Fluch und Segen der sozialen Netzwerke - Es gibt kein Grundrecht auf Anonymität

Unser Autor ist begeisterter Twitterer – eigentlich. Mit dem sozialen Netzwerk geht es ihm aber wie vielen anderen Nutzern. Er ärgert sich über die Trolle, die den Diskurs im Schutz der Anonymität zunehmend vergiften. Aber es gibt einen Weg aus dem Dilemma.

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Keine Macht den Trollen / dpa

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der F.A.Z. Sein aktuelles Buch „Wolfgang Bosbach: Endspurt. Wie Politik tatsächlich ist – und wie sie sein sollte” ist im Herbst 2016 erschienen.

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Hugo Müller-Vogg

Ein persönliches Wort zuvor: Ich bin seit mehr als fünf Jahren auf Twitter aktiv, schätze das Medium als Ort öffentlicher Diskussion, scheue keine politische Auseinandersetzung, spitze gerne auch mal zu. Widerspruch und Gegenargumente stören mich nicht. Ja, manchmal lernt man auch dazu. Aber eines nervt mich immer mehr: Die wachsende Schar der anonymen Twitterer, die ihren Namen nicht zu nennen wagen, aber umso unerbittlicher auf andere einschlagen - polemisch, bösartig, diffamierend.  

Auf Twitter und in den anderen „sozialen Medien“ verwechseln immer mehr das Recht auf freie Meinungsäußerung mit einem nicht existierenden Grundrecht auf anonyme Beleidigung. Den Gesetzgeber stört das nicht. Ein Vorstoß von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, eine Verpflichtung zu Klarnamen einzuführen, fand keine Unterstützung. Von ganz links bis ganz rechts eint eine Allparteienkoalition die Angst vor einem „Shitstorm“, falls man den anonymen Feiglingen das Handwerk legen würde. Dem Einzelnen bleibt da nur eine Möglichkeit zur Notwehr: die Blockierfunktion.  

Verwilderung der Sitten

Das Internet ist Fluch und Segen zugleich: Segen, weil es die öffentliche Meinungsbildung demokratisiert hat. Die etablierten Medien sind nicht mehr die „Gatekeeper“, bestimmen nicht mehr, worüber öffentlich diskutiert und gestritten werden kann, darf und soll. Heute kann jeder, der will, ein Meinungsmacher, sein eigener Chefredakteur sein. Ganz unabhängig von seiner Funktion als Ort des frei zugänglichen Diskurses spielt das Netz zugleich eine unrühmliche Rolle.

Die sogenannten sozialen Medien räumen jedem Feigling die Möglichkeit ein, im Schutz der Anonymität seinem Judenhass, seiner Ausländerfeindlichkeit, seinen Verschwörungstheorien und ähnlichen kruden Vorstellungen freien Lauf zu lassen. Damit trägt es zu einer Verrohung der politischen Auseinandersetzung und einer Verwilderung der Sitten bei. Man muss sich nur kurz auf Twitter einloggen, um die Erfahrung zu machen: Je anonymer der Absender, umso übler meist der Inhalt. In den „sozialen Medien“ haben es anonyme Täter leichter als sonst, über politisch Andersdenkende Lügen zu verbreiten, sie zu diffamieren und auf das Übelste zu beleidigen. Da mutieren die sogenannten sozialen Medien ganz schnell zu asozialen.

Das Internet, eine Bühne für Antisemiten und Rassisten

Das Ärgerliche dabei: Selbst viele seriöse Medienhäuser lassen den anonymen Feiglingen weitgehend freie Bahn. Kein Printmedium würde anonyme Leserbriefe abdrucken. Bei ihren Internetauftritten erlauben dieselben Medien jedoch die Verwendung eines Pseudonyms. Dieses verhindert zwar nicht, dass der Autor im Fall staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen ausfindig gemacht werden kann, senkt aber die Hemmschwelle bei der Verbreitung von Hassbotschaften und Angriffen auf andere. Je schwieriger es nämlich ist, den Internet-Täter aufzuspüren, desto geringer dürfte die Neigung sein, rechtliche Mittel zu ergreifen.

Machen wir uns nichts vor: Das Netz spiegelt letztlich nur wider, dass es in diesem Land Antisemiten, Rassisten, Reichsbürger, Völkische, Rechts- wie Linksextremisten gibt. Aber das Internet erleichtert es diesen Minderheiten, im Schutz der Anonymität für ihre menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Ansichten zu werben. Ihre Resonanz nimmt zu, weil sie online viel mehr Menschen erreichen können, als das in den „alten“ Medien der Fall ist. Wo ein „Klarname“ gefordert ist, verlässt manchen „Revolutionär“ schnell der Mut. 

Das Grundgesetz kennt kein Grundrecht auf Anonymität   

Das Grundgesetz sichert jedem das Recht zu, seine Meinung frei und offen zu äußern – sofern er dabei nicht gegen Recht und Gesetz verstößt. Das Grundgesetz kennt aber kein Grundrecht auf Anonymität; es will sicher nicht Heimtücke und Feigheit schützen und erleichtern. Die Freiheit der Meinungsäußerung schließt nicht den Anspruch auf Anonymität ein.  

Technisch wäre es möglich, anonyme Stellungnahmen in den „sozialen Medien“ zu verhindern. Die Medienhäuser und Plattformbetreiber dürften nur nicht mehr online stellen, was nicht unter einem identifizierbaren Namen samt Adresse geschrieben worden ist. Ja, das würde „Traffic“ kosten – und damit auch Werbeerlöse im Internet. Aber es wäre ein Beitrag zur politischen Hygiene. 

Schluss mit der Anonymität 

Natürlich würden Extremisten ebenso wie Kriminelle Mittel und Wege finden, sich unter „Fake-Adressen“ ins Netz einzuschleichen. Doch die Möglichkeit, Verbote zu umgehen, kann kein Grund sein, Verbote nicht auszusprechen und schon gar nicht, sie durch geeignete Maßnahmen auch durchzusetzen. Anderenfalls könnten wir ja auf das gesamte Strafrecht verzichten. 

Niemand kann ernsthaft bestreiten, dass das Netz denen das Handwerk erleichtert, die von Anstand, Respekt und Fairness im politischen Meinungskampf nichts halten, die Diffamierung und Hetze bewusst als Waffen einsetzen. Das können sie umso besser, je sicherer sie vor Entdeckung sind. Anonymität im Netz ist ein Förderprogramm für die Gegner eines offenen, demokratischen Diskurses. Höchste Zeit, damit Schluss zu machen. 

Helmut Bachmann | So, 9. August 2020 - 14:46

Diskurs in Medien, die Verkürzung und Selbstdarstellung fördern und fordern, möglichst viele Leute erreichen sollen und sich den Nutzern aufdrängen müssen, um als Geschäftsmodell zu funktionieren. Aha.

"Diskurs auf twitter" erscheint schon komisch. Sollte ich jemals das Bedürfnis nach Dialog und Gedankenaustausch via twitter haben, dann gebe ich mir die Kugel. Mich überrascht, dass der weitgehend sehr geschätzte HMV diese Info- und Meinungsmüllhalde mag.

Yvonne Stange | So, 9. August 2020 - 15:00

... alles wieder nur in eine Richtung: "Judenhass, seiner Ausländerfeindlichkeit, seinen Verschwörungstheorien und ähnlichen kruden Vorstellungen freien Lauf zu lassen".... Was glaubt der Autor denn, was von linksgrün einem so an den Kopf geworfen wird? Das ist genau der gleiche Jargon. Aber das darf es ja niemals nicht geben.... Wenn man schon moralisiert, dann bitte in alle Richtungen! Eines ist so schlimm wie das andere!

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 9. August 2020 - 15:02

leuchtet mir die Argumentation ein.
Dieser kleine Rest wäre mit dem öffentlichen Raum politischer Debatte, zwar nicht als rechtsfreien Raumes, aber einer Art Wahlkabine verknüpft und dem Schutz des Souveräns vor Repressalien durch einmal entäußerte Macht.
Will sagen, die Leute müssen erkannt werden können, sobald sie sich strafbar machen, aber diesen "Schleier" der Anonymität als Form des Grundsatzes "Die Gedanken sind frei", fand ich irgendwie auch schön.
Wenn anders dem Missbrauch nicht gegengesteuert werden kann, hilft der Klarname dann aber sicher.

Menschen mit viel Respekt waren & sind für mich H. Schmidt, R. Hildebrand, S. Wagenknecht, B. Palmer, H. Buschkowsky, N. Blühm, H. G. Maasen u. v. m.
Beim Faktor Demut lichtet es sich schon.
Aber alle diese waren oder sind Menschen, die sich durch die Angst nicht beeinflussen lassen haben & ihre Gedanken ausgedrückt haben, wenn es auch wie unseren "Regierungstreuen" nicht schmeckte.
Aber jetzt zum Freien Gedanken, der für die sogenannten "Freidenker" das Salz in der Suppe ist. Aber für den "Machtbessenen" ein Alptraum, weil Freiheit & Angst sich widersprechen. Darum wird man auch außer in der Bibel bei "Verfehlungen & Gesetzüberschreitungen" bestraft & diszipliniert, statt in dem "Übeltäter" Einsicht & das verletzen von Regeln, Reue & Demut zu säen (wie im anderen Artikel).
Meiner Ansicht nach wird durch unsere "urzeitliche" Gesetzgebung das verbreiten von Achtung, Liebe & Respekt zum Menschen & seiner "Umgebung" nicht gefördert, sondern die "Gier nach immer mehr"(außer Liebe).

taten dies aber unter ihrem Klarnamen.
Was ist es dann, was mich den Kommentarraum dennoch eher schützen lässt, unter der Voraussetzung, dass man der Leute in indizierten Fällen habhaft werden kann?
Vielleicht sogar der eher unspezifische Raum der Liebe, das Noch-nicht, das Rätseln.
Das hat wahrscheinlich keinen Platz in der Politik, mit dem Kommentieren begann ich aber eher im privaten Raum, vielleicht benachbart dem informellen Raum, dem entstehenden oder auch nicht.
Masken sind für mich auch Statements, nicht so verbindlich wie Namen - ich würde aus dem Kommentarbereich gerne heraushalten, was eben Loriot so entzückend in der Badewannensequenz mit dem Quietscheentchen zeigt, das Formelle.
Ich bin nur in überwachten Bereichen des Netzes, auch als Kontrolle über mich, wenn die aber nicht funktioniert und auch nicht die Korrektur durch eine Community, dann muss man das Licht eben anmachen...
Sonst ist es für mich auch Nietzsche, "Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen"

Yvonne Stange | So, 9. August 2020 - 15:07

... gibt es auch deshalb kein "Grundrecht auf Anonymität" weil zu dieser Zeit nicht an ein Internet zu denken war? Ich ziehe in manchen Belangen die Anonymität auch vor, nein, nicht um zu pöbeln oder zu beleidigen, auf dieses Niveau begebe ich mich nicht. Aber es ist manchmal extrem schädlich, offen seine wirkliche Meinung zu sagen. Die Denunzianten sind überall und manchen hat es schon den Arbeitsplatz gekostet. Man braucht nur mit der falschen Person im Restaurant gesehen zu werden... Oder auf FB liest man oft den hämischen Hinweis: "Dein Arbeitgeber wird sicher nicht erfreut sein, was Du hier postest, ich hab ihn schon informiert...!" Und schon ist es passiert. Wieso gibt es bei Umfragen erschreckend hohe Werte, daß die Menschen sich nicht mehr trauen, ihre Meinung zu sagen? Ich bin eindeutig für eine Anonymität.

Hans Jürgen Wienroth | So, 9. August 2020 - 16:17

In reply to by Gast

Ich habe früher nie verstanden, warum „linke Gruppierungen“ in unserem „Rechtsstaat“ für Anonymität gekämpft haben. Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, der hat in unserem Land nichts zu befürchten, war meine Devise. Mittlerweise habe ich dazugelernt und Fälle wie z. B. der von Joshiko Saibou bei der Corona Demo bestätigen mich. Niemand kommt wegen seiner Äußerung ins Gefängnis - das hat hoffentlich noch Gültigkeit - aber die Meinung ist nicht mehr frei. Wer „falsche“ Äußerungen von sich gibt, muss mit Repressalien rechnen, sein Auto kann beschädigt werden, die Familie bedroht oder der Job weg sein. Da ist es doch nachvollziehbar, dass auch manche Medien (Zeitungen, Online-Medien usw.) kritische Kommentare gar nicht mehr veröffentlichen. Damit ist auch die Demokratie eingeschränkt, weil nicht mehr unabhängig informiert wird.
Glücklicherweise habe ich keinen Kontakt zu sozialen Medien, weiß also nicht, was dort alles über mich geschrieben steht. Es interessiert mich auch nicht.

bruno leutze | So, 9. August 2020 - 17:00

In reply to by Gast

bei Fb wird niemand angehalten sich neckisch ausziehen. So wurde mir gesagt. Das kann auf Freunde oder Follower beschränkt bleiben, was man da so denkt usw., was einem wert ist, anderen mitzuteilen. Wer darüber hinaus seine Botschaften, sein Bild kundtut, sich also der FBgemeinde preisgibt, sollte sich nicht aufregen. Sich mit den falschen Personen treffen , da bleibt nur Spekulation, und ansonsten tut frau das nicht, schon gar nicht, wenn sich da auch die Denunzianten aufhalten, die einem doch bekannt sind - oder? Und über den Arbeitgeber oder über die Arbeit häßliches posten, was nicht auf den eingeschränkten Kreis (siehe oben) sich reduziert - tut man auch nicht. Aber bei FB anonym bleiben - geht auf Dauer auch nicht, hat man mir gesagt.
Also besser nicht twittern und facen, oder anonym die Sau raus lassen, was sie ja anstandshalber nicht tun. Gut so! oder auch schlecht ...

... meinen Namen schreibt man mit Y. - Wo, bitte, habe ich geschrieben, daß ich von mir "neckische Bilder" auf FB poste? Sie haben viel Fantasie. Wer so etwas tut, der ist selber schuld. Aber sicher wird deshalb keiner beim Arbeitgeber verpfiffen. Was ich meine, ist die Abgabe eines durch die Meinungsfreiheit gedeckten Kommentares zum Beispiel zur Massenmigration. Es muß doch möglich sein, so etwas zu äußern, ohne das manche nachschnüffeln wo man arbeitet und einen anschwärzen! Es geht hier nicht um Katzenbildchen! Hier werden Existenzen zerstört, wo wir doch angeblich in einem Rechtsstaat und in einer Demokratie leben.

Jacqueline Gafner | So, 9. August 2020 - 18:46

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anders als Sie, Frau Stange, eher gespalten. Zum ersten ist das Schreiben wie auch Lesen von Kommentaren freiwillig. Niemand muss sich exponieren, wenn er bzw. sie das nicht meint riskieren zu können, aus welchen Gründen auch immer. Zum zweiten macht es m.E. einen Unterschied, ob man als Kommentator/-in in einem freiheitlich-demokratisch konstituierten Rechtsstaat lebt oder in einem Staat, in dem man standardmässig mit Repressionen rechnen muss, so man sich nicht linientreu äussert. Im zweiten Fall macht die Möglichkeit, sich anonym äussern zu können, durchaus Sinn, mindestens soweit es um Medien geht, bei denen halbwegs sicher ist, dass sie nicht unter der Fuchtel solch autoritärer Staaten stehen, womit auch die Anonymität nicht schützt. Dagegen sind mir Leute, die nicht mit Klarnamen zu ihrer Meinung stehen können oder wollen, obwohl sie nichts dergleichen zu befürchten haben, so lange sie sich mit ihren Äusserungen des verfassungsmässig Zulässigen bewegen, stets etwas suspekt.

Jacqueline Gafner | Mo, 10. August 2020 - 17:29

In reply to by Gast

was denn für "manche" und wegen welcher "nicht linientreuer Haltung und Kommentare"? Reden Sie von sich oder ist das ein eher theoretische Diskussion, die wir hier führen? Wer für einen Arbeitgeber tätig oder Mitglied einer Partei, eines Vereins, einer Interessengemeinschaft etc. ist, der bzw. die unverbrüchliche Linientreue erwartet, ansonsten er bzw. sie da nicht mehr lange arbeitet oder Mitglied ist, könnte sich auch überlegen, ob das für ihn bzw. sie so (noch) stimmt, oder sich den offenbar heiklen Kommentar auch schenken. Behördliche Repressionen als Antwort auf einen Kommentar, der die Grenzen des rechtlich Zulässigen nicht verletzt, sind zudem noch mal etwas anderes als "Strafaktionen" von Privaten, die - zugegeben - auch einschneidend sein können. Doch wie gesagt, niemand ist gezwungen, sich zu exponieren, so der Preis dafür zu hoch scheint.

hier muss ich Ihren Ansichten leider widersprechen. Es gibt keine legitime/rechtstreue Meinung, welche von allen Seiten geteilt wird. Der Rechtsstaat, sofern vorhanden, sichert zwar die Meinungsfreiheit, kann aber dennoch nicht vor Meinungsgegnern schützen. Wenn einem dann wegen einer unliebigen Meinung die Antifa, eine rechte Zelle oder sonstige Fanatiker die Hütte in Brand stecken oder Ähnliches, soll man nach Ihrer Ansicht lieber auf das „Exponieren“ der Meinung „aus welchen Gründen auch immer“ verzichten, weil man sein Leben nicht „riskieren“ kann??

Sie sollten zusätzlich bedenken, dass Radikale Wege haben, anonym zu agieren. Mit einem Klarnamenzwang wird letztlich nur der rechtstreue Bürger - den Fanatikern zur Freude - zum übertragenen wie auch wortwörtlichen Abschuss freigegeben. „Zeig, wo wir dich finden oder halt die Klappe“, für rechtstreue Bürger kann auf keinen Fall die Lösung sein!

vorweg die Feststellung, dass ich kein Problem damit habe, wenn man mir widerspricht, im Gegenteil, das belebt die Diskussion und führt im Idealfall auch zu einer erweiterten Sicht auf den Gegenstand der Diskussion, was nie schaden kann, selbst wenn man am Ende doch bei seiner Meinung bleibt. Dies gesagt, stimme ich Ihnen insoweit zu, dass nicht nur der Diskussionsstil einer wachsenden Anzahl von Zeitgenossen heute erheblich zu wünschen übrig lässt, sondern es auch immer mehr Fanatiker gibt, die es nicht bei einer verbalen Antwort belassen, wenn ihnen eine Ansicht nicht in den Kram passt. Ich bin weder weltfremd noch lebensmüde, habe jedoch auch nicht vor, mich durch diese Tatsache über Gebühr beeindrucken zu lassen. Sich in die Anonymität zu flüchten, denn darauf läuft es letztlich doch wohl hinaus, ist auch keine Lösung, sondern stärkt solchen "Meinungsterroristen" den Rücken. Auch das ist nur eine Meinung, die man nicht teilen muss und der man, wie gesagt, auch widersprechen kann.

oder unterstellen, dass Sie ein Problem mit Widerspruch haben. Hat sich mein Text für Sie so gelesen, will ich um Entschuldigung bitten und versichere Ihnen, dass ich Ihre Sicht in Sachen Diskussion und Meinung ausnahmslos teile.
Zum Thema; Ich verstehe Ihre Sicht, nicht in die Anonymität flüchten zu wollen. Aber was Sie zuerst als Flucht in die Anonymität verstehen, bleibt ungeachtet einer persönlichen Sicht dennoch ein Schutz. Und ob man diesen Schutz nutzen möchte oder persönlich ablehnt, sollte eben jeden selbst überlassen sein. Ein Klarnamenzwang verordnet aber die Schutzlosigkeit. Jeder, der sich dann, im Gegensatz zu Ihnen, doch „über Gebühr beeindrucken“ ließe, wäre damit Mundtot gemacht, womit die Methode der "Meinungsterroristen", nämlich das Einschüchtern absolute Wirkung erzielt. Oder anders; Die Flucht in die Anonymität lässt eine Partizipation am politischen Diskurs ohne Angst um die eigene Sicherheit zu, was das Mundtotmachen via Einschüchterung gänzlich ausschließt.

der Anonymität dient dem, der legitime Meinung/Kritik äußert. Das diejenigen, die mit Freiheit nicht umzugehen wissen, diese Anonymität missbrauchen, ist kein ausreichendes Argument, Menschen, welche legitime Meinung/Kritik äußern (wollen), durch einen Klarnamenzwang zu „entwaffnen“ und den Schutz zu verweigern, der eine freie Meinungsäußerung überhaupt erst ermöglicht. Strafverfolgungsbehörden müssen ihre Arbeit verrichten können, jedoch ist der Klarnamenzwang die völlig falsche Methode, da der Klarname nicht nur den Behörden zugänglich ist, sondern im wahrsten Sinne der ganzen Welt! Gepriesen ist der, der da Schmidt oder Müller heißt.
Weiter ist zu bedenken, dass sich ein Klarnamenzwang (bei z.B. einem - immer möglichen - Abdriften eines Rechtsstaates) bei Zivilen Ungehorsam verhält, wie ein Impressum auf einem Flugblatt.
Die Annahme von Müller-Vogg, ein Klarnamenzwang wäre die Lösung gegen Missbrauch von Anonymität mutet an, wie die Methode „Kopfabreißen“ gegen Kopfschmerzen.

Andreas Schmidt | Mo, 10. August 2020 - 01:32

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Ich glaube, der Autor hat ohnehin übersehen, dass das Internet ohnehin nur Pseudonyme kennt und es allenfalls Schwierigkeiten geben kann, den Autor für ein Strafverfahren rechtsstaatlich exakt zu identifizieren.
Nach meinen Erfahrungen bis vor wenigen Jahren waren es in erster Linie Realnamen-Accounts, die aus der Rolle fielen - bis hin zu Morddrohungen ausgerechnet von Personal der Genehmigungsbehörde gegen Leute, die eine Baugenehmigung selbiger Behörde begrüssten sowie den Bauherrn (der Drohende war nebenbei Anwohner in ca. 2 km Entfernung). Erst im Streit um Bekämpfung von Einbruchskriminalität und die Zuwanderung 2015 kamen rot/grüne Ideologen im hiesigen Lokalzeitungsforum auf die Idee, unter diversen immer neuen Pseudonymen jede minimal abweichende bürgerlich-liberale Meinung mit unfairsten Mitteln mundtot machen zu wollen. Deshalb nun aber Realnamen zu sammeln, ginge zu weit.
Im Gegenteil sollte man selbst Pseudonyme nutzen, um Beleidigungen zu verhindern!

Bernhard Jasper | Mo, 10. August 2020 - 09:35

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Durch den Buchdruck setzte sich die wissenschaftliche Methodik gegen das mittelalterliche Denken in Bildern und Metaphern durch. Die „Gutenberg-Galaxis“ (Marshall McLuhan) beschreibt diese nicht nur technologischen Veränderungen. Der Buchdruck ermöglichte erstmals die massenhafte Verbreitung von Wissen, Nachrichten und Meinungen, was große gesellschaftliche Umwälzungen beförderte , so war er eine der Triebkräfte für das Zeitalter der Aufklärung und spielte eine wichtige Rolle beim Aufstieg des Bürgertums.

Der Buchdruck war auch eine Ausweitung des Menschen in den Raum, eine Art Explosion (noch mit Verzögerung der Reaktion auf die Aktion). Im heutigen digitalen Zeitalter können Informationen „zeitgleich“ ausgetauscht werden. Das führt auch zu einer Art Selbst-Beobachtung der Gesellschaft in seiner Kommunikation. Heute liegt der Akzent auf dem „Netz“.

„Wir formen unsere Werkzeuge, und dann formen die Werkzeuge uns.“ (Marshall McLuhan).

Helmut Sandmann | Di, 11. August 2020 - 07:15

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Anonymitaet hat seine Vorteile, da stimme ich Ihnen zu insbesondere bezgl. evtl. Repressalien von Arbeitgebern/Kunden, und ich habe mich auch schon dabei ertappt, dass ich mir vor dem Absenden Gedanken gemacht habe ob mein Beitrag im weitesten Sinne bei einem meiner Kunden nicht gut ankommt, und meinen Kommentar dann nicht abgeschickt. Andererseits, ich werde mich nicht hinter einem Phantasienamen verstecken und verzichte deshalb auf Kommentare die meine Kunden/Auftraggeber stoeren koennten.

Kai Korrotes | Di, 11. August 2020 - 15:22

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mit anderen Worten, Sie verzichten lieber auf das Mitteilen Ihrer Meinung, als auf ein Pseudonym? Ganz ohne Sarkasmus; Das ist sehr schade! So erreichen Die, die ungeliebte Meinung unterdrücken wollen ihr Ziel, so wird ein offener Diskus unmöglich, die Demokratie stirbt = Funktionsweise der DDR und jeder Diktatur. Es reicht die bloße Einschüchterung und Sie machen sich selber Mundtot.
Ich kann nur für mich sprechen, aber mir ist Ihre Meinung unendlich wichtiger, als Ihr Name!
Ein Gedanke noch: Die Wahlen sind doch nicht ohne Grund anonym, was eine extrem wertvolle Eigenschaft zum Schutz der FREIEN Wahl ist. Was ist da anders?! ;)

Tomas Poth | So, 9. August 2020 - 15:43

Auch Segen und Fluch.
Segen, weil es vor Repressionen und Verfolgung schütz.
Mit Klarnamen wird man von der "Anti"Fa ganz schnell aufgespürt und mit Farb- und Brandanschlägen bedrängt.
Fluch, weil einige sich komplett gehen lassen und verbal kübeln und drohen.
Die Anonymität als Schutzfunktion gegenüber materiellen und körperlichen Angriffen ist sehr wichtig!

Christoph Kuhlmann | So, 9. August 2020 - 16:09

jeder bekommt seine unveränderbare. persönliche IP Adresse mit der sich der Rechner anmelden muss. Der Zugang über VPN oder Tor wird gesperrt und schon kann man sich wie mit zivilisierten Menschen unterhalten. Wer gesperrt wird, der hat keine andere Möglichkeit auf das Medium zuzugreifen. Zugegeben, das sind auch optimale Bedingungen für Diktatoren, aber ich habe noch keine Plattform gesehen, die im Zweifelsfall nicht kuscht. Das so eine im Personalausweis registrierte IP auch die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden erheblich erleichtern würde liegt auf der Hand und brächte auch bei der Kinderpornografie erhebliche Vorteile. Aber solange Polizeicomputer zu nicht dienstlichen Zwecken benutzt werden, braucht es halt auch Anonymität.

Jetzt müssen wir nur noch klären, was denn die "Wahrheit" ist und wer das bestimmt.... Der Vergleich mit Kinderpornographie hinkt, die ist strafbar. Meinungsäußerungen, die nicht dem Mainstream entsprechen, allerdings nicht.

Herr Kuhlmann
1. Spielt nicht die ganze Welt mit, wären nur die Deutschen die Dummen.
2. Oder wir machen, nach chinesischem Vorbild, einfach das deutsche Netz dicht und gewöhnen uns an deren Orwells Visionen übertreffende Zustände.
2. Wer definiert „zivilisierte Menschen“? Sie sehen doch, wie schon bei dem Thema „Satire“ die Meinungen diametral gegenüberstehen.
3. Sie erkannten es selbst; Eine mögliche Diktatur wird sich die Hände reiben…
4. …aber entscheidender; die von Ihnen vorgeschlagenen Möglichkeiten würden die Einführung einer Diktatur radikal vereinfachen und…
5. …die Möglichkeiten des zivilen Widerstandes quasi vernichten.
6. Technisch ist Ihr Vorschlag genauso umsetzbar, als würden Sie denken, digitale Viren wären ausrottbar.
7. Und schließlich, auch das erkannten Sie selbst, ist Ihr Vorschlag nicht vor Missbrauch sicher und kann es nie sein.
8. Solang ein Staat Freiheit und Sicherheit nicht absolut garantieren kann, was ausgeschlossen ist, ist Anonymität unverzichtbar.

Axel Geertz | So, 9. August 2020 - 16:19

In den sogenannten „sozialen Netzwerken“ wird viel anonym gepostet, leider und ungut! Aber auch in den Foren vieler Medien ist es gestatten, anonym seine Standpunkte zu vertreten. Warum erlauben angesehene Medien diese Anonymität? In solchen Foren werde ich mich nie beteiligen und auch nichts lesen! Anonyme Meinungen sind für mich nichts wert. Das sollten viele andere auch so sehen.

Kai Korrotes | Mo, 10. August 2020 - 15:59

In reply to by Gast

Herr Geertz

Zitat: „Warum erlauben angesehene Medien diese Anonymität?“

Zum Schutz vor (auch physischen) Angriffen derer, die eben NICHT Ihr Verständnis von einem sozialadäquaten Verhalten teilen.

Zitat: „Anonyme Meinungen sind für mich nichts wert.“

Das ist aber IHRE sehr fragwürdige Meinung. Kann der Namenlose keine Botschaft haben? Der Autor ist nur ein Name. Die Meinung, die Recherche, die Botschaft liegt nicht in der Peson, sondern im Sinn von Wort und Werk. Würden Sie ein Buch nicht lesen, wenn der Autor Ihnen nicht bekannt wäre? Woraus schlussfolgern Sie hier im Forum, aus irgendwelchen Namen oder aus dem Mitgeteilten?!
Ich würde Ihrer Ansicht sogar diametral entgegensetzen; Zu wissen, welches Autoren Werk man rezipieren wird, kann einem das Werk nur noch voreingenommen rezipieren lassen. Weniger Voreingenommenheit = mehr Wert.

Heidemarie Heim | So, 9. August 2020 - 16:32

Dieser Begriff ist für mich rein gefühlsmäßig inzwischen belastet. Hygiene, Reinheit,Säuberung.Wer sind die Saubermänner*Frauen*Diverse die bestimmen wessen Meinung den Reinraum der offenen und demokratischen Meinungsäußerung beschmutzt?
Wenn ich hier lese, das solche m.E. primitive, mit politischer Narrenfreiheit der ÖR und anderen Medien ausgestattete Künstler/ Dichter mit Hang zu Hornvieh-Lyrik wie Herr B. die rhetorischen Vorbilder abgeben, war meine Entscheidung zu Nichtteilnahme dort wohl richtig. Und wie auch Frau Stange anmerkte, habe ich kein Interesse daran, mich von solchen Leuten politisch belehren oder gar bedrohen zu lassen. Ein weitestgehend offener,liberaler bzw. toleranter Diskurs oder Meinungsaustausch findet wenn überhaupt nur noch in Foren wie diesen hier statt, wo man sogar den Beiträgen bzw. den Autoren bis hin zur Chefredaktion frei widersprechen darf!
Das ist mit einiger Arbeit, Sorgfalt seitens der online-Redaktion verbunden und auch unserer Offenheit. MfG

Ernst-Günther Konrad | So, 9. August 2020 - 16:54

Herr Dr. Müller-Vogg. Es gibt gute Gründe dafür, keine Anonymität mehr zu zulassen, aber eben auch gute Gründe dagegen zu sein.
"Wo ein „Klarname“ gefordert ist, verlässt manchen „Revolutionär“ schnell der Mut." Das haben Sie geschrieben. Dem steht der Inhalt von Frau Yvonne Stanges Kommentar gleichwertig gegenüber.
Ich sage: Der Empfänger bestimmt den Inhalt einer Botschaft. Also, sollte es möglich sein, dass der Empfänger einer wie immer beleidigenden, drohenden oder einfach nur geschmacklosen Botschaft in der Lage sein, selbst entscheiden zu können, ob er ein Posting löscht oder nicht. Es sollte ein solchen Posting erst für andere sichtbar werden, wenn der Empfänger es "genehmigt". So ist es ja hier im Forum durch die Redaktion indirekt auch geregelt. Die asozialen Medien, so wie sie genutzt werden, bedürfen einer Steuerung. Darüber muss offen gesprochen werden. Da ich selbst kein Nutzer bin, weiß ich deshalb auch keine weiteren techn. Möglichkeiten regulierend einzugreifen.

Wie ist das zu nennen, wenn ein Forist, nach eigenem Bekunden Autor und bekennender Rechter - dem die AfD zu lasch ist - hier unter dem Namen seiner Romanautoren schreibt?

Machen wir uns doch nichts vor: So manche(r) würde gerne das, was in Sozialen Medien passiert, ausserhalb des virtuellen Raums "noch vertiefen".

Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Telefonterror, Denunziationen oder gar Bedrohungen.

Leider. Denn für manche Schmierfinken geht es um mehr, als nur um Teilnahme an einer verbalen Auseinandersetzung. Für die ist das nur ein Teil des aktiven Widerstandes.

Und die so handeln sind in letzter Zeit - alle Zahlen bestätigen das - vorwiegend Menschen aus dem rechtsextremen Lager.

Da hätte ich gerne eine Quelle dazu, das möchte ich nachlesen.

Gerhard Lenz | Mo, 10. August 2020 - 13:54

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und überall. Morddrohungen gegen Amtsinhaber, Politiker und Leute, die sich gegen Rechts engagieren, sind mittlerweile an der Tagesordnung.
Selbst innerhalb der hessischen Polizei scheint es einen braunen Sumpf zu geben, der Drohungen verschickt.
gezeichnet: NSU 2.0

So, so, lieber Her Lenz & Regierungsbeauftragte.
Meine Zahlen bestätigen eine Zunahme des linksextremistischen Lagers.
Wo ist der Fehler & welcher Unterschied besteht in der Sachlage?
Aber bitte nicht die Variante:
Die einen nicht ganz die Lieben, die anderen aber .....
Gesetzverletzung ist Gesetzverletzung & vor Gericht sollten doch alle gleich behandelt werden.
Wann sieht, hört & liest nur immer das, was man auch sehen, hören & lesen will.

Herr Muhlack, Applaus 👏
beim Kennwort Kinderschänder.
Ein schwieriges Thema zwar hier für den C., aber dieses Thema ist mehr wie brisant. Und ich würde denken, dass wir in vielen diese Fragen(stellungen) eine sehr ähnliche Anschauung haben.
Alles Gute!

Gunther Freiherr von Künsberg | So, 9. August 2020 - 18:31

Mit der Argumentation, etwas verstoße gegen Grundrechte, lässt sich nahezu jedes Vorhaben und/oder jedes Unterlassen begründen. Hierbei wird oft vorsätzlich insoweit logische Konsequenz missachtet, indem man nicht auf die Handlung/die Tat abstellt, sondern auf das mögliche Ergebnis. Mit Art.1 GG, dem Schutz der Menschenwürde und Menschenrechte lässt sich alles begründen und/oder verhindern. Wenn Kulturen aufeinandertreffen, wie dies in Deutschland derzeit der Fall ist, gibt es ebenso viele unterschiedliche Auffassungen was Würde ist wie es Kulturen gibt. Jeder Vertreter dieser Kulturen nimmt für sich in Anspruch, dass auch seine Definition der Würde vom Grundgesetz geschützt ist.
Die Befürworter der Internet-Anonymität berufen sich unter anderem darauf, die Feststellung ihrer Person verstoße gegen den Schutz der Menschenwürde sowie gegen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung, weil diese nur in der Anonymität gewährleistet sei. Damit wäre Verantwortungslosigkeit grundrechtsgeschützt.

Bernd Muhlack | So, 9. August 2020 - 18:56

"Natürlich würden Extremisten ebenso wie Kriminelle Mittel u Wege finden, sich unter „Fake-Adressen“ ins Netz einzuschleichen."

Dazu muss man nun wahrhaftig nicht extrem, kriminell sein!

Was ist ein Klarname?
Damals bei der RAF gab es Herrn Christian Klar.
Ein klarer Name, nicht wahr?
Selbst wenn es damals Internet/Gedöns bereits gegeben hätte, man hätte ihn wegen des "Klarnamens" nicht verorten können.

Namen sind und bleiben Schall und Rauch.
Was zählt sind IP-Adressen, Daten von Providern, Sendemasten etc.

Damals wurden die "NotstandsG" beschlossen, letztlich Raster-/"Schleyerfahndung".
Es sollten befristete G sein, jedoch gibt es diese im Prinzip bis heute; lediglich deren "Klarname" wurde geändert.

Selbst der beste Algorithmus akzeptiert "Hans Dampf oder Durch Laucht".

Eine "Adresse"?
Neulich auf den Caymans ...

Werter Herr MV: was zur Hölle ist bitte "politische Hygiene"?

Conclusio:
"Wer töten will, tötet auch!"
und sei es virtuell "im Netz".
Kinderschänder?

Datenschutz!

Johan Odeson | So, 9. August 2020 - 18:57

Mich kotzt der tägliche Bürgerkrieg auf Twitter auch an, darum lass ich Twitter immer öfter Twitter sein, wenn man nicht manche Meldungen ausserhalb der Framingschere vieler Medien sonst gar nicht erfahren würde. Nur in Zeiten wo Professoren, Autoren, Kabarettisten, Soldaten, Unternehmensführer bis hin zum Auszubildenden beim Abweichen von einer links grünen besetzten öffentlichen Meinungsdiktat, das zuweilen an die McCarthy Zeit in den USA erinnern, mit persönlicher Verfolgung, Verlust der Lebensgrundlage, öffentlichem Pranger bis hin zu massiven Bedrohungen zu rechnen haben, ist die Anonymität leider das geringere Übel. In Zeiten in denen Denunziation aus dem Grab der DDR wieder erstanden ist, bleibt einstweilen nur die Deckung. Leider arbeitet sich der Autor, vermutlich aus Selbstschutz vornehmlich an den „Rechten“ ab. Vielleicht weil er mit seinem Namen unterschreibt?

Yvonne Stange | Mo, 10. August 2020 - 12:29

In reply to by Gast

Versuchen Sie mal auf FB einen der viele Fällel von muslimischem Antisemitismus und Hetze zu melden...... Keine Chance, das entspricht alles den dortigen Gemeinschaftsstandards.... Andersherum wurde ich für 30 Tage gesperrt, weil ich einen alten Artikel der Welt teilte.... ;-) Der ist heute nicht mehr zulässig. Was läuft hier schief?

gabriele bondzio | So, 9. August 2020 - 21:05

Früher wurde am Pranger geteert und gefedert, heute scheint es manchen Zeitgenossen (meist mit phantastischen Namen) in solche Medien zu ziehen.
Meist sind die phantastischen Namen aber nur darauf aus ihre Beleidigungen abzusetzen. Zu argumentiven Standarts reichts meistens nicht.
Richtig, Herr Müller-Vogg, hier verlässt manchen „Revolutionär“ mit besonders großer Klappe im Austeilen, schnell der Mut im Einstecken.

Den Mut verläßt leider auch eine normale Kassiererin z.B. wenn sie sich über gesellschaftliche Probleme, die ihre Arbeit beeinträchtigen, austauschen will! Wenn sie das "Falsche" sagt, verliert sie den Job! Es ist wieder wie in längst vergangenen Zeiten, es gibt 2 Meinungen: eine für die angepaßte Öffentlichkeit, die kritikfrei sein sollte um keinen Schaden zu nehmen und eine für den privaten Bereich, da wird dann Klartext gesprochen. Schade, ich dachte, das hätten wir überwunden.

Kai Korrotes | Mo, 10. August 2020 - 16:19

In reply to by Gast

Exakt erkannt und beschrieben! Ich kann mich nur absolut anschließen!
Danke, Frau Stange!!

gabriele bondzio | Mo, 10. August 2020 - 17:19

In reply to by Gast

Frau Stange. Aber die beispielsweise normale Kassiererin wir eher selten bei Twitter und & anzutreffen sein. Weil sie nach der Arbeit erledigt sein dürfte und während der Arbeit sicher nicht auf ihrem Smartfon rumklimmpern kann. Ist aber eher eine Annahme von mir, da ich selbst nicht dort verkehre.

welche Angehörigen einer Jobkategorie vermutlich wie ihre Freizeitaktivitäten gestalten und welcher vermutete Zeitrahmen denen dabei zur Verfügung steht, ist doch in Frau Stanges Beispiel völlig unerheblich. Das wissen Sie. Es geht um die Gefahr des „geteert und gefedert“-Werdens, wenn ein in Abhängigkeit befindlicher Mensch (z.B. Arbeitnehmer), eine rechtlich zulässige, aber ideologisch missliebige Meinung veröffentlicht und auf Grund dessen um die Lebensgrundlage oder schlimmer, um Gesundheit, Leib und Leben fürchten muss.
Sie selbst erkennen und missbilligen doch den Pranger. Frau Stange befürwortet nicht die Anonymität, damit der Mob weiterhin seine Beleidigungen und Drohungen absondern kann, sondern, sondern sie befürwortet die Anonymität, damit Menschen, welche eine legitime Meinung äußern, vor dem Mob geschützt sind.
So zumindest interpretiere ich Frau Stanges Einlassung.

Jens Böhme | Mo, 10. August 2020 - 00:57

Wer Twitter, Facebook oder ähnliche Narreteien im Internet als social media betrachtet, ist der Narretei bereits auf den Leim gegangen. Kurzmeldungsorgie als Diskurs ist das Problem, nicht der fehlende Klarname. Das Internet ist (noch) ein freies Netz, dass nicht nur z.B. Antirassisten, Demokraten, Linke oder Grüne bzw. Konservative (gibts die noch?) nutzen dürfen, um sich u.a. zu vernetzen, zu hetzen oder Unfug zu verbreiten. Seit Jahren schmunzel ich über Artikel, wo auf die Vernetzung von Rechtsextremisten im Netz hingewiesen wird und dies als Gefahr dargestellt wird (sollen Rechtsextremisten dümmer als Linksextremisten oder Nicht-Extremisten sein?). Man stelle sich vor, der linke, vermummte, schwarze Block in Hamburg oder Berlin stellt mit Klarnamen oder erkennbaren Gesichtern in Videos oder Fotos seinen Kampf gegen die Polizei öffentlich zur Schau. Demokratiefeinde werden nicht ihren Klarnamen und ihr Gesicht zeigen.

Johannes Renz | Mo, 10. August 2020 - 07:20

Natürlich kann Anonymität missbraucht werden. Das darf aber nicht das Königsargument gegen Anonymität sein. Vergleichen wir doch einfach mal die Anonymität im Internet mit der Immunitöt von Abgeordeten. Beides kann und sollte im Fall einer Straftat aufgehoben werden. Aber für den Schutz der Meinungsfreiheit benötigen wir letztlich beides. Im Internet und sonstigen Medien wird nicht unsonst bei sensiblen Themen Anonymität gewahrt. Das muss auch so bleiben. Genauso wie die Unschuldsvermutung vor Gericht, die ebenfalls ein wichtiges Element des Rechtsstaats ist. Nicht nur der Buchstabe des GG zählt, auch der Geist.

Dirk Weller | Mo, 10. August 2020 - 07:30

Zitat :
" In den „sozialen Medien“ haben es anonyme Täter leichter als sonst, über politisch Andersdenkende Lügen zu verbreiten, sie zu diffamieren und auf das Übelste zu beleidigen."
-
Ein wichtiger Satz, der Autor vergass allerdings zu erwähnen, das die anonymen Täter nicht nur von "Rechts"kommen, sondern auch von "Links" und aus der religiösen Ecke.
Beleidigungen sind kein Alleinstellungsmerkmal von "Rechten", das geht durch die gesamte Gesellschaft.

Robert Schmidt | Mo, 10. August 2020 - 09:44

Nichts für ungut, aber eine Berufsgruppe, die sich ausgiebig DIESER Platform bedient, hat kein Interesse an Tiefe und Ernsthaftigkeit - das ist auf den ersten Blick ersichtlich wenn man sich in Twitter bewegt.
Die Medien Leute sollten sich viel eher überlegen, ob sie dieses 0 - 3- Zeiler Medium nicht als tabu betrachten, weil die Form ganz einfach nicht geeignet ist für Ernsthaftigkeit.

Diese Problematik jetzt auf die Anonymität abzuschieben ist blauäugig und schief, zumal an der Anonymität ähnlich wie beim anonymen Wahlrecht oder beim recht auf anonyme Meinungsäußerung VIEL mehr hängt als die niederen Gelüste zu Klatschen und zu Tratschen!

Thomas Kloft | Mo, 10. August 2020 - 15:52

Meines Erachtens macht Herr Müller-Vogg hier einen Denkfehler. Das Ganze würde bei Angabe des Namens u. Adresse ggfs. zum Boomerang, wenn sich Menschen kritisch zu bestimmten Themen äußern. Man stelle sich vor wie erfreut alle Radikalisten von links bis rechts wären, wenn sie wüssten wo sie sich austoben könnten. Im Sinne der Meinungsfreiheit wäre eine solche Maßnahme eventuell kontraproduktiv bis chatastrophal. Es macht einen Unterschied, ob man einen Shitstorm aushalten muss oder ob es um Bedrohung, Sachbeschädigung vielleicht Familie, Leib und Leben geht.