Natalie Pawlik
Natalie Pawlik / Foto: Maximilian von Lachner/VISUM

Natalie Pawlik im Porträt - Opposition in der Regierung

Natalie Pawlik (SPD) hat eine eigene erfolgreiche Migrationsgeschichte hinter sich. Die 33-Jährige emigrierte wie Tausende andere russische Spätaussiedler nach Deutschland. Als Integrationsbeauftragte kritisiert sie nun die selbst mitbeschlossene Migrationswende.

Autoreninfo

Felix Huber studiert Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

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Mit einem einzigen Nebensatz über das „Stadtbild“ löst Bundeskanzler Friedrich Merz im Herbst eine hitzige Debatte aus. Während der darauffolgenden Empörungswelle könnte der Kanzler die Rückendeckung seiner Koalition gut gebrauchen. Doch wie so oft in der Geschichte der noch jungen Regierung kommt die deutlichste Kritik aus dem eigenen Kabinett: unter anderem auch von Natalie Pawlik. 

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Markus Michaelis | Fr., 23. Januar 2026 - 13:27

Bei einer Gesellschaft, die sich so stark ändert, stellt sich die Frage, was Integration heißen soll. Meinem Eindruck nach bildet sich eine neue Gesellschaft, mit dem Auslaufen der Boomer wird sich das eher beschleunigen. Dazu gehört auch die Idee der "offene Gesellschaft", zu der alle Menschen dazugehören. Die Idee, die das alles verbinden soll, sind Menschenrechte und Demokratie, wobei dieser Ansatz besagt, dass man entweder dazugehört oder Menschenfeind ist, andere tiefe Fragestellungen scheint es nicht zu geben.

Ich sehe heute die Gesellschaft eher dahingehend als offen an, dass es ziemlich offen ist, welche Werte und Regeln in Zukunft gelten werden. Das ist auch ok, aber da es sicher keine W+R gibt, in die alle Menschen gleichermaßen vergnügt und zufrieden hineinpassen, ist es denke ich offen, wohin das gehen wird. Im Moment formieren sich mehr Gruppen, die ihre Sichtweisen als Norm setzen wollen. Wer sich mehr durchsetzt, ist offen.

Markus Michaelis | Fr., 23. Januar 2026 - 14:18

Ein Argument für mehr Engagement für Zuwanderer ist, dass wir diese mehr mitnehmen müssen, Chancen geben, zuhören, unterstützen - zum Wohle aller, weil Menschen dann mitmachen, statt zur Last zu fallen. Das scheint mir immer noch von einer großen eingespielten Mehrheit und ein paar isolierten Zuwanderern auszugehen. Heute geht es aber um eine neue Gesellschaft mit verschiedenen neuen Mehrheitsgruppen und deren Zusammenspiel. Es stellt sich auch für Altbürger die Frage ob sie zu dieser Gesellschaft in Zukunft beitragen wollen (und können) oder eher nicht oder woanders.

Ein anderes Argument ist der Fokus auf die Erfolgsgeschichten. Wenn das so klar ist: wo ist das Beispiel, dass beliebige Menschen mit beliebigem Hintergrund sich zusammenfinden und eine prosperierende Gesellschaft gründen. Beispiele wie Dubai geben die Regeln für alle vor - die werden nicht verhandelt. Mir scheint das Argument auch in D von festen Regeln auszugehen - real geht es aber um das Aushandeln neuer Regeln.

Angelika Sehnert | Fr., 23. Januar 2026 - 16:42

Wer aus der Praxis heraus argumentieren würde, müsste längst festgestellt haben, dass Integration in den Kommunen nicht mehr funktionieren kann, einmal wegen der schieren Massen an Migranten und der daraus resultierenden Belastungen, vor allem aber wenn man die „besondere Problematik der Migration aus dem arabischen Raum“ (Euphemismus der Woche!) nicht nur vernachlässigt , sondern leugnet- wie der linke Flügel der SPD, dessen Mitglieder ganz oben im Elfenbeinturm , abgeschirmt von der Realität, leben.
Integration ist anstrengend und herausfordernd, das hat die junge Frau selbst erfahren, eine Bringschuld. Man muss die Möglichkeiten, die das Land bietet, auch aktiv nutzen wollen. Aber genau das fordert man seitens der Gesellschaft gar nicht mehr ein. Dass ausgerechnet jemand mit Einwanderungsgeschichte das auch nicht tut, zeigt wie ideologisch verblendet das linke Milieu ist.
Übrigens ist ständige Kritik an sinnvollen Maßnahmen keine konstruktive , gestaltende Politik.