- Das bequeme Gewissen der Republik
Auch dieses Jahr finden wieder die antimilitaristischen Ostermärsche statt. Doch diese Bewegung ist nicht Ausdruck von reinem Pazifismus, sondern eines alten deutschen Reflexes: des Wunsches, sich vor Machtpolitik, Bündnisverpflichtungen und militärischer Verantwortung zu drücken.
Mit den Ostermärschen kehrt in Deutschland nicht nur eine Protesttradition zurück, sondern auch ein altes politisches Selbstmissverständnis. Jedes Jahr marschiert man „für den Frieden“ und inszeniert sich damit als moralisches Korrektiv gegen Aufrüstung, Bündnistreue und strategische Härte. Tatsächlich kehrt aber vor allem eine deutsche Lieblingsillusion zurück: der Wunsch, von Macht, Bündnis und Verantwortung verschont zu bleiben – moralisch aufgewertet als Pazifismus.
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Die Friedensbewegung ist kläglich, verzagt und inkonsequent. Denn gegen Scharfmacher wie Herrn Hartleb hilft keine Neutralität, sondern nur ein konsequenter Gegenentwurf!
Dessen Grundlinie kann nur die Auflösung der transatlantischen Geostrategie sein, nachdem sich diese in den letzten dreißig Jahren als amerikazentrierter Hegemonialismus und dadurch als der eigentliche Kriegstreiber auf diesem Planeten erwiesen hat. Die sogenannten »demokratischen Staaten« befinden sich ebenso lang im Prozess der Zuspitzung eines dialektischen Widerspruchs von Kapitalismus und Demokratie, der im neofeudalen Putschversuch des Corona-Regimes seinen vorläufigen Höhepunkt und seine Fortsetzung in der Brüsseler Kommissionsherrschaft gefunden hat, während sich die einstmals linken Emanzipationsbewegungen in machtaffine Laboratorien kultureller Repressionstechniken verwandelt haben.
Europa ins Zentrum stellen hieße, sich der von den USA betriebenen Spaltung des Kontinents in der Ukraine entgegenzustellen!
wieso soviel Österreicher im CICERO publizieren und zwar mit Meinungen, die in der österreichischen Neutralität nicht relevant sind. Sie können sie dort offensichtlich nicht unter die Leute bringen .
Die aktuell überfallenen Staaten sind die Ukraine und der Iran, die Golfstaaten sind sowas wie die Bälle auf dem Billardtisch, die die Akteure nebenbei bewegen, sozusagen über Bande.
Der Ukrainekrieg existiert deswegen weil wir ihn bezahlen und der andere weil Donald zum Größenwahn neigt.
Ich war gestern auf einer Ostermarsch Demo weil ich überzeugt bin, dass man beide Kriege sofort beenden sollte. Es wird nichts außer Leid UND Zerstörung dabei herauskommen. Die Entscheider haben Angst vor dem Nachher.
Den vorgetragene Eskapismus kann ich auch als relevanten Aspekt sehen. Für mich noch relevanter ist aber ein Absolutheitsanspruch, als grundsätzliche Weltsicht, der aber in die Mitte der Gesellschaft rein anschlussfähig ist.
Es gilt dann weniger das Denken, dass "Wir" das im Moment so und so sehen, "Wir" uns für diesen und jenen Weg entschlossen haben, "Wir" anderen unsere Grenzen mitteilen. Es wird in absoluten, nicht verhandelbaren, ewigen Sichtweisen gedacht, die für die Menschheit zu gelten haben.
Auch die Mitte der Gesellschaft würde die Dinge oft gerne alternativlos so sehen, dass am Ende durch absolute Werte ewig und ganz klar ist, was richtig und was falsch ist: Demokratie, Menschenrechte, Klima etc. Die letzte Generation und Ostermarschierer setzen das einfach nur ohne Doppelmoral um, und immer für alle Menschen (ohne sie zu fragen). Jedes Nachdenken muss dann explizit gegen diese Wahrheiten sein. Solches Denken scheint mir schon sehr verbreitet, nicht nur bei Ostermärschen.
Oster- Aufmärsche, bin ich auch.
Jedoch erwecken links grüne Sprückeklopfer derartige Aversionen in mir, das ich nur noch meinen ansteigenden Blutdruck verspüre …….
Mit besten Gruß aud ser Erfurter Republik
Dieser Text ist so eine derart platte Rüstungs-PR, dass man eher den Eindruck hat, dass die Ostermärsche inzwischen mal wieder ganz gut sind. Allein die Sprache hier ist so derart einseitig, dass es fast witzig ist. Krieg ist immer, dass "autoritäre Mächte", "Aggressionen" begehen und "Demokratien" sich "dagegen wehren" und jede Kritik daran ein lächerlicher "Fluchtinstinkt", Teilnahme dagegen "Pflicht" und "Bündnistreue". Jede Kritik - nur absurd... Ganz so simpel ist es dann aber nun auch nicht. Und der Autor ist dann auch noch Professor.
Der Herr Politik-Professor Hartleb nennt die Ostermarschierer naiv und "verantwortungslos".
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Das mag schon im Einzelnen richtig beschrieben sein, denn - wie der Papst - macht ein politischer Laie Politik meist nur aus eigenem, moralisch begründetem Bewusstsein.
Für die gegenwärtige Misere der Politik tragen aber Laien wesentlich weniger Verantwortung als die wohlbestallten Hohenpriester der Politik, die Politik-Professoren. Ihr angeblicher Sachverstand hat der herrschenden politischen Klasse und den (ach so klugen!) Medien als "wissenschaftliche" Grundlage für genau jene Politik gedient, die uns in die jetzige politische Misere gebracht hat.
Ihr Verhalten und Wirken entpuppt sich so in der Tat als verantwortungslos.
Aber während bei den Laien von moralischer Naivität gesprochen werden kann, muss man den meisten Profis dieser Zunft den opportunistischen Zynismus vorhalten, mit dem sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten.
