Sachsen-Anhalt
Spitzenkandidaten aller größeren Parteien zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt / picture alliance; bek

Serie: Kampagnenanalyse Sachsen-Anhalt - Prolog: Treu ist man nur dem, der sich selbst treu ist

Parteiprogramme werden geschrieben und vergessen. Marken bleiben. Das gilt auch für die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Lesen Sie hier den Prolog unserer Cicero-Kampagnenanalyse von Oliver Errichiello.

Oliver Errichiello

Autoreninfo

Prof. Dr. Oliver Errichiello ist Markensoziologe und lehrt an Universitäten in Deutschland und der Schweiz. Er leitet das Büro für Markenentwicklung in Hamburg. Sein Buch „Werbung für den Zeitgeist“ sorgte für kontroverse Diskussionen in der Branche.

So erreichen Sie Oliver Errichiello:

Wer eine Partei verstehen will, schaue nicht auf ihr Programm, sondern auf ihre Marke. Wobei der Begriff „Marke“ für eine Partei zunächst irritieren mag. Schließlich gibt es Marken für Sportschuhe oder Erfrischungsgetränke, aber für politische Parteien? Zerstört das nicht ihren Anspruch, mehr zu sein als ein Produkt im Regal? 

Einigen wir uns auf Folgendes: Marken sind positive Vorurteile, die sich über die Zeit in den Köpfen der Menschen verfestigt haben. Marken sind Leistungsversprechen, denen man glaubt, noch ehe man nachgedacht hat. Für Parteien gilt das in besonderem Maße: Programme werden geschrieben, um vergessen zu werden. Marken bleiben, weil sie orientieren sollen und im besten Fall Sicherheit bieten.

Kommunikation wird überschätzt

In dieser Serie werden die politischen Werbekampagnen der Parteien zur Sachsen-Anhalt-Wahl einer markensoziologischen Analyse unterworfen. Jenseits des tagespolitischen Geschnatters geht es darum zu verstehen, was Kampagnen und Werbung bei einer als Schicksalswahl titulierten Abstimmung tatsächlich auszurichten vermögen. Denn machen wir uns nichts vor: Nichts wird heute so überschätzt wie Kommunikation. 

So manche Agentur rühmt sich, den Wahlerfolg „gemacht“ zu haben, bis sie mit der nächsten Kampagne grandios scheitert (aber vorher einige „Kreativpreise“ einheimst, die an launigen Sommerabenden im Berliner Tiergarten bei asiatischem Fingerfood und feiner italienischer Abendgarderobe verliehen werden). Was also leisten kommunikative Wahlkampagnen? Vielleicht können wir uns auf etwas Weiteres einigen: Gute Kommunikation kann schlechte Politik nicht ersetzen, aber sie kann Vertrauen bestätigen oder erschüttern.

Keiner weiß, was das alles bringt

Auch im Jahr 2026 wählen die meisten Menschen eine Partei aus Gewohnheit und aus einem Gefühl der Zugehörigkeit und eher selten, weil ein Plakat sie zu Tränen gerührt hätte. Vor einigen Jahren ließ die Konrad-Adenauer-Stiftung untersuchen, was Wahlwerbung eigentlich ausrichtet („Repräsentative Umfrage zu Wahlwerbung im Wahlkampf 2021“), und kam zu einem Ergebnis von entwaffnender Ehrlichkeit, das folgerichtig von niemandem beherzigt wurde: Keiner weiß so recht, was das alles bringt. 

Die Funktion liegt offenbar nach innen: Aktivität demonstrieren und Vitalität simulieren. Der eigentliche Adressat der Kampagne sitzt also nicht im vorbeifahrenden Auto, sondern im Ortsverband. Und doch deutet sich eine Verschiebung an. Denn zunehmend werden Parteien auch aus dem Gegenteil von Gewohnheit gewählt: aus Unzufriedenheit und Überdruss. Das klingt paradox, folgt aber einer klaren Logik: Ein Wähler wird nicht grundlos untreu. Er wird es, wenn ihm die Partei zuvor inhaltlich untreu geworden ist. Die Abwanderung ist insofern kein Treuebruch, sondern dessen Quittung. 

Damit stehen sich zwei Beweggründe gegenüber, die verschiedener kaum sein könnten: Wähle ich, um das Erreichte abzusichern, oder aus der Sehnsucht nach einer neuen Perspektive, weil die alten Protagonisten ihre Zuschreibungen nicht nur nicht eingehalten, sondern sogar umgekehrt haben? An dieser Achse, so die These dieser Serie, entscheidet sich der Wahlkampf. Und an ihr lässt sich jede Partei als Marke vermessen.

Was bleibt, ist eine alte Einsicht

In vier Teilen analysiert diese Serie die Parteien Sachsen-Anhalts als Marken im Überzeugungswettbewerb. Der erste Teil gilt der CDU, der etablierten Regierungsmarke, die aus dem Bedürfnis nach Absicherung gewählt wird und deren Versprechen schlicht Kontinuität und Sicherheit heißt. Der zweite Teil nimmt die AfD in den Blick, die alles anders machen will und dabei von dem Umstand profitiert, dass sie es noch nie beweisen musste. 

Der dritte Teil untersucht die Linke, die zwischen vertrauter Bindung und schwindender Anziehungskraft um ihren Markenkern ringt. Der vierte Teil schließlich wendet sich den inzwischen kleineren Parteien zu, SPD, Grünen, FDP und BSW, deren Marken sich zwischen den großen Polen behaupten müssen … sofern überhaupt noch jemand hinsieht. Was bleibt, ist eine alte Einsicht: Parteien werden nicht gemacht. Sie werden geglaubt oder eben nicht mehr.

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Wolfgang Borchardt | Di., 25. August 2026 - 09:30

Nachdem die FDP sich selbst erledigt hat, ist da niemand mehr. Die CDU wird von der SPD umklammert und die Unterschiede zu Links und Grün sind nicht signifikant. Die Demokratie ist von "unserer" Demokratie vereinnahmt worden und alle schauen auf benachteiligte Hautfarben, sexuelle Vorlieben und den Kampf gegen "Rechts". Der Gedanke, dass der Abtrag des gewaltigen Problembergs der einzig erfolgverversprechende Kampf gegen "Rechts" ist, wird nicht einmal gedacht. Man hält Haustürpropaganda für hilfreich. Polemik statt Kompetenz. Am Ende stehen disruptive Lösungen, für die die Zeit noch nicht gekommen ist. Dazu muss die Situation weiter verschlechtert werden. Noch gibt es eine Menge Leute, die reich genug sind, um alles prima zu finden. Und Links ist mächtig genug geworden, um den Rechtsstaat samt Polizei in die Zange zu nehmen. ("Scheiß Bullen'")

"Die Demokratie ist von "unserer" Demokratie vereinnahmt worden und alle schauen auf benachteiligte Hautfarben, sexuelle Vorlieben und den Kampf gegen "Rechts". "
Alle von linX gezielt gesetzten Ablenker werden nicht helfen, denn die Menschen schauen zunehmend genauer hin. Zuerst in Ostdeutschland, weil die "den sozialistischen Braten" viel schneller und klarer riechen, dann vielleicht endlich die satten "Wessis", die immer noch zu viel Kohle haben, um ernsthaft nachdenken zu müssen! Leider!
CDU/CSU - früher unter Franz Joseph Strauß die echte Alternative - hat sich den nach link-außen getrifteten Sozis unterworfen, um im Kanzleramt zu bleiben!
Bleibt also nur die AfD als Hoffnungsträger, will man den SED/LINKE-Kommunismus in Gesamtdeutschland verhindern!
Will CDU/CSU Volkpartei bleiben, muss sie sich von der undemokratischen (von LinXen gezielt gesetzten) Brandmauer verabschieden, denn nur wer den Willen des Souverän ernst nimmt, wird überleben!

Armin Latell | Di., 25. August 2026 - 11:39

hatte ich "standardmäßig" die cdu gewählt. Seit 2013 nicht mehr. Und das hat(te) fast nichts mit der Wahlwerbung/Plakaten zu tun! Und wenn doch, mit gegenteiliger Wirkung, nämlich alles versprochen, nichts umgesetzt, also wie immer die große Wahllüge oder genauso abstoßend, absolut nichtssagende (und damit alles) hohle Phrasen, nur noch für die hirngewaschenen, tumben Wähler.

Ernst-Günther Konrad | Di., 25. August 2026 - 15:52

Erst schreiben Sie: "Nichts wird heute so überschätzt wie Kommunikation." Dann wiederum schreiben Sie: "Gute Kommunikation kann schlechte Politik nicht ersetzen, aber sie kann Vertrauen bestätigen oder erschüttern." Mal überschätzt, mal soll sie aber Vertrauen bestätigen oder erschüttgern. Sie sollten sich mal selbst klar werden, welchen Stellenwert Kommunikation hat in der heutigen Zeit. Vor dem Hintergrund gründlicher Analysen durch freie Medien, vor dem Hintergrund sog. "Faktenchecker", die uns einreden wollen, alles und ejde Aussage sofort und gleich prüfen zu können, um uns dann belehrend und sinnenstellend, politisch einseitig kommunikativ zu lenken. Kommunikation gerade im Wahlkampf hat einen hiohen Stellenwert. Man schaue nur die Fehler der Kanzlers an. Lügen das es inzwischen jeder maerkt, bockig Wähler beschimpfen, versprechen und nichts halten, seine erste Ansprache im Waldbrandgebiet, die Buhrufe des Publikums und seine Reaktion darauf. Das soll überschätzt werden?

Günter Johannsen | Di., 25. August 2026 - 16:02

Die sogenannten

Günter Johannsen | Di., 25. August 2026 - 16:08

Antwort auf von Günter Johannsen

Faktenchecker sind in Wirklichkeit Faktenverdreher. Ein weiterer übler Versuch der linXen Einheitssuppe, die Tatsachen mit Vernebelung ins Gegenteil zu verkehren!
Auch das kenne ich aus SED-Regime-Zeiten ... dieselben Leute, dieselben Methoden, dieselben Lügen!

Die SED-Erben der DIE LINKE konnten sich damals nicht läutern.
Sie können und wollen es offensichtlich auch heute nicht,
weil sie nach wie vor zu viel SED/PDS-Erbschaft im Genick haben?

Urban Will | Mi., 26. August 2026 - 07:45

Aber schaun mer mal.
Es gibt nM nach drei Gründe, eine Partei zu wählen: weil man sie immer gewählt hat (Wahlschafe, in der Regel CDU-Wähler, die ex-Wähler der SPD sind zu großen Teilen weitergezogen, aber auch dort hängt ein harter Kern der These nach, dies sei noch immer die Partei der arbeitenden Leute), weil man an das glaubt, bzw. das möchte, was sie propagiert. Oder aus Protest. (Pkte. 2 und 3: AfD)

Und wenn – wie v.a. bei CDU, SPD und FDP – eine Partei komplett das Gegenteil von dem macht, was sie früher gemacht hat, dann läuft es halt so wie es läuft derzeit in diesem Land. Dann gehen Parteien eben auch mal unter.
Leider ist der Einfluss der zwangsfinanzierten ÖR-Medien in diesem Lande noch recht hoch und da diese Medien sich zu linken Hofberichterstattern gemausert haben, fallen die verlogenen Altparteien noch viel zu langsam. Leider.
Ja, die AfD musste noch nie liefern. Weil man sie nicht ließ. Jetzt aber ist sie dran und das ist gut so und nichts anderes ist Demokratie.