Familiengruft
Gruft oder Urnengrab? Auch über den Tod hinaus bleibt es ungerecht / picture alliance / dpa | Daniel Karmann

Sollten Erbschaften höher besteuert werden? - Geburtslotterie und Doppelbesteuerung

Die jüngst von der SPD entfachte Debatte um die Erbschaftsteuer ist vor allem mit ökonomischen Argumenten geführt worden. Unser Kolumnist findet indes zahlreiche Gründe für eine grundlegendere Betrachtung der Erbschaftsfrage.

Gregor Thüsing

Autoreninfo

Prof. Dr. Gregor Thüsing ist Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen, vielfacher Sachverständiger im Deutschen Bundestag und wurde 2024 in den Deutschen Ethikrat berufen.

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Die Erbschaftsteuer ist wieder in der Diskussion. Die SPD hat Vorschläge auf den Tisch gelegt, die – nicht anders war es zu erwarten – von einigen freudig begrüßt, von anderen heftig zurückgewiesen wurden. Der Kanzler hat den Plänen bereits eine Absage erteilt. Aktuell ist das Thema damit wohl begraben, aber der nächste Wahlkampf kommt gewiss.

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Dirk Nowotsch | So., 1. Februar 2026 - 10:03

Das Ziel der Bonzen ist es, immer mehr an sich zu raffen, zu bestechen, zu korrumpieren, direkte und indirekte Macht auszuüben, selbst das Geld des Volkes wird angezapft, über Steuervermeidung oder sogar direkten Cumex Diebstahl . Diese Gelder werden dem Staat entzogen! Wichtige Mittel zur Entwicklung fehlen! Aufgaben wie Ausbildung, Gesundheit, Soziales, Infrastruktur, innere Sicherheit und Verteidigung nach außen, können nicht mehr finanziert werden, weil über 90% des Geldes bei den Superreichen liegt. Ziel der Superreichen 100%! Das ist die Natur des Kapitalismus! Dumm nur, das funktioniert nicht! Das einsammeln dieser Mittel oder gar die Verstaatlichung von Produktionsmitteln (Kommunismus), über Erbschaften und Enteignungen funktioniert auch nicht! Der Mensch ist ein Raffke, immer mehr will er haben und sein Eigen nennen! Aber passieren muss etwas in Deutschland! Die Raffkes haben es übertrieben! Mittelschicht/Stand und Arbeiter tragen den Staat, der Rest bereichert sich nur noch!

Heute habe ich von der "Agenda für Arbeitnehmer" des CDU-Wirtschaftsrats gelesen. Passt doch voll ins Bild! Steuern runter, Soli weg, Grundfreibetrag anheben um Steuern zu Sparen! Passt alles! Im Gegenzug den Kassenpatienten die Zahnarztbehandlung, zur Finanzierung der Gier, streichen. Ich bin dann mal für 100% Erbschaftssteuer und die Enteignung von Produktionsmitteln! Die deutsche Wirtschaft bekommt immer den Hals nicht voll, aber auf hohem Niveau heulen!

Gerhard Hellriegel | So., 1. Februar 2026 - 11:10

Das ist deutlich:
- Nichts kann die Kapitalkonzentration verhindern. Keine Monopolkommission, kein Bundeskartellamt, keine Bundesnetzagentur.
- Kapitalkonzentration bedeutet politische Macht. Wir sehen das derzeit in USA überdeutlich. Es war aber auch schon vorher so. Nicht nur in USA.
- Die Konsequenz ist die Zunahme von Misstrauen. Immer. Überall. Vielleicht weniger im "Nahbereich".
Fragen wir uns, woher unsere Überbürokratisierung kommt. Von Vertrauen? Ist das Misstrauen unberechtigt?
Woher kommt das Gefühl, vollkommen legal ausgenommen zu werden? Begründet mit Argumenten aus dem Bäckereimileu.
- Die jungen Männer werden gezwungen werden, ihren "Dienst am Vaterland" zu leisten.
Und wo bleibt der Dienst des Großkapitals? Ja, in Russland ist das anders.
Antwort der Jungen: "ich habe keine Lust, für die Reichen die Kastanien aus dem Feuer zu holen."
Also Zwang. Und wo ist der Zwang auf das Großkapital? Samthandschuhe. "Es ist ein flüchtiges Reh". "Wir brauchen sie".
- Weiter so!

Markus Michaelis | So., 1. Februar 2026 - 14:16

Der Artikel zählt schon viele Punkte richtig auf. Eine letzte richtige Lösung gibt es nicht: es gibt sich widersprechende Ziele (Individuum, Untergruppen wie Familie, Gleichheit, Leistungsfähigkeit der Gesellschaft und vieles mehr) und Wirkmechanismen, die eine Gesellschaft austarieren muss.

Noch zwei Gedanken: wer für größere Gleichheit ist: wie sieht es zwischen Staaten aus? Müsste nicht alle X Jahre zwischen den Staaten "genullt" werden. Nigeria hat heute viel mehr Einwohner, ist viel ärmer. Müssten nicht alle paar Jahre Deutsche Abgeordnetenbezüge und alles andere in einen Topf geschmissen und mit Nigeria geteilt werden? Was wäre der Nachteil davon?

In die andere Richtung: es gibt kein speicherbares wertbehaftetes Eigentum. Alles verliert schnell an Wert. Dienstleistungen sofort. Lebensmittel verderben oder müssen aufwendig gelagert werden, Immobilien genauso. Jeder dauerhafte Wert ist eine abstrakte Dienstleistung der Gesellschaft - also hat diese auch mitzureden.

Angelika Sehnert | So., 1. Februar 2026 - 17:27

Natürlich kann man lange über Gleichheit und Vererben philosophieren.
Die wirklich großen Vermögen sind so konstruiert, dass der Staat kaum
Zugriff haben würde, es sei denn man griffe zu wirklich rabiaten Mitteln. Dann wären die Betroffenen samt Geld aber ganz schnell weg.
Im Fokus sind die stets vielgerühmten Mittelständler. Die Eigentümer einer größeren Handwerksfirma mit 40,50 oder Unternehmer mit 200 Mitarbeitern, die eben nicht die Möglichkeiten haben komplexe, zugriffssichere rechtliche Konstrukte zu organisieren.
Was völlig außer Acht gelassen wird: auch einen ererbten Betrieb erfolgreich weiterzuführen ist eine Leistung, sogar mit volkswirtschaftlichem Nutzen!
Letztlich ist der Zeitpunkt der Debatte verräterisch:das Geld geht den Umverteilern aus, die Folgen der ökonomischen Fehlentscheidungen der Politik, aka Energiewende, werden täglich spürbarer. Den abhängig beschäftigten Mittelstand kann man nicht weiter auspressen, dann müssen die Unternehmer eben noch mehr bluten.