Politischer Aschermittwoch - Cola light und das große Rumgehuber

Seit dem 16. Jahrhundert, als im bayrischen Vilshofen ein Vieh- und Pferdemarkt die Leute dazu animierte, über Politik zu streiten, begeht man in Bayern den Politischen Aschermittwoch. Auch Corona hat an dieser alten Tradition nichts geändert. Dennoch waren die Reden bei den Veranstaltungen von CSU, SPD, Grünen, FDP, Linken und AfD in diesem Jahr gedämpft und handzahm.

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Markus Söder beim Politischen Aschermittwoch 2021/ dpa

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Politischer Aschermittwoch der CSU 

Politischer Aschermittwoch der CSU im Digitalformat, das ist wahrscheinlich eine noch größere Herausforderung als ein virtueller Parteitag, wie ihn unlängst die CDU absolvieren musste. Denn das traditionelle Hochamt der Christsozialen in Passau ohne Bier und Blasmusik, ohne Festzeltstimmung und ohne die entsprechenden Ausdünstungen: Das ist eigentlich unvorstellbar. 

CSU-Generalsekretär Markus Blume hat deswegen sinnvollerweise gar nicht erst versucht, ein Massenevent im Studio nachzubauen (von ein paar Pappkameraden und einem Video-Screen mit grüßenden Parteifreunden abgesehen). Sondern er versetzte den Hauptredner Markus Söder in eine Art gute Stube, über deren symbolhafte Einrichtungsgegenstände sicherlich noch viel nachgedacht werden wird: Ein Kreuz über der Tür, ein Kachelofen, eine Eckbank, auf welcher der Vorsitzende platziert wurde. Und ein R2-D2-Spielzeugroboter etwas verloren in der Ecke. So das Aschermittwochssetting in Corona-Zeiten.

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Tobias Schmitt | Mi, 17. Februar 2021 - 16:24

Zum Schluss noch wie üblich über die AfD schimpfen, dann bleibt es besser hängen.

Derweil anderswo: Abschaffung des generischen Maskulinums im Duden; ein französischer Geschichtslehrer wird von seinen muslimischen Schülern mit dem Tode bedroht und schmeißt hin, weil er nicht sterben will; Deutschland kauft Atomstrom aus dem Ausland, weil der da viel sauberer ist; im Radio freut man sich, dass 2020 die Insolvenzen zurückgegangen sind - bis die Meldepflicht wieder eingeführt wird; Merkel sucht den Schulterschluss mit China, während China Uiguren in Umerziehungslager steckt und im Pazifik Insel okkupiert, auf denen es dann militärische Vorposten baut.

Mir würden sicher noch hundert andere Sachen einfallen. Liegt die AfD also falsch? Oder verpackt sie es einfach nicht so schön in Zucker, wie manche es gerne hätten? Die Wahrheit ist aber auch unangenehm.

Christa Wallau | Mi, 17. Februar 2021 - 17:46

In reply to by Tobias Schmitt

...und im Brustton der Überzeugung (unterfüttert mit stetiger Diskriminierung aller, die das Gegenteil behaupten) als WAHRHEIT verkauft, dann bleibt das bei den meisten Hörern irgendwann hängen. Man hat dann erreicht, daß Schwarz zu Weiß wurde.
Wie gesagt: Nicht bei allen Menschen funktioniert das, aber bei genügend Leuten, um mit deren Unterstützung seine "Wahrheit" durchsetzen zu können.

Die Erkenntnis der todsicheren Wirksamkeit dieser Methode ist nicht neu. Unter anderem hat sie Hitler in "Mein Kampf" als ein gutes Mittel gepriesen.

Es gibt keinen Ausweg aus diesem Dilemma. Nur gewaltige Erschütterungen
(Zusammenbruch der Wirtschaft, innere Unruhen, Kriege usw.) können das
Netz des Betruges und Selbstbetruges, in dem sich die Menschen in einem derartigen Staat befinden, wieder zerreißen.

Liebe Frau Wallau,
Hitlers Propagandaminister hielt sich dran, denn er sagte. man müsse nur die Unwahrheit oft genug wiederholen, ja sie förmlich herausschreien, dann wird einem geglaubt.

Und noch ein Satz, der Galileo Galilei zugeschrieben wird:
" Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf.
Wer sie aber kennt, und sie eine Lüge nennt, ist ein
Verbrecher "

Gerhard Lenz | Mi, 17. Februar 2021 - 18:06

In reply to by Tobias Schmitt

die Sie da herstellen. Die Bedrohung eines Geschichtslehrers in Frankreich, die Unterdrückung der Uiguren...

deshalb in Deutschland die rechtsextremistische AfD wählen?

Eine extremistische Partei wählen, weil anderswo Extremisten drohen oder unterdrücken?

Wie wäre es denn damit: Die AfD schleimt sich bei einem Putin ein, der Oppositionelle in letzter Konsequenz vergiften lässt, bei einem Assad, der das eigene Volk bombadiert, bei einem Trump, der die amerikanische Demokratie mit Füßen tritt. Lobt einen Orban, der den Rechtsstaat abschafft..

Aber man muss ja gar nicht ins Ausland:

Wer heutzutage nicht als Rechtsextremist bezeichnet wird, hat garantiert etwas falsch gemacht - Jens Maier.

Oder: Wir brauchen eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad! Bernd Höcke.

Oder: Corona gibt es nicht, man will nur per manipulierter Briefwahl Wahlfälschung betreiben!

Oder oder oder....es gibt viele schöne Beispiele, die auch erklären, warum sich der VS für die AfD interessiert.

Manfred Sonntag | Mi, 17. Februar 2021 - 18:52

In reply to by Gerhard Lenz

Herr Lenz, ob der Verfassungsschutz sich für die AfD interessiert ist vollkommen belanglos bei der gegenwärtigen Konstellation der pseudolinken und pseudoolinksliberalen Politikelite. Sie haben von Stalin, Mao der roten Hilde u.a.m. gelernt wie man Opposition ausschaltet, auch in den eigenen Reihen. Dabei können sie heute sogar mit tatkräftiger Hilfe der reichsten Milliardäre rechnen. Arte hat dazu 3 sehr gute Dokumentationen, den Herrn Murdoch betreffend: https://www.arte.tv/de/videos/098154-000-A/der-aufstieg-der-murdoch-dyn… ; https://www.arte.tv/de/videos/098155-000-A/der-aufstieg-der-murdoch-dyn… ; https://www.arte.tv/de/videos/098156-000-A/der-aufstieg-der-murdoch-dyn… . Herr Lenz, wenn Sie angesichts dieses Materials und vieler anderer Belege noch von westlichen Demokratien sprechen, haben Sie nicht verstanden, in welcher kaputten Welt wir leben. Herrn Murdoch praktiziert so wie es jetzt die Pharmakonzerne und die Bundesregierung machen.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 17. Februar 2021 - 17:05

eine Verlinkung zu den Videos, damit der geneigte Leser sich selbst einen Eindruck verschaffen kann, um dann die Sichtweisen der jeweiligen Berichterstatter abzugleichen und dazu detailliert Stellung zu nehmen, wäre doch wünschenswert gewesen.
So aber nehme ich die Meinungsvielfalt der Schreiber zur Kenntnis, ohne deren Aussagekraft bewerten zu können.
Ich erspare mir deshalb zu irgendeiner Aussage des Artikels eine Bewertung vorzunehmen.
Und nein, ich suche mir die Videos nicht selbst zusammen, um diesen Artikel inhaltlich zu kommentieren. Das erwarte ich eigentlich vom Cicero. Denn der Eindruck der einzelnen Autoren kann richtig, aber eben auch völlig falsch sein.

Bernd Muhlack | Mi, 17. Februar 2021 - 17:58

Er hat ja immer ganz tolle Reden gehalten, net wohr?
Ich hatte immer das Gefühl, dass er selbst gespannt war, was er als nächstes sagen würde!

Und seine wunderschönen Versprecher!

"In uns muss endlich wieder die gludernde Lot, äh, ludernde Glot ...äh ... lodernde Glut brennen!"

„Wenn heute eine Familie ein Kind bekommt, eine Frau mit ihrem Mann oder umgekehrt.“

„Ich werde noch kein Glas Champagner öffnen.“

„Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“

... und der Transrapid ... und der Problembär etc.

Edmund, du fehlst uns allen!

Aschermittwoch aussem Wohnzimmer?
Wie peinlich ist das denn?
Am schlimmsten san die zug´reisten Preissn, göll?
Da wollns auf hemdsärmlig machert, mei is dös deppert!
Its nice to be a Preiss but its higher to be a Bayer!

Man hätte sich das besser erspart, oder?
Das wäre auch für das Klima gut - weniger heiße Luft.

... und über ALLEM schwebt der ewige FJS!

"Es ist mir egal wer von der CDU unter mir Kanzler wird, haha!"

Hans Jürgen Wienroth | Mi, 17. Februar 2021 - 18:35

Der Cicero-Report über die politischen Aschermittwochsveranstaltungen scheint an die Reden angepasst. Schließlich geht es uns in unserem Land sehr gut, Corona und das (gesundheitliche) Überleben der Pandemie sind die einzigen Probleme. Immerhin wird die leidende Wirtschaft in 3 Reden erwähnt (mit Verb. zur Ökologie), ansonsten geht es nur um das Wohl der Bevölkerung. Dazu sind Wirtschaft und Arbeit nicht erforderlich, schließlich sind wir ein reiches Land. Wumms und Bazooka wurden zur Stütze der Wirtschaft aufgelegt, kommen nur leider nicht dort, sondern bei den armen Bürgern und der EU an.
Die von der Regierung zur Bekämpfung der Pandemie kassierten Grundrechte spielen keine Rolle – außer bei der AfD. Da kann man sie negativ unterbringen. Immerhin gibt es wenigstens bei den Grünen noch Werte im Programm, auch wenn nicht klar wird, welche das sein sollen. Die kann sich der Zuhörer wahrscheinlich selbst aussuchen – jeder seine eigenen. So wird wenigstens an alle gedacht.

Norbert Heyer | Do, 18. Februar 2021 - 07:19

Herr Söder ganz im Stile des kommenden Kanzlers vor stark konservativer Kulisse mit allgemeinen Floskeln der Politik. Alles wird digitaler, mit großer Bürgernähe und selbstverständlich - Steuersenkungen. Die SPD mit ihrem Hoffnungs-Kandidaten Scholz wird nach der Bundestagswahl Opposition sein, der untergehenden Sonne entgegen. Die FDP leicht kämpferisch, das Handeln des Parteivorsitzenden bei der MP-Wahl in Thüringen zeigt genau, was darunter zu verstehen ist. Herr Habeck von den Grünen will "weniger Einmischungen" des Staates - das wäre ja eine totale Umkehrung der Grünen. Die Linken wollen weiterhin die Armen reich machen und die Reichen zur Arbeit verdonnern. Die AfD hat die Mängel der derzeitigen Politik benannt - aber es ist völlig egal - diese Partei wird komplett von allen politischen Parteien bekämpt, verleumdet und gemieden. Sie wird niemals soviele Wahlstimmen erhalten, dass sie irgendeinen Einfluss gewinnen wird, sie wird entweder verboten oder ganz unbedeutend werden.

gabriele bondzio | Do, 18. Februar 2021 - 10:44

Äußerlichkeiten wie, Kreuz über der Tür, ein Kachelofen, eine Eckbank, sind nicht die Kriterien an dem ich den Polit-Stil festmachen würde. Aber Kraft des Amtes Kritiker (siehe Lütge oder Amtsarzt Pürner), ohne wenn und aber, aus ihrem Amt zu entfernen. Weil ihre Ansicht unbequem (nicht falsch!) ist und nicht ins eigene Konzept passt. Widerspricht völlig dem geäußerten Satz:“...grundlegende Prüfung für uns alle, die man gemeinsam bestehen werde“ ...

Robert Friedrich | Do, 18. Februar 2021 - 15:41

Cola Licht unter dem Kreuz, mein Stoßgebet:
Gott behüte uns vor diesem Manne, vor einem Habeck, dem Schnatterinchen und anderen Übeln.