Neuer SPD-Bürgermeister in Hoyerswerda - „Ich bin ein Mann der Basis“

In der als „rechts“ verrufenen Stadt Hoyerswerda wird der SPD-Mann Torsten Ruban-Zeh zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Im Interview erzählt er, wie ihm das gelungen ist, was seine Partei von ihm lernen kann und wie er zur SPD-Spitze steht. Auch zu Russland hat er eine klare Meinung.

Torsten Ruban-Zeh, Sozialdemokrat und neuer Oberbürgermeister von Hoyerswerda / dpa

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Alexander Marguier

Torsten Ruban-Zeh ist seit drei Jahren SPD-Mitglied und wurde am Sonntag zum neuen Oberbürgermeister der sächsischen Stadt Hoyerswerda gewählt. Der 57-Jährige stammt aus Dresden und hat vor seiner Tätigkeit für die Arbeiterwohlfahrt lange für den Handelskonzern Globus gearbeitet – davon vier Jahre in Russland.

Herr Ruban-Zeh, herzlichen Glückwunsch, Sie sind am Sonntag im zweiten Wahlgang zum neuen Oberbürgermeister von Hoyerswerda gewählt worden. Sind Sie gut vorbereitet auf diese Aufgabe? Immerhin ist das Ihr erstes politisches Amt, und Sie sind schon 57 Jahre alt.

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Fritz Elvers | Di, 22. September 2020 - 19:16

wird gant sicher ein guter Bürgermeister.

16,2% für die AfD ist zwar immer noch beschämend, aber offenbar konnte Herr Ruban-Zeh zeigen, dass sie eben keine Alternative, zu was auch immer, sind.

Viele haben in Sachsen AFD nur aus Protest gewählt, nicht aus Überzeugung. Sie wollten CDU und SPD damit aufrütteln: "Werdet endlich wach und hört uns zu."

Nur mit Ausgrenzung der Protestwähler erreicht man nix, zuhören und ernst nehmen dagegen hilft, wie man sieht. und konkretes Engagement vor Ort.

Leider gibt es immer noch viel zu wenige Ruban-Zehs, stattdessen immer noch zu viele Prediger von der hohen Kanzel.

Günter Johannsen | Di, 22. September 2020 - 19:54

"... dass wir als SPD ein bisschen nach links in die Gesellschaft rücken müssen … "
Zuerst hatte ich beim Lesen den Eindruck, da ist ,al ein vernünftiger Typ in der SPD. Das änderte sich dann schlagartig, nach diesem Satz! Nach links in die Gesellschaft rücken? Wo lebt dieser Herr? Oder hat er sich nur falsch ausgedrückt?
Die große Mehrheit in unserer gesellschaft ist eben gerade nicht links, sondern in der Mitte. Die extremen Linken und die extremen Rechten sind eine ganz geringe Minderheit, die nur so tun, als wären sie die Mehrheit. 1. Wer ist das: die Gesellschaft? Das ist die große Masse der Menschen in unserem Land - die Steuerzahler - die letztlich in einer Demokratie das Sagen haben: der Souverän! 2. Was ist links - was ist rechts? Linke wie Rechte sind Anhänger einer Ideologie, die die Bevölkerung über den Tisch ziehen wollen. Das ist nicht DIE Gesellschaft! Menschen müssen selbst denken und mit dem eigenen Hirn ... Nicht volkstümlich flunkern, Genosse!

Meinen sie die Obdachlosen, welche von der Merkel-Regierung und den Grün-Linken zugunsten der "Schutzsuchenden" vernachlässigt und vergessen werden?
"Nach links in die Gesellschaft … ": es wird immer so getan, als ob die Gesellschaft mehrheitlich links wäre. Und das stimmt einfach nicht. Richtig ist: im Westen sind die früheren Steinewerfer und APO-Jünger, die sich später in zwei Vereine aufspalteten, den "Marsch durch die Institutionen" gegangen, der sie - wie wir heute spüren dürfen - in die die Schlüsselposition in den Medien, der Justiz und Politik Brachten. Der andere Teil stürzte ab in die RAF-Terroristen-Mördertruppe. Hinzu kommen noch die abgehalfterten SED-Funktionäre, die schon wieder oder immer noch "Reiche erschießen" oder in Arbeitslager stecken wollen. Dies linke Einheitsfront machen aber einen kleinen teil unserer Gesellschaft aus. Man schaue sich nur die Prognosen der SED-Erben an: 6 - 9 Prozent. DAS spiegelt den Willen der Deutschen wider! Kommunismus nicht erwünscht

Auch ich bin über diesen Satz gestolpert. Kein vernünftig denkender Mensch will extrem rechte oder linke Politik. Das können allenfalls Leitplanken sein, innerhalb der sich politisches Denken bewegen sollte. Wo steht denn die SPD derzeit eigentlich, wenn er noch etwas weiter nach links rücken will?
Ab welchem Punkt und konkret an welchen politischen Themen orientiert will er nach links rücken? Ja, der Mann hört sich im ersten Moment sicher bodenständig und unabhängig an. Aber nur im ersten Moment. Im zweiten Hinschauen passt er sich doch Kühnert, Esken, Borjans und den anderen SPDlern an, welche sich zum Ziel gesetzt haben, selbst die Linken und Teile der grünen links überholen zu wollen. Wo führt das hin? In die extreme Linke, also wieder in einen roten Faschismus, wie in der DDR. Das er gewählt wurde liegt sicher auch daran, dass Kommunalpolitik mit Bewerbern zum Anfassen, denen man ggfls. persönlich dem Marsch blasen kann, anders ist, wie Bundespolitik mit entfernten Abgeordneten

Christa Wallau | Di, 22. September 2020 - 20:06

daß nicht die Partei ausschlaggebend ist, sondern die Persönlichkeit der einzelnen Bewerber.
Herr Ruban-Zeh hat als Person die Wähler überzeugt. Gut so!

Er verfügt ja auch über reichlich Lebens- und Berufserfahrung, so daß er den Vertrauensvorschuß verdient. Das Zugehen auf die Menschen ist immer gut. In direkten Gesprächen erfährt am besten, wo die Leute der Schuh drückt und welche Erwartungen sie haben.
Was der neue Oberbürgermeiser von Hoyerswerda über Rußland und die Erfahrungen der Russen mit der "Demokratie" unter Jelzin sagt, kann ich nur bestätigen. Auf unseren Reisen dort haben wir von den Russen Ähnliches gehört: Bloß nicht wieder das Chaos und die Unsicherheiten wie damals!

Im wievielten Wahlgang mit einfacher Mehrheit und bei welcher Wahlbeteiligung? DAS wäre noch zu erwähnen. Mir gefällt jemand aus der Wohlfahrtsindustrie nicht besonders und seine Zeit in der freien Wirtschaft ist auch recht kurz, dann hat man schnell den Absprung ins Sichere geschafft. Nein, ich will niemandem etwas unterstellen aber ich hätte jemanden mit dieser Erwerbsbiografie nicht gewählt. Und mit der Einstellung "weiter nach links rücken" schon mal gar nicht.

gabriele bondzio | Di, 22. September 2020 - 20:11

außerhalb der Politik zurückblicken kann. „...erweckt erst mal Sympathie. Beim Loblied auf Kretschmer bin ich geteilter Meinung. Er setzt sich auf die eine Art für seine Landsleute ein. Auch in der Corona-Zeit bleibt er auf den Teppich, hat auch in der Aufregung um Chemnitz anfangs besonnen reagiert. Aber bei ihm spielt sicher auch oft der Gedanke mit, wie er bestens beim Wähler ankommen kann.
Aber dass er die Grünen ins Boot geholt, mit gerade 8,6% und die AFD die immerhin 27,5% in die Waggschale warf beiseite schob, spiegelt nicht den Wählerwillen wieder. Und auch nicht seinen flotten Spruch, “alle einzubeziehen„ und zeigt klar seine Abhängigkeit von der Bundes-CDU.
Torsten Ruban-Zeh wird ja von der sichtlich enttäuschten Grünen-Politikerin Baumeister abgelehnt.“Er wisse nicht, was die Menschen hier berührt„- ihr Tenor.
Man wird sehen, wie sich Ruban-Zeh in Hoyerswerda schlägt. Voll des Eigenlobs für sich selbst ist er ja.

Ja, ja die grüne Baumeister(in). Kleines Rechenexempel: Bei einer Wahlbeteiligung von ca. 50% erhält die gemeinsame Kandidatin von Grünen, Linken, einer städtischen Bürgerliste, sowie von 'Künstlern, Kreativen und Intellektuellen' etwa 33% der Stimmen. Das ist kein schlechtes Ergebnis; aber wenn man scharf nachrechnet wurde sie von ca. 15-16 % der Wahlberechtigten gewählt. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Kaum jemand in der Stadt will Frau Baumeister - außer der eigenen Fanblase!
So einfach kann man - durch das Ausblenden der Wahlbeteiligung - mit 'Statistik' tricksen und framen.
Das eigentlich Erschreckende der Wahlen in Hoyerswerda, Chemnitz und Zwickau: Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten verweigerte sich und blieb einfach zu Hause; sei es auch Gleichgültigkeit, Desinteresse, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit. Darüber sollte man sich in Parteien, Kirchen, Presse Gedanken machen. Diese niedrige Wahlbeteiligung gefährdet die Demokratie; die angeblich doch die 'unsere' ist!

solange es den richtigen in die Hände spielt wird das gerne ignoriert.
Man stelle sich nur vor die pösen Jungs hätten gewonnen.
Man hätte die Wahl mit Zustimmung aus Berlin rückgängig gemacht.
Gut das man Hoyerswerda hat, so kann man von Duisburg Marxloh, Zustände dank SPD und Grüne, ablenken. Kommunalwahl 16% Beteiligung. Das spricht Bände. Da reagiert aber in NRW keiner der von Ihnen genannten Institutionen.
Und das schon seit Jahren. So wird es auch hier sein. Hauptsache man hat selbst ausgesorgt.

Jürgen Keil | Mi, 23. September 2020 - 09:35

"Und manchmal ist es ja auch gar nicht schlecht, wenn man erst mit Ende 50 solch ein politisches Amt anstrebt – und dabei auf ein gehöriges Maß an Lebenserfahrung außerhalb der Politik zurückblicken kann." Diesen Satz sollte Herr Kevin Kühnert und diverse grüne Schnellrednerinnen lesen! Aber Herr Ruban- Zeh ist ja nur ein "alter weißer Mann". Hoffentlich will er aber nicht gleich Migranten aufnehmen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 23. September 2020 - 13:41

Wie kamen Sie über "das Minenfeld und die Mauer", Herr Ruban-Zeh? Sehr überspitzt gesagt.
Nun ja, es gab einen Unterschied der Besatzungen, das will ich nicht leugnen, aber auch der "genuinen Herrschaftsformen"?
Wir wurden im Westen keinesfalls von glühenden USA-"Vasallen" regiert, sondern über ein Grundgesetz, das wir nicht nur annehmen konnten, sondern auch so, als wärs ein Stück von uns ALLEN, fast.
Ich leide sehr darunter, dass die SPD im Osten ein fast kümmerliches Dasein fristet, überhaupt scheints Parteien.
Die Mitgliedszahlen sind doch generell erschreckend niedrig?
Basis klingt vertraut für mich und fast glaube ich, dass nur über wirklich viel Vertrauen in KONKRETE PERSONEN dem Parteienschwund abgeholfen werden kann.
Ein schönes Interview.