- Union und SPD einigen sich auf kleine Pflegereform
Die Pflegereform löst die Finanzprobleme nicht: Pflegebedürftige und Kinderlose zahlen drauf, das Defizit wächst. Und der nächste Zugriff auf die private Pflegeversicherung zeichnet sich bereits ab.
Abgekämpft und wenig euphorisch sah Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) aus, als er heute vor die Kameras trat und eine Einigung mit den Sozialdemokraten in Sachen Pflegereform verkündete. Sein Anblick wird verständlich, wenn man in die Zahlen und die nun geplanten Maßnahmen blickt. Für Euphorie gibt es wahrlich keinen Grund.
Ursprünglich sollte die Pflegereform für das nächste Jahr systemische Entlastungen in Höhe von 11,2 Mrd. Euro erbringen. 7,6 Mrd. Euro davon waren für die Leistungsseite vorgesehen und 3,6 Mrd. Euro als „Risiko- bzw. Nachhaltigkeitspuffer“. In der Einigung vom heutigen Tage wurde dieser Puffer auf Null gesetzt. Damit wird die Pflegeversicherung weiterhin auf Kante genäht sein. Fehlt im Laufe des nächsten Jahres Geld, muss der Bund Zuschüsse oder Darlehen gewähren. Schon heute steht die gesetzliche Pflegeversicherung mit mehr als 4 Mrd. Euro beim Staat in der Kreide.
Dass sich dieser Betrag weiter erhöhen könnte, geht bereits aus dem heute veröffentlichten Zahlentableau hervor. Ursprünglich war beim errechneten Finanzbedarf für das Jahr 2027 durch die Reform noch mit einem rechnerischen Überschuss von 50 Mio. Euro geplant worden. Nun stehen dem verbleibenden Finanzbedarf von 7,6 Mrd. Euro nur noch 6,25 Mrd. Euro an Deckungsquellen gegenüber. Anders gesagt: Der Bund plant offen mit einem Defizit in Höhe von 1,35 Mrd. Euro. Das wird sich bis 2030 auf über 2 Mrd. Euro erhöhen.
Das Ziel, die Pflegeversicherung auf solide Füße zu stellen, wird verfehlt
Darüber hinaus besteht die Einigung aus folgenden Komponenten gegenüber dem ursprünglichen Gesetzesentwurf:
Für pflegende Angehörige kommt es nicht zu einer Reduzierung von Rentenanwartschaften. Die Halbierung des Entlastungsgeldes bei den Pflegegraden 2 und 3 in den ersten drei Monaten wird wieder gestrichen. Auch zur Verlängerung der Verweildauerstufen um sechs Monate wird es nicht kommen. Und die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze wird deutlich reduziert. Dadurch entstehende Mehrkosten im Jahr 2027: rund 7 Mrd. Euro.
Dafür wird im Gegenzug der Entlastungsbetrag im Pflegegrad 1 sogar vollständig entfallen. Rund 800.000 Pflegebedürftige verlieren dadurch 1572 Euro pro Jahr. Zudem wird die Dynamisierung der Leistungen aus der Pflegeversicherung im Jahr 2028 nicht nur halbiert werden, sondern für alle vollständig entfallen.
Weil das aber nicht ausreicht, um die Mehrkosten gegenzufinanzieren, wird auch an der Einnahmeschraube gedreht: Die Beitragseinnahmen für geringfügig Beschäftigte sollen stärker steigen als ursprünglich geplant, und vor allem die Erhöhung des Zuschlags für Kinderlose soll sich verdreifachen. Statt 1 Mrd. Euro soll das pro Jahr 3 Mrd. Euro zusätzlich bringen.
Die nun eingeleitete Reform ist daher durch drei Kernmerkmale charakterisiert: Gekürzt wird überall, aber mit einem gewissen Schwerpunkt beim Pflegegrad 1. Kinderlose müssen 50 Prozent mehr zahlen als bisher (ihr Zuschlag soll von 0,6 auf 0,9 Prozentpunkte des Lohnes steigen), damit pflegende Angehörige keine Rentenanwartschaften verlieren. Und das ursprünglich angekündigte Ziel, die Pflegeversicherung auf finanziell solide Füße zu stellen, wird dennoch verfehlt. Die eingeplanten Defizite und der Wegfall des Risikopuffers indes dürften sich erklären lassen.
Zum 1. Juli 2027 soll das Reformgesetz in Kraft treten
Auf Druck der Sozialdemokraten einigten sich die Koalitionäre auch auf Einsetzung einer Reformkommission. Minister Linnemann gab bereits heute bekannt, womit die sich beschäftigen werde. Mit der Möglichkeit eines Pflegedeckels und der Umverteilung finanzieller Ressourcen aus der privaten in die gesetzliche Pflegeversicherung zum Beispiel. Man darf getrost vermuten, dass der eine oder andere Schritt in diese Richtung hinter verschlossenen Türen längst verabredet ist und nun durch eine Kommission wissenschaftliche Weihen erhalten soll.
Bis Ende Januar 2027 solle die Kommission ihre Arbeit abgeschlossen haben, teilte Linnemann mit. Zu Ostern wolle er dann einen Kabinettsentwurf für ein zweites Reformgesetz präsentieren. Und zum 1. Juli 2027 solle es in Kraft treten.
Man kann dieser Zeitleiste regelrecht ablauschen, dass Linnemann so auch die noch verbliebenen Finanzlücken schließen wollen dürfte. Träte das zweite Reformgesetz tatsächlich im Sommer des nächsten Jahres in Kraft, ließe sich Geld aus der privaten Pflegeversicherung in die gesetzliche Versicherung umbuchen, um jene Finanzlöcher zu stopfen, die noch immer in der eigenen Planung klaffen.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) selbst sattelte vor ein paar Tagen rhetorisch die Pferde, um gegen die privaten Sozialversicherungen anzureiten. Diesen Trumpf werden sich die Sozialdemokraten wohl nicht mehr aus der Hand nehmen lassen.
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"Wissenschaftliche Weihen durch eine Kommission " - dieses Muster zieht sich aktuell durch die deutsche Politik. In früheren Jahren wurde durch "Alternativlosigkeit" immenser Schaden angerichtet.
Der absehbare Griff in die Rückstellungsreserven der privaten Pflegeversicherung ist der erste Schritt, um diesen Finanztrick anschließend bei den Rückstellungen der privaten Krankenversicherung anzuwenden. Wie müsste wissenschaftliche Expertise diese Vorgehensweise nennen ? Insolvenzverschleppung ! Im Geschäftsleben ist das im übrigen (noch ? ) strafbar.
ich sehe hier wie überall nur Kürzungsorgien und Mehrbelastung für die arbeitende Bevölkerung. Reformen dagegen sind immer struktureller Art und davon ist bisher nirgends was zu sehen. Eine Bürgerversicherung für alle für Gesundheit und Pflege ist notwendig und überfällig. Es gibt keinen Grund für 2 Systeme und Unterschiede. Es wird Zeit, dass dieser einmal eingeführte Unsinn beendet wird. Wir brauchen auch keine fast 100 gesetzliche Krankenkassen, die sowieso nur dasselbe anbieten (müssen) und es ohnehin keinen richtigen Wettbewerb gibt.
gecancelt) bekommen die die fast keine Beiträge weder in Rente noch in die Pflege eingezahlt haben ihren Hintern komplett vom Staat abgewischt….. und der der gut verdient, weil gut ausgebildet, & leistungsorientiert gearbeitet hat, zahlt und zahlt und zahlt….. bis das Gesparte und die Immobilie weg ist.
Ich lasse mal die Milliaren die in die Ukraine gehen außen vor die auskömmliche Rente und eine menschenwürdige Pflege ermöglichen könnte. Auch die Milliarden die unsere Gäste verschlingen oder den überforderten EU Beiträgen.
Die wollen einfach so lange wie möglich regieren, ihre Posten behalten. Die liegen aber in den letzten Zügen. Es gibt so viele *Reformen* die noch ausstehen, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, wann der Laden zusammen bricht. Man muss nur Geduld haben. Und alles was die zusammen murksen schadet dem Land und wird immer mehr Menschen gegen sie aufbringen. Also auch das nur zum Vorteil der AFD.
Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründe einen Arbeitskreis. Reformiert wird gar nichts. Es wird gekürzt, die alten Strukturen bleiben und die Geldverschwendung an den Stellen, wo es der Politik passt, bleibt bestehen.
Aber die öffentlich-rechtlichen Medien jubeln. Sie haben sich wieder mal Zeit erkauft.
Übrigens wurde auch entgegen dem Versprechen wieder das „Sondervermögen“ angezapft. Die Schuldenorgie geht also weiter. Die Inflation ist schon wieder am Steigen. Das ist das, was beim Bürger bleibt.
Anscheinend immer noch zu viel …….sehr geehrter Herr Stamer. Außer einigen Verwirrten die gegen die Siege der AfD in MV & SA und die wenigen Gewekschaftler die gegen ich weiß nicht für oder gegen was demonstrieren bleiben doch die Straßen leer…..Die Prognosen zu BT Wahl sehen die Union immer noch um 20% und die SPD auch noch im zweistelligem Bereich. Die Grüne Sekte mit ihrer irren Energie & Wirtschaftspolitik sonnen sich auf Plart drei. Und in Berlin ……geschenkt die Koalition zwischen den SED Erben und der feucht träumenden SPD samt grüner Sekte, ist doch schon längst in Sack & Tüten. Wetten ?
Anscheinend sieht der ausgenommene steuerzahlender Bürger immer noch (zumindest im Westen unseres Landes)das alles ganz easy wenn man sich die nackten Zahlen betrachten. Wo bleibt der Aufschrei zum Tankrabatt von 17 ct. wenn, der Staat das 8- fache der Gewinne der Ölmultis, einstreicht Wo bleibt der Aufschrei gegenüber der sinnfreien Unterstützung des reichsten Bettlers der Welt ?
Und sollte eigentlich "keine Reform" heißen?
