Briefwahlunterlagen Bundestagswahl 2021
Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl 2021 / dpa

Nichtwähler - Kreuzlos glücklich?

In nahezu allen westlichen Ländern steigt die Zahl der Nichtwähler dramatisch an. Vor allem Arbeitslose mit schlechter Bildung und fehlender sozialer Teilhabe gehen nicht mehr an die Urne. Doch auch die Corona-Krise dürfte der demokratischen Kultur ihren Tribut abverlangen.

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

Autoreninfo

Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero.

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Jo Einfeld macht nicht mehr mit. Früher, sagt er, sei er alle vier Jahre – zumeist an einem Sonntag im späten September – zu einer benachbarten Grundschule gegangen und habe sich dort in eine lange Schlange vor dem Raum 50 gestellt. Der hochgewachsene Berliner, der sich selbst als Musiker und Gelegenheitskünstler bezeichnet, weiß die Zahl noch wie heute. 50. Wie 50:50, die Hälfte eines guten Deals. Einfeld lacht, während er eine Zigarette zwischen seinem Mittel- und Zeigefinger balanciert. Zur Abgeordnetenhauswahl sei er schon gar nicht mehr gegangen. Das letzte Mal vor vielen Jahren.

Bundestagswahl aber sei etwas anderes. Dabei, sagt Einfeld, röche auch die nach Linoleum und Bohnerwachs. Wieder muss er lachen, so sehr, dass die runde Brille auf seiner Nase zu vibrieren beginnt. „Der Duft in Raum 50 ist so furchtbar wie ein Gang zum Sozialamt. Und das nennt sich Hochamt der Demokratie.“ Was soll’s: Er macht ja jetzt eh nicht mehr mit. Früher sei das gar keine Frage gewesen. „Urnengang war Bürgerpflicht, hieß es bei uns zu Hause immer.“

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Ingofrank | Fr, 3. September 2021 - 16:18

Die Wähler werden immer weniger. Jetzt eine Frage ganz im Ernst: Woran liegt es?
Von 49 -89 war alles klar. Die Parteien der Nationalen Front haben mit überwältigender 99,999% Mehrheit die Volkskammerwahl gewonnen. Unter Führung der SED wird nun die Regierung gebildet. ……
Bis zum Beginn des Merkellismus gab es in „West“ einen Lagerwahlkampf.Links od. Konservativ nur in aller größter Not eine Koalition von beidem. Die Folge: mit der Wahlstimme konnte man voraussehen entweder absolute Mehrheit oder zumindest eine linke oder eine konservative Koalition. Und heute? Jeder macht’s mit jedem um Macht zu erhalten od. zu erringen. Dies bedeutet:
„Einheitsbrei“ der fad schmeckt. Weil, egal welche
Zutaten, er schmeckt immer gleich. Industriell gefertigt. Rezeptur ist gut, bleibt so.

Wahl OMat brachte mir kein überraschendes Ergebnis mit Platz 1 +2 aber Pl. 3 waren die Freien Wähler, und das hat mich doch verwundert.

Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Weil man will - alles verläuft nach Plan!

Die Bildung bzw. (Um)-bildung der aufwachsenden Generationen zu nicht hinterfragenden Untertanen.
Und dies auf allen Ebenen wie Fernsehen, Internet, Bildungseinrichtungen - vor allem die, die zukünftige Stellwerker AUSBILDEN oder RICHTEN werden.

Nichts ist unmöglich - Deutschland 🥸

Die GEPLANTE Auflösung von Unterschieden zum Weg einer Einheit (nie würde das Wort DIKTATUR über die Lippen kommen - dafür 6x soviel das Wort Demokratie & zum Schutz & Wohle)

Warum auf einmal soviel gute Oppositionsparteien?
Ein Stock zerbricht leichter (Bündel von Stöcken) - noch stabiler, ein Holzbalken

Warum fragt sich keiner, das
SPALTUNG DER GESELLSCHAFT
negativer als Geschlossenheit ist, um Probleme zu bekämpfen?
Und dies, obwohl es dann bei der Bekämpfung der anders denkenden (Unter-Menschen) wieder eine geschlossene Front man fordert wie z.B. ganz ausdrucksvoll auf dem Polizeipräsidium "Kampf gegen Rechts" statt Kampf gegen Radikalität!
Warum nur?

helmut armbruster | Fr, 3. September 2021 - 16:51

fast regelmäßig den immer selben Einwand. Dann können Sie nicht mitreden, denn Sie verzichten freiwillig auf Ihr Mitspracherecht.
Auf welches Mitspracherecht verzichte ich denn?
Am Beispiel Laschet will ich erklären, was ich meine. Wähle ich ihn, weiß ich nicht mit wem er eine Koalitionsregierung bilden wird. Für Laschet ist nur wichtig, dass meine Stimme ihm hilft in die Regierung zu kommen. Alles weitere geht mich nichts mehr an.
Mein angebliches Mitspracherecht, wo bleibt es?
Meine Rolle war, dass ich für Laschet den Steigbügelhalter spielen durfte.
Da sage ich nein und vielen Dank, denn vera...
kann ich mich selber besser.

...doch freien lauf, werter Herr Armbruster, und wählen eine der Rand-Parteien.

Nur so, wenn ihnen mehr u. mehr Stimmen wegfallen, merken die etablierten Parteien, dass sie ihren Kurs ändern müssen.

Also einfach aus Frust (den ich ja verstehe) gar nicht zu wählen ist, sorrry, aber die denkbar schlechteste Entscheidung.

Eine Partei legt den Finger in viele Wunden.
Die Gefahr an die Macht zu gelangen besteht aber nicht. Also auch keine Gefahr einer Wiederholung unserer dunklen Geschichte.

Oder sehen Sie sich das Programm der FW an. Die sind deutlich bürgernäher als die anderen Parteien.

Gehen Sie bitte doch wählen.

Klaus Funke | Fr, 3. September 2021 - 17:51

Wählen macht einen Sinn mehr. Man kann nicht verhindern, dass die, die man nicht wählt und auch nicht will, trotzdem in die Regierung kommen. Parteien bilden zum Machterhalt Koalitionen. Und so passiert es, dass die Geliebten mit den Ungeliebten ins Bett gehen. Das beste oder gemeinste Beispiel ist die letzte Wahl in Sachsen oder auch in Thüringen. Das Gesindel, welches man abgewählt hat, regiert weiter. Schlussfolgerung: Wahlen im derzeitigen Deutschland sind sinnlos. Es wird um die Macht gekungelt. CDU, SPD und Grüne werden alle um die 20% haben (siehe Österreich). Rechnerisch kommen sie damit zusammen weit über 50%. Also vereinigt sich Feuer mit Wasser und Löschsand. Eine Rot-Rot-Grüne-Regierung wird es nicht geben. Die Linken sind ohne Wagenknecht nicht regierungsfähig und wählbar sowieso nicht. Das hätten die Zickenkrieger um Frau Kipping bedenken sollen. Die AfD bleibt, wo sie ist, in der Opposition, egal, ob sie nun 11 oder 15% erreicht. Freilich, die FDP könnte Zünglein sein.

Heidemarie Heim | Fr, 3. September 2021 - 18:27

Ein Zwiegespräch was Einen echt runterzieht. Wie benennt man diesen menschlichen Faktor in der nächsten Wahl-Statistik? Die "Vergessenen"? Wieviel Einfelds haben die Politik und die Statistiker auf dem Schirm? Meine Befürchtung lieber Herr Einfeld, es geht insbesondere der etablierten Politik genauso am Allerwertesten vorbei wie in der Vergangenheit. Wie katastrophal auch die Zahlen waren, überall Sieger, auch wenn sie nur einen Bruchteil der Gesamtstimmberechtigten erhielten.
Bei zu überschäumender Euphorie wird dann auch schon mal ein Fähnchen in die Ecke gepfeffert oder
ein Blumenstrauß vor die Füße des Siegers. Der m.E. einzige Unterhaltungswert rund um die Wahlen, sieht man mal vom unterschiedlichen Mienenspiel um 18:00 Uhr ab;). Ehrlicherweise befiel mich zwischendurch auch die Versuchung den Lindner zu geben nach dem Motto "Lieber nicht
wählen als falsch". Doch nach bestimmten "Wählerbelehrungen" a la Kauder u.a. gebe ich dann doch lieber die mündige Wählerin! "Wie wär`s Jo?"

Rob Schuberth | Fr, 3. September 2021 - 19:02

...durch die vielen Nichtwähler erlangen ihre Stimmen deutlich mehr Gewicht.

Und ich gehe davon aus, dass das auch genau so gewollt ist.
Welchen Sinn sollten sonst die allabendlichen Trash-TV-Programme haben?

Das ist doch das Opium fürs Fußvolk.

Leider wirkt es.

Ich wäre für eine Wahlpflicht.
Die nicht wollen können ja dann immer noch ihren Stimmzettel ungültig machen, aber sie müssten ihren Arxxx hochkriegen.

Christa Wallau | Fr, 3. September 2021 - 19:34

eine solche Unsicherheit u. Unlust bei meinen Mitbürgern verspürt wie jetzt. Von Begeisterung darüber, endlich wieder eine Wahl zu haben, kann keine Rede sein. Stattdessen herrschen Lethargie u. Defaitismus vor.
"Ich weiß einfach nicht, wen ich wählen soll.
Keine Partei gefällt mir richtig."
"Es bringt doch alles nichts..."
"Eigentlich ist es egal, was man wählt. Die machen doch sowieso nur, was sie wollen."

Diese Sprüche höre ich immer wieder.
Dabei handelt es sich um dieselben Menschen, die bei den vergangenen Wahlen vier Mal dafür gesorgt haben, daß Angela Merkel Bundeskanzlerin werden konnte u. daß wir zwei Mal hintereinander eine Große Koalition bekamen. Aber niemand von ihnen gibt zu, daß er für den heutigen Zustand des politischen Personals s e l b s t mitverantwortlich ist.
Woher sollen denn jetzt die klugen Köpfe mit den vernünftigen Strategien herkommen, wenn sie 16 Jahre lang entweder vergrault o. eingeschläfert wurden - g e d u l d e t von einer Mehrheit des Volkes!

Carola Schommer | Sa, 4. September 2021 - 13:09

auf unser Wahlrecht zu verzichten. Ob sich allerdings etwas ändert, wenn man davon Gebrauch macht ist fraglich, weil es demjenigen, der einen Posten ergattert hat, letztlich egal ist, ob er von 20 % oder von 60% der Bevölkerung gewählt wurde.

Nur wenn die Anzahl der Mandate an die Höhe der Wahlbeteiligung gekoppelt ist, spielt es eine Rolle, wieviele zu Wahl gehen. Dann müsste aber eine Mindestbeteiligung festgeschrieben werden, bei deren Nichterreichen die Wahl ungültig wäre. Ob das allerdings eine bessere Lösung wäre ?

Ernst-Günther Konrad | Sa, 4. September 2021 - 13:30

Es heißt doch Stimmabgabe, oder. Wer wählt gibt also seine Stimme ab, hat dann nichts mehr zu sagen und wird infolge Stimmlosigkeit auch nicht mehr gehört. Andere übernehmen die Stimme des Wählers und missbrauchen sie aufs schändlichste.
Ich kann deshalb durchaus das Argument der Wahlverweigerung verstehen. Ich selbst gehe erst seit 2013 wählen, das begann mit der Griechenlandrettung, da war es mir dann doch nicht mehr egal, ob CDU oder SPD oder gemischt. Jedenfalls für mich steht schon fest, wen und warum ich wähle. Die Politik hat doch längst den Souverän und ihren Auftrag ausgeblendet. Machterhalt und Ideologie bestimmen die etablierten Parteien. Und nein, das will ich nicht mehr, dagegen stimme ich. Wirklich ernst nehmen die Politiker die Nichtwähler nicht. Für die sind solche ein Gewinn, gibt es auch keine Gegenstimme und Legitimation braucht es nicht. Denen reichen auch nur wenige Wählerstimmen. Am Wahlabend sind es ja doch alles Gewinner.

C. Mehnert | So, 5. September 2021 - 18:37

ist es, aus der Tatsache, dass jemand nicht an der Wahl teilnimmt, zu schließen, er sei mit keinem der Wahlangebote einverstanden. Genausogut kann es sein dass es ihm schlicht wurscht ist; oder man vergisst Briefwahl zu beantragen, oder am Wahltag akut verhindert ist, oder oder oder. Wer wirklich zum Ausdruck bringen will, sämtliche Wahloptionen abzulehnen bzw. weder Scholz noch Laschet noch Bärbock als Kanzler bekommen zu wollen, sollte den Wahlzettel durchstreichen oder anderweitig ungültig machen! Nur das ist ein eindeutiges Anti-Votum.