Prozess gegen Niels H. - „Es gibt keinen Tatort, an dem Morde weniger auffallen als im Krankenhaus“

Es ist die größte Mordserie in der Geschichte der BRD. Der frühere Krankenpfleger Niels H. muss sich vor Gericht wegen der Tötung von 100 Patienten verantworten. Für den Psychiatrie-Professor Karl H. Beine ist der Fall eine Bankrotterklärung des Gesundheitssystems

11.12.2018, Niedersachsen, Oldenburg: Niels H., angeklagt wegen Mordes an 100 Patienten an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg, steht am vierten Prozesstag im Gerichtssaal.
Sind die 100 getöteten Patienten nur die Spitze des Eisbergs? Niels H. vor dem Oldenburger Landgericht / picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Antje Hildebrandt

Dr. med. Karl H. Beine ist Professor an der Universität Witten/Herdecke und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie am St. Marien-Hospital in Hamm. Er beschäftigt sich seit 1990 mit dem Thema Patiententötung und hat dazu mehrere Bücher veröffentlicht. Sein jüngstes Buch erschien 2017: Tatort Krankenhaus – Wie ein kaputtes System Misshandlungen und Morde an Kranken fördert.

Herr Beine, wie kann es sein, dass er über einen Zeitraum von fünf Jahren systematisch Menschen Überdosen von Medikamenten gespritzt hat – und keiner will davon etwas bemerkt haben?
Das ist tatsächlich unverständlich. Es stellt sich jetzt heraus, dass viele Menschen einen Verdacht hatten – dass diesen Auffälligkeiten aber nicht konsequent nachgegangen wurde und konkrete Hinweise nicht weitergeleitet wurden an die Polizei. Das Interesse daran, die Sache nicht publik werden zu lassen, war offenbar größer als der Aufklärungswille.

Lag es vielleicht auch daran, dass es so schwer vorstellbar ist, dass der eigene Kollege Patienten tötet?
Bestimmt. Wenn man im Gesundheitswesen arbeitet, muss man aber wissen, dass solche Fälle schon auf der ganzen Welt vorgekommen sind – auch in Deutschland. Man darf nicht nach Motto verfahren: So etwas passiert nur woanders.

Aber genau das ist in Oldenburg passiert. Niels H. wurde von der Geschäftsführung mit einem guten Arbeitszeugnis weggelobt, als sich die Ungereimheiten häuften.  
Schlimmer noch: Ihm wurde bescheinigt, dass er seine Arbeit zur „vollsten Zufriedenheit erledigt“ hätte. Und mit diesem Zeugnis wurde er in Delmenhorst eingestellt und hat dort weitergemordet. Dabei gab es eine Reihe von Warnsignalen.

Zum Beispiel?
Ende August 2001 mussten in einer Nacht fünf Menschen 14 Mal reanimiert werden. Damals wurde in Oldenburg eine Strichliste darüber geführt, wer bei den Todes- und Reanimationsfällen am häufigsten anwesend war. Es stellte sich heraus, dass Niels H.das gewesen sein muss. Diese Strichliste ist Thema von Dienstbesprechungen gewesen. Daran soll auch der Geschäftsführer beteiligt gewesen sein.

Karl Beine
Karl Beine / Universität Witten/Herdecke

Heißt das, der Geschäftsführer hat sich mitschuldig gemacht?
In meinen Augen ja. Hätten die damals Verantwortlichen adäquat reagiert, hätte es in Delmenhorst wohl keine weiteren Opfer von Niels H. zu beklagen gegeben.

Greift der Prozess gegen Niels H. dann nicht zu kurz? Muss nicht auch Anklage gegen die Klinikleitung erhoben werden?
Das ist gerade passiert. In Delmenhorst ist Anklage erhoben worden gegen vier leitende Mitarbeiter. Gegen die damals Verantwortlichen in Oldenburg wird noch ermittelt.

Aber nur deshalb, weil die Tochter eines der Opfer Jahre nach dem Tod der Mutter Druck gemacht hat.
Richtig. Hier hat nicht nur die Krankenhausleitung versagt, sondern auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat die Ermittlungen lange Zeit verzögert, obwohl es bereits im ersten und zweiten Prozess deutliche Hinweise für weitere Tötungen gab.

Wurde gegen den Staatsanwalt auch ermittelt?
Ja aber das Verfahren ist wieder eingestellt worden.

Dass es zum Massenmord kommen konnte, ist also Folge eines Versagens von Krankenhausleitung und Justiz?
Das Versagen der Krankenhausleitungen hat vermeidbare Opfer zur Folge gehabt, und gerade deshalb ist es wichtig, dass die Aufarbeitung jetzt mit viel Präzision und Aufwand erfolgt. Es geht darum, aufzuklären, wie solche astronomischen Opferzahlen über solche Zeiträume möglich waren.

Kann man die Morde nach so langer Zeit überhaupt noch nachweisen?
Nicht immer. Die Erinnerungen sind verblasst. Bei Feuerbestattungen ist ein Nachweis unmöglich. Bedrückend ist auch, dass es Zeiträume gegeben hat, in denen Niels H. m Dienst war und keine Mordopfer nachweisbar sind. Er hat im Prozess aber gesagt: „Ich habe keine Pause gemacht.“

Das heißt, es hat noch mehr Morde gegeben als die 100, für die sich Niels H. jetzt verantworten muss, nachdem er in früheren Prozessen schon wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden war.
Ja, das ist nur die Spitze des Eisberges. Mehr als 130 Patienten, die während der Dienstzeit von Niels H. starben, wurden feuerbestattet und konnten gar nicht mehr untersucht werden.

Sie haben sich intensiv mit dem Fall Niels H. beschäftigt. Was hat ihn bewegt, seine Patienten zu töten?
Er hat versucht, sein labiles Ego zu stärken, indem er Notfallsituationen herbeigeführt hat, um anschließend seine Fähigkeiten zu zeigen. Er hat so Anerkennung erfahren und sich einen Kick verschafft. Es war seine Art, die eigene Ohnmacht zu überwinden.

Niels H. arbeitete in der Apparatemedizin. Rührte seine Ohnmacht daher, dass das Leben seiner Patienten von Maschinen abhing?
Nein, es gibt Krankheitsverläufe und Sterbeprozesse, die wir nicht aufhalten können. Es ist eine hohe Kunst, abzuwägen zwischen Interventionen, die zum Wohle eines Patienten eingesetzt werden und solchen, auf die wir besser verzichten. Umso wichtiger ist es, dass Pfleger in der Lage sind, leidende und sterbende Menschen zu begleiten. Wenn sie sich ohnmächtig fühlen und ihre Hilflosigkeit nicht thematisiert wird, kann das zum Problem werden.

Wie können Krankenhäuser ihren Mitarbeitern beim Kampf gegen die Ohnmacht zu helfen?
Die Ohnmacht und die Hilflosigkeit bei einem sterbenden Menschen muss kollegial besprochen werden. Und selbstverständlich darf das Sterben nicht als eigenes Versagen empfunden werden. Man muss als Vorgesetzter eine fürsorglich-kollegiale Achtsamkeit vorleben. Wir dürfen nicht Agenten eines Marktes sein, der auf kostengünstiges Wachstum ausgerichtet ist. Getreu der Devise – mehr Patienten mit weniger Personal. Das soll dann gut sein für die Klinik und den Gewinn. Dadurch entsteht aber eine Arbeitsatmosphäre, in der wir uns nicht mehr den einzelnen Menschen zuwenden können.

Aber deshalb wird doch aus einem Intensivpfleger noch kein Massenmörder?
Nicht zwangsläufig. Es ist aber ein begünstigendes Milieu. Diese Morde sind vor den Augen von Kollegen und Vorgesetzten geschehen, und man wird sagen müssen, dass nicht mit der nötigen Achtsamkeit registriert wurde, dass sich ein Kollege verändert hatte.

Inwiefern?
Wenn jemand zynisch wird und die Sprache verroht, dann sind das Alarmsignale. Wenn jemand einen verräterischen Spitznamen bekommt wie Vollstrecker oder Todesengel, dann muss reagiert werden. Man wird nicht von heute auf morgen zum Täter. Kollegen müssen auch untereinander aufeinander achten.

Die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus sind hart. Schichtdienst, schlechte Bezahlung, Personalmangel. Wundert es Sie da, dass vielen der eigene Hintern näher ist?
Nein, gar nicht Die Schwestern- und Pflegerstellen sind in den vergangenen Jahren drastisch abgebaut worden, nämlich zwischen den Jahren 2000 und 2015 um 3,4 Prozent. Gleichzeitig ist die Patientenzahl von 17,3 auf 19,4 Millionen gestiegen.

Dabei gibt es in kaum einem anderen Land der Welt so viele Krankenschwestern und Krankenpfleger wie Deutschland.
Das ist richtig. Auf 1.000 Einwohner kommen bei uns 11,4 Pflegekräfte, im Schnitt gibt es in den OECD Ländern 8,8 Pflegekräfte pro 1.000 Einwohner. Die Patienten in deutschen Krankenhäusern merken das aber gar nicht – im Gegenteil.

Warum nicht?
Das liegt an den vielen Krankenhausbetten in Deutschland. Im Jahr 2016 waren es 606 Krankenhausbetten für 100.000 Einwohner – fast drei Mal so viel wie in Schweden und etwa doppelt so viele wie in Holland. Dagegen ist die Quote an Krankenpflege pro Krankenhausbett in Deutschland extrem niedrig. Rechnerisch versorgen hierzulande 19 Pflegekräfte 1.000 Klinikpatienten. Zum Vergleich: In Norwegen gibt es dafür knapp 40 Pflegekräfte, in Frankreich 33. Der Kampf jeder einzelnen Klinik um mehr Patienten verbunden mit dem Personalabbau ist eine der Ursachen, warum diese Entwicklung so bedrohlich ist. Die Helfer in den Kliniken können einfach nicht mehr. Sie sind durchgängig gehetzt und gestresst, haben keine Zeit für den Blick nach rechts oder links. Das macht es dem Täter leichter.
  
Niels H. hat erleichtert reagiert, als er von Kollegen überführt wurde. Ist das nicht ein Widerspruch zu seinem Verhalten? 
Nein, das ist eine typische Reaktion. Sie müssen bedenken, dass sich mit seiner Entdeckung eine Situation aufgelöst hat, die für ihn unerträglich geworden war und aus der er sich nicht befreien konnte. Er wusste, dass er Verbrechen beging. Er hat sich niemandem anvertraut, niemand hat ihn direkt angesprochen. Mit dem Druck, der durch Verdächtigungen noch verschärft wurde, ist er bis zu seiner Verhaftung immer einsamer geworden.

In Ihrem Buch „Tatort Krankenhaus“ schreiben Sie,  Niels H. sei kein Einzelfall. Woher wissen Sie das?
Die Dunkelziffer für einen gewöhnlichen Mord liegt zwischen 1:3 und 1:6. Das heißt, auf einen aufgeklärten Mord kommen bis zu sechs unaufgeklärte. Es gibt keinen Tatort, an dem Morde weniger auffallen als im Krankenhaus.

Warum?
Die „Mordwerkzeuge“ sind für gewöhnlich Mittel aus dem Gesundheitswesen, die im Alltag häufig gebraucht werden – zum Beispiel Spritzen oder Medikamente. Und in Kliniken und Heimen erregt das Sterben eines Patienten zunächst einmal keinen Argwohn, weil hier eben der Tod häufig geschieht.

Im Fall von Niels H. haben die Verantwortlichen behauptet, es handele sich um monströse Einzelfälle.
Ja, der damalige Bundesgesundheitsminister und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) haben das wiederholt gesagt. Gegen solche kriminellen Machenschaften könne man nichts machen. Ich finde das vorschnell und verharmlosend. Wir brauchen qualifizierte Forschungen, um über die Häufigkeiten etwas Zutreffendes sagen zu können.

Was reizt Sie als Psychiater an dem Thema Patiententötungen?
Ich habe in den achtziger Jahren in einer Klinik gearbeitet, in der ein Pfleger den ich kannte, Patienten umgebracht hat, die ich kannte. Ich war damals sehr erschrocken und sprachlos. Das war der Beginn meiner Suche nach Erklärungen.

In Ihrem Buch zitieren Sie eine Ihrer eigenen Studien. 2015 starben in Deutschland knapp eine Million Menschen, davon 425 000 in Krankenhäusern und 286 000 in Altenpflegeheimen. Sie schreiben, rund 21.000 könnten getötet worden sein. Wie kommen Sie zu dieser Zahl?
Wir haben 2015 eine anonymisierte Umfrage gemacht, an der sich 4.629 Ärzte, Kranken- und Altenpflegekräfte beteiligt haben. 1,5 Prozent der Pflegekräfte und 3,4 Prozent der Ärzte gaben an, das Leiden von Patienten selbst schon einmal aktiv beendet zu haben. Aus diesen Ergebnissen ist dieser Schätzwert abgeleitet worden. 

Die Deutsche Krankenhaus-Gesellschaft hat diese Zahl als unseriös zurückgewiesen. Sie spricht von „unverantwortlicher Effekthascherei, um das Buch zu verkaufen.
Das ist nicht erstaunlich. Die DKG ist mitverantwortlich für den Personalabbau in den vergangenen Jahren. Immerhin waren bei unserer Studie mehr als ein Drittel der Untersuchungsteilnehmer, die selbst das Leiden von Patienten schon einmal aktiv beendet haben wollen, nie darum gebeten worden. Dabei kann es sich dann ja wohl nur um lebensbeendende Handlungen ohne Einverständnis des Patienten handeln. Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass Tötungen nicht so selten sind, wie wir alle das gerne hätten. Aber wie gesagt: Wir brauchen qualifizierte Untersuchungen, bevor wir über das Dunkelfeld etwas genaueres sagen können.
 
In Ihrem Buch schreiben sie, die Serientäter seien keine Psychopathen, sondern Menschen, die mit wachsender Überforderung ihre Empathiefähigkeit verloren hätten. Heißt das, theoretisch wäre jeder Pfleger zu einem Mord imstande?
Nein, das heißt das nicht. Gefährdet sind ausgebildete Helfer, die in besonderer Weise ich-schwach und unfähig sind, sich professionelle Hilfe zu holen oder den Arbeitsplatz zu verlassen. Wenn dann noch situative Elemente wie ein immenser Arbeitsdruck, die Unachtsamkeit von Kollegen und Vorgesetzten hinzukommen, kann eine Entwicklung eintreten, die zu einem solch monströsen Verbrechen führen kann wie dem, über das wir jetzt reden.

Was muss sich in den Kliniken ändern, damit so ein Massenmord nicht wieder passieren kann?
Das wichtigste ist es, zu wissen, dass es Morde an Patienten gibt. Dass es nicht für unmöglich gehalten wird, dass es auch im eigenen Haus passieren kann. Nur dann kann man eine vorschnelle Beschuldigung unterscheiden von einem ernst zu nehmenden Frühwarnhinweis. Wir brauchen eine Kultur der Achtsamkeit.

Sind solche Elemente wie eine Supervision nicht längst Standard?
Nein, in ganz vielen Krankenhäusern passiert das nicht. Da gibt es auch keine Balint-Gruppen, in denen Ärzte regelmäßig mit einem Psychotherapeuten über „Problempatienten“ sprechen. Solche Gruppen sind aber umgekehrt auch keine Garantie dafür, dass keine Morde passieren. In Gütersloh zum Beispiel, wo ein Krankenpfleger 1993 wegen Totschlags in zehn Fällen zu 15 Jahre Freiheitsstrafe verurteilt wurde, gab es so eine Gruppe.

Gesundheitsminister Jens Spahn will dem Pflegenotstand mit besserer Bezahlung und besseren Pflegebedingungen begegnen. Reicht das schon?
Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber er ist unzureichend.

Was wünschen Sie sich von der Politik?
Dass die Pflege und die helfenden Berufe wertgeschätzt und besser vergütet werden. Die Bezahlung von Krankenhausbehandlungen muss so geändert werden, dass viel mehr qualitative und weniger quantitative Anreize gesetzt werden. Die Politik darf sich ihrer Verantwortung für das Gesundheitswesen nicht entziehen in der Hoffnung, dass der Markt das schon ordnen werde. Sie muss festlegen, wie viele Krankenhäuser wir wirklich brauchen für eine gute Versorgung der Bevölkerung. Wir haben zu viele Krankenhausbetten in zu vielen Krankenhäusern, um eine gute Versorgung zu hinzukriegen.

Je mehr Betten, desto schlechter die Pflege? 
Genau. Hätten wir einen Standard wie etwa in Dänemark, dann hätten wir nicht 1.371 Plankrankenhäuser, sondern 330. Die könnte man dann vernünftig ausstatten – personell und apparativ.

Was verrät der Prozess gegen Niels H. über unser Gesundheitssystem?
Er stellt ihr ein Armutszeugnis aus. Es sind Fehler passiert, die man nicht wiedergutmachen kann. Die Politik muss den Kurs ändern. Der Markt wird es nicht richten. Es sind politische Vorgaben erforderlich, um die bestehende Fehlversorgung zu beseitigen.

Glauben Sie, dass das den Verantwortlichen bewusst ist?
Das kann man doch nicht übersehen, wenn man die Reaktion der Angehörigen erlebt, die im Prozess als Nebenkläger auftreten. Wenn der Polizeipräsident sagt: Hätten die Verantwortlichen in Oldenburg adäquat reagiert, hätte es keine Opfer in Delmenhorst gegeben.

Was macht es mit Hinterbliebenen, wenn sie so etwas hören?
Ich muss an eine Frau denken, deren Mann in den Vierzigern im Krankenhaus Oldenburg gestorben ist. Nach zehn Jahren steht plötzlich ein Polizeibeamter vor ihrer Tür und bittet um Verständnis, aber man müsse ihren Mann exhuminieren. Vielleicht ist auch er getötet worden. Die Frau macht sich bis heute Vorwürfe. Bekannte hatten ihr das Krankenhaus wärmstens empfohlen.

Sie sind selber Leiter einer Klinik. Was antworten Sie Patienten, die sagen, Sie trauten sich nach der Lektüre Ihres Buches nicht mehr ins Krankenhaus?
Denen sage ich: Passen Sie auf! Achten Sie darauf, wie mit Ihnen gesprochen wird. Wenn Sie auf Ungereimtheiten stoßen, kommen Sie zu mir. Wir besprechen das. Nutzen Sie unseren Beschwerdebriefkasten, oder setzen Sie sich mit unserem Patientenbeauftragten in Verbindung. Es muss der unbedingte Wille vorhanden sein, Fehler zu erkennen, zu kommunizieren und ihnen nachzugehen.   

Karlheinz Wehner | So, 30. Dezember 2018 - 19:03

Als erstes die Politik. Unsere Politiker sind mit
sich selbst und ihrer ´Karriere´ beschäftigt.
Die Kontrolle der Justiz findet kaum statt -
aus gleichen Gründen. Das macht es Richtern
leicht, sich über Gegebenheiten hinweg
zu setzen, schriftliche ´Mein letzter Wille´
interessieren nicht. Und das Krankenhaus-
Personal ist gerne behilflich, erst recht, wenn
der Mörder aus der Familie kommt und
approbiert ist.
Meine Anzeige wegen Mord, ersatzweise
Körperverletzung mit Todesfolge wurde nach
1,5 Jahren wegen ´zu geringer Beweislast´
niedergeschlagen. Was ist schon ein 97 Jahre
alter Mensch wert in diesem Land - nichts.
Die Beweise waren eindeutig, auch nach der
blitzschnellen Einäscherung, aber
´Der Tod ist ein Meister in Deutschland.´
Muß wohl an der Mentalität liegen.

Dimtri Gales | So, 30. Dezember 2018 - 20:34

betriebswirtschaftlichen Prinzipien geführt, wie etwa Hotels. Das Aufdecken eines Skandals läge nicht unbedingt im Interesse der Chefarzt-Etage. Das ganze Gesundheitssystem ist eine Schande in einem reichen Land wie Deutschland. Aber blickt man über die Grenzen, nach Frankreich oder England, dann sieht man ähnliches. Es geht eben nur um Profit, der Kranke, der Leidende ist nur lästiges Beiwerk das man eben braucht, um Geld zu kassieren - so sieht es in vielen Krankenhäusern aus.

... wie schon desöfteren spricht auch Ihr hiesiger Kommentar aus dem Herzen. - Die wichtigste Prlicht des Patienten besteht darin, krank zu sein und den mediz. Einrichtungen die finanz. Einnahmen zu beschaffen.-
Ich erinnere mich, vor 6 Jahren sagte mir eine chirurg. Gemeinschaftspraxis, mein Knie müsse operiert werden - sicher eine sehr günstige Einnahme für die Praxis.-
Aus persönlichen Gründen schob ich diese OP vor mir her, letztlich vergaß ich sie - und siehe da: Mein Knie ist immer noch i.O. - Wie kann so etwas sein?

Guten Rutsch an alle . . .

Wolfgang Dreier | Mo, 31. Dezember 2018 - 06:38

Zuletzt wurde viel gesprochen über die Bereitschaft für Organspenden, die in DE nicht besonders stark ausgeprägt ist.
Ich bin auch nicht bereit, und ich werde widersprechen.
Warum?
Weil ich schon immer Angst hatte, dass im entscheidenden Moment von einem "Mediziner" "gerettet" werde, der auch gut ausgeprägten Geschäftssinn hat.
Nur darum, sonst nichts mehr dagegen.

Dieter Erkelenz | Mo, 31. Dezember 2018 - 08:34

Ich kann dem Artikel nur teilweise beipflichten. Er erweckt in mir das Gefühl, dass (fast) alle Pfleger (was ist mit den Pflegerinnen?) und Ärzte/innen
l a t e n t e Mörder sein sollen/ könnten.
Kommt es dem Verfasser nicht in den Sinn, dass etliche Patienten den Tod wollen, u.a. um von ihrem Leiden erlöst zu werden? Das aber nicht kundtun, entweder aus mangelndem Mut oder anderen Ängsten (z.B. um Ärzte und Pflegepersonal nicht u.a seelisch unter Druck zu setzen ! Könnte das im 'Inneren' der handelnden Personen nicht zu entsprechenden "Irritationen" führen?
Ich führe meine Einlassungen im Konjunktiv aus, um nicht den Eindruck zu erwecken , ich billige diese Morde! oder sind's nicht ( juristisch gesehen) auch Tötungen?

Ernst-Günther Konrad | Mo, 31. Dezember 2018 - 08:51

Eine alte Weisheit sagt, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Seit Jahren wird immer mal wieder diskutiert, ähnlich dem amerikanischen System amtliche Leichenbeschauer grundsätzlich jeden Todesfall überprüfen zu lassen und dies von Amtswegen. Das heisst nicht immer sofort Obduktion, aber neutrale Begutachtung der Patientenakte nach einem Todesfall und bei Verdacht die gesetzlich normierte Pflicht Polizei und Staatsanwaltschaft einzuschalten. Es liegt doch auf der Hand, das ein behandelnder Arzt zwar den Tod feststellen sollte, aber eben keine Ursachenforschung in eigener Sache betreiben darf. Ebenso ist festzustellen, dass viele Tötungsdelikte unerkannt bleiben, weil völlig überforderte oder uninteressierte, möglicherweise mitverschuldende Hausärzte eine Leichenschau durchführen. Die medizinische Überprüfung von Todesfällen gehört in staatliche Hand. Gäbe es ausreichend Personal, könnte auch an das Vier-Augen-Prinzip bei den kritischen Fällen einiges, nicht alles verhindern.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 31. Dezember 2018 - 09:03

Gäbe es einen unabhängigen staatlichen Leichenbeschauer könnte der auch neben der Klinikleitung der Ansprechpartner bei Verdachtsfällenfür das Personal sein. Dies erfordert aber ein Umdenken der Verantwortlichen. Verdacht heisst nicht gleich Schuld. Sie müssen aufhören aus wirtschaftlichen Gründen jede Form Form von Verdacht zu verdrängen, um den "Ruf" des Hauses nicht zu gefährden. Es muss nicht gleich alles in die Presse und der "Flurfunk" bedient werden. Es muss ein völlig natürlicher Vorgang werden, das jeder Todesfall von neutralen Leichenbeschauern überprüft wird und das muss auch jeder Patient, Mitarbeiter und Angehöriger wissen. Es darf nicht sein, dass Angehörige klagen müssen bzw. die Staatsanwaltschaften zur Ermittlung gezwungen werden müssen. Die Perspektive zum Tod und seiner Überprüfbarkeit im Hinblick auf mögliches Fremdverschulden muss hier dringend geändert werden. Wer fürchten muss entdeckt zu werden kann gehindert werden. Jeder getötete Mensch ist einer zu viel.

Karl Müller | Mo, 31. Dezember 2018 - 18:32

In reply to by Ernst-Günther Konrad

Die IMK verschleppt das Problem seit Jahrzehnten und macht gezielt die Rechtsmedizin kaputt.. Für Niedersachsen waren zum Gesetz für die Leichenschau zwar die Grabbildner und Sargträger angehört worden, Rechtsmedizin und Polizei aber eher kaum oder gar nicht...
Heraus kam konzentrierter Schwachsinn und das von der LAndesregierung offenkundig gewollt; das gleiche Theater im Bund...

Karl Müller | Mo, 31. Dezember 2018 - 15:29

und über alle Parteigrenzen hinweg einmütig eine vernünftige zweckmäßige Leichenschau. Im Gegenteil, es werden so schnell wie möglich die rechtsmedizinischen Institute aufgelöst oder fiskalisch handlungsunfähig gemacht. Zeitnahe Leichenschau ist nur sehr bedingt gewährleistet, oft genug nur mit "Leichentourismus"vom Feinsten..
Selber schuld, wer Parteien wählt deren Innenminister solche Zustände bewußt fördern.

Nikolaus Hammerl | Di, 1. Januar 2019 - 04:06

Ich bin selbst seit 40 Jahren Krankenhausarzt in der Betreuung akuter medizinischer Fälle. Die geschilderten Vorkommnisse sind vollkommen ausserhalb meiner Vorstellungskraft. Ich habe persönlich in meinem Arbeitsleben geschätzte 60.000 Krankenhauspatienten betreut. Davon musste ich in etwa 1.000 Fällen für Verstorbene einen Leichenschauschein ausstellen. Ich habe alle Verstorbenen persönlich betreut und kannte deren Krankheitsgeschichte bestens, vor allem wusste ich alle Details, die zu ihrem Ableben führen mussten. Es gabe einige ganz wenige Fälle in der Ära bevor wir ein Computertomogram oder ähnliche fortgeschrittene Techniken zur Verfügung hatten, die nicht eindeutig zu erklären waren. In diesen ca. 10 Fällen habe ich eine Autopsie angeordnet, die dann die Todesursache klären konnte. Meistens handelte es sich um eine massive Lungenembolie oder einen plötzlichen Herztod durch akuten Herzinfarkt.

Karin Zeitz | Di, 1. Januar 2019 - 18:24

Krankenhäuser und Pflegeheime privat finanziert werden, steht die Erzielung einer entsprechenden Rendite des jeweils eingesetzten Kapitals an erster Stelle. Das Wohl der Patienten und Pflegebedürftigen als notwendige Pflicht muss sich dem unterordnen.