster raus geworfen an Menschen, die noch nie einen Cent einbezahlt haben. Und das wird auch so bleiben. Die geplanten Reförmchen sind ineffizient, bzw. hochgradig ekelhaft (keine Mitversicherung des Ehepartners bei Arbeitenden, wohl aber bei Faulenzern, die eh nichts rein zahlen)
Man kann dies ändern, muss dafür aber halt die Wende wählen.
Eine gewisse Partei, sollte sie regieren, wird aufräumen mit dem Bürgergeld-Blödsinn und viele Menschen aus diesem System holen, die dort nichts zu suchen haben. Und dafür sorgen, dass auch Deutsche, die es sich dort bequem gemacht haben, wieder arbeiten gehen. Und wer arbeitet, trägt bei und zockt nicht ab.
Deutschland braucht endlich die Wende.
Aber solange der Wähler diese Partei außen vor lässt, sollte man aufhören zu jammern.
