Umgang mit Extremismus - „Krasses, gewalttätiges Arschloch“

Extremisten nimmt unsere Gesellschaft nur ungern wieder auf. Besonders wenn sie von rechts kommen. Doch auch für Ausstiegswillige aus der linksextremen Szene gab es bis vor kurzem kaum Hilfsprogramme. Und wer hilft einem eigentlich, wenn man die AfD verlassen möchte?

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Aussteiger Simon Mallow kann Ungerechtigkeiten nicht stehen lassen / Anja Lehmann

Autoreninfo

Florian Sturm ist freier Journalist und lebt in Leipzig.

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Simon Mallow läuft über einen Schotterparkplatz in Rathenow. Bei jedem Schritt knirschen Kiesel unter den abgelaufenen Sohlen seiner grauen Sneaker. Es ist ruhig an diesem Sonntagmittag in der Kleinstadt knapp 80 Kilometer westlich von Berlin. Mallows Blick scannt die Umgebung. Der junge Mann, mittelgroß, kurze dunkle Haare, Bart, leichter Bauchansatz, gleicht das Damals mit dem Heute ab. Die verspiegelte Sonnenbrille trägt er nicht nur zum Schutz gegen die Sonne, die gleißend am wolkenlosen Himmel steht. „Ich möchte lieber nicht erkannt werden. Wer weiß, ob hier noch Leute von damals rumhängen“, sagt der 34-Jährige mit sorgenbelegter Stimme.

Seit über zehn Jahren war er nicht mehr hier. Vieles ist wie früher. Die kaputten Laternen an der mit Graffiti beschmierten Fassade. Das mächtige Eisentor am Ende des Parkplatzes, dahinter ein verwinkeltes Gehöft. Vieles ist auch anders. Kein Stacheldraht mehr auf dem Zaun, keine Boxer und Terrier, die zwischen besoffenen Punks herumtollen, die rufen: „Wir müssen die Nazis plattmachen.“ Überhaupt ist das Grundstück, das in der Szene nur als „Das Haus“ bekannt ist, menschenleer. „Hier hat alles angefangen. Hier habe ich mich radikalisiert“, sagt Mallow.

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Manfred Galler | Sa, 7. November 2020 - 16:54

Wer eine demokratische Partei (AFD) mit Extremisten vergleicht verlässt meiner Meinung nach, die sachliche Debatte. Im Prinzip ist diese Partei die einzig wikliche Oppositionspartei im Bundestag.
Schade hier so etwas tendenziöses zu lesen. Schade !

Gerhard Lenz | So, 8. November 2020 - 09:21

In reply to by Manfred Galler

isi Ihnen sicher!
Die AfD hat seit ihrer Gründung viele Mitglieder verloren, die mit der Entwicklung zu einer rechtsextremen Partei nicht einverstanden waren.
Es dauert zuweilen wohl lange, sich selbst einzugestehen, dass man am falschen Platz ist, zumal ja vielleicht hier und dort noch ein paar wenige halbwegs vernünftig erscheinde Menschen in der AfD sind.
Da hilft nur Aufklärung, erst dann können Ausstiegsprogramme für austrittswillige AfDler helfen.

Sie vergessen ständig, die Linke (die SED-Erben) zu erwähnen, wenn es um extreme Parteien geht. Ist das Absicht? Oder wollen sie vergessen machen, dass DIE LINKE die Nachfolgetruppe der SED ist und in der Verantwortung für die SED/ MfS-Verbrechen steht. Wohin sind die SED-Milliarden nach 1989 verschwunden? Die gehörten doch dem DDR-Volk. Doch man versteckte sie in gewissen Stiftungen, die jetzt schon wieder "Sprachhygiene" betreiben???
An Eides Statt erklärte damals der Linkspartei-Bundesschatzmeister Karl Holluba: „Die Linke ist rechtsidentisch mit der ,Linkspartei.PDS‘, die es seit 2005 gab, und der PDS, die es vorher gab, und der SED, die es vorher gab.“
Mit dieser Erklärung steht diese Partei auch in der Verantwortung für die Stasi-Verbrechen, die bis heute nicht gesühnt wurden. Wer Anspruch auf die SED/MfS-Milliarden erhebt, muss auch für die Verbrechen und Morde einstehen. So isat das nun mal!

Günter Johannsen | Sa, 7. November 2020 - 17:43

Wer in Hamburg, Leipzig und in anderen größeren Städten genau hinschaut, sieht jetzt deutlich: aus dem Erscheinungsbild der grün-linken Einheitsfront schält sich mehr und mehr die hässliche Fratze des Linksfaschismus heraus! Ignaz Silone brachte es auf den Punkt: „Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus; er wird sagen, Ich bin der ANTIFAschismus!“

Bernd Muhlack | Sa, 7. November 2020 - 18:20

Diese schönen Ansagen in den Regionalzügen; 2016 bin ich letztmals S-Bahn gefahren.

Ja, Ausstiegsprogramme, runde Tische, Ethikräte, im Zweifel eine Delfintherapie.

"Wie aus einem Wiener Schüler der IS-Terrorist Abu Dujana al-Albani wurde"
Dieser Tage das Interview von Antje Hildebrandt.
Und al-Albani war im Deradikalisierungsprogramm!

Ich hatte es bereits geschrieben, meine diesbezügliche Meinung ist bekannt.

Frage: wozu bedarf eines Ausstiegsprogramms, wenn ich aus einer Partei (AfD) austrete?
Ein schlichtes Schreiben reicht aus!
AfD-Mitglieder haben wohl eher Probleme mit ihren Nachbarn, als mit "hetzjagenden Exparteigenossen", oder?

Frauke Petry und andere sind ebenfalls ausgetreten; machen sie auch solch ein Gedöns? Nein.
Wer sich selbst zum Einzelkämpfer macht, weiß was ihn erwartet!
"Isolation"? Was soll das?

Abgeordnete, Politikerin?
Es gibt auch andere Berufe - je nach Ausbildung sogar sehr gute, lukrative.
Ein Leben ohne Partei (AfD/CDU/XYZ) ist in der Tat möglich!

Armin Latell | Sa, 7. November 2020 - 18:24

Ein möglicherweise geläuterter Linksextremist, auf jeden Fall eine verkrachte Existenz auf der einen Seite und auf der anderen eine Karrieristin, die die AfD als Sprungbrett für eine politische „Karriere“ missbraucht hat. Einen Zusammenhang zwischen beiden gibt es nicht, auch wenn krampfhaft versucht wird, einen zu konstruieren. Wie nennt Georg Restle das? Werteorientierter Journalismus? Dass jemand, der die AfD verlässt, ein „Aussteigerprogramm“ benötigt, ist genauso plausibel wie eines für denjenigen, der eine der Einheitsparteien verlässt. Wahlen in der BRD gibt es doch erst nächstes Jahr, warum schon heute so ein einseitiger Meinungsartikel? Was Frau Martin nächstes Jahr oder wann auch immer macht, ist mir so egal wie das weitere Leben des Linksextremisten. Ein extrem langer Artikel ohne jedwede Aussagekraft.

Fritz Elvers | Sa, 7. November 2020 - 18:49

von diesem Florian Sturm und Drang.

Mußte beim Lesen automatisch an meine Sturm und Drang Zeit denken. Natürlich von links, nur Gewalt lag mir stets fern. Kneipengespräche bis in den Morgen. Einer, aus wohlhabendem Hause, verstand sich als Berufsrevolutionär, holte die Mittlere Reife nach, ich brachte ihm Determinanten-Rechnung bei und bekam zum Dank ein Büchlein von Bertrand Russell, er zähneknirschend eine Eins von seinem eher rechten Mathelehrer, dem er sich ebenfalls als Kommunist vorstellte, unvergeßlich.

Grundsätzlich gibt es als Gewalt-Ausstiegshilfe ein Gehirn. Dies kann allerdings falsch programmiert sein und sogar dies feststellen, bessser als jede KI.

Christa Wallau | Sa, 7. November 2020 - 18:59

... müssen von der MITTE "eingefangen" werden.
Das Versagen liegt hier!

Die Lücke, welche die CDU durch ihren Linksruck unter Merkel (bzw. ihr hinter dem Zeitgeist Herhecheln schon vorher) aufgetan hat, wurde 2013 durch eine Partei ausgefüllt, die sich aus enttäuschten, verunsicherten Konservativen zusammensetzte, n i c h t aus Rechten. Erst als die Strukturen sich ausbildeten u. Posten zu vergeben waren, fanden sich bei der AfD Leute ein, die hier ihr eigenes Süppchen kochen wollten. So wurde aus der "Professorenpartei" zum Teil ein Sammelbecken für Außenseiter, Karrieristen u. Rechtsaußen.

A b e r: Der Grund, weshalb es die AfD überhaupt gibt u. sie konstant bei ca. 10-12 % steht, ist noch der gleiche wie 2013:
Die CDU/CSU hat den Rat von Strauß nicht befolgt ("Rechts von uns darf es keine andere Partei geben"), sondern sie läßt weiterhin alle im Regen stehen, die eine prinzipientreue, konservative Politik für richtig halten. Man sieht es an ihrem Umgang mit der "Werte-Union"!

wie recht sie doch haben!!!
Die Merkel-CDU hat alle konservativ tickenden Menschen im Regen stehen lassen. Deshalb ist die AfD entstanden. Das C steht für Christlich und heißt eben auch: Werte, die von einer großen Mehrheit für gut und richtig befunden wurden und werden, muss man erhalten und beschützen vor Radikalinskis und Anarchisten von rechts und links!
Die Grundlage dafür legt das Neue Testament der Bibel:
"…die Weissagung verachtet nicht; prüfet aber alles, und das Gute behaltet. Meidet allen bösen Schein." (1.Thessalonicher 5)

Ernst-Günther Konrad | So, 8. November 2020 - 10:51

Ich habe zum Ende hin aufgehört zu lesen. Sie haben Ihre Geisteshaltung offenbart, das ist Ihr gutes Recht. Sie treffen an keiner Stelle meine Meinung. Eine demokratisch gewählte Partei mit Linksextremisten zu verknüpfen, sagt mir alles. Gibt es eigentlich ein Aussteigerprogramm für Grüne, SPDler oder CDUler oder gar FDPler?
So wie viele Altagskriminelle in ihrer Jugendzeit auf die schiefe Bahn gerieten und mit zunehmenden Alter, Freundin oder Freund, Kinder, Familie plötzlich deren Denken sich verändert, mit zunehmender Erfassung der Realität und sicher auch noch ganz vielen anderen Erfahrungen, von ihrem Tun ablassen, so geht es Links- oder Rechtsetremisten auch. Nur haben sie sich auf der vornehmlich politischen Motivationsschiene kriminalisiert. Die AFDlerin ist offenbar in der Partei nicht weiter gekommen oder wurde sie gar für so ein "Ausstiegsszenario" in die AFD eingeschleust. In dieser Partei gibt es einige U-Boote. Hätte auch von Herren Lenz oder Hügle sein können.

die AFDlerin ist doch in der AfD weiter gekommen. Sie konnte wohl nur einige tiefbraune Parteifreunde nicht mehr ertragen.

In der AfD gibt es anscheinend nicht nur U-Boote, i.d.R. vom Verfassungsschutz, sondern auch Nachkommen von U-Boot Fahrern, was ja an sich nicht verwerflich wäre, wenn, na Sie wissen schon.