„Die Fifa ist nicht mehr der wahre Hüter des Sports“, sagt der Philosoph Gunter Gebauer
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Philosoph zur Fifa: - „So wie es eine Energiewende gibt, fordere ich eine Sportwende“

Die Kritik an der Fifa erreicht auch die Geisteswissenschaften: Der Berliner Philosoph Gunter Gebauer hält den Weltfußballverband nicht mehr für glaubwürdig. Für die WM in Katar zeigt er die Rote Karte

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Der Berliner Philosoph Gunter Gebauer sieht die Werte des Sports nicht mehr beim Weltfußballverband Fifa gelebt. „Momentan sind sie nicht die wahren Hüter des Sports, für die sie sich ausgeben“, sagte er dem Magazin Cicero. In seine Kritik schloss er auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit ein. Beide Verbände müssten „den Kampf gegen die eigene Unglaubwürdigkeit aufnehmen“, betonte er. „So wie es eine Energiewende gibt, fordere ich eine Sportwende.“

Gebauer, der an der Freien Universität Berlin auch Soziologe und Sportwissenschaftler ist, schloss sich den Cicero-Kritikern an einer Fußball-Weltmeisterschaft in Katar 2022 an. Gegen eine Austragung in dem Wüstenstaat sprechen aus seiner Sicht etwa das Klima sowie die fehlende Fußballinfrastruktur. „Die Kataris spielen keinen Fußball! Sie werden dafür bezahlt.“ Nach Recherchen der französischen Sportzeitung L'Équipe würden selbst die Zuschauer bezahlt, damit sie sich in der sengenden Hitze hinsetzten. „Die geben Gastarbeitern 50 Dollar, damit die Stadien voll werden“, sagte Gebauer.

Hinsichtlich der WM in Russland 2018 zeigte sich der Philosoph unsicher, ob man dem Staat die Rote Karte zeigen müsse. „Es war nicht unbedingt absehbar, dass hier solche Spannungen entstehen würden.“ Vor der Ukraine-Krise habe sich Wladimir Putin in ein ganz anderes Licht gerückt. Er habe sich flexibel und als ein Freund des Sports ausgegeben.

Während der Olympischen Spiele in Sotchi habe man allerdings sehen können, wie sich Putins Haltung veränderte. „Ihm stieg offenbar die internationale Anerkennung, sein Großwerk, zu Kopf“, sagte Gebauer. „Mir kam es vor, als hätte er da von seinem Krim-Sekt getrunken und nun fährt er seinen Zug gen Neurussland.“

Der Sportphilosoph rief auch die Öffentlichkeit zur Verantwortung: Ob bei der Fifa und dem IOC etwas passiere, hänge letztlich davon ab, ob sich der Widerstand auch außerhalb der Sportverbände formiert. „Ich habe den Eindruck, dass das der Fall ist.“

Auch Sie können sich diesem Widerstand anschließen. Schreiben Sie uns unter rotekarte@cicero.de. Die Redaktion behält sich eine Veröffentlichung vor.

Aufgezeichnet von Sarah Maria Deckert.

 

 

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