Sozialdemokratie in der Krise - Auf die Identität kommt es an!

Der Siegeszug der linksliberalen Identitätspolitik macht der Sozialdemokratie immer mehr zu schaffen. Wer aber glaubt, die SPD müsse einfach nur in die Vergangenheit reisen, um an ihre alten Erfolge anzuknüpfen, irrt gewaltig. Konstruktive Resignation wäre sinnvoller.

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Als die SPD noch angesagt war: Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt am 1. Mai 1958 vor dem Rathaus Schöneberg / dpa

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Mathias Brodkorb war Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern und gehört der SPD an.

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Porträt Mathias Brodkorb

Streit kommt in den besten Familien vor, in der politischen Linken gehört er ohnehin zum guten Ton. Aktueller Stein des Anstoßes ist die Identitätspolitik. Sie zieht seit Jahren eine tiefe Furche durchs linke Lager und trennt linksliberale, weltoffene Hipster von kommunitaristisch inspirierten Traditionalisten. Während sich die einen an gender-korrekten Toiletten, der Umbenennung von Straßen und der Etablierung eines allseitigen Gut-Sprech berauschen, erkennen die anderen genau in dieser symbolisch aufgeladenen Randgruppenpolitik die wesentliche Ursache für das weltweite Verdorren der Sozialdemokratie.

Die Debatte beschäftigt dabei nicht nur führende westliche Intellektuelle wie Mark Lilla und Francis Fukuyama, sondern zunehmend auch den politischen Raum. Wichtiger als „Identitätspolitik für Minderheiten“ (Sigmar Gabriel) sei demnach die Wiederentdeckung der sozioökonomischen Frage für die Mehrheit der Wähler oder, um es mit Karl Marx zu sagen, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“

Ringen nach Sinn

Wer so retromarxistisch argumentiert, verkennt allerdings den Kern des Politischen und ist damit selbst Teil des Problems und nicht unbedingt der Lösung. Schon Aristoteles machte in seiner „Metaphysik“ darauf aufmerksam, dass der Mensch erst dann zur Beschäftigung mit geistigen Dingen neigt, wenn sein Lebensunterhalt gesichert ist.

In dieser scheinbar banalen Einsicht schlummert allerdings eine wesentliche weitere Erkenntnis: Die Beschäftigung mit der symbolischen Welt, das Ringen nach Sinn dürfte das eigentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen ihm und allen anderen tierischen Lebewesen sein – und es ist vor allem jenes Mittel, mit dem sich Menschen von Menschen unterscheiden wollen. Nicht im bloßen Fressen also, sondern in der Moral ist der Mensch, was er eigentlich sein will.

Zeitalter des Postmaterialismus

Daher kann es auch nicht verwundern, dass mit dem durch die menschliche Geschichte möglich gewordenen materiellen Reichtumszuwachs der Raum für die Beschäftigung mit Sinnsystemen immer größer wurde und dem Marxismus als politischer Bewegung genau deshalb zunehmend die Luft ausging. Bereits vor 40 Jahren konstatierte Ronald Inglehart eine subtile Ausdifferenzierung der Lebensstile in der westlichen Welt und rief das Zeitalter des „Postmaterialismus“ aus. Das Reichtumsniveau sei im 20. Jahrhundert derart gewachsen, dass sich die Menschen den Luxus leisten könnten, sich vor allem mit sich selbst, also ihrer Identität und ihren Lebensentwürfen zu beschäftigen. Weil es uns schlicht zu gut geht, haben wir die Muße, über Stehpissoirs für Frauen nachzudenken.

Niedergang der Sozialdemokratie

Der Niedergang der Sozialdemokratie als einer klassengebundenen politischen Formation nahm in dieser Zeit seinen Anfang. Vorbei war es mit gleichen Lebenslagen und homogenen politischen Milieus, die sich noch über Großorganisationen repräsentieren ließen. Mit den Grünen, den Linken und der AfD brachen in wenigen Jahrzehnten rund 40 Prozent der Wählerschaft aus den bisherigen elektoralen Großgefäßen heraus. Was sich im postmaterialistischen Lebensalltag kultivierte, suchte sich auch im Bereich der politischen Vertretung seine adäquate Ausdrucksform.

Stilisierung des Lebens

Fast zeitgleich zu Inglehart veröffentlichte der vielleicht bedeutendste Soziologe der jüngeren Gegenwart, der Franzose Pierre Bourdieu, im Jahre 1979 seine Studie „Die feinen Unterschiede“. Darin zeigte er minutiös die Abhängigkeit der individuellen Lebensstile von der sozialen Lage der Milieus: Bereits die jeweils bevorzugte Automarke sollte mit statistischer Wahrscheinlichkeit eine Vorhersage über den Musik- und Käsegeschmack eines Menschen ermöglichen.

Während die postmarxistische Linke in diesem Werk eine Bestätigung für den andauernden Zusammenhang zwischen Ökonomie und Bewusstsein sah, schlummert in ihm in Wahrheit eine ganz andere Erkenntnis, nämlich dass die „Stilisierung des Lebens“ (Max Weber) für die Menschen als Menschen von fundamentaler Bedeutung ist. Es handelt sich mithin nicht nur um eine soziologische Tatsache, dass der spezifische Musikgeschmack mit der sozialen Lage eines Menschen korrespondiert, sondern genau dieser Musikgeschmack hat für genau diesen konkreten Menschen Bedeutung, er ist Bestandteil seiner Identität.

Suche nach Orientierung

Menschen sind am Ende also nichts anderes als Sinnsysteme und Doxa-Maschinen auf zwei Beinen. Sie suchen nach Orientierung und Selbstvergewisserung, sie kreieren ihre Identität selbst. Wer Identitätspolitik schlechthin als politische Verirrung geißelt, verkennt folglich nicht nur, was eigentlich der Mensch sei, sondern hiermit zugleich den Begriff des Politischen selbst. Identitätspolitik findet sich nicht nur auf der Linken, sondern durchzieht, worauf Maxim Biller mit Recht aufmerksam macht, das gesamte politische System.

Das könnte den einfachen Grund haben, dass Identitätssehnsucht vom Menschen nicht abtrennbar ist. Folglich erweist es sich auch nicht als fürchterlich hilfreich, ihr per se eine „Fetischisierung des sozialen Selbstverständnisses“ zu unterstellen, die „automatisch zur sozialen und rassischen Herabsetzung aller anderen führt, die nicht dazugehören“ (Maxim Biller). Nicht jede Form der Identität führt irgendwann nach Auschwitz.

Der Staat als Milchkuh

Man mache beim Menschen als einem grundsätzlich Identitätsbedürftigen die Probe aufs Exempel: Was denn anderes als die tiefe Sehnsucht nach Identität hat seit dem Jahre 2015 zum Aufstieg der AfD geführt? Bis zur Flüchtlingskrise hatte für den deutschen Michel alles seine Ordnung: Die Wirtschaft wuchs Jahr um Jahr, die Arbeitslosenzahlen sanken, die Politik verhandelte ob gefüllter Staatskassen über immer neue Geschenke. Der Laden lief so gut, dass Politik im eigentlichen Sinne gar nicht nötig war. Der Staat begnügte sich mit seiner Rolle als „Milchkuh“ (Arnold Gehlen).

Die Sturheit der AfD-Anhänger

Im Jahr 2015 allerdings kehrte die Politik ungewollt wieder machtvoll zurück. Eine Million Flüchtlinge stellten nicht nur öffentliche Infrastruktur und Sozialsysteme auf die Probe, sondern warfen politische Identitätsfragen in lange ungekannter Heftigkeit auf. Jahr um Jahr eine Million Flüchtlinge mit überwiegend muslimischer Herkunft, mit archaischem Frauenbild und mitunter antisemitischen Anklängen – viele Deutsche wollten sich mit dieser Perspektive nicht abfinden. Sie wollten bleiben dürfen, wer und wie sie sind.

Die AfD nahm diesen heimatlosen Identitätsdurst auf und gab ihm eine politische Vertretungsform. Wenn linke Politologen mitunter staunen, in welcher Sturheit die Anhänger der AfD angeblich gegen ihre eigenen materiellen Interessen dieser rechtspopulistischen Partei ihre Stimme geben, verrät dies schlicht nur etwas über die identitätspolitische Blindheit der materialistischen Analysten.

Romantik ist der falsche Weg

Wer daher romantisch nach einer materialistischen „Sozialdemokratie ’alten Schlags’“ (Nils Heisterhagen/Roland Fürst) in Entgegensetzung zu linksliberaler Identitätspolitik ruft, unternimmt nicht nur den hoffungslosen Versuch, in die Vergangenheit zu reisen. Er irrt sich auch darüber, was Politik eigentlich ist. Nein, Politik besteht nicht in erster Linie darin, dass eine vermeintliche Avantgarde die materiellen Interessen ihrer Anhänger vertritt: „Politik ist der Ort schlechthin symbolischen Wirkens: jenes Handeln, das mittels Zeichen sich vollzieht, die soziale Dinge und zumal Gruppen zu erzeugen vermögen. Kraft des ältesten, an die Existenz des Symbolischen gebundenen metaphysischen Effekts: das als seiend zu halten, was bedeutet werden kann (…).“ (Pierre Bourdieu)

Symbolischer Kampf um Anerkennung

Das lässt sich auch und gerade an der Geschichte der Arbeiterbewegung selbst zeigen. In ihr ging es nie nur um die Länge des Arbeitstages und die Höhe des Lohnes. Stets war der Aufstieg der Arbeiterklasse auch ein symbolischer „Kampf um Anerkennung“ (Axel Honneth), ein Kampf um Ehre und Würde, um einen angemessenen Platz in der Gesellschaft – ein Kampf um Identität: „Die Arbeiterklasse entstand nicht. Sie schuf sich selbst.“ (Robert Müller-Stahl/Robert Pauschal) Ein bloßes „Zurück zu den Wurzeln“ muss daher schon an der schlichten Tatsache scheitern, dass dies nur um den Preis zu haben wäre, den fundamentalen sozialen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte und seine mentalitätsgeschichtlichen Konsequenzen rückgängig zu machen.

Egokulturelle Mikrokosmen

Die linksliberalen Identitätspolitiker machen einen wichtigen Punkt: Der Mensch lässt sich nicht auf das bloße Fressen reduzieren – und das um so weniger, je mehr er zu fressen hat. Nicht der identitätspolitische Impuls ist fragwürdig, sondern seine postmoderne Gestalt der Randgruppenpolitik. Linke Identitätspolitik und ihre linken Kritiker haben insofern beide Recht, wenn auch in unterschiedlicher Hinsicht. Ohne in der Politik auch an Identitätsfragen zu arbeiten, ist kein Staat zu machen. Hierbei allerdings egokulturelle Mikrokosmen in den Vordergrund zu stellen, zerstört den für ein jedes Gemeinwesen erforderlichen Grundkonsens. Stattdessen wird so, in moralisierender Gestalt, der geistige Bürgerkrieg genährt.

Konstruktive Resignation

Die Sozialdemokratie hat es daher im Unterschied zu den Grünen und der AfD bemitleidenswert schwer. Während diese kulturell über weitgehend homogene Wähler- und Mitgliedschaften verfügen – die linksliberalen Multikulturalisten hier, die kommunitaristischen Patrioten dort –, durchzieht eben dieser Spalt zwischen beiden Lagern sowohl Wähler- als auch Mitgliedschaft der Sozialdemokratie selbst. Sie muss etwas miteinander versöhnen, was identitätspolitisch und symbolisch betrachtet einfach nicht zusammen passt.

Man mag daher noch so viele Appelle an die Wiederherstellung der guten alten Zeit richten, sie dürften schon aus soziologischen Gründen im politischen Nirvana verhallen. Konstruktive Resignation erscheint statt eines „Optimismus des Willens“ (Antonio Gramsci) daher als adäquate Daseinsweise der Sozialdemokratie der Zukunft.

Dr. Oliver Strebel | Di, 22. September 2020 - 09:03

AfD kommuntaristische Patrioten? Meuthen will die gesetzliche Rente abschaffen.

AfD-Wähler kulturell homogen? Laut einer Wahlnachfrage (LTW BW 2016) in Freiburg hatten 34% der AfD-Wähler Mihi.

Der Grund für den Niedergang der SPD ist mE., dass wir seit Jahrzehnten Reallohneinbußen bei den unteren 40% der Einkommen haben, mein lokaler SPD-Ortsverband aber eine Stadt zur Hafenstadt macht, die gerade mal ein Bächlein besitzt. Laut ÖR laufen in diesen Hafen Menschen ein und aus, die 2 bis 4 Tsd EUR für ihre Schleußung ausgegeben haben, um dann ab und zu in der Heimat zu urlauben.

Laut EZB haben mehr als 25% der Deutschen 0 EUR Rücklagen und können sich kaum einen Urlaub leisten. Es ist mE. diese WUNDERLICHE Umverteilung von unten nach oben, die die SPD Stimmen kostet.

Die SPD muss sich ehrlich machen und zugeben, daß sie die Welt nicht retten kann, aber sehr wohl die Pflicht hat, die zivilisatorischen Errungenschaften in D zu erhalten.

Anscheinend glaubt man in der Cicero-Redaktion, dass der Niedergang der SPD das Thema ist, dass die Menschen in diesem Land am meisten bewegt.
Anders kann ich mir den x-ten Abgesang auf die deutsche Sozialdemokratie nicht erklären. Es sei den, es handelt sich um ein weiteres Zugeständnis an eine politisch in weiten Teilen rechtspopulistisch eingestellte Leserschaft, die sich bei diesem Thema, genauso wie beim ewigen Rumreiten auf Gender- oder Klimapolitik, so wunderbar in Rage schreiben kann.
Dabei böte die AfD -meistens - weitaus mehr Anlass zur Diskussion, die Union sowieso...Beispiel: Der zunehmende Zerfall der Werteunion...vom Cicero wohl nicht bemerkt.
Stattdessen eine zunehmende Verengung auf wenige Themen, was selbstverständlich eine Verödung des politischen Diskurses mit sich bringt. Das Forum liest sich dann in weiten Teilen nur noch wie die Abfolge von Wortmeldungen eines AfD-Parteitages.
Glaubt man wirklich, dies wäre einem Kontroversenmagazin in irgendeiner Weise dienlich?

Guter Einwurf, wobei ich Ihren Hass auf die AfD nicht verstehe. Um die ging es doch in Artikel nicht. Aber auch ich klicke auf Abgesänge der SPD besonders gerne und habe mir daher Ihre Frage selbst gestellt. Nun, ich bin Selbständiger und auch noch aus NRW. Ich habe unter den Hetzaktionen des Walter-Borjans gegen Selbständige gelitten, als die SPD nach der Finanzkrise ganz schnell viel Geld brauchte. Ich durfte mich über nahezu eine Verdoppelung der Grunderwerbssteuer beim Kauf meines Hauses freuen. Und die SPD versucht mit ihrem Gesetz von 2017 meine wirtschaftliche Existenz zu vernichten. Ich denke, ich habe ein Recht, mich über Abgesänge auf die SPD zu freuen und hoffe, dass die Partei verschwindet.

Absatz 1 und 2 meines Beitrags enthalten 2 Fakten zur AfD, wovon Absatz 1 AfD-kritisch ist.

Absatz 3 besteht aus 4 Fakten (40% mit Realkommensverlusten, Hafenstadt, 2 bis 4 Tsd für Schleußung, Heimaturlaub) die in den ÖR-Medien häufig berichtet wurden.

Absatz 4 enthält 1 Fakt, den sie auf der EZB-Homepage nachlesen können. Er endet mit einer Einschätzung einer wunderlichen Umverteilung von unten nach oben. Der können sie gerne widersprechen. Aber was ist denn bitte daran rechtspopulistisch.

Der letzte Absatz ist wieder eine persönliche Einschätzung. Auch hier verstehe ich ihren Gedankensprung vom Faktum, dass die SPD nicht die Welt retten kann zum Rechtspopulismus nicht.

Auf Ihre detaillierte Begründung, warum mein Beitrag rechtpopulistisch oder AfD-nah ist, bin ich gespannt.

Sehr geehrter Herr Lenz,

wenn Sie der Cicero-Redaktion hier offensichtlich eine Einseitigkeit oder Belanglosigkeit bei der Auswahl der zu diskutierenden Themen vorwerfen, warum bewerben Sie sich nicht beim Cicero selbst als Kolumnenschreiber? Warum nicht mal die Seiten wechseln, anstatt nur zu kommentieren? Genug Zeit scheinen Sie ja zu haben und Herr Schwennicke wird sich sicher über Ihre Bewerbung freuen ;-). Also nur Mut!!

War nicht der nun beliebte Gesundheitsministerium die Galionsfigur dieser Bewegung? Nachdem er das Ministeramt derart errang, wendete er sich der Mitte zu und jetzt wird er sogar als Kanzlerkandidat gehandelt. Man sieht, im Persönlichen ist das mit der Identität nicht weit her. Im Übrigen vermute ich, dass auch die SPD auf einer SPD-fördernde Identität aufsatteln könnte, wenn sie denn eine fünde. Dass es mehr Identitäten als die der üblichen Randgruppen gibt, hat die AFD gezeigt. Das Problem ist, daß man da etwas politisch gestalten müsste und nicht nur auf me-too setzen kann. SPD und Union haben das meiner Ansicht nach aber schon lange nicht mehr getan. Vielleicht weil beide konservativ sind? Die AFD wäre dann nicht konservativ, weil sie etwas versucht zu schaffen, was es so nicht mehr gibt oder nie gegeben hat. Wie nennt sich das: Reaktionär, vielleicht?

Werter Herr Lenz,
wenn Ihnen das Menü von Cicero hier nicht behagt?
Es gibt doch genug "Gaststätten", wo Sie sich mehr wie Wohlfühlen würden wie auch wohlwollend geniesen könnten.
Hier gibt es aber "Gott sei Dank" mal ein deftige Auswahl an heimatlichen Gerichten, denn unsere heimatliche Küche muss man schon lange in D. suchen.
Und das ist für mich keine erfreuliche Entwicklung, obwohl ich bei den vielen Urlauben fremden Kulturen & Auffassungen mit außerordentlichen Respekt begegnet bin. Aber das Gewürz "Respekt" fehlt wie das Salz in der SPD-Suppe.
Deswegen nur ein fader Beigeschmack.
Nur ein Stern in der Bewertung von mir. Und der auch nur, weil die Erinnerung von guten Zeiten in mir köchelt.
Allen "Bon Appetit" ;-)

Mit Mathias Brodkorb macht sich hier also ein SPD-Mitglied erfreulich reflektierte & gut begründete Gedanken über die politische Landschaft & die strategische Ausrichtung seiner Partei - aber Sie verstehen nur 'Abgesang'? Zwar gab's hier schon 'regelrechte Abgesänge' (auf Merkel z.B. - & zuletzt auf die FDP ["die Krise der Liberalen - die FDP scheitert intellektuell"] z.B.). Aber diese Analyse ist erkennbar etwas anderes. Statt in Ihrem Kommentar aber auf diese sehr kluge & differenzierte Analyse inhaltlich einzugehen, bieten Sie uns hier (wieder) den reinen 'Whataboutism': Indem Sie auch von diesem Thema aus in nur wenigen Zeilen wieder zu Ihrem 'manischen Sujet' finden: der 'AfD' - und zu einer so unsachlichen wie unangemessen pauschalen Diskreditierung der Cicero-Leserschaft als "rechtspopulistisch". Dabei ist Brodkorbs Text so erfreulich fundiert, dass man unabhängig von der jeweiligen politischen Ausrichtung Erkenntnissgewinne aus seiner Analyse hätte ziehen können.

0 EUR Rücklagen und können sich kaum einen Urlaub leisten. Es ist mE. diese WUNDERLICHE Umverteilung von unten nach oben, die die SPD Stimmen kostet." – Und diese "wunderliche Umverteilung" sollte die SPD sich kümmern bzw. hier gegensteuern, tut sie aber nicht. Statt Eigentumsbildung in den Vordergrund zu stellen, wird die untere Mittelschicht weiter ausgenommen. Statt Wohneigentum zur Altersvorsorge zu fördern, und zwar für eine wirklich breite Schicht, fördert sie – innerhalb der GroKo – Immobilienkauf für die, die in Mieteinnahmen ihre Altersvorsorge sehen, steuerlich gefördert obendrein. Die Verhältnismäßigkeit stimmt schon lange nicht mehr. Aber den SPD-Eliten fehlt der Draht zur Bevölkerung.

Sehe ich ebenso wie Sie, Frau Schuppan.
Deutschland steht mit 53% bei Wohneigentum an letzter Stelle innerhalb der EU.
Spanien 83%, Griechenland 77%, Italien 72%!
Diese drei Länder zusammen erhalten 45% der Coronahilfen aus dem EU-Topf!
Wenn man Wohneigentum bildet ist das auch gleichzeitig Altersvorsorge! Da hat Deutschland erheblichen Nachholbedarf, hier müssen wir etwas für uns tun!!

Urban Will | Di, 22. September 2020 - 09:03

Gesinnungspflicht.
Den von der AfD aufgesaugten „heimatlosen Idenditätsdurst“ hätte sich auch die SPD zunutze machen können.
Ihre Milieus schrumpften im Laufe der Geschichte, eigentlich ja eine gute Sache, ein Aufstieg der einstigen „Arbeiter“ in Wohlstand und sozialer Absicherung.
Mit letzterer übertrieb man es und dann kam Schröder mit der Agenda 2010. Da hätte man ihm nie in den Rücken fallen dürfen, denn...
dann kam Merkel.

Der Tod der Roten.

Aber nicht weil sie so gut, sondern weil jene so dumm waren, ihr hinterher zu rennen.
Die Pöstchen, der süße Honig des Regierens.
Und hierbei merkte man nicht, dass die Dame alles stahl und sich als links – grüne Frontfrau alles unterwarf, incl der der Medien.
2015 war die Chance der Wiedergeburt, so meine Meinung. Eine klare Gegnerschaft zum Merkelschen Migrationsirrsinn und die Roten hätten viele Wähler zurückgewonnen.
Aber man tappte in die Gesinnungsfalle und wird darin verkümmern.
Gut so.

Die "Gesinnungspflicht" wird zur "Gesinnungsfalle"! : eine hervorragende Analyse werter Herr Will !
Zu bedenken wäre auch folgendes: Der erste Protagonist, welcher in der verbohrten Logik der Identitären geschasst werden müsste, ist ihr "Heiligtum" Marx ! - Marx war historisch nachweisbar ein Rassist und Antisemit ersten Ranges: Das Internet gibt hierzu eine umfassende Antwort.
Und so blöken, fern des Erfassens des Ganzen, kulturmüde Aktivisten diesen Unsinn in die Welt. - Die Vergangenheit - jede Statue - hat ihren ganz eigenen Kontext, sie ruhe in sich selbst, unangetastet vom aggressiven Mob!
Keine Frage: das in sich konsensfeindliche Gender-Mainstreaming, der propagierte "Zwangs-hetero-Normativ", ist in gefährlicher Art diskriminierend, und da ist Schluss mit lustig !!
Fakt ist: Der Niedergang der SPD verstärkt sich auch in dem Maße, wie sich die Funktionäre dem Genderwahn anbiedern. - Wie wär´s damit, das einstige Markenzeichen, nämlich die Volksnähe, neu zu entdecken ?

Ich konnte hier im Forum gut erkennen, wohin "Merkels" Politik Wähler trieb, m.E. weit nach rechts, weil man durch Merkel nicht mehr konservativ werden konnte.
Das Wörtchen SPD konnte man doch hier kaum mehr nennen, überspitzt gesagt.
Es gab Merkel und die linke SPD, die Grünen und die Linken und es gab die rechte SPD, die FDP, die AFD und ..ja wen von der CDU/CSU?
Schwer auszumachen.
Ich bin schlicht früher davon ausgegangen, dass zwar in der CDU/CSU nicht die Leute waren, denen ich zustimmen konnte, aber dass es die kompetentesten Leute waren, gegen die man hart argumentieren musste.
Davon kann ich persönlich "nichts" mehr erkennen.
Ich freue mich, wenn Scholz es schaffen könnte, die SPD zu konsolidieren und überlege gerade, ob es jemals in der SPD so weit vorne so einen Politiker gab, wie Merkel in der CDU/CSU.
Wohl wahr, dass die SPD wieder ein Profil entwickeln muss, dass auch, nicht nur, breiter anspricht.
Aber das kann nicht rechts sein, höchstens u.a. liberal, verstetigend...

Christa Wallau | Di, 22. September 2020 - 09:42

Schön haben Sie das formuliert, Herr Brodkorb.
Und in der Analyse der Lage haben Sie auch recht.

Ja, die GRÜNEN und die AfD sind die einzigen, die eine klare Position haben: hier die linksliberalen Multikulturalisten - da die kommunitaristischen Patrioten. Sie sind die Antagonisten.
Dazwischen gibt es nichts zu vermitteln.

Die beiden ehemaligen Volkspartein und auch die FDP müssen sich jetzt eindeutig entscheiden, welchem Lager sie sich eher zuordnen - dem Linken (Negativpol) oder dem Rechten (Pluspol).
Genau das aber tun sie nicht!!!
Sie haben vielmehr den Pluspol unisono zum Minenfeld erklärt u. wuseln deshalb alle - elend eiernd - in der Mitte bzw. um den Negativpol herum. Das ist nicht gut für ein ausgeglichenes Spannungsfeld, wie es in jedem gut funktionierenden Staat bestehen sollte.
Daran krankt die deutsche Demokratie zur Zeit mächtig.
Wann geht das endlich noch mehr Leuten auf als Ihnen, Herr Brodkorb? Viel Zeit bleibt nicht mehr. Ungleichgewicht u. Unruhe wachsen...

...in Schwarze, liebe Frau Wallau!
Die FDP hat sich nun endgültig für "links" entschieden; die altehrwürdigen Zeiten weinen sich in den Schlaf...
Don Alphonso nennt die FDP heute "eine feige Truppe": Wer möchte dem widersprechen ? - Und die "vor Äonen" bürgerliche CDU duckt sich bänglich unter der Merkel-Knute!!

Die Verblödungsmaschinerie dröhnt dem Michel mehr und mehr in den Ohren: Einst wird´s zu spät sein für eine Umkehr zum Guten hin: dann ist die Ankerkette gerissen, und (ha, mal was Gutes) der Genderwahn begräbt sich selbst, unter der Dominanz fremder Kulturen.

fremder Kulturen."
Genau so wird es kommen.
Und nicht nur der Genderwahn wird hinweggefegt werden, lieber Herr Jürges.
Alle Minderheiten-Rechte, für die unsere Schickeria-Elite in den letzten Jahren so
vehement und unter Vernachlässigung der Interessen der Mehrheit der steuerzahlenden Bevölkerung gekämpft hat, dürften in Rauch aufgehen, wenn
eine immer stärker muslimisch geprägte Kultur in Deutschland den Ton angibt.
Allzu lange wird es nicht mehr dauern, bis dies der Fall sein wird.

Man kann nicht die freieste und individualistischste Gesellschaft aller bisherigen Zeiten installieren wollen und g l e i c h z e i t i g den Islam importieren.
Das gleicht dem Versuch, Feuer und Wasser zu versöhnen bzw. die Quadratur des
Kreises zu schaffen.
Es gibt Naturgesetze und die Gesetze der Logik. Sie bleiben auch dann bestehen,
wenn man sie permanent leugnet und ihnen zuwider handelt.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 22. September 2020 - 10:08

was er eigentlich sein will".
Ich würde daraus nicht den "Triumph des Willens" machen wollen , aber auch kein Du sollst.
Wenn ich Artikel von Heisterhagen lese, habe ich meist das Gefühl, dass er zumindest von der SPD ausgeht.
Wenn ich diesen Zitaten-reichen und damit abgesicherten Artikel lese, dann habe ich das Gefühl, die SPD kommt als Michel daher, soll aber zu neuen Ufern geführt werden.
Ich befürchte nur, dass es misslingt, wenn man schon mit eventueller Respektlosigkeit beginnt.
"Sie wollten bleiben dürfen, wer und wie sie sind".
Ja wo lebte der Autor eigentlich und wo jetzt? Die Menschen im Osten hatten die DDR abgeschüttelt, die DDR als Flüchtling, das war ersteinmal zu bewältigen.
"Der Laden lief", für den Chef oder die..?
Immerhin habe ich für einen Moment angenommen, vielleicht aus zuviel Respekt auch Beharrendem gegenüber, dass viele Menschen in der Bundesrepublik SO nicht werden wollen und was heisst "dürfen" in dem Zusammenhang?
Die neue Moral als Zwangsverpflichtung?

Karl-Heinz Weiß | Di, 22. September 2020 - 10:56

Seit dem Tod Herbert Wehners und der Zersplitterung der Parteienlandschaft kann das Selbstzerstörungspotential der SPD seine volle Wirkung entfalten. Größter Sargnagel war zwar die Agenda-Politik, die mit dem Selbstverständnis der Partei unvereinbar ist. Aber wenn eine Partei die Oppositionsrolle als ihre eigentliche Bestimmung sieht, hat sie ihren Wesenskern verloren. Das hat zwischenzeitlich sogar Frau Esken eingesehen. Ihre Mehrheitsbeschaffer in der Partei sind von dieser Einsicht noch weiter entfernt als Herr Scholz von der Kanzlerschaft.

Die "neue" SPD hat ihre Kernklientel vernachlässigt: die Kleinverdienenden (selbständig/unselbständig) und überwiegend präkär tätigen und die Arbeitslosen.
Stattdessen setzte sie auf Besserverdienende, die es der SPD nicht wirklich dankten und zu den Wettbewerbern (CDU/CSU, FDP, GRÜNE und schließlich AfD) überliefen, weil sich die SPD-Parlamentarier nicht wirklich für diese Klientel einsetze, aber eben auch nicht für die Kleinverdienenden , Arbeitslosen und Rentnerinnen/Rentner.
Wer keine wirklichen Standpunkte hat, wird zur "Wackelpeterpartei".
Dort befindet sich die SPD jetzt, und sie weiß noch immer nicht, wohin sie will und welche Bevölkerungsgruppe(n) sie ernsthaft zu vertreten gedenkt. Bedauerlich!

daß derzeit keine Partei in der Lage ist, seine ursprüngliche Identität in unserem Sinn, zum Wohle eines jeden Einzelnen, überträgt. Die SPD, die ursprüngliche
Sozialdemokratische Partei Deutschlands, entnimmt zum Überleben die linke
Idelogie.

Wir erleben Richard von Weizsäckers Warnung "Die Parteien machen
sich den Staat zur Beute". Leider ist nicht ganz einfach eine Institution zu finden,
die für uns, dem Souverän, glaubhaft entscheiden kann, was wahr und was nicht wahr ist.

Wolfgang Tröbner | Di, 22. September 2020 - 11:04

Es macht mich schon stutzig, dass diese Frage jetzt ausgerechnet seitens der Sozialdemokratie aufgeworfen wird. Die, die sich in der Vergangenheit fast ausschließlich mit den Problemen von Minderheiten beschäftigt haben, entdecken nun plötzlich die Mehrheitsgesellschaft und deren Probleme. Brauchen sie unsere Stimmen an der Urne? Im Gegensatz zu vielen Linken hat die Mehrheit der Gesellschaft übrigens keine Probleme mit ihrer Identität. Mit Verlaub, die Linken (SPD, Grüne etc.) haben uns doch schon längst eine Identität verpasst. Ich zum Beispiel bin ein alter weißer Mann. Okay. Ich soll für alle Probleme dieser Welt verantwortlich sein, was ich allerdings heftig bestreite. Im Gegensatz zu vielen Linken habe ich diesen Staat nie als Milchkuh betrachtet, der Gedanke ist mir nie gekommen. Im Gegenteil, auch meine Steuern haben diesen Staat überhaupt in die Lage versetzt, in der ganzen Welt mit der Geldbörse Politik zu betreiben. Ach ja, ich möchte schon so bleiben wie ich bin.

Reinhard Getzinger | Di, 22. September 2020 - 11:04

...was identitätspolitisch und symbolisch betrachtet einfach nicht zusammenpasst."
Das hat (Herr Schwennicke?) im Cicero schon einmal auf den Punkt gebracht:
Gentrifizierer vs. Gentrifizierte
Das kann nicht gutgehen...

Christoph Kuhlmann | Di, 22. September 2020 - 11:42

Ein Luxus, den sich viele Menschen dieses Landes nicht mehr leisten können. Je abgehobener die Reflexionen, desto mehr lenken sie von der Tatsache ab, dass viele Menschen in weit größerem Ausmaß von existentiellen Sorgen geplagt werden als in den Jahrzehnten davor und das trotz ständig steigender Sozialausgaben. Da nützt auch kein Exportüberschuss. Eher eine Steuer- und Abgabensenkung für kleine Einkommen verbunden mit verbesserten Möglichkeiten die Arbeitnehmerinteressen von kaum organisierten Berufsgruppen. Sicher hat die Massenzuwanderung die Situation verschärft, aber wir sollten uns davor hüten ein monokausales Sündenbocksyndrom zu generieren. SO einfach ist die Antwort nicht. Deutschland fällt auf vielen Ebenen im internationalen Vergleich zurück. Aktuell wird dies besonders im IT - Bereich offensichtlich. Es ist diese Bräsigkeit gegenüber jeder Veränderung, die wie Mehltau auf dem Land liegt. Die ist leider auf vielen Seiten vorhanden.

Markus Michaelis | Di, 22. September 2020 - 11:51

Es scheint mir offensichtlich, dass Identität zentral wichtig ist. Kompliziert wird es, weil auch Identität nicht einheitlich ist: Identität ist zum Teil mein Selbstbild, meine Historie, die ich nicht einfach abstreifen kann. Es ist auch der Schutz in eine Gruppe mit ähnlicher Identität. Da steht aber die Gruppe im Vordergrund, weniger der konkrete Inhalt - hier also schon ein Widerspruch innerhalb des Identitätsbegriffs. Und einiges mehr der Art.

Trotzdem scheint offensichtlich: in Konflikten wie Syrien ist es eine vollkommen absurde Lösung allen Jesiden, Sunniten und Kurden zu sagen, dass sie jetzt einfach Assad-wählende Schiiten werden. Dafür wäre Friede und alle Gehälter würden verdoppelt. Materiell super, aber vollkommen absurd. Menschen gehen massenhaft in den Tod für identitäre Dinge - weil sie ihnen wichtiger sind.

Wie wäre es das Christentum in EU abzuschaffen und wir werden alle Muslime. Kaum etwas ändert sich wirklich, Friede, Wohlstand, trotzdem grotesk.

und wir werden alle Muslime"
Schon möglich, dass es so kommt. Aber wie kommen Sie in diesem Zusammenhang auf Friede und Wohlstand? Wie viele reiche und friedliche muslimische Länder kennen Sie? Und warum kommen die Muslime aus ihren "wohlhabenden" und "friedlichen" Ländern alle zu uns?

Tomas Poth | Di, 22. September 2020 - 12:34

Ein interessanter, analytischer Beitrag und für die SPD wichtig dass sie Leute*r, :-), wie Hr. Brotkorb in ihren Reihen hat.
Der Analyse müßten Handlungsempfehlungen folgen, ich finde hier aber nur schweigende Hilf-/Hoffnungslosigkeit.
Die vorgebliche Sattheit, der die Kuh veranlasst aufs Eis zugehen und Schlittschuh zu laufen, ist bei 25% der Gesellschaft nicht gegeben, auch wenn unser staatliches Sozialbudget stetig am wachsen ist!
Diese Sattheit ist lediglich in den politischen Parteien und denen mit ihnen verbundenen Posten/Ämtern vorzufinden. Dort führt sie zu den im Artikel analysierten Symptomen und wird von "der Politik" versucht auf die Wählerschaft zu übertragen.
Bestes Beispiel für mich das Gendern unserer Sprache! Wer braucht so etwas wirklich?? Vielleicht 0 bis 1% der Wählerschaft?
Werden die Menschen nicht eher mit allem möglichen Quark, den eine Minderheit sich ausdenkt, vom Wesentlichen abgelenkt, um die Strukturen aufrecht zu erhalten? Teile und Herrsche!?

Dirk Weller | Di, 22. September 2020 - 12:45

der wird auch nur von Randgruppen gewählt.
Wenn überhaupt.
Themen wie sich ausweitende Minirenten, explodierende Mieten, prekäre Arbeit etc. , was eigentlich typische SPD-Themen sind, scheinen bei der SPD nicht gut aufgehoben.
Denn diese Themen werden von der SPD weitestgehend ignoriert.
Die skurile "Doppelspitze" wirkt auch verstörend.
Wieso also SPD wählen ?
Würde es nicht Artikel wie diesen geben, so würde man fast vergessen, das es die SPD überhaupt noch gibt.
R.I.P.

ursula keuck | Di, 22. September 2020 - 13:08

Man bezeichnet nicht umsonst, die Merkel-CDU als beste Sozial- Demokratische Partei aller Zeiten.
Jedoch derzeit passt auch zwischen Schwarz und Grün kein Blatt mehr!
Der GRÜNE Propagandabegriff: “Atomausstieg, Energiewende, Klimaschutz, Multi-Kulti, Zuwanderung“ hat die CDU/CSU widerstandslos übernommen.

Regine Groß | Di, 22. September 2020 - 13:54

Keine Ironie: Ich bin begeistert von der Analysefähigkeit dieses Politikers, dem sicher die niedrigenLöhne,prekären Arbeitsverhältnisse, fehlenden Zinsen, zu niedrige Eigentumsquote auch bekannt sind, sich aber hier auf einen anderen, meiner Ansicht wesentlichen Aspekt, konzentriert hat

Helmut Bachmann | Di, 22. September 2020 - 13:55

Was man den linksliberalen Egointentitären vorwerfen muss ist, dass sie nicht im Sinne des Großen und Ganzen handeln. Oder dort, wo sie es tun, kommt schlicht nichts Erwachsenes dabei heraus. Nur "piep-piep-piep-wir-ham-uns-alle-lieb", nüchtern nicht zu ertragen. Diese Gesellschaftsvision der Grünen wurde übernommen. Dabei war es mal die Stärke der SPD, Sehnsucht nach Gerechtigkeit mit Vernunft, Diskurs, ja Demokratie zu koppeln. Das unterschied sie vor 100 Jahren von der KPD, in den Achtzigern von den Grünen. Jetzt gibt es lediglich Annäherung an diese beiden Extreme. Dass es auch anders geht zeigt sich bspw. in Dänemark. Es wird Zeit, den Wahnsinn des multikulkturalistischen Zukunftsbildes zu entlarven und ihm entgegen zu treten.

Manfred Bühring | Di, 22. September 2020 - 13:55

Das liest sich ja alles ganz schön. Aber wenn der Autor den mit Zitaten aus dem Handbuch eines Bildungsbürgers gespickten Text bei einem SPD-Parteitag vorträgt, wird ihn nur die Aperol Spritz als Aperitif trinkende Toscana-Fraktion verstehen. Es stellt sich die Frage, was diese Erkenntnisse für die praktische Politik der SPD bedeuten? Wie bastelt die SPD daraus ein zielgruppen-adäquates Parteiprogramm jenseits der Verstaatlichungsträume eines Kevin Kühnert? Wie erreicht sie die Dosenbier trinkenden städtischen Milieus, die sich in ihrer "Identität" überhaupt nicht mehr wahrgenommen, geschweige denn vertreten sehen? Fragen über Frage; der Beitrag lässt zumindest mich ratlos zurück.

Heidemarie Heim | Di, 22. September 2020 - 14:07

Zunächst möchte ich Herrn Brodkorb dafür danken, das er es wiederholt schaffte in seinen Überlegungen und Beiträgen die üblichen Aversionen, Ausfälligkeiten und Angriffe gegen den politischen Gegner zu unterlassen! Das schafft nicht nur eine gute Diskussionsbasis, sondern es zwingt den Gegenüber ebenfalls etwas "abzurüsten";). Ich selbst bin in einem typischen, lebenslang treuen SPD-Haushalt aufgewachsen und überlege oft rückwirkend wo die Knackpunkte lagen oder welche Ereignisse, Richtungswechsel zu dem heutigen Zustand, nicht nur der SPD führten. Und ob oder wie dieses sich auf die Identifikation meines Vaters mit dieser Partei ausgewirkt hätte. Doch zurück in die Gegenwart, die alte lebenslange Wählerschaft ist hier wie da verloren. Nicht jedoch das Streben, der Ehrgeiz der Menschen, der Leistungsglaube sowie an gerechten Lohn . Erneut bildet sich unter den Augen der Politik eine wie Rührei verquirlte Masse an Menschen/Wähler in unserem Land, deren Zukunft eben nicht rosig ist!
MfG

Michael Sauer | Di, 22. September 2020 - 21:10

Kommt es mir so vor, dass ich einen ähnlichen oder fast den gleichen Artikel von Brodkorb schon mal irgendwo gelesen habe? hat er ihn "recycelt"? Liebe Mitforisten, helfen Sie mir. Ansonsten kann ich nur immer meine Meinung betonen, dass man entweder im eigentlichen Sinne "liberal" oder "links" sein kann. Beides zusammen ist m. M. n. unmöglich, auch wenn die Linken in den USA "Liberals" heißen.

Herr Brodkorp, ein reflektierter Beitrag. Heute spricht die Soziologie von einer funktional differenzierten Gesellschaft, in der dem Einzelnen auch ein Platz in der Gesellschaft zugewiesen werden soll, denn nur eine pluralistische Gesellschaft ist eine gute Gesellschaft!

Wenn ich mich parteipolitisch positionieren müsste, dann entspräche gegenwärtig keine politische Partei meiner individualisierten Lebensform, denn die ist vom Lebensweg und der Lebenslage eben nicht strukturell festgelegt. Das kann ich mir auch gar nicht leisten, z.B. nur „konservativ“ oder „progressiv“ zu sein.

Und da sind wir beim umstrittenen Begriff der kulturellen oder kollektiven „Identität“, die kein Zustand sein muss. Identität ist nämlich nichts Starres oder Abgeschlossenes, sondern ein Prozess. Im Kontext der politischen Parteien wäre es an der Zeit eine aktuelle Gesellschaftsanalyse vorzunehmen, sonst ist auch kein Fortschritt zu erwarten.

Ich belasse es zunächst dabei.

Manfred Schmidt | Mi, 23. September 2020 - 13:39

"Der Siegeszug der linksliberalen Identitätspolitik macht der Sozialdemokratie immer mehr zu schaffen."
Dieser Satz konterkariert die Realität.
Beginnen bei der Energiepolitik über die Migrationspolitik, Klimapolitik bis hin zur Wirtschaftspolitik gab es mehr Dogmatismus und weniger Liberalismus und fehlende wirtschaftliche Gestaltungsfreiheit im Land. Fehlende Wirtschaftskompetenz gepaart mit einem sozialistischen Überbietungswettbewerb
mit den Grünen und Linken ist das eigentliche Problem der SPD. Die Wählerschaft der SPD hat sich seit 2005 halbiert. Die programmatische Reaktion der Partei ist die Flucht in noch mehr wirtschaftlichen Dirigismus, derweil linksintellektuellen Wähler der SPD längst bei den Grünen und die traditionelles Stammwähler aus Arbeiterschaft und kleiner bis mittleren Angestellten bei der CDU oder AFD gelandet sind. Der gesellschaftliche Konformitätsdruck gepaart mit planwirtschaftlichen Dirigismus bei praktisch allen Parteien verheißt nichts Gutes.

Brigitte Simon | Mi, 23. September 2020 - 17:12

In reply to by Manfred Schmidt

Vor einiger Zeit wurde die SPD befragt: "Was hat dich bloß so ruiniert"?
Antwort: "Unsere verlorengegangene Identität nach links":
Linke Identitätspolitik ist in der Regel eine Reaktion auf Diskriminierung. Sie reagiert darauf, daß einem vermeintlichen Kollektiv bestimmte negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Dabei werden Menschen zu einer Gruppe zusammengefaßt, die eine eigene Einheit bilden soll. Die Menschen wurden nicht mehr dieselben. Sie verloren ihre Identität. Sie sind Kollektive, ohne über diese Zugehörigkeit entschieden zu haben. Erleben wir das nicht teilweise in unserer gegenwärtigen Politik? Vieles kommt mir bekannt vor. Identitätspolitik ist also von einer grundlegenden Ambivalenz zwischen Ablehnung und Affirmation gekennzeichnet. Mit der Affirmation geht eine große Gefahr von Identi-tätspolitik hervor.