Noam Petri
Noam Petri / J. Marguier

Noam Petri im Gespräch mit Clemens Traub - Cicero Podcast Politik: „Wir Juden müssen mit den Linken brechen“

Noam Petri warnt, jüdisches Leben in Deutschland sei gefährdet, solange Juden an der Linken festhalten. Er fordert einen klaren Bruch und kritisiert eine zunehmende islamistische Einflussnahme auf linke Parteien.

Clemens Traub

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Clemens Traub ist Cicero-Redakteur.

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Seit Jahren rumort in der jüdischen Community eine Debatte, die viele lieber leise geführt hätten: Wie verlässlich ist die politische Linke noch für jüdisches Leben in Deutschland? Noam Petris Essay „Warum Juden mit der politischen Linken brechen sollten“, der in Cicero veröffentlicht wurde, hat diese Diskussion nicht ausgelöst – aber er hat ihr eine neue Klarheit gegeben. „Viele haben mir geschrieben: Endlich sagt es jemand offen“, erzählt der 22-jährige Medizinstudent im Gespräch mit Clemens Traub. Seine These ist schlicht: „Die neue Linke folgt ihrer eigenen Ideologie. Und diese Ideologie führt zwangsläufig zu Antisemitismus und antiwestlichen Ressentiments.“

Petris Analyse speist sich aus Erfahrungen, die er an Berliner Hochschulen gemacht hat – Schauplätzen, die nach dem 7. Oktober zu politischen Seismografen wurden. „Ich war nicht überrascht“, sagt er. „Der 7. Oktober hat nur freigelegt, was längst existierte.“ Auf den Campus hätten sich radikale Gruppen etabliert, „extrem gut organisiert“, und oft in offenen Allianzen zwischen Linksextremen und islamistischen Organisationen. Hörsaalbesetzungen, massive Sachschäden, Einschüchterungen – und Universitätsleitungen, die Petri zufolge lieber deeskalierten als Haltung zeigten. „Diese jahrelange Beschwichtigung nennt man Appeasement. Und Appeasement funktioniert nie.“

Für Petri ist dieses Milieu der Vorbote einer größeren politischen Verschiebung. Die Allianz zwischen Linken und Islamisten interpretiert er als ideologische Logik, nicht als Ausrutscher. „Die Linke sucht ein neues revolutionäres Subjekt. Die Arbeiterklasse ist es nicht mehr – also idealisiert man antikoloniale Bewegungen. Und dazu zählen nun einmal auch islamistische Gruppen.“ Diese nutzten das pragmatisch für ihren Einfluss. Die Folge sei ein politisches Klima, in dem sich Juden zunehmend ungeschützt fühlen. „Die Politik von Grünen, SPD und Linkspartei treibt uns in eine gefährliche Richtung“, sagt Petri. „Nicht aus Bösartigkeit, sondern aus ideologischer Blindheit.“

Viele junge Juden dächten mittlerweile an Auswanderung – aus Sorge, nicht aus Defätismus. Er selbst sieht Israel als reale Option, aber nicht als Fluchtpunkt: „Ich könnte jederzeit gehen. Aber ich will für Europa kämpfen. Wenn es schlimmer wird, muss man Alternativen prüfen. Doch noch haben wir die Chance, die Richtung zu ändern.“

Noam Petri und Clemens Traub
Noam Petri und Clemens Traub in der Cicero-Redaktion / J. Marguier

Das Gespräch wurde am 4. Dezember 2025 aufgezeichnet.

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