Alice Weidel und Björn Höcke
Björn Höcke (r.) und Alice Weidel repräsentieren in der AfD die Methoden „Furor“ und „Selbstverharmlosung“ / picture alliance/dpa/dpa-Pool | Sören Stache

Populistische Strategien - Wie Rechte und Linke die offene Gesellschaft bedrohen

Von der römischen Republik bis zur AfD: Rechte wie linke Populisten agieren stets nach denselben Mustern – nämlich mit Furor, Feindbildern und dem unbändigen Verlangen, die Gesellschaft politisch final zu beherrschen.

Norbert F Tofall

Autoreninfo

Norbert F. Tofall ist Analyst im Forschungsinstitut der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch.

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Seit der Finanzkrise von 2007/2008 feiern in allen westlichen Gesellschaften linke und rechte identitäre Bewegungen nicht nur fröhliche Urständ. In fast allen westlichen Gesellschaften hat spätestens seit 2015 der Zulauf zu diesen populistischen Bewegungen von links und rechts die politischen Verhältnisse verändert. Anti-Globalisierung und Anti-Kapitalismus sind zentrale Bestandteile der Programmatik dieser Bewegungen von links und rechts. Die moderne, ausdifferenzierte Gesellschaft soll durch staatliche Vorgabe spezifischer Ziele integriert und zur identitätsbildenden Gemeinschaft transformiert werden. Letztlich kommt das einem Angriff auf Recht und Freiheit und auf die offene Gesellschaft gleich.

Da sowohl die linken als auch die rechten populistischen Bewegungen die gesamte Gesellschaft finalisieren wollen, indem alle Bürger der Gesellschaft auf ein vorgegebenes politisches Ziel und ihre jeweiligen gesellschaftlichen Identitätsvorstellungen verpflichten werden, ist der gesteigerte Einsatz von staatlicher Macht für sie unabdingbar. Deshalb sind beide Bewegungen durch einen ausgeprägten Etatismus gekennzeichnet. Dementsprechend haben sowohl linke auch als rechte populistische Bewegungen erhebliche Probleme mit dezentralen evolutionären Entwicklungen und der Selbststeuerung der Gesellschaft durch individuelles dezentrales Handeln. Zur Erreichung der Finalisierung der Gesellschaft haben beide Bewegungen Carl Schmitts politische „Freund-Feind-Definition“ übernommen und in der öffentlichen Auseinandersetzung zur Perfektion weiterentwickelt.

„Natur“ und „Volk“ als identitäre Fixpunkte

Beide Bewegungen gruppieren sich um ein „neuheidnisches“ Zentrum, das als höchster Bezugspunkt der eigenen Politik dient: im Falle der ökologisch-sozialen Populisten die „Natur“, weshalb die Apokalypse durch den menschengemachten Klimawandel beschwören wird; im Falle der migrationspolitischen Populisten das „Volk“, weshalb der Untergang des eigenen Volkes oder sogar des Abendlandes durch Islamisierung, Migration und Umvolkung als Zeichen an die Wand gemalt werden. Beide „neuheidnische Zentren“ sind negative Utopien, die dazu dienen, einen Herrschaftsanspruch und die Finalisierung der Gesellschaft zu begründen.

Notabene: Umweltschutz und Migration sind selbstredend reale Probleme, auf welche die Politik tragfähige Antworten finden muss. Durch die Totalisierung dieser Probleme qua angeblich drohender Apokalypse (als negativer Utopie) werden diese realen Probleme jedoch als populistisches Vehikel im „Kampf gegen das System“ missbraucht, um Herrschaft zu erlangen.

Populismus als Vehikel der Macht

Der Begriff „Populismus“ ist von der Bezeichnung „Popularen“ abgeleitet.  Als „Popularen“ werden ab 133 v. Chr. in der Zeit der untergehenden römischen Republik Politiker wie die Brüder Tiberius und Gaius Gracchus, der Feldherr und mehrfache Konsul Gaius Marius, aber auch Clodius Pulcher und Julius Cäsar bezeichnet. Die Popularen waren keine Partei im heutigen Sinne. Die Popularen verband nicht ein spezifisches politisches Programm, sondern eine bestimmte Methode, mit welcher sie Politik betrieben. In der Geschichtswissenschaft redet man von der „popularen Methode“ oder „popularis ratio“.

Ziel der popularen Methode war die Macht- und Herrschaftsgewinnung. Die Popularen waren Politiker, die im römischen Senat keine Mehrheit hatten und mit der popularen Methode der Senatsmehrheit die Macht abnehmen wollten. Auffällig ist, dass die popularen Politiker im Senat nicht nur eine Minderheit bildeten, sondern oftmals zu den reichsten Personen innerhalb der römischen Nobilität zählten, was sie gerade in eine Frontstellung zur Mehrheit des Senats brachte. Die Popularen waren nicht die Armen, die gegen die Reichen kämpften. Und Tiberius Gracchus wendete die populare Methode erst an, nachdem seine Karriere innerhalb der römischen Ämterlaufbahn einen empfindlichen Knick erhalten hatte.

Umgehung der politischen Institutionen

So standen hinter dem Versuch des Tiberius Gracchus, alles Land über 125 Hektar enteignen zu lassen und es landlosen Bevölkerungsteilen und Veteranen zu geben, einige der reichsten römischen Senatoren, deren Vermögen jedoch nur zu geringen Teilen aus Land bestand und die deshalb nicht aus den Einnahmen aus Landbesitz angewiesen waren. Man wollte der Mehrheit der Senatoren, die auf Einnahmen aus Landbesitz angewiesen waren, die Existenzgrundlage entziehen. Es ging primär um Macht- und Herrschaftsgewinnung, nicht um Sozialgesetzgebung.

Mit Hilfe des Volkes und der Volksversammlung sollte Macht und Herrschaft gegen die Mehrheit im Senat und gegen den ausdrücklichen Widerstand des Senats gewonnen werden. Die populare Methode bestand deshalb erstens in der systematischen Ausschaltung des Senats oder allgemein formuliert in der Umgehung der politischen Institutionen. Man wendete sich deshalb direkt an das Volk.

Ansteckender Aufruhr

Um dabei erfolgreich zu sein, war es zweitens notwendig, einen Aufruhr zu entfachen, der ansteckend wirkt, was auch mimetischer Furor genannt wird. Die einen fangen an, Krawall zu erzeugen, die anderen ahmen den Krawall nach. Clodius Pulcher (92 v. Chr. – 52 v. Chr.), der Intimfeind von Cicero, war beispielsweise ein regelrechter Krawallunternehmer. Bei der Durchsetzung seiner Politik setzte Clodius gezielt Gewalt und Straßenkämpfe zur Zerstörung der öffentlichen Ordnung und politischen Institutionen ein. Sein destruktives „Ansteckungspotential“ reichte sogar über seinen Tod hinaus. Nachdem Clodius Pulcher von Titus Annius Milo und seinen Leuten im Verlauf einer Straßenschlacht am 18. Januar 52 v. Chr. auf der Via Appia außerhalb der Stadtmauern Roms getötet wurde, schichteten die Anhänger von Clodius in der Curia Hostilia, einem Versammlungsort des römischen Senats, alle Holzbänke zu einem Scheiterhaufen auf, um Clodius zu verbrennen. Das Feuer war dabei so „ansteckend“, dass gleich das gesamte Senatsgebäude abbrannte.

Dieser Furor wurde drittens dadurch legitimiert, indem sich auf die „wahren“ Interessen des Volkes beziehungsweise die Mehrheit des Volkes berufen wurde. Und um zu überdecken, dass die wahren Interessen des Volkes letztlich niemand kennen kann, wurde viertens der mimetische Furor gegen das Establishment gelenkt und der politische Gegner moralisch diskreditiert. Der ausgeprägte Furor gegen das Establishment lässt sich dann fünftens leicht steigern zur Delegitimierung der politischen Institutionen und zum Angriff auf „das System“.

Die Angst der Eliten vor Veränderung

Diese „popularis ratio“ oder populistische Methode ist in der Regel nur in politischen Situationen und Konstellationen erfolgreich, in denen drei Bedingungen erfüllt sind: Lösungen von drängenden Problemen sind verschleppt worden, der Wettbewerb um die besseren Problemlösungen wurde unterdrückt, und letztlich bestehende Regeln, Gesetze und Sitten wurden gebrochen, um den Status quo der herrschenden Interessen aufrechtzuerhalten. Der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe hat dies als Status-quo-Panik der herrschenden Eliten bezeichnet, um die Angst der herrschenden Eliten zu kennzeichnen, Veränderungen zuzulassen. Die Angst der herrschenden Eliten, Veränderungen zuzulassen, lässt in der Gesellschaft das Bedürfnis auf Veränderungen um jeden Preis wachsen. 

Denn die realen Probleme und die sich kumulierenden Problemverschleppungen lassen sich trotz aller „politisch korrekten“ Tabus, öffentlicher Sprechverbote und durch die Mainstream-Medien verbreiteten Narrative nicht dauerhaft unter den Teppich kehren. Für Populisten ist es deshalb mehr als einfach, Sachthemen und reale Probleme zu Vehikeln im Kampf gegen die herrschenden Eliten und für Veränderungen um jeden Preis umzufunktionieren. Es müssen dazu lediglich die von den herrschenden Eliten aufgebauten „politisch korrekten“ Tabus, die öffentlichen Sprechverbote und die durch die Medien verbreiteten Narrative frontal angegriffen und außer Kraft gesetzt werden, was angesichts der realen Probleme und Problemverschleppungen auch problemlos möglich ist.

Immun gegen Populismus

Durchdachter und schlüssiger Reformkonzepte bedarf es für diese Demaskierungs- und Zerstörungsarbeit nicht. Und sollte es den „Demaskierern“ nicht nur um die Zerstörung der „politisch korrekten“ Tabus, der öffentlichen Sprechverbote und der dominierenden Mainstream-Narrative gehen, sondern auch um die Zerstörung der herrschenden politischen Strukturen und Institutionen, dann würden durchdachte und schlüssige Reformkonzepte sogar stören. Denn aus durchdachten und schlüssigen Reformkonzepten ergibt sich oftmals, dass die herrschenden Strukturen und Institutionen nicht zerstört, sondern nur insoweit reformiert werden müssen, dass allgemeine und abstrakte Regeln wieder eingehalten und Sonderinteressen nicht auf Kosten Dritter durchgesetzt werden.

Die populare Methode ist jedoch nicht in jeder gesellschaftlichen Lage erfolgreich. Unter normalen gesellschaftlichen Bedingungen sind Menschen aller gesellschaftlichen Schichten weitgehend immun gegen die „popularis ratio“, fühlen sich von ihr sogar abgestoßen. Und es kann im Zuge der gezielten Erzeugung von gesellschaftlichem Furor auch jederzeit dazu kommen, dass die Strategie „Furor“ durch die Strategie „Selbstverharmlosung“ ergänzt oder ersetzt werden muss.

Vom Furor zur Selbstverharmlosung

In seinem Beitrag „Selbstverharmlosung“ vom Februar 2017 führt Götz Kubitschek vom 2024 aufgelösten Institut für Staatspolitik in Schnellroda aus, dass er bereits 2009 in seinem mittlerweile vergriffenen Buch „Provokation“ Gefolgsleute und sich selbst ermahnt habe: „Lasst uns, wenn wir uns treffen, niemals harmlos über das Harmlose reden.“  

Die vielfältigen Verhinderungsstrategien gegen die rechte Gegenbewegung gegen das herrschende System seien erfolglos, würden aber viel beweisen: „vor allem die Angst davor, dass aus einer eingespielten Harmlosigkeit plötzlich etwas Ernstes würde, und dieser Ernst ist zunächst nichts anderes als die Eroberung des vorpolitischen Raumes zum einen und der parlamentarischen Verfügungsräume zum andern. Dies ist tatsächlich ein strategischer Vorgang, eine Frage der Durchsetzungskraft, der Macht, eine Ausweitung der sprachlichen, finanziellen und strukturellen Kampfzone, und daher ist auch das militärische Vokabular angemessen: Auch die Grünen lassen nicht nur in den Kosovo einmarschieren, sondern machen Wahl-Kampf.“

Die Methoden der Neuen Rechten

Bei dieser Auseinandersetzung kämen auf der Seite der Neuen Rechten drei ineinander verschränkte Methoden zur Anwendung. Die erste Methode bestehe darin, „in Grenzbereichen des gerade noch Sagbaren und Machbaren provozierend vorzustoßen und sprachliche oder organisatorische Brückenköpfe zu bilden, zu halten, zu erweitern und auf Dauer zum eigenen Hinterland zu machen.“ Das sei nichts anderes als die Etablierung neuer Gewohnheiten.

Die zweite Methode verhalte sich zur ersten Methode korrigierend. Es gebe in der militärischen Lehre den Begriff der Verzahnung. Dabei gehe es um die Auflösung klarer Fronten, um die feindliche Artillerie am gezielten Beschuss zu hindern. „Wenn klar wird, dass der Gegner über die stärkere Feuerkraft verfügt, verzahnt man sich mit den Truppen des Gegners, stößt vor, erobert ein paar Stellungen und sorgt für ein unklares Lagebild.“ So wisse der Gegner nicht, ob er mit einem Angriff nicht auch eigene Leute treffe, sodass er dann vielleicht auch nicht angreifen werde. Verzahnen bedeute auch, dass eine provozierende Sache nie ungeschützt unternommen werden und man nie alleine zu weit vorstoßen solle.

Der kleine Kobold auf der Schulter

Die erste und die zweite Methode dürften jedoch nicht das behindern oder gefährden, was für Wahlen und für Aufmerksamkeit in den Medien entscheidend sei: „die ‚emotionale Barriere‘ einzureißen, die zwischen dem Normalbürger und seiner Hinwendung zur politischen und vorpolitischen Alternative aufgerichtet ist. Diese Barriere ist ein vom politisch-medialen Komplex der Alteliten liebevoll gepflegtes Bauwerk. Es ist wirkmächtiger als jedes Verbotsverfahren, denn es ist noch in der Wahlkabine der kleine Kobold auf der Schulter des Wählers, der sein Kreuzchen bei der AfD setzen will.“ 

Die Methode, mit welcher diese „emotionale Barriere“ eingerissen werden könne, und das ist die dritte und wichtigste Methode zur Herrschaftserlangung, bestehe darin, „die Vorwürfe des Gegners durch die Zurschaustellung der eigenen Harmlosigkeit abzuwehren und zu betonen, dass nichts von dem, was man fordere, hinter die zivilgesellschaftlichen Standards zurückfalle“.  Es geht also um Selbstverharmlosung. Dass der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke in Sachen Selbstverharmlosung noch nicht sehr weit gehen möchte, dürfte daran liegen, dass er ohne seine Radikalität nur wenige Wähler in Ostdeutschland gewinnen würde. Für die Selbstverharmlosung ist bei der AfD deshalb im Moment noch Alice Weidel zuständig.

Keine Wirtschaftswende mit der AfD

Dass die populistische Doppelstrategie „Furor und Selbstverharmlosung“ in den letzten Jahren überaus erfolgreich war, lässt sich in Deutschland am Bundestagswahlergebnis vom Februar 2025 ablesen. Die AfD hatte ihr Wahlergebnis verdoppelt, und die Linke, welche die gleiche Doppelstrategie in den sozialen Medien verfolgt, konnte wider Erwarten in den Bundestag einziehen. Ein wirtschaftspolitisches Reformprogramm oder gar eine Wirtschaftswende haben die Wähler im Februar 2025 nicht gewählt.

Dennoch scheint es bei einigen im bürgerlichen Lager die Hoffnung zu geben, dass eine von der AfD tolerierte Minderheitsregierung der Union mit Stimmen der AfD wirtschafts- und energiepolitische Reformen beschließen und damit vielleicht sogar eine Wirtschaftswende herbeiführen könnte. Ignoriert wird bei diesen Überlegungen nicht nur, dass sich die ursprünglich als wirtschaftsliberal eingestufte Bundessprecherin und Fraktionsvorsitzende der AfD Alice Weidel bereits im Sommer 2019 mit Vertretern der „Konservativen Revolution“  wie Björn Höcke und dessen Spiritus Rector Götz Kubitschek machtpolitisch verständigt hat. 

Wird Deutschland unregierbar?

Ohne Höcke würde es eine AfD-Bundessprecherin Alice Weidel nicht geben. Alice Weidel ist personifiziertes Element der strategischen Selbstverharmlosung. Und Höcke und Kubitschek stellen sich ausdrücklich in die Tradition der Konservativen Revolution der 1920er Jahre und stehen für Anti-Kapitalismus und Anti-Globalisierung, weshalb mehr als fraglich ist, weshalb eine AfD für eine Wirtschaftswende, die diesen Namen auch verdient, stimmen sollte. Und ganz zu schweigen von der Russlandnähe der AfD, wieso sollte die AfD ohne machtpolitische Gegenleistung eine Minderheitsregierung der Union tolerieren und der Union zum politischen Erfolg verhelfen? Die AfD will seit Jahren politische Herrschaft gewinnen und hat bewusst seit Jahren auf die Herstellung von Koalitionsfähigkeit verzichtet.

Die populistische Doppelstrategie „Furor und Selbstverharmlosung“ war in den letzten Jahren auch in Deutschland überaus erfolgreich und dürfte das auch noch weiterhin bleiben. Die Verschleppung von ökonomischen und politischen Problemen, für welche die Parteien der Mitte verantwortlich sind, hat zu einer Polarisierung durch Problemverschleppung geführt, wodurch die politischen Ränder rechts und links gestärkt wurden. Im Moment sind deshalb politische Mehrheiten für durchgreifende ökonomische Reformen zur Rettung des Standortes Deutschland nicht in Sicht. Ähnlich wie in Frankreich könnte Deutschland in die Unregierbarkeit driften.

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Thomas Veit | So., 17. Mai 2026 - 16:29

Dann bietet doch was Besseres an, als die Rechtspopulisten - ihr Linkspopulisten...! 🤔

Günter Johannsen | Di., 19. Mai 2026 - 12:20

Antwort auf von Thomas Veit

„Vor einigen Wochen saß ich mit meiner Partnerin beim Vietnamesen in Heimstetten.. An der Wand gegenüber dem Eingang hängt ein Poster, auf dem ein „Bonsai-Baum“ zu sehen ist ... Zu Hause habe ich dann Bonsai-Baum gegoogelt. Nun wurde mit klar, warum ich so ein merkwürdig bedrückendes Gefühl hatte. Ich las .. : Mit Drähten bringt man die Äste der Heranwachsenden Pflanze in die gewünschte Form – die jungen Wurzeln werden ständig beschnitten und in einen zu engen Topf gezwängt, damit sie sich nicht ausbreiten können. Man muss auch .. eine neue Wuchsrichtung vorgeben. Ich musste nicht lange nachdenken, denn die Assoziationen drängten sich mir .. geradezu auf: Die Pädagogen der DDR-Volksbildung mussten .. unsere Zweige und Wurzeln beschneiden. Sie .. beschnitten unsere „Zweige“ in die Richtung, die vom SED-Regime vorgegeben wurde. Unsere jungen Wurzeln durften sich nicht ausbreiten, deshalb zwängte man uns in ein enges Korsett"
" aus "Als das Rote Meer Grüne Welle hatte“ GHV 2021"

Dr. Oliver Strebel | So., 17. Mai 2026 - 16:48

Der Analyse bezüglich popularer Methoden (Nutzung von Klima- und Migrations-Ängsten) stimme ich zu. Jedoch sind Links-Grüne heutzutage Optimaten im Sinne der Abgabe von Souveränität an überstaatliche Organisationen und ziehen mit den globalen "Großkopfeten" von Davos an einem Strang.

Die rechten Popularen wenden sich an die Lokalisten, die oft Globalisierungsverlierer sind (Corona, aktuelle Inflation). Daher rührt mE. der Erfolg von Reform-UK, AfD, RN, ... Im Osten ist die AfD mE. deswegen stärker, weil die Menschen dort weniger wohlhabend sind. Letzteres wird untermauert durch Untersuchungen der Ing-Diba von Ersparnissen.

Was unser Land braucht ist ein Kompromiss zwischen Globalisierungs-Gegnern und Befürwortern. Angesichts der rigiden Propaganda beider Seiten scheint der aber schwierig zu sein. Man kann nur hoffen, dass beide Seiten vernünftig werden und einlenken.

Dieses dritte Globaliesierungsereignes ist auch nur eine Etappe.
In einer zunehmend multipolaren Welt sehe ich sogar einen Widerspruch.
Die Globalisten, letztlich, für mich Trotzkisten, wollen das nicht wahr haben oder sind intellektuell überfordert. Der Kampf um Deutungshoheit im geopolitischen Ringen und der tatsächlichen Umsetzung angestrebter Ziele ist ein ewiges Geschäft. Schauen sie sich die Entwicklung der Menschheitsgeschichte von Anbeginn an.

Das weiss man, weil man Bronze mit Zinn aus afghanischen Gruben in England gefunden hat. Anhand der für Afghanistan typischen Verunreinigungen gelang dieser Nachweis. Das hat mir vor Jahrzehnten mal eine Freundin in der Oxford Ecyclopedia of Archeology gezeigt.

Die Globalisierung wird immer weiter laufen.

In unserem Land wurden jedoch globalisierungskritische Positionen systematisch ausgeblendet, als rückständig gebrandmarkt oder anders verächtlich gemacht. Das war der politische Fehler, der die aktuelle Spaltung herbeigeführt hat. Aber es ist nie zu spät zur Umkehr. Statt der brachialen Forcierung der Globalisierung wie in den letzten 35 Jahren brauchen wir eine vernünftige gesellschaftliche Debatte über die Gestaltung der Globalisierung an deren Ende Abstimmungen im Parlament stehen.

Eigentlich ist das ganz einfach und so wie die Mehrheiten sind, wird gar nicht so viel weniger Globalisierung herauskommen. Aber die vorurteilsfreie Debatte würde dem Land gut tun.

hier gefunden werden, bedeutet das noch lange nicht, dass sich auch die Menschen von dort hier befinden. Dass wir bei uns tropische Früchte kaufen können, ist keine Globalisierung, genauso wenig wie Völkerwanderung oder Kolonialisierung! Globalisierung bedeutet am Ende, dass es keine Unterschiede zwischen den Menschen mehr geben soll. Keine spez. Kultur, sozialen Eigenschaften, Wirtschaftssystem, Glaube, polit. System...Die Globalisierung, wie sie hier propagiert wird, soll ausschließlich einer reichen Minderheit noch mehr Macht und Reichtum verschaffen. Das kann nicht funktionieren, sieht man sehr gut an den dekadenten westeuropäischen Staaten.

Gerhard Hellriegel | So., 17. Mai 2026 - 16:54

Schlage vor, Artikel 1 des Grundgesetzes zu ändern: "Die Profitmaximierung ist unantastbar. ..."

Klaus Funke | So., 17. Mai 2026 - 17:36

Da hat er aber seine Allgemeinbildung aufblitzen lassen, der allerwerteste Herr Norbert F. Tofall, und sogar den Clodius Pulcher bemüht. Toll, nur leider ohne jede echte historische Einordnung. Das sollte nach was aussehen, beim Herrn Oberprimaner. Trotzdem bloßes verächtlichmachendes Geplauder. Wen will der Herr damit beeindrucken? Ansonsten sind seine "Ergüsse" allzu offensichtlich und voller politischem Neid. Der Erfolgreiche wird später nicht gefragt werden... ich bekenne, ich las den Artikel nicht zur Gänze, mich befiel ein "Interruptus"... und ich fand alles sehr weit hergeholt und bemüht, ein Analyst eben, mit einigen Knoten in den Ganglien. Setzen! Das Ziel wurde nicht erreicht. Sechs!

Markus Michaelis | So., 17. Mai 2026 - 17:38

Wo ich zustimme: D könnte wie FR (und GB und andere) in die (relative - gemessen an alten Maßstäben) Unregierbarkeit schlittern.

Was ich glaube ich deutlich anders sehe, ist das Bild von der "modernen, ausdifferenzierten Gesellschaft, für Recht, Freiheit, Alle und sonst alles Gute" auf der einen Seite und Populisten, die fälschlich das Volk mit billigen Scheinwerten für sich reklamieren, auf der anderen Seite.

Es gibt das alles, es gibt Leute, die fälschlich irgendein Volk für sich reklamieren, es gibt Gefahren. Gravierender scheint mir aber, dass die jetzige Mitte der Gesellschaft tatsächlich für sich beansprucht DIE ausdifferenzierte Gesellschaft, DAS Recht, DIE Demokratie, DIE Menschenrechte etc. zu vertreten, und das nicht nur für ein (imaginiertes?) Volk, sondern gleich für die Menschheit. Keine Nachdenklichkeit, kein Abwägen von Gegensätzen, kein Wahrnehmen oder Zuhören anderer Menschen, um all die gegensätzliche Buntheit erstmal wahrzunehmen - dann auch offen darüber zu reden.

eigentlichen Mitte ist nicht viel zu spüren, sehen wir einmal davon ab, das sie das erschafft, was andere verteilen. Dem Autor ist hoch anzurechnen, dass er Rechts-- u n d Linkspopulismus benennt. Jeder, der an die Macht kommen oder Massen für seine Ziele begeistern will, hat seinen Populismuskoffer dabei. Schon in der Steinzeit wird die Erzählung von fetten und bequemen Jagdgründen nötig gewesen sein, um die Leute auf Trab zu bringen. Sicher für einen angestrebt vernünftigen Zweck. Wie die Geschichte zeigt, kann Populismus aber auch Verderben bringen. Deutschland weiß ein Lied davon zu singen. Unfair bleibt, dass Populist en sich stets gegenseitig den Populismus vorwerfen, den sie selbst betreiben. Populismus zu erkennen, erfordert Bildung, insbesondere Geschichtskenntnisse, die dem Vernehmen nach gerade ausgedünnt werden sollen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. "Wer nichts weiß, muss alles glauben." (M. v. E. E.) Demokratie ohne gebildete, wahlreife Bürger? Schwer vorstellbar.

Rainer Mrochen | So., 17. Mai 2026 - 17:58

"die Gesellschaft politisch final zu beherrschen."
Uns was wollen die Etablierten in ihrem antidemokratischen Furor mit Brandmauer und so? Ich sag's ihnen. Nichts anderes! Sie hätten sich ihren Text sparen können.

Markus Michaelis | So., 17. Mai 2026 - 18:05

Vielleicht nochmal, was meine Kritik an "der Mitte" ist. Es war die Mitte, die zumindest vorgab und gibt mit der Mitte der Welt, der regelbasierten Ordnung, der Demokratie, den internationalen Institutionen usw. die richtige Ordnung der Menschheit vorzugeben, auch die Menschheitsziele, die anzugehen sind (Demokratie, Klima, Migration, einiges) ... alles schön und gut, aber vor realen Problemen steht man dann zu oft recht hilflos (Finanzsystem-Ungleichgewichte, wie umgehen mit Iran&Co, Ab- oder Aufrüstung, wie vielfältige Gesellschaften stabil halten, tausend Dinge). Da steht die Mitte auch oft recht hilflos und selber uneinig da. Man ist viel zu schnell dabei andere einfach als Menschenfeinde abzustempeln.

Die Mitte (wenn es sie denn einig gibt) darf gerne ihre Sicht zur Wahl stellen, vieles ist gut. Aber vieles funktioniert nicht, und da für sich die Menschheit zu beanspruchen oder als Rechtfertigung vorzutragen andere seien schlimmer, ist für mich zu unterkomplex.

Urban Will | So., 17. Mai 2026 - 19:27

chem Zeug aus der Römischen Geschichte, aber wo, bitteschön ist der Bezug zur Gegenwart? Die ist doch längst so, dass die größten „Populisten“, wenn man diesen Begriff trivial definiert, in der Mitte hocken. Alle katastrophalen Fehlentscheidungen der letzten Jahre, also Migration, Klima und Energie, wurden dem vom durch und durch einseitigen ÖRR hirngewaschenen Konsumenten als quasi „alternativlos“ präsentiert. Die Brandmauer, bzw. deren Begründung, ist übelster Populismus.
Nicht ein einziger Hinweis von Tofall auf die Tatsache, dass das Land gerade mit Volldampf an die Wand fährt. Und das sagen nicht die als „Populisten“ hier verschrienen, das sagen alle, die Ahnung von Wirtschaft haben.
Was soll denn der Quatsch mit der „Selbstverharmlosung“. Wie wäre es, wenn man einfach mal glauben könnte, dass die AfD nicht vorhat, KZ's zu bauen und einen Weltkrieg anzuzetteln und dies bis zur „Machtübernahme“ verschweigt?
Nein, was gerade abläuft ist Demokratie wie sie sein soll.

tollense09@aol.de | So., 17. Mai 2026 - 19:27

Demokratie ist laut Menschheitsgeschichte nicht die erfolgreichste Gesellschaftsordnung. Demokratie krankt am Status Quo, welches letztlich keine Entwicklung bringt, sondern nur sich selbst hemmt. Warum erhalten Links- und Rechtspopulismus immer mehr Zuspruch? Die Problemlösungsverschleppungen produzieren nicht die Populisten. Waren die revoltierenden DDR-Bürger auch Populisten?

Dagmar Lubig | So., 17. Mai 2026 - 19:36

dass was Sie eingangs beschreiben haben, dass passt wie "Faust aufs Auge" auf die EU - Führung, insbesondere auf die autokratisch agierende Frau von der Leyen.
Von Globalisierung reden, aber für die EU Sonderwege als populär anzupreisen und diese rücksichtsos durchzusetzen, um final die ganze EU zu beherschen, wobei deren Niedergang bereits eingepreist ist.
Das nenne ich Populismus in Reinkultur, so wie es die von Ihnen genannte Herren vor ewigen Zeiten auch praktizierten.

Karl-Heinz Weiß | So., 17. Mai 2026 - 20:04

Das sind durchaus interessante Gesichtspunkte. Diese erklären aber in keiner Weise den Erfolg der AfD von unter 5% (BT-Wahl 2013) auf aktuell 29%. Der neugewählte Papst hat es bereits nach einem Jahr im Amt begriffen: er hört sich deren Positionen an und setzt sich damit auseinander. Bei Friedrich Merz ist bezüglich der "Brandmauer" der Groschen immer noch nicht gefallen. Und deren geistige Urheberin Angela Merkel wird es nach 11 Jahren "unkontrollierbare Grenzen“ auch in den nächsten 11 Jahren nicht begreifen.

Wolfgang Borchardt | So., 17. Mai 2026 - 20:18

ist ein plakatives Beispiel für den realitätsfernen und katastrophal endenden Populismus von Links, den Links gewöhnlich Rechts anlastet.

Bernhard Kaiser | So., 17. Mai 2026 - 20:47

…. sondern liberal-konservativ und das Thema "Migration“ und "Volk“ war bis vor 30 Jahren noch Konsens aller Parteien der Mitte, insofern erübrigt sich der Rest dieses abstrusen Artikels …

Christa Wallau | So., 17. Mai 2026 - 21:31

Egal - ob von links, von rechts o. aus der Mitte: Jede Gruppe, die das Recht für sich beansprucht, im alleinigen Besitze der Wahrheit (des Richtigen) zu sein u. Andersdenkende
als gefährliche Gegner verunglimpft, ist ein Unheil für jedes Land, besonders dann, wenn es sich demokratisch nennt.
Der Geist dieser unheilvollen Arroganz, deren Hauptprotagonistin Angela Merkel war, wurde
2013 aus der Flasche gelassen, als eine neue Partei aus purem Eigennutz u. Angst um Deutungshoheit (Wahrheitsanspruch!) und Pfründe als inakzeptabel aus dem politischen Diskurs radikal ausgeschlossen wurde.
Das war die Ursünde, welche alle miserablen Entwicklungen der letzten 13 Jahre nach sich zog!
Es gäbe keine "Unregierbarkeit", die uns droht, wenn die damaligen Verantwortlichen in Politik und Medien sich als wahre Demokraten erwiesen hätten! Unser Land stünde heute viel besser da. Jetzt den rechten u. linken Rändern die Schuld für das Elend zuzuschieben, ist eine Beleidigung für jeden Klardenkenden.

Bernd Windisch | So., 17. Mai 2026 - 21:33

Die Popularen waren eine politische Richtung. Die Populares vertraten vor allem die Interessen des einfachen Volkes (der plebs) und versuchten, politische Reformen oft über die Volksversammlung durchzusetzen – auch gegen den Widerstand des Senats. Typische Anliegen waren z. B.: Landverteilungen an arme Bürger und Veteranen. Getreidereformen zur Versorgung der Stadtbevölkerung. Einschränkung der Macht des Senats zugunsten der Volksversammlung.

Ihr politisches Gegenlager waren die Optimates, die die Macht des Senats und die traditionelle Ordnung verteidigten.

Wenn die Grundannahme falsch bzw. beigebogen ist muss man über den Rest des Elaborates nicht mehr viele Worte verlieren.

Ungenügend.

Birgit | So., 17. Mai 2026 - 21:55

Ich konnte dieses Papier nicht zu Ende lesen. Könnte man sich nicht etwas substantiierter mit den Fragen auseinandersetzen?

GAW | Mo., 18. Mai 2026 - 00:24

Für die offene Gesellschaft, die kommt mittlerweile aus ihrer sogenannten Mitte, wobei die EU der besonderen Erwähnung bedarf.

Walter Buehler | Mo., 18. Mai 2026 - 08:52

... seine Interpretation der römischen Gruppierungen "Optimaten" und "Popularen" als neuzeitliche Parteien ist anachronistisch und ziemlich absurd.

In Rom gab es in völliger Selbstverständlichkeit sehr viele Sklaven und Unfreie. Staat und Politik waren allein Sache der kleinen "freien" (=liberalen?!) Oberschicht, zu der sowohl die Optimaten als auch die Popularen gehörten.
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Ebenso absurd ist die Identifikation von "Neuheidentum" als gemeinsame Ideologiebasis von linken und rechten Populisten.

Cäsar, den Mommsen so sehr bewunderte, kann ganz offensichtlich nicht zum "Liberalen" im modernen Sinne umetikettiert werden.
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Tofalls Versuch, Kommunismus (die Linke) und AfD im gemeinsamen religiösen Begriff "Neuheidentum" zusammen zu binden, ist ebenfalls ziemlich absurd. Denn dann wäre die Gegenposition (die gelobte "Mitte") die christliche Religion, also etwa die CDSU?!
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Wie wäre es, wenn alle, auch die AfD, sich öffentlich selbst vertreten dürften?

Günther Anderer | Di., 19. Mai 2026 - 10:04

der Ausgewogenheit herstellen soll? Dafür gibt es meiner Meinung nach derzeit keinen Bedarf. 40 % der 15jährigen können nicht rechnen und deutsch. Das ist unsere Zukunft.