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Für mehr Solidarität in der Pandemie vor dem Hamburger Rathaus. / dpa

Moral und Politik - Der bigotte Ruf nach Solidarität

Es ist nicht nur Steinmeiers Wort schlechthin, sondern auch das vieler anderer Politiker während der Corona-Krise: Solidarität. Der Aufruf dazu hat aber zunehmend etwas Bedrohliches, denn Widerspruch ist immer ausgeschlossen.

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Man kann mit Worten heucheln. Wir alle wissen das. Es gibt aber auch Worte, die sind an sich Heuchelei. Sie blenden, täuschen und führen in die Irre. Zum Beispiel das Wort „Solidarität“.

Schon unter normalen Umständen ist die andauernde Beschwörung von Solidarität nur schwer erträglich. Zu oberlehrerhaft, zu schwülstig, zu aufdringlich. In Zeiten von Corona jedoch geraten die nicht enden wollenden Aufrufe zur Solidarität endgültig zum Schmierentheater. Sie sind zur rhetorischen Allzweckwaffe all jener geworden, die im Grunde wenig zu sagen haben. Oder derjenigen, die davon ablenken wollen, dass auch ihre Macht nur eine begrenzte ist. Schließlich klingt der Appell an die Solidarität immer gut. Irgendwie menschenfreundlich. Da macht man nichts falsch. Gegen Solidarität kann eigentlich keiner etwas haben. Oder etwa doch?

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Tomas Poth | Sa, 6. März 2021 - 11:42

Wir wissen doch, dieser Begriff kommt aus dem Besteckkasten der Kommunisten/Sozialisten.
Die Internationale Solidarität, der Wunschtraum des Himmels auf Erden, die Erlösung-/ Befreiungsmythologie.
Da hinter versteckt sich auch ganz viel Lebensangst, Hilflosigkeit, Leistungsschwäche, Belastungsunfähigkeit, Mutlosigkeit, Schmarotzertum usw..
Gleichzeitig wird damit auch die Selbstverantwortung geopfert. Das kommt gut an, ich kann ja nichts dafür die anderen sollen mal machen.
Wer die Solidarität überstrapaziert ist allerdings zutiefst unsolidarisch, er nimmt nur statt auch zu geben.

Gerhard Lenz | Sa, 6. März 2021 - 16:39

In reply to by Tomas Poth

Wenn es aus dem Mund eines Politikers kommt, bestimmt? Handelt es sich auch noch um einen Sozi, dann allemal? Denn denen kann man ja nicht vertrauen, die lügen sowieso?

Das ist albern, und zwar hochgradig.

In der Tat: Steinmeier hört sich oft wie ein Pfaffe an. Etwas mehr volksnahe Sprache, weniger pomadig-pathetisch, wäre wünschenswert. Nein, Herr Steinmeier, Sie müssen nicht wie ein Theologe, nicht wie ihr Vorgänger Herr Gauck klingen.

Gleichwohl darf man Sie zunächst mal beim Wort nehmen, und Ihnen Ehrlichkeit unterstellen.

Die üblichen Nörgler werden Ihre Rede als leeres Gerede werten. Und Solidarität - ist das nicht in der Tat belastet?
Nein, ist es nicht. Es wurde höchstens mißbraucht. Dennoch ist es so wichtig wie nie.

Das Gegenteil ist Egoismus, Selbstsucht, "nur-nichts-Teilen" müssen. Nein, man will nicht "gut" sein.

Im Ergebnis kommen diejenigen, mit denen man nicht solidarisch sein will, dann irgendwann zu uns. Denn hier gibt es, was WIR ihnen vorenthalten haben.

Quirin Anders | Sa, 6. März 2021 - 18:32

In reply to by Tomas Poth

Zu Recht merken SIe an, dass es neben dem von H. Grau erörterten politischen Missbrauch des Wortes Solidarität ebensoviel Missbrauch auf individueller Ebene gibt, und dass es dabei oft um Verhaltensweisen geht, die man mit Schmarotzertum oder Egozentrik treffend zusammenfassen kann. Ich denke da z.B. (1) an Zeitgenossen, die mit Nikotin seit langem wissentlich ihre Lungen schädigen und ihre Umgebung belästigen, jetzt aber jeden anblaffen, der ihnen versehentliich näher als 1,5 m kommt; oder (2) an Gewerkschafter, die für sich Lohnerhöhungen durchdrücken wollen, selbst wenn jedem klar sein muss, dass das einen Teil der betroffenen Arbeitgeber zu Entlassungen anderer Mitarbeiter zwingt; oder (3) an Unternehmensleitungen, die einerseits hohe DIvidendenausschüttungen an die Aktionäre befürworten und auf der anderen Seite die Belegschaft radikal abbauen. Derartiges empfinde ich im Vergleich zum Geschwätz von Politikern, dem ich mich durch Abschalten leicht entziehen kann,als weit störender.

Wolfgang Henning | So, 7. März 2021 - 10:06

In reply to by Tomas Poth

Herr Steinmeier, und mit ihm die gesamte SPD, sollte sich an die Anfänge der Partei erinnern. Es war die Solidarität mit der notleidenden Gemeinschaft der arbeitenden Klasse. Die heutige Verwendung dieses Begriffes soll hingegen der Festigung der herrschenden Strukturen dienen. Eben diese fehlende Solidarität mit der arbeitenden Bevölkerung hat zum Niedergang der SPD geführt.

Romuald Veselic | Sa, 6. März 2021 - 11:47

"Und mit Blick auf die Verteilung der Impfstoffe mahnte Steinmeier schließlich zur „weltweiten Solidarität“. Man spürt geradezu wie GUT er sich innerlich dabei fühlte.

Als hätte FWS das Gute persönlich erfunden.

Solidarität ist zum Inflationsausdruck geworden, egal in welchem Bezug. Dabei die über uns, wie FWS, wie oben erwähnt, etwas ganz anderes damit beabsichtigen, als es bei den Zuhörern ankommt. Ein verbaler Trick, Panorama des triefenden Guten, wogegen schwer zu argumentieren sei.
Was wird unter "Solidarität" gemeint? Fifty-fifty Teilen oder sich solidarisch opfern (wofür?), denn die Ideale dahinter, ein Teil der Erlösung sind.
Und wie solidarisieren sich die, die über Solidarität reden? Gibt's ein Doku darüber oder Reality Show? Indem man im Schloß Bellevue (Berlin), ein Gebäudeflügel den Zielpersonen der Solidarität, zu persönlicher Verfügung gestellt wird?

Dr. Rudolf Winter | Sa, 6. März 2021 - 11:53

Vollkommen richtig erkannt: Solidarität als Synonym für Gehorsam.
Warum gibt es keinen Solidarbeitrag bzw. Gewinnverzicht der Corona-Profiteure für Verlierer?
Amazon für Blümenläden etc. ; Pharmaindustrie für Heipraktiker; Netflix für Kinos; beamtete (GEZ besoldete) Fernsehunterhalter für freischaffende Künstler usw. ?
Sind die Politiker nur noch Heuchler? Höre ich Steinmeier, dann sage ich:ja, so ist es!

Solidarität als Worthülse. Hört sich gut an und kostet nichts.

Wolfgang Simm | Sa, 6. März 2021 - 12:01

Ich stimme dem Autor zu. Was hier uns als Solidarität, also als festes Zusammenstehen, abverlangt wird im Rahmen der Coronamassnahmen, ist nichts anderes als die Legitimation eines Egoismus von wirtschaftlich nicht oder kaum Betroffenen, derer also, die sich die angeblich solidarischen Massnahmen zur Pandemiebekämpfung leisten können. Eine wirkliche Solidargemeinschaft der Grösse unserer Bevölkerung müsste ja gewährleisten, dass alle Beteiligten füreinander einstehen in dieser Zeit. Was nichts anderes bedeuten würde, dass alle, denen aus volksgesundheitlichen Gründen der Broterwerb zur Zeit untersagt bleibt...vom Künstler bist zum Gastwirt...so vollständig wirtschaftlich aufgefangen wird, dass sie genausowenig durch die Massnahmen in Bedrängnis geraten wie jene, die wirtschaftlich gut überleben können...oder gar profitieren. Dann könnte man zurecht von Solidarität sprechen. Im Moment haben wir es mit angstmotiviertem Gruppenegoismus zu tun.

ursula keuck | Sa, 6. März 2021 - 12:11

Ich verstehe Solidarität als Fürsorge für Notleidende und nicht als Verknüpfung durch Umverteilung.
Eine Führung, die den Mut zu aktiver Bevölkerungspolitik hat und Familienpolitik an der Sehnsucht der Menschen nach Familie und Kinder ausrichtet und nicht an linksorientierte Gesinnungen und der eigenen Zweckdienlichkeit der Wirtschaftsfunktionäre.
Ein Staat der dem Volk, Selbstständigkeit über den Enthusiasmus der Willkommenskultur, der Einwanderungslobby und dem verbündeten „Sozialen-Transfer“ stellt und die der islamitischen Herausforderung fest und wertegewiss entgegentritt, statt in falscher Debatte klein beigeben.
Eine Politik schließlich, die den Staat neu aufzeigt: nicht als allmächtige sozialistische, schwarz/rot/grüne Umverteilungsdiktatur , die dem Menschen bis in den letzten Winkel bevormundet, sondern die Interessen der eigenen Nation im globalen Wettstreit verteidigt und zur Geltung bringt.

"Solidarität", "soziale Gerechtigkeit" - Sülzig, klebrig, sich immer weiter verbreitend, ein Mittel, sich zu erhöhen, andere zu erniedrigen und widerstreitende Meinungen einzuebnen. Nicht nur im Merkelland, wo man ernsthaft darüber diskutiert, ob eine Partei, deren Vorsitzende statt der Neuverteilung des Kuchens "die ganze Bäckerei" auf den Kopf stellen will, in Regierungsverantwortung kommen könnte, Kernbegriffe einer neuen Quasireligion... ein (weiterer) Grund dafür, mit wenig Optimismus in die Zukunft Europas und des alten "Westens" allgemein blicken zu können.

Fürsorge für Notleidende ist eine Hilfe, die ich einfach so gebe, ohne Erwartungen oder Forderungen. Solidarität ist etwas, dass ich in eine Gemeinschaft einbringe und damit insbesondere auch Forderungen an die anderen verbinde, nämlich die Erwartung, dass sie sich auch entsprechend der Gruppe und Solidarität verhalten.

Claudia Biegler | Sa, 6. März 2021 - 12:13

Sehr geehrter Herr Grau,
vielen Dank für diese tollen Worte! Besser kann man es nicht zusammenfassen, was zur Zeit mit dem Begriff Solidarität angestellt wird. Auch Ihr Blick auf Herrn Steinmeier ist unglaublich treffend. Sein Gesabbel von solidarischen Handeln ist unerträglich. Immer und überall und mit jedem sollen wir in dieser Zeit solidarisch sein. Und es ist genau der Punkt, den Sie ansprechen: Solidarität wird jetzt verordnet. Bist du es nicht, bist du ein Egoist. Du denkst an die Zukunft deiner Kinder und nimmst deshalb das Sterben vieler Menschen in Kauf - schrecklich unsolidarisch. Du willst, dass die Menschen wieder arbeiten können, aus der Kurzarbeit kommen und deshalb stecken sich wieder viele Menschen an und sterben einen einsamen tot - du bist ein Unmensch. So einfach ist das mit der Solidarität. Und dann sollen auch alle als Zeichen eine Kerze ins Fenster stellen: Die Perfektion von Solidarität! Und die Kerzen für tote Menschen im Straßenverkehr, durch Krebs,..........

Ellen Wolff | Sa, 6. März 2021 - 12:13

Danke für die klaren, den Geist erfrischenden Worte.

Wolfgang Tröbner | Sa, 6. März 2021 - 12:59

Wie immer ein exzellenter Artikel, Herr Grau über ein sehr relevantes Thema, nämlich die Sprache der herrschenden "Elite". Im Kern eigentliche schöne Begriffe wie "Solidarität", "Gerechtigkeit" etc. werden von Politikern wie Steinmeier missbraucht, um ihre wahren Absichten zu verschleiern und die eigene Agenda zu verstecken. Dass es ihnen dabei nur um die eigenen Interessen, aber nicht um die des Wahlvolkes geht, zeigen die jüngsten Vorkommnisse, bei denen Mitglieder des Bundestages bei der Masken-Beschaffung scham- und hemmungslos in die eigene Tasche wirtschafteten, überdeutlich. Anderen Politikern wie Merkel mag es zwar nicht um Geld gehen, dafür aber um Macht. Wundern sich diese Politiker noch, warum das Vertrauen der Wähler dahinschmilzt wie Schnee in der Sonne? Angesichts dieser Verlogenheit?

das ist doch dummschwätzerei, was sie betreiben.
Welche wahren Interessen hat den der BP, wenn er Solidarität der Staaten und Völker im Kampf gegen alles Elend auf der Welt, hier vornehmlich Corona, anmahnt?
Also mal Argumente und nicht nur - wie so üblich geworden bei den Kommentaren - sich mal abkotzen als "verärgerter " Staat-Bürger über seine Herrschaft.
Mal ein Hinweis: Solidarität als Kampfbegriff der sozialistischen oder auch kommunistischen Bewegung beinhalte nie das Leid, das Wenige teilen sondern gemeinsam gegen Mangel und nicht gegeneinander zu kämpfen, worin die alleinige Stärke der damaligen Arbeiterbewegung bestand (übrigens auch heute!).
Solidarität heißt sich im Zweck sein: einen materiellen Zweck für sich zu verfolgen, der allein nicht erreichbar wäre...
Oder so ähnlich. Los Kommentatoren und -innen mit "DDR-Geschichte" - lieg ich falsch?

Hans Jürgen Wienroth | Sa, 6. März 2021 - 13:00

„Solidarität (S.) wächst aus der Gesellschaft heraus“ ist Ihre wahre Quintessenz. Unsere Regierung(en) verstecken dahinter leider ihr Versagen. Da wird ein Impfstoff entwickelt und natürlich dürfen die Menschen in Afrika nicht hintenanstehen. Sie müssen, obwohl jünger und weniger gefährdet, zeitgleich mit dem überalterten Europa über ausreichend Impfstoff verfügen. Das ist wahre S.!
Bei jedem Hilfsfond ist unsere Regierung mit großen Summen dabei, man zeigt S. mit allen Armen der Welt. Dass wir bei aller S. mit anderen über unsere Verhältnisse leben, uns selbst verschulden, ist egal. Dass unser Land beim Aufbau der Kriegsregionen selbst verfällt, ist der S. geschuldet. Wir helfen aus S. auch dem Wirtschaftsaufbau in anderen Ländern, die uns unsere Märkte nehmen. Können wir S: erwarten, wenn wir arm sind und sind diese Regionen dann „reich“? Ist das vielleicht unser sol. Beitrag zum Klimaschutz?
Bei so viel S. kann es doch in dieser globalen Gemeinschaft keine Konflikte mehr geben.

Heidemarie Heim | Sa, 6. März 2021 - 13:00

Danke lieber Herr Dr. Grau! Ich dachte schon länger darüber nach warum mich diese politrhetorischen Stanzen, je öfter ausgeführt, mich mehr und mehr strapazieren. Oft dachte ich spontan, was wohl geschähe wenn ich laut und deutlich äußerte, das ich mich keineswegs freiwillig in Allem und mit Jedem solidarisch verbunden fühle. Das ich sozusagen "fremd" gehe was die allgemeine Befindlichkeiten oder besser Erwartungen an mich betreffen. In Süßholz verpackte Einforderungen von Gehorsam standen und stehen dabei ganz oben auf meiner Liste persönlich ausgelöster Widerstände;)!
Und natürlich ist der so instrumentalisierte Missbrauch von uns in anderem Zusammenhang stehenden oder verstandenen Begriffen eine weitere "Keule" um Zwang und Druck auszuüben.
"Die Gedanken sind frei..." Diesen Text aus dem Widerstand geboren, sollte man sich vielleicht öfter
ins Gedächtnis rufen wenn Selbstzweifel drohen bezüglich der Geschehen;). Insbesondere vor freien Wahlen, DEM Geschenk einer Demokratie! LG

Wolfram Fischer | Sa, 6. März 2021 - 13:14

Danke für diesen Ihren abermals klarsichtigen Kommentar, Herr Grau.
Eine Totschlagphrase wie die inflationäre "soziale Gerechtigkeit". Hohl... hirnlos... missbraucht. Höre ich diese Phrasen, stellen sich meine Alarmsignale auf dunkelrot, denn ich weiss: da will wieder mal jemand anderer Leute Geld ohne irgend ein Argument zu haben. Also die moralisierende Toschlagphrase ausgepackt, der sich keiner entziehen kann... denn: wer möchte sich denn als "unsolidarisch" zeigen oder "soziale Gerichtigkeit" nicht toll finden?
Diese Art moralische Erpressung finde ich inzwischen unerträglich. Und die Hohlköpfe, die sie äußern, dito.
Inclusive der Person, die "nicht MEIN Präsident" ist, ein im Kommentar zitierter Herr, der sich nicht entblödet, sich immer wieder, mindestens 1x jährlich, ganz ganz... ganz solidarisch zu zeigen mit dem iranischen Massenverbrecherregime... da kann ich dann gar nicht mehr so viel zu mir nehmen, wie ich sofort wieder von mir geben möchte...

Ingo Kampf | Sa, 6. März 2021 - 13:26

Solidarität - man kann es kaum noch hören! Das Wort ist zur „Hure“ verkommen. Die Führungskräfte der Parteien, die den Neid organisiert haben, führen dieses Wort ständig im Mund. Was wollen sie? Geld für sich, d.h. ihre einträchtige Funktion soll in Robin-Hood-Manier gesichert werden. Dazu brauchen sie Geld, daß auf Basis von Solidarität abgegeben b.z.w. eingetrieben werden soll. „Teilen“ ist der neue Hilfsbegriff. Wir werden alles teilen: Den Wohnraum, den Impfstoff, den Verkehrsraum.
Dr. Grau spricht mir aus der Seele: Ich kann das Wort nicht mehr hören, es macht mich aggressiv.
Wenn der Bundespräsident meint Moral predigen zu müssen, kann er bei seinem ehemalige Chef Schröder anfangen und dann alle die Abgeordneten ins Visier nehmen, die irgendwo auf der Payroll stehen. Ist es moralisch Frau Nahles z.B. einen hoch dotierten Job bei einer fast überflüssigen Behörde zu zuschanzen. Das Gleiche gilt für T. Schäfer-Gümbel! Unter sich sind sie auf Kosten anderer solidarisch!

... meine völlig überzogenen Strompreise teilen, die auch unser allerwertester Bundespräsident mitverschuldet hat. Oder meine künftig massiv steigenden Gaspreise, da wir zukünftig Krieg mit Rußland haben werden und nur noch über den Ozean verschippertes Frackinggas zum Heizen bekommen..... ;-) Aber die wird FWS sicher nicht mit mir teilen wollen aus purer Solidarität....

Ernst-Günther Konrad | Sa, 6. März 2021 - 14:01

Wenn man mal in Ruhe darüber nachdenkt Herr Grau. Das haben Sie wieder hervorragend getan. Der Begriff Solidarität muss immer dann herhalten, wenn keine substanziellen Argumente vorhanden sind, wenn man Gehorsam einfordern oder anderen ein schlechtes Gewissen einreden will. Es dient aber auch dazu, jede Form von Debatte zu vermeiden, zu untersagen oder zu verhindern. Das Sie gerade Herr Steinmeier ansprechen kommt ja nicht von ungefähr. Er ist ein Meister des substanzlosen Geplappers und kommt gleich nach Merkel. Die Bürger lassen sich gerne von diesem Begriff einfangen, man will ja nicht außerhalb stehen, hat doch für alles vorgegebene Verständnis und es wurde alles schon für eben diese Bürger gedacht, erspart eigene Anstrengungen.
Was einmal von der Arbeiterbewegung durchaus sinnvoll gedacht ihre Grundansprüche gegen äußere Einwirkungen schützen sollte, dient heute dazu, jede Form von Kritik zu unterdrücken und den Bürger zu willenlosen Ja-Sager zu machen. Bei einigen klappt es.

Maria Arenz | Sa, 6. März 2021 - 14:10

auch Solidarität ist zu einem Passe Partout aus dem Werkzeugkasten des Moral-Kitsches geworden. Je größer die Zahl der ihrer angeblich Bedürfenden und je heterogener in Wirklichkeit deren Interessen, desto übler die Absichten, desto empörender das Versagen, das mit dem Appell zugekleistert werden soll. Als wir vor einem Jahr im Namen der Solidarität mit den "Schwächsten" eingesperrt wurden, habe ich das eingesehen. Wenn den Verantwortlichen jetzt, ein Jahr später, immer noch nichts anderes einfällt als die Gesamtbevölkerung einzusperren, obwohl die "Schwächsten" schon lange geimpft sein könnten, bzw. es zu einem guten Teil auch sind, fragen sich auch Menschen ohne Aluhut, was eigentlich der Zweck der am vergangenen Mittwoch beschlossenen Verlängerung ist. Zum Glück ist Mitte April Ramadan. DAS trauen sie sich nämlich sicher nicht, auch unseren glübigen Mitbürgern aus dem Morgenland das allnächtliche Zusammensitzen in froher und großer Runde zu verbieten.

Karl-Heinz Weiß | Sa, 6. März 2021 - 14:16

Eigentlich erstaunlich, dass bei stark zunehmendem Individualismus der Begriff der Solidarität eine solche Renaissance erlebt. Der Autor hat recht: die starke Betonung der Solidarität soll verschleiern, dass etwas anderes beabsichtigt ist-die Überhöhung der eigenen Meinung. Die Durststrecke der Alternativlosigkeit geht aber bald zu Ende.

W.D. Hohe | Sa, 6. März 2021 - 14:48

als uneigennützige Moral-Pflicht etikettiert.
Gegen die Waffe der uneigennützige Solidarität den Kopf aus der Schutzzone heben ist selbstmmörderisch.
Wie Sie schreiben, Herr Grau - Macht der Worte -
inklusive der Vorgabe deren Zuordnung und Anwendung.
Mit Heuchelei haben Sie dieser Handhabung deren Kordinaten benannt.

Markus Michaelis | Sa, 6. März 2021 - 15:00

Ja, in der Gesellschaft hat sich einiges komisch entwickelt. Solidarität ist so ein missbrauchets Wort, viele andere auch.

Wenn Audi jetzt Gendersprech einführt, sieht man das nicht als interessantes Experiment, alles entwickelt sich, ja .....

Man positioniert sich damit für Gerechtigkeit und höchste Werte .... und alle anderen, die nicht gendern, sind misogyne Rassisten oder so? Weil man ein Binnen-I nicht oder nicht richtig verwendet? Danke Audi.

Es haben sich auch in der Bevölkerung Maßstäbe verschoben. Diese "Diktatmentalität" wird in der nächsten Runde von den Profis übernommen und weitergeführt werden. Die "einfach nur Empörten und Engagierten" haben dann nicht mehr soviel mitzureden.

Ich glaube dazu gehört auch die bittere Einsicht, dass die Gesellschaft wirkliche Probleme im Sinne neu auszudiskutierender Werte hat. Nur Rechte, Sexisten oder Mehrheit als Quelle aller Probleme zu sehen, ist verführerisch einfach, aber so wird es nicht klappen.

Bernd Muhlack | Sa, 6. März 2021 - 15:42

Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock hatte damals im ZDF-Sommerinterview diesen "Kobold-Aussetzer"; ist ja hinlänglich bekannt.
Bei youtube kursierte ein schrilles Video, ein Zusammenschnitt dutzender "Kobold-Worte" von ihr: Kobold, Kobold, Kobold - dazu ihr feistes Lächeln; leider ist das Video nicht mehr verfügbar.

Selbiges könnte man mit BP Steinmeier sowie kongenialen Schwadronierern veranstalten: "Solidarität, Solidarität, Solidarität ...". Dazu dieser salbungsvolle Bedford-Strohm-Habitus!

Die wahre Inkarnation der Solidarität ist jedoch der SOLI! Wie auch die Sektsteuer (zur Finanzierung der kaiserlichen Marine) ist dieser wohl ewig u immerdar.
"Lasst uns froh u solidarisch sein!"
Solidarität, grenzenlose Toleranz, Kampf gg Rechts, Antirassismus, Inklusion, Gleichheit, Hypermoral etc. sind die NEUE Basis; diese Werte müssen unbedingt ins GG - zeitnah!

Übrigens sollten sich die BL-Vereine endlich mit meinen Schalkern solidarisieren u sie alle Spiele gewinnen lassen!
Glückauf!

Hans-Jürgen Tech | Sa, 6. März 2021 - 18:23

Herr Dr. Grau, ich stimme Ihrem Artikel sowie den meisten Kommentaren voll zu. Leider gibt es von diesen inflationär gebrauchten rhetorischen Allzweckwaffen noch weitere. Einer dieser Begriffe, über die ich mich schon lange ärgere ist "Rassismus". Darunter wird inzwischen alles verstanden, sogar, wenn man jemanden nach seiner Herkunft fragt. Der eigentliche Rassismus, wie es ihn im NS-Staat gab wird dadurch m. E. verharmlost und seine Opfer verhöhnt.
Ich wäre Ihnen dankbar, wenn sie sich in Ihrer bewährten Denkschärfe auch einmal diesem Problem widmen könnten.

Ingo frank | Sa, 6. März 2021 - 20:18

Ich persönlich sehe diesen Begriff auch noch aus einer etwas anderen Perspektive.
„ Vorwärts und nicht vergessen
Worin unsere Stärke besteht!
Beim Hungern und beim Essen
Vorwärts und nie vergessen
Die Solidarität „
Text: Brecht/Busch Musik: H. Eisler

Dieses Lied wurde mir während meiner Schulzeit regelrecht eingetrichtert.
Der Ruf nach Solidarität war all gegenwärtig. In der Presse, im Funk und im Fernsehen der DDR.
Allerdings kann ich mich nicht erinnern ,diesen Begriff in ARD + ZDF( zu dieser Zeit) annähernd so oft gehört zu haben.
Wenn ich dann Ihrer Argumentation H. Grau folge,
das das ständige Einfordern von Solidarität (wie z.Zt. In unserem Land) dazu dient : „obrigkeitsstaatliche Anordnungen mit Moralrethorik zu verschleiern „ da kann ich nur hoffen, dass nun auch der letzte Bürger dieses Landes begreift wohin die Reise gehen soll. In die DDR 2.0.

Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Kai-Oliver Hügle | So, 7. März 2021 - 06:58

"Denn wo rührselig Solidarität eingefordert wird, ist Widerspruch ausgeschlossen."

Sprach Herr Grau - und legte wortreich Widerspruch ein. Ob er ernsthaft glaubt, dafür irgendwie "sanktioniert" zu werden, man weiß es nicht.
Was an dem Begriff Solidarität "bigott" oder warum schon ein Appell übergriffig sein soll, erschließt sich mir nach Lesen des Textes nicht einmal ansatzweise.
Sehr wohl aber erinnere ich mich an Meldungen über Corona-Parties, an leere Regale, in denen zuvor Toilettenpapier stand oder Hinweisschilder an Tankstellen, dass Einweghandschuhe ab sofort nur noch paarweise an der Kasse erhältlich sind - da sie KISTENWEISE an den Zapfsäulen entwendet werden. So viel zum "erwachsenen und selbständigen Bürger".
In dem Bemühen, dem Forum die üblichen Stichworte zu liefern, übersieht Grau, dass Solidarität in Zeiten von Corona auch und vor allem ein Appell an Vernunft ist.
Die erwartbar schrillen Reaktionen im Forum verdeutlichen dramatisch, wie dringend dies geboten ist.

Norbert Heyer | So, 7. März 2021 - 07:56

H.J. Friedrichs sagte:“Ein guter Journalist sollte sich niemals solidarisch machen, noch nicht einmal mit einer guten Sache.“ Damit beschreibt er die heute nicht mehr vorhandene Neutralität des Journalismus zur Politik. Solidarität forderte auch Wilhelm II: Er kannte keine Parteien, sondern nur noch Deutsche. Die Kirche segnete Waffen und Soldaten unter dem Motto: „Helm ab zum Gebet!“ Goebbels fragte: „Wollt ihr den totalen
Krieg?“ Solidität ist also immer dann eingefordert worden, wenn die Staatsmacht merkte, dass sie sich auf der Verliererstrasse befand, dann bräuchte sie die bisher Vernachlässigten, das Volk, die Unwichtigen, um ihren eigenen Kopf zu retten. Das ist zwar in der Regel fast immer schiefgegangen, wird immer das letzte Mittel der Eliten bleiben, um die eigene Haut zu retten. Jetzt wird Solidarität eingefordert, um die vorgegebene Einheitsmeinung fest zu zementieren. Solidarisch sollte man immer mit Menschen sein,die unsere Demokratie retten und sichern wollen

Dieter Freundlieb | So, 7. März 2021 - 08:58

Es geht mir wie Herrn Grau. Die ständige Rede von der notendigen Solidarität durch unsere Moralweltmeister ist unerträglich.

Da diese Anmahnung von Solidarität auch gern von den christlichen Kirchen geäußert wird, möchte ich ihnen einen Vorschlag machen. Zeigen sie sich doch einmal solidarisch mit den Christen, die in nahezu allen muslimischen Staaten verfolgt oder zumindest diskriminiert werden. Das sind doch alles, wie die Kirchen das gerne nennen, 'unsere Brüder und Schwestern im Glauben'.

Aber wo bleibt da die Solidarität? Ich habe einen schlimmen Verdacht. Um hier echte Solidarität zu zeigen, müsste man ja den Islam kritisieren. Und das traut man sich nicht. Allein schon aus dem einen Grund, dass dann Menschen auf den Gedanken kommen könnten, dass ALLEN Religionen ein schwerwiegender Mangel anhaftet.

Glaubt der Papst wirklich, Anhänger des muslimischen Glaubens würden einige ihrer Vorbehalte gegen die 'Ungläubigen' aufgeben, wenn er in ein muslimisches Land reist?

Franz Gailer | So, 7. März 2021 - 10:09

Es fällt mir schwer, Steinmeier noch ernst zu nehmen. Er spricht das Wort zum Sonntag appelliert an unser Gewissen, statt dass er unserer Regierung, wie das einst Roman Herzog tat, ins Gewissen redet. Wie kann es sonst sein, dass die USA in drei Tagen so viele Leute impfen wie wir es in knapp drei Monaten geschafft haben. Aber die Amerikaner sind Macher, krempeln die Ärmel hoch und handeln. Unsere Regierender tingeln von einer Talkshow zur nächsten, machen zig Videokonferenzen, schieben die Verantwortung zur EU oder zu einer taskforce, lesen zwischendurch Datenschutzvorschriften oder sonstige Verwaltungsanweisungen und können am Schluss nicht Besseres als sich herauszureden.
Ich habe die Schnauze von diesen selbstzufriedenen Verwaltern und Bedenkenträgern mehr als voll

gabriele bondzio | So, 7. März 2021 - 10:43

Das Solidaritätsarrangement lebt davon, dass es auf Kosten eines gesellschaftlichen „Außen“ organisiert und systematisch Dritte schädigte (siehe Verlierer des Corona- Ausbruchs). Schon die nationalgesellschaftlichen Verteilungsstruktur ist davon betroffen. Die meisten Menschen, die Solidarität in den Mund nehmen. Wollen aber an ihrem eignen Leben keine Abstriche vornehmen, das sollen mal die Anderen tun. Zudem ja auch Solidarität emotionale Grundlagen erfordert, die in Zugehörigkeit und Zusammengehörigkeit wurzeln. So wird man sie in Familienstrukturen noch am ehesten finden.
Klimakrise, Sozialstaat, Migrationsfrage wirft schon die Frage auf, wer zum solidarischen „wir“ gezählt wird.

gabriele bondzio | So, 7. März 2021 - 10:47

Und was Außenstehenden geschuldet ist. Die Beantwortung der Frage mag ideologisch/verbal unterschiedlich sein. Bei der praktischen Umsetzung jedoch erreicht sie die meisten Menschen im Weiterschiebens des Solidaritätsgedankens.
Oder haben die Solidaritätsverpflichter jemals (dauerhaft) auf Teile ihres eigenen Einkommens bzw. ihrer eigenen Bequemlichkeit verzichtet? Dauerhaft und neuerdings werden eher die in die Pfanne gehauen, welche von der Erweiterung des Solitarität- Gedanken Abstand nehmen.

Wolfgang Jäger | So, 7. März 2021 - 11:13

Völlig zutreffend analysiert! Solidarität ist die indirekte Aufforderung zur Ausgrenzung. Man sollte dringend auch einmal über einen anderen Modebegriff nachdenken: "Zivilgesellschaft"! Er insinuiert, dass es offenbar auch eine "Unzivilgesellschaft" gibt. Wahrscheinlich ist alles gemeint, was sich außerhalb der Vorstellungen und Denkbereiche der inzwischen von links-grünen Meinungsmachern vorgegebenen Narrative bewegt. Wer sich da nicht hineinbegibt und "solidarisch" ist, wird automatisch ausgegrenzt!