Angela Merkel im Bundestag
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der letzten Regierungsbefragung in ihrer Amtszeit / dpa

Der Blick von außen auf die Ära Merkel - „Die Zukunft Deutschlands – ein Schloss im Nebel“

In einer sechsteiligen Folge ziehen Beobachter aus dem Ausland eine Bilanz der Amtszeit von Angela Merkel. Hier schreibt der bulgarische Politologe Ivan Krastev, warum von der politischen Agenda der Bundeskanzlerin in Wahrheit nicht viel übrig geblieben ist.

Autoreninfo

Ivan Krastev, geboren 1965, ist ein bulgarischer Politologe und Politikberater. Fotocredit: IWM / Klaus Ranger & Zsolt Marton

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Ivan Krastev

„Geschichte und Gesellschaften kriechen nicht“, schrieb der Autor von „The Black Swan“, Nassim Taleb, „sie machen Sprünge“. Und wir sehen wichtige Veränderungen in Gesellschaften meist nicht kommen, weil wir sie nie anstreben – es sind die großen Krisen, die Veränderungen hervorbringen. Die Frage ist also, ob die Kombination aus Corona-Pandemie und Angela Merkels politischem Abgang die deutsche Gesellschaft zum Sprung zwingen wird, ob der Regierungswechsel die Art und Weise verändern wird, wie Berlin sich selbst und die Welt sieht. Und wenn Deutschland springt, in welche Richtung wird es das tun? Die kurze Antwort lautet, dass Deutschland immer noch hofft, dass Berlin nur weitergeht, während andere springen.

Selbst nach Merkels Abgang scheint Berlin immer noch bereit zu sein, einen Status quo zu verteidigen, den es nicht mehr gibt. Es sollte nicht überraschen, dass die deutschen politischen Eliten (wahrscheinlich mit Ausnahme von Bündnis 90/Die Grünen) nicht in Sprunglaune sind. Wie der Diplomat Thomas Bagger aufschlussreich beobachtet hat, war „das Ende der Geschichte“ eine amerikanische Idee, aber sie ist zu einer deutschen Religion geworden. Was die Deutschen daran faszinierte, war, dass es sie sowohl von den Lasten der Vergangenheit als auch von den Ungewissheiten der Zukunft befreite. In den Augen der deutschen politischen Eliten ist die Anerkennung des Endes der liberalen Ordnung nach dem Kalten Krieg gleichbedeutend mit einer moralischen Übertretung.

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Juliana Keppelen | Sa, 2. Oktober 2021 - 16:34

nicht viel übrig?
Vielleicht weil da gar keine politische Agenda war ausser der Imagepflege fürs eigene Ego.
Nur auf Sicht fahren und tagespolitisch reagieren ist halt noch keine zukunftsorientierte Poltitik. Allerdings ob die "danach" Generation etwas ändern wird oder will da bin ich mir nicht so sicher. Denn auch die eigentliche "danach" Generation war zum Teil in den letzten 16 Jahren im Parlament vertreten und hat oft kritiklos der Alternativlosigkeit Beifall gezollt.

Sabine Lehmann | Sa, 2. Oktober 2021 - 16:41

Als Physikerin kennt sich Angela Merkel bestimmt auch mit Astrophysik aus. Mit schwarzen Löchern, dem Andromeda-Nebel und natürlich mit den Sternen.
Der Mond, auf den ich sie gerne hin und wieder geschickt hätte, den lasse ich jetzt mal außen vor;-)
Sie war so gerne Kanzlerin, nur mit Politik hatte sie nicht viel am Hut. Während sie im Kanzleramt alles, wirklich alles ausgesessen hat, mussten alle anderen ausbaden, was sie versäumt, verschlafen oder ignoriert hat. Einen politischen Gestaltungswillen,geschweige denn eine Fähigkeit dazu, existierte aber nach m.E. nicht.
Als es dann dem Letzten in dieser Republik dämmerte, welche Koryphäe da am Werk war, drehte man den Spieß einfach um. Alles andere wäre einfach zu peinlich für Deutschland geworden. Ein riesiges „Orchester“ spielte uns nun das Loblied einer über allen Sphären schwebenden Physikerin, die mit nebulöser Rhetorik fast schon eine neue Philosophie kreierte. Die perfekte Propagandamaschinerie für eine hohle Nuss, sorry.

"Ein Stern der ihren Namen trägt..." schreiben Sie.

Gibt es nicht einen Song mit ähnlichem Titel von DJ Ötzi?
Der Knabe mit der selbst gehäkelten oder geklöppeltem Kopfbedeckung; erinnert an eine Kippa.

Ich meine mich zu erinnern, dass eine Blume (Rose, Orchidee?) nach ihr benannt wurde - keine Ahnung.
Jedoch gibt es hier ja einen selbst ernannten Schnell-Checker - max 60 sec!
Dann ist die passende "Wahrheit" gefunden.

"Sie war so gerne Kanzlerin, nur mit Politik hatte sie nicht viel am Hut."
Frau Lehmann: dieser Satz ist klasse!👍
Mein erstes Zeugnis - ewig her:
"Bernd ist ein braver u kluger Schüler; gelegentlich beteiligte er sich auch am Unterricht. Versetzt in Klasse 2"
So mancher ist sich eben selbst genug - einem Erstklässler sollte man das nachsehen. Bei einer Kanzlerin sind jedoch andere Kriterien gefragt.

Ohne ihre Berater (insbes. Frau Christiansen) sowie Regierungssprecher Seibert, hätte die Kanzlerin massive kommunikative Probleme.
"SIE kennen mich!"
das muss reichen!

Christoph Kuhlmann | Sa, 2. Oktober 2021 - 16:45

Führungsrolle in der EU mehr hat. Der nationale Diskurs unterscheidet sich in der Migrationsfrage deutlich vom europäischen und was die Schulden angeht kann man nur noch sagen, "hey verschuldet euch wenn ihr wollt, aber erwartet nicht das andere die Zeche zahlen." Eine weitere gemeinsame Schuldenaufnahme wird es mit Sicherheit nicht geben.

"Eine weitere gemeinsame Schuldenaufnahme wird es mit Sicherheit nicht geben."
Eine steile These. Wie kommen Sie darauf?
Die Planungen laufen doch genau andersrum. Olaf Scholz plant eine EU-weite Arbeitslosenversicherung. Und wer wird die Kassen dafür füllen? Wer darauf tippt, daß der Name mit "D" anfängt, hat gewonnen. Die Gelddruckerei und Schuldenaufnahme geht selbstverständlich weiter. Außerdem werden mit deutschem Geld großzügig irgendwelche Phantasieprojekte in den ach so armen Ländern bezahlt, deren Bewohner drei- und viermal so reich sind wie die Deutschen.
Deutschland sollte jedes Jahr seine Zuwendungen um 10% kürzen. Wer uns dann nach 10 Jahren noch liebt, meint es ernst. Genau das gleiche gilt für die Zuwendungen an Migranten aus aller Herren Ländern. Auch diese sollte sukzessive gesenkt werden. Insbesondere Ausreispflichtige müssen auf Naturalien umgestellt werden und auch das nur eine zeitlang. In anderen Ländern funktioniert das wunderbar. Nach einer Weile sind die weg

Clara Schwarze | Sa, 2. Oktober 2021 - 17:16

Wer sich etwas mit jungen Menschen beschäftigt hat weiß v.a. eins - die "Klima-Krise" ist gar nicht deren einziges Thema. Sondern bei FfF ist viel PR drin.
Und dazu kommt noch, dass die klimabewegten Jugendlichen die es gibt, damit was völlig anderes meinen, als das was reininterpretiert wird.
Man sieht immer häufiger klima-euphorische Politiker, die das jetzt als Carte Blanche für Steuer-Erhöhungen und dazu "die Freiheit neu zu definieren" sehen.
Das ist aber überhaupt nicht, das was junge Menschen wollen. Die wollen einen guten Job, was erleben, die Welt sehen und nicht dass "wegen Klima" das Fliegen verteuert wird und außerdem auch sonst alles teuer.
Womit wir beim eigentlichen Problem des Westens wären. Er hat zunehmend weniger zu verteilen.
Wer allerdings auf die Idee verfallen ist, dass die Selbstlegitimation wegen der "Klima-Apolypse" das ausgleicht - muss sich auch Fragen gefallen lassen.

Rob Schuberth | So, 3. Oktober 2021 - 12:30

In reply to by Clara Schwarze

Werte Frau Schwarze, ist es das in etwa was Sie uns sagen wollten?

Zumindest habe ich es so verstanden.
Passend zu dem Ewergreen...not in my backyard, in dem ich zumindest eine Analogie erkenne.

Es mangelt den jungen Menschen aber auch an der Erkenntnis, dass die guten Jahre vorbei sind.
Ewiges Wachstum geht nicht. D. h. wir alle werden kürzer treten müssen, oder unsere Nachfahren werden schon bald nicht mehr treten können.

Ihre Gedanken, was die Jugendlichen wirklich wollen, die kann ich durchaus bestätigen. Nur mit dem Bekommen, das wird für diese Generation und ff deutlich schwerer werden.

Karl-Heinz Weiß | So, 3. Oktober 2021 - 18:11

In reply to by Clara Schwarze

Es spricht viel für Ihre Ansicht-vor allem die Präferenz der Erstwähler für die FDP. Das sollte allen klimabewegtem Kommentatoren zu denken geben. Deutsche Sonderwege und deutsche Nabelschauen waren noch nie gut. Interrail-Tickets für jeden Schulabgänger würden mehr zu einem europäischen Bewusstsein der Jugend beitragen als die nervigen Auftritte von Thunberg, Neubauer und Co.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 2. Oktober 2021 - 17:38

Ich bin überzeugt davon, wenn Merkel endlich weg ist, das wird aber noch dauern, sich über kurz oder lang auch diese EU auflösen wird. Die können noch soviel Geld drucken wie sie wollen, sich noch so in ihre erdachte Pandemie hineinsteigern, die Menschen machen das so nicht mehr mit. Leider wird ja in DE nicht über die vielen Proteste weltweit gegen die Coronamaßnahmen berichtet. Auch unser Alltag spiegelt täglich mehr und mehr wieder, dass die Menschen die Schnauze voll haben. Immer absurdere Regelauslegungen, immer mehr wird das Volk als "Aufpasser" über die "bösen" anderen benutzt, so langsam zieht das alles nicht mehr. Und wir sind nicht allein. In Europa tritt an die Stelle der EU-Begeisterung inzwischen EU-Gleichgültigkeit bis hin zur Ablehnung. Das dicke Ende kommt noch, wenn wir die EU nicht mehr finanzieren können. Es wird noch eine Zeitlang so weitergehen, dann aber kommt der große Knall. Nein, nicht durch das Klima Gedöns, sondern wegen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs.

Gerhard Lenz | Mo, 4. Oktober 2021 - 11:12

In reply to by Ernst-Günther Konrad

Deswegen hat die AfD bei der Wahl 2 Prozent verloren. Und die Covidiotentruppe "Basis" ist bei sensationellen 1,4 Prozent gelandet.

Eindrucksvoll. Der gewaltige Zuwachs.

Aber: "So lange zieht das nicht mehr. Und wir sind nicht alleine."

Bei der Bewältigung der "erdachten Pandemie".

Ich glaube ja eher, dass das Volks von solchen "Meinungen" die Schnauze voll hat.

... nur noch mit viel Glück im Bundestag vertreten sind ... und das, obwohl ich sie früher mal gewählt habe. Wie Sie schreiben: Das Volk hat die Schnauze voll - offensichtlich noch mehr von den "Dunkelroten" ... zum Trost dürfen sie wieder in FDJ-Uniformen ihre Umzüge veranstalten, die noch weniger sehen wollen ;)

Wolfgang Dubbel | Sa, 2. Oktober 2021 - 17:46

Dem kann man nur beipflichten

Heidemarie Heim | Sa, 2. Oktober 2021 - 18:13

Und deshalb muss man diesen Beitrag von Herr Krastev erst mal verdauen;). Beim Blick von außen auf die Ära Merkel, dachte ich :"OK, die nächste Ode auf die Kanzlerin und uns undankbares Volk, das immer alles schlecht redet wo es uns doch so gut geht im Gegensatz zu allen Anderen;)! Aber Überraschung! Da sagt uns einer durch die Blume, dass wir weiter unsere German Angst vorm Springen pflegen, gern Sprüche bezüglich unserer überragenden Werte klopfen und wenn es really ernst wird zücken wir halt das Portemonnaie um das gröbste abzudecken u. die Gemüter zu beruhigen. Macht dann jemand immer noch Ärger und will sich nicht belehren lassen von unserem netten deutschen Wesen, welche sich auch zahlreich in Brüssel finden, gibt`s Liebesentzug. Ansonsten beschäftigen uns Vorgänge wie aktuell
die heikle Lage an Litauens Grenze, sollen doch die Polen helfen! (was diese brav machen!), nur peripher. Eine kurze Meldung in der Tagesschau reicht doch völlig aus. Die reinste EU-Affenliebe;).
Danke!

Rob Schuberth | Sa, 2. Oktober 2021 - 18:48

Ich habe mir soeben auch noch andere Quellen angesehen.

Liberalität. Das Steckenpferd des Autors. Voll ok, aber halt auch klar wie und was er dann über/zu Merkel schreiben wird.

Ich hoffe der 6. Artikel dieser Lobhudelei über Merkel ist bald vorbei.

Andererseits auch gut.
So habe ich mich über Autoren informiert die mir zuvor unbekannt waren.

Markus Michaelis | Sa, 2. Oktober 2021 - 19:35

"Die Deutschen waren davon überzeugt, dass es ausreicht, wenn andere dem deutschen Modell folgen, und schon wird alles gut."

Diese Aussage und im Wesentlichen auch den Rest des Artikels sehe ich ähnlich. Das macht mir auch etwas Angst: in Deutschland sind sehr viele maßgebliche Kreise davon überzeugt, dass sie universell-globale Ideen für alle Menschen vertreten. Das wird daher auch weniger als "deutsches Modell", sondern mehr als weltoffen, zukunftsfähig, universell gesehen. Wie wird sich das entladen, wenn es auf die buntere Realität stößt?

Warum gerade die Grünen bereit zum Springen sein sollen, verstehe ich nicht. Mir scheinen sich gerade die Grünen an die Exzeptionalität der eigenen Mission zu klammern. Wie reagiert das, wenn man erkennt, dass man nur eines von vielen Rädern in der Welt ist?

gabriele bondzio | So, 3. Oktober 2021 - 09:51

ist die Zukunft unseres Landes allemal. Wenn ich darüber nachdenke, was ein geeintes Volk ausmacht. Sie es wohl vor allem annähernd – gleiche Wertvorstellungen. Und die wurden gründlich geschleift.
Was als Wertewandel daher kommt, ist nichts anderes als fundamentalen Kulturbruch oder fundamentaler Werteverlust. Daraus spaltete sich die Gesellschaft immer weiter in Grüppchen. Welche die Werte kulturfremder Menschen mehr betont, als ihre eigenen. Schon daraus kann man jede Integration vergessen.
Sichtbar, dass die klassischen Solidaritätsgemeinschaften wie die Familie, das Dorf, die Religion, der Staat, weiter dem Verfall unterliegen.
Die Masseneinwanderung hat keines unserer Probleme gelöst, sie hat sie eher alle verschärft.
Und das wird vor allem katastrophalen Konsequenzen für die eigene Nation bedeuten. Ausgedrückt in einer zunehmenden Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, die mit zunehmender Aggressivität einhergeht.

hermann klein | So, 3. Oktober 2021 - 10:15

Mit Nachdruck ist die Ungewissheit in der offenkundigen Debatte gerückt, ob die Deutschen in der Lage sind und es für wert halten, als Volk zu überleben. Dann brauchen wir wieder eine andere Bevölkerungspolitik und das Politische, Wirtschaftliche, Soziale muss neu entdeckt, sowie das Kulturelle wieder erlernt werden. Dazu müssen die Köpfe vom GRÜNEN-VIRUS befreit werden.
Leider hat der grüne Gutmenschen-Virus seine DNA in allen Blockflöten-Parteien im Bundestag eingepflanzt und die setzen Hirnlos um, was der grüne Zeitgeist die Virus DNA vorheuchelt.
Wir sitzen gegenwärtig durch unsere grün verseuchte, vom Ökovirus befallene Bevölkerung einem feigen und schwächlichen Verständnis von Toleranz auf. Toleranz bedeutet Respekt und Achtung vor der Überzeugung anderer, nicht auf Verzicht die eigene Überzeugung. Angesichts solcher Vorkommnisse haben die Verantwortlichen von CDU/CSU alle Ideale über Bord geschmissen. Sie rennen derzeit nur noch den Fleischtöpfen hinter her.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 3. Oktober 2021 - 11:52

ob ich über eine Lockerung der Geldpolitik in Zeiten gecrashter Zockereien an der Börse nachdenke, was Schäuble Gott sei Dank nicht tat und damit gemeinsam mit moderaten Kräften der SPD für eine ausgewogene Finanzpolitik auch in der EU sorgte oder ob ich die Wirtschaft und Zivilgesellschaft stütze, wenn ich selbige herunterfahre, um die Bürger zu schützen.
Wofür zahlen diese Menschen zuletzt auch Steuern? Genau, auch um ihrer Sicherheit und Wohlfahrt Willen.
Die Jugend sind nicht nur die Kinder von Klimabewegten.
Also kommen wir hoffentlich langfristig ums "Hüpfen" herum und schliessen wie gewohnt auf zu konstruktiver und vorausschauender Politik.
Diese war GOTT SEI DANK m.E. auch trotz Frau Dr. Merkel in den letzten 16 Jahren im Prinzip gewährleistet.
Also liebes Europa, liebe Welt, KEINE BANGE, die Bundesrepublik lebt.