Gebirgsjäger
Gebirgsjäger bei der Ausbildung / picture alliance/dpa | Daniel Löb

Plädoyer für Wehrhaftigkeit ohne Wehrpflicht - Soldat sein für die Freiheit

Der frühere Jugendoffizier David Matei plädiert in einem lesenswerten Buch für einen neuen Patriotismus – und für eine Bundeswehr, in der Soldaten aus Überzeugung dienen und nicht aus gesetzlichem Zwang.

Autoreninfo

Richard Drexl ist Oberst außer Dienst der Luftwaffe mit unter anderem langjährigen Erfahrungen im Bundesministerium der Verteidigung

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Die Botschaft erschließt sich schon im Titel: „Deutschland ist es wert – Warum ich geschworen habe, für mein Land zu kämpfen“. Für David Matei, ehemaliger Offizier der Gebirgsjäger und Jugendoffizier, verdient Deutschland nicht Gleichgültigkeit, sondern Loyalität, die im Ernstfall auch Verteidigungsbereitschaft erfordert.

Matei grenzt sich dabei bewusst von zwei Extremen ab. Deutschland müsse weder amerikanischen Interventionismus kopieren noch sich der Illusion hingeben, militärische Schwäche garantiere Frieden. Die Vereinigten Staaten hätten eine andere strategische Kultur. Europa dagegen müsse lernen, seine Freiheit selbst zu schützen. Denn Revisionismus lasse sich nicht durch gute Absichten aufhalten. Deutschland und mit ihm ganz Europa sei es wert, verteidigt zu werden. Diese Grundüberzeugung entwickelt der Autor nicht theoretisch, sondern autobiographisch. 

Vom Verweigerungswilligen zum Gebirgsjäger

Matei wollte ursprünglich den Kriegsdienst verweigern – mit Tricks bei der Musterung. Geld spielte bei seiner Entscheidung, sich schließlich doch zu bewerben, ebenso eine Rolle wie Abenteuerlust. Ausgerechnet dieser eher schmächtige junge Mann landet bei den Gebirgsjägern – einer Truppengattung, die kaum für körperliche Schonung bekannt ist. Er erlebt Überforderung, Selbstzweifel und Rückschläge. Der militärische Alltag besteht keineswegs nur aus Kameradschaft und Sinnstiftung, sondern oft auch aus Monotonie, beinharter Anstrengung und Frustration.

Den eigentlichen Kern des Buches bildet jedoch nicht die Ausbildung, sondern eine Idee. Matei beschreibt eindrucksvoll, wie sehr ihn das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform geprägt hat. „Unterschiedlicher hätten wir kaum sein können. Und dann zogen wir die Uniform an – und plötzlich waren wir alle gleich“. Innere Führung, Führen mit Auftrag und persönliche Verantwortung sind für ihn keine historischen Schlagworte, sondern gelebte Praxis. Der Soldat in unserer Armee dient eben nicht einem Regime, sondern einer freiheitlichen Verfassung. Genau darin liegt der fundamentale Unterschied zwischen der Bundeswehr und den Streitkräften autoritärer Staaten. Sein Verständnis des geschworenen Eides ist denn auch konsequent. Dieser ende nicht mit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst. Wer geschworen habe, bleibe seinem Land verpflichtet. Nicht juristisch, wohl aber moralisch.

Freiheit ist konkret

Matei führt die sicherheitspolitische Debatte auf die Lebenserfahrungen einzelner Personen zurück. Sein Vater wanderte aus der Unterdrückung in Rumänien nach Deutschland aus. Für ihn ist Freiheit damit kein abstrakter Begriff, sondern biographische Erfahrung.

Noch eindringlicher schildert Matei die Lebensgeschichte seines Freundes Anton. Dieser war 2015 nach dem von Russland angezettelten Bürgerkrieg in der Ostukraine mit seiner Frau geflohen. Ein Kirchenasyl verhindert die Abschiebung. Trotz Aufenthaltsgenehmigung meldet er sich nach dem russischen Angriff 2022 freiwillig zum Kampf in der Ukraine. Drei Jahre russischer Kriegsgefangenschaft waren die Folge. Als Matei ihn in Kiew wiedertrifft, ist sein Körper 53 Kilogramm leicht und von Folter gezeichnet, sein Lebensmut jedoch erhalten geblieben. Es sind Passagen wie diese, die das Buch aus der sicherheitspolitischen Theorie in die Realität holen. 

„Freiheit ist identisch mit dem Handeln“ zitiert Matei die jüdische Philosophin Hannah Arendt. Die Bedeutung von Freiheit wird dann unmittelbar erfahrbar, wenn Unfreiheit erlebt worden ist. Ein zweites zentrales Motiv ist Mateis Tochter. Freiheit ist, sein Kind morgens wie selbstverständlich in den Kindergarten gehen zu lassen und dort gut und sicher aufgehoben zu wissen. Gerade weil Sicherheit alltäglich erscheint, wird deren Wert aber unterschätzt. 

Warum sollten deutsche Soldaten Litauen verteidigen? Mateis Antwort verzichtet auf geopolitische Argumente. Freiheit und Sicherheit seien in Europa unteilbar. Wer die baltischen Staaten ihrem Schicksal überlasse, verteidige am Ende auch Deutschland nicht mehr. Er formuliert ebenso einfache wie unbequeme Fragen. Ein Beispiel: Wohin wollten wir denn fliehen, wenn Deutschland selbst besetzt wäre? Wer würde unsere Familien schützen? Wer Alte und Kranke versorgen? Kann und darf man aus dieser Aufgabe fliehen? Fragen, die sich eben nicht mit dem Hinweis beantworten lassen, der Krieg gehe Deutschland nichts an.

Patriotismus ohne Nationalismus

Matei beobachtet mit Verständnis die Wirkungen der eigenen Geschichte. Wundert sich aber dennoch, wie schwer sich Deutschland bis heute mit einem unverkrampften Patriotismus tut. Den Begriff selbst verwendet er sparsam. Lieber spricht er von Heimatliebe. Die gesellschaftlichen Konflikte werden greifbar, wenn Soldatenkinder hören müssen, ihr Vater sei als Soldat ein Mörder. Erfahrungen, die zeigen, dass Anerkennung für den Dienst in Uniform alles andere als selbstverständlich ist.

Gerade deshalb fordert Matei eine neue Debatte über den Wert des eigenen Landes. Seine zentrale Frage lautet nicht, was Deutschland versäumt habe. Sondern umgekehrt: Was Deutschland jedem Einzelnen ermöglicht. Diese Perspektive mag provozieren. Gerade deshalb lohnt die Auseinandersetzung.

Gegen Zwang

Zunächst überrascht Mateis Position zur Wehrpflicht. Er wirbt für eine deutlich stärkere Bundeswehr, lehnt aber die Wiedereinführung des Pflichtdienstes ab. Überzeugung lasse sich nicht verordnen. Loyalität entstehe nicht durch Verwaltungsakte. Eine moderne Armee brauche motivierte Freiwillige statt widerwillig Verpflichtete. Klasse gehe vor Masse. Vertrauen sei die Grundlage jeder freiheitlichen Ordnung. Mateis Buch unterscheidet sich wohltuend von mancher politischen Stellungnahme, in der sicherheitspolitische Probleme vor allem organisatorisch gelöst werden sollen.

Matei schildert schließlich auch seinen ungewöhnlichen Weg als Influencer und Content Creator, der ihn bis nach Washington und zu NATO-Gipfeln geführt hat. Auch dadurch wuchs seine Überzeugung: Europa darf sich nicht mehr auf amerikanische Sicherheitsgarantien verlassen. Es muss selbst Verantwortung übernehmen. Die zentrale Botschaft lautet: Wer den Wert eines demokratischen Gemeinwesens erkannt hat, nimmt seine Verteidigung in die eigene Hand.

Dieses Buch erscheint zur richtigen Zeit. Es gibt einer Generation eine Stimme, die Sicherheit und Freiheit zusammen denkt. Man muss nicht jeder Schlussfolgerung zustimmen. Man sollte sich jedoch auf seine Fragen einlassen, um eigene Antworten zu finden. Denn die betreffen uns alle.

David Matei: „Deutschland ist es wert“, Herder Verlag, Freiburg 2026, 160 Seiten, 18 €.

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Ingo Frank | Mo., 13. Juli 2026 - 14:33

Patriotismus einen heißen Tipp: in jeder Kompanie gab es einen „Politnik“ ein Offizier der für die richtige geistige Linie der Kompaniemitglieder, vorrangig der Soldaten und Unteroffiziere, verantwortlich war.
Auch das nur mit mäßigem Erfolg, aber immerhin
Mit freundlichen Grüßen a d Erf. Rep.

Dr. Oliver Strebel | Mo., 13. Juli 2026 - 14:39

Für die NATO sollten weiterhin Zeitsoldaten und freiwillige Wehrpflichtige abgestellt werden.

Was passiert jedoch, wenn D Nukleartreffer abbekommt? Überlassen wir dann Millionen von Strahlenverletzten sich selbst? Die Polizei wird dann dem massenhaft auftretenden Phänomen von plündernden und verm. bewaffneten Banden nicht mehr Herr. Geben wir unsere Zivilisation dann einfach auf?

Wir brauchen eine Zivilschutzarmee die nach vielen Millionen bemisst, weil man immer nur einen Teil für solche Aufgaben heranziehen kann, denn das Land muss ja auch weiterlaufen. 5 Wehrübungen a 14 Tage reichen, um Zivilschutzsoldaten an Handwaffen, Patroulliendrohnen usw. auszubilden. Alternativ wird man 3 Monate am Stück zur Pflegehilfe ausgebildet und kann sich um Verletzte kümmern.

Da man in diesem Land eine hervorragende Schulbildung erhalten hat und in ziemlicher Sicherheit aufgewachsen ist, ist es in Bezug auf Freiheitsrechte nicht zu viel verlangt, bis zu 3 Monaten zu dienen.

Klaus Funke | Mo., 13. Juli 2026 - 15:43

Eine Regierung, derzeit "geführt" von Friedrich Merz, die unser Land in absehbare Wohlstandsverluste und soziale Katastrophen führt, die außenpolitisch im Blindflug operiert und einen Krieg gegen die Atommacht Russland anvisiert, ein solches Land unter einer solchen Führung ist nicht verteidigungswürdig. Das bedeutet unsere Kinder und Enkel werden als Kanonenfutter eingesetzt. Unsere Bundeswehr - es widerstrebt mir "unsere" zu schreiben - ist nicht fähig unser Land auch nur 3 Tage zu verteidigen. Es gibt für die Zivilbevölkerung keinerlei Schutz. Für wen sollen unsere Kinder und Enkel ihr Leben einsetzen? Für eine Parteienhierarchie und eine Nomenklatura, die keinen Schuss Pulver wert ist. Man stelle sie sich vor, diese "Fachleute", Klingbeil, Pistorius, Wadephul and all... eine Frechheit und Unverfrorenheit von Herrn Matei & Konsorten uns so etwas zu servieren. Was bilden sich diese Leute ein?! Pardon, auch von CICERO eine Unverfrorenheit ohne Beispiel. Wofür hält man uns?

als hätte ich diesen Artikel schon einmal gelesen. Ein Déjà-vu? Noch 1990 hätte ich dieses Land verteidigt, weil es das Wert gewesen wäre. Heute bestimmen Leute, die keinerlei Werte haben, welche wir ggf. mit unserem Leben zu verteidigen haben. Für diese Pharisäer, Judasse, Heuchler, Psychopathen habe ich nicht vor, auch nur einen Finger zu krümmen. Warum sollte ich für eine kriminelle Clique mein Leben riskieren? Was die von uns halten, haben die unsäglichen Coronajahre ganz deutlich gezeigt. Was sie von Demokratie und Rechtsstaat halten, erkennen wir an ihren Gesetzen, an ihren radikalen, totalitären Äußerungen, einem Parlament, das einer Berliner Brennpunktschule alle Ehre machen würde, einer Regierung, die Wohlstand und Rechtssicherheit zerstört, die radikale Minderheiten über die Mehrheitsgesellschaft stellt, die biologische Gesetze umdefiniert und und und! Reinhard Mey: Nein, meine Söhne geb’ ich nicht.
Mich auch nicht! Bei Herrn Matei hat die Hirnwäsche wohl voll funktioniert.

Inana | Mo., 13. Juli 2026 - 16:03

Solche Influencer sind letztendlich oft selbst einfach Teil moderner Werbekampagnen, auch wenn es ihnen oft gar nicht bewusst ist. Aber es hat natürlich Gründe, warum solche Leute gepuscht werden. Man kann über solche Kanäle dasselbe Thema, was ja eh auf allen Kanälen läuft, einfacher, persönlicher und moralischer bespielen.
Nur gerade dieses Persönliche macht die Botschaft dann natürlich auch sehr simpel. Und das hier scheint schon sehr simpel zu sein. Militärdienst ist Pflicht gegenüber dem Super-GG, dient der Gemeinschaft und die europäische Sicherheit ist halt "unteilbar". Interessen, Macht, die real existierende Politik werden dann ausgeblendet und dazu strittige Punkte, wie potentielle Interventions- und Machtpolitik und "Pflichtelemente".
Was es schon auch sehr nach PR klingen lässt.

... Patriotismus, sondern nur die gewöhnliche Schlauheit, sich in schweren Zeiten ohne großen Aufwand eine lukrative Einnahmequelle zu sichern.

Was ist heute da besser als ein Influenzer im Auftrag der Regierung? Wenns schlimm kommt, influenzt er wahrscheinlich schnell in Abu Dhabi, so schlau ist er bestimmt. In Abu Dhabi oder Singapur trifft er all die anderen Helden, die ihr Vaterland in die jetzige Misere gebracht haben.

Sie treffen den Punkt, indes ist alles nicht lustig und zum Lachen, es ist eine schlimme Sache, dass unser Land in diesem Zustand ist. Man kann nur hoffen und beten, dass man uns in Ruhe lässt, denn wir sind auf gar nix vorbereitet. Auf überhaupt nix. Blind und taub und wehrlos hat man uns gemacht - und dann von Patriotismus schwätzen. Eine Frechheit!

Ingbert Jüdt | Mo., 13. Juli 2026 - 18:06

Besten Dank auch, da ist mein Interesse an Artikel, Buch und Autor schon vergangen! Die Bundeswehr verteidigt nicht nur ein Land oder eine »freiheitliche Verfassung«(TM), sie setzt erforderlichenfalls auch die Konsequenzen der Außenpolitik um. Da sollten sich die strategischen Einschätzungen nicht in nachgeplapperten Dümmlichkeiten wie den zitierten erschöpfen. Leider entsprechen diese dem Niveau, auf dem Deutschlands politische Elite mit Leben und Tod (zur Zeit noch anderer) umgeht: realitätsverweigernd, großmäulig und verantwortungslos!

Bernhard Kaiser | Mo., 13. Juli 2026 - 21:52

…. „Deutschland ist es wert – Warum ich geschworen habe, für mein Land zu kämpfen“, man kämpft NIE für sein Land oder seine Mitmenschen oder gar seine Familie, sondern IMMER für ein kriegsgeiles, korruptes Regime mitsamt korrupter Rüstungskonzerne, das alle möglichen Interessen hat, nur nicht das eigene Land oder gar die eigene Bevölkerung zu schützen, denn ansonsten wäre FRIEDEN und kein Krieg!! Die Ukraine ist das beste Beispiel, 2022 wurde bereits ein Friedensvertrag mit Russland in Istanbul unterzeichnet, der hinterher durch Boris Johnson im Auftrag der korrupten EU-Oligarchie wieder zunichte gemacht wurde, die Ukraine soll ausbluten bis zum letzten Mann!! Das einzige was ich tun werde, ist meinen Sohn in Sicherheit bringen bevor die Kriegstreiber in der Regierung tatsächlich unser Land in einen Krieg gegen Russland reinziehen, was sie mit allen Mitteln versuchen ….

Sunstreet | Mo., 13. Juli 2026 - 23:22

Der typische deutsche Journalismus. Statt Fakten und Recherche werden Geschichten erzählt. Ist doch prima wie dieser Influencer zu einem Vorzeigestaatsbürger wird. Sämtliche Klischees und Narrative werden erfüllt. Das tolle Gefühl des Zusammenhalts durch die Uniform und die gemeinsamen Ziele, das Erkennen der Wichtigkeit dieses Tuns für unsere Demokratie und Freiheit und natürlich darf auch die Tochter als Herz-, Schmerz-Zukunftssicherung nicht fehlen. Und dann natürlich noch das zufällige Kennenlernen des Helden Anton. Der sich für seine Ukraine und unsere Freiheit opfert und den er nach Jahren wieder zufällig trifft.
Genauso zufällig sind wohl auch die Einladungen an Matei zu den aktuellen Tagungen und Veranstaltungen der NATO einzustufen! Die Propagandamaschine läuft auf Hochtouren und Herr Drexl ist beim Cicero die Speerspitze dieser olivgrünen Kampagnen. Nein Herr Drexl, wir benötigen keine (erfundenen) Mateis, wir benötigen Helden die für den Erhalt des Friedens „kämpfen“.

IH | Di., 14. Juli 2026 - 10:13

…. hat also diese sehr elaborierte Rezension verfasst. Da verwundert die Begeisterung nicht.

Klaus Funke | Mi., 15. Juli 2026 - 12:50

Wenn ich mir das Bild der mit "Schuhcreme" eingeriebenen Soldatenimitatoren anschaue, dann fürchte ich mich, zugleich aber muss ich einen Lachkrampf unterdrücken. Was will denn diese Gruseltruppe? Wem wolle sie Angst machen? Den Russen? Ist doch lächerlich. Und irgendwie ist mir an dem Bild aufgefallen: Die haben irgendwie alle zu kurze Beine. Kommen dahergestiefelt wie die angeputzten Gartenzwerge. Ein Witz. Nee, mit unserer Bundeswehr blamieren wir uns international bis auf die Knochen. Die kann man einfach nicht ernstnehmen. Die armen Jungs. Was ist bei denen bloß schiefgelaufen, dass sie sich so verschandeln müssen? Hoffentlich hat Putin ein Einsehen und greift uns nicht an. Bitte, Wladimir, schau sie Dir an, die deutschen Soldaten. Aber bitte, fang nicht an zu lachen...