Reiner Haseloff und Sven Schulze
Der alte und der neue Ministerpräsident: Reiner Haseloff und Sven Schulze / picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

Nachfolge von Reiner Haseloff - Sachsen-Anhalts neuer Ministerpräsident heißt Sven Schulze

Nach 15 Jahren Reiner Haseloff übernimmt Sven Schulze das Amt des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt – und muss gleich gegen einen großen AfD-Vorsprung kämpfen.

Grafik: Zwei verschränkte Hände, eine mit SPD-Logo, die andere mit Gebetskette, roter Hintergrund.

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Sven Schulze (CDU) ist neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Der 46-Jährige wurde auch mit Stimmen aus der Opposition gewählt. Er folgt auf den zurückgetretenen Reiner Haseloff (CDU). 58 Abgeordnete stimmten im Magdeburger Parlament im ersten Wahlgang für Schulze, 38 gegen ihn bei null Enthaltungen. Eine Stimme war ungültig.

Für die Wahl waren mindestens 49 Ja-Stimmen nötig. Die Koalition aus CDU, SPD und FDP verfügt über 56 Sitze. Schulze erhielt zwei Stimmen mehr. Der Gewählte nahm die Wahl an und wurde kurz darauf vereidigt.

In seiner ersten Rede als Ministerpräsident sagte Schulze: „Es ist ein gutes Zeichen, dass wir eine breite Mehrheit haben für den Start in eine neue Zeit für Sachsen-Anhalt. Das ist gut für unser Land und das ist auch gut für die Menschen in den Wahlkreisen, die Sie, werte Abgeordnete, hier vertreten.“ Er wandte sich an den Ex-Ministerpräsidenten mit den Worten: „Lieber Reiner Haseloff, du hast unser Land 15 Jahre lang geführt und es waren schwierige Jahre. [...] Du hast diesem Land viele Erfolge beschert.“ Er habe Maßstäbe gesetzt, sei dabei immer Mensch geblieben. 

Nach 15 Jahren an der Regierungsspitze war Reiner Haseloff (CDU) am Dienstag als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt zurückgetreten. Der 71-Jährige ermöglicht Schulze damit, als Regierungschef und nicht nur als CDU-Spitzenkandidat in die Landtagswahl am 6. September zu gehen.

Sven Schulze hat sich in der Politik zielstrebig nach oben gearbeitet. Ende 2016 schuf die CDU Sachsen-Anhalt die Position des Generalsekretärs neu und wählte Schulze in die Funktion. Er war sieben Jahre Mitglied des Europäischen Parlaments, im März 2021 wurde Schulze dann CDU-Landesvorsitzender. Nach der Landtagswahl 2021 schmiedete er geräuschlos die Koalition aus CDU, SPD und FDP – und sein Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten.

In der jüngsten Wahlumfrage kam die AfD auf 39 Prozent, die CDU auf 26

In seiner Rede wurde Schulze auch persönlich. Als 1989 die Mauer fiel, sei er zehn Jahre alt gewesen, habe in einem kleinen Dorf am Rande des Harzes gewohnt. Alle hätten damals große Träume gehabt. Stolz mache ihn bis heute, dass die Menschen ihre Heimat wieder aufgebaut hätten. „Es ist noch nicht alles perfekt, es ist noch nicht alles fertig.“ Aber es gebe längst andere Zukunftsperspektiven als in den 1990er Jahren.  

„Dieser Aufbau geht weiter mit einer stabilen und starken Landesregierung. Und auch mit einem Ministerpräsidenten, der fleißig ist, der dranbleibt, und der auch dann, wenn der Wind direkt ins Gesicht bläst, den Mut nicht verliert und für seine Heimat kämpft. Das ist mein ganz persönliches Versprechen für die Bürger in diesem Land.“ Schulze sagte den Abgeordneten, sie sollten die Probleme und Sorgen der Menschen ins Parlament tragen, um Lösungen zu finden. Der Staat solle den Menschen dienen, nicht andersherum.  

Sachsen-Anhalt ist von den fünf Landtagswahlen in diesem Jahr diejenige, bei der die CDU am meisten zu verlieren hat – weil nicht nur der Verlust eines Ministerpräsidentenamtes möglich ist, sondern die AfD erstmals in einem Bundesland an die Macht kommen könnte. In der jüngsten Wahlumfrage kam die AfD auf 39 Prozent, die CDU auf 26.

Koalitionspartner SPD und FDP setzen auf Kontinuität

Der stellvertretende Ministerpräsident, Umweltminister und SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann, sagte, die Wahl sei ein „kraftvolles Signal der demokratischen Mitte“. Jetzt gehe es darum, bis zur Landtagswahl am 6. September deutlich zu machen, dass „aus der Mitte heraus und ohne Getöse, ohne weitere Radikalisierung unserer Politik eine vernünftige, sachbezogene Arbeit geleistet werden kann“. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Pähle bezeichnete das Wahlergebnis als gutes Zeichen. Es zeige, dass die demokratische Mitte in Sachsen-Anhalt so etwas hinbekomme.  

Infrastrukturministerin und FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens sagte, die Koalition habe gemeinsam schon vieles erreicht, man habe aber noch einiges vor.

Linke wirft CDU Wortbruch vor

Die Opposition reagierte mit gemischten Gefühlen auf die Wahl von Sven Schulze. Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern warf der CDU Wortbruch vor, weil Haseloff immer betont habe, bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt zu bleiben. Es habe außerdem genug Themen gegeben, die Schulze bereits als Wirtschaftsminister hätte angehen können. „Insofern widerspreche ich auch ausdrücklich der Koalition, dass er ein guter Wirtschaftsminister war.“  

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bezeichnete die vorgezogene Neuwahl als Spielchen, das von den Problemen im Land ablenke. Und bezogen auf Sven Schulze: „Er ist eine Kopie von Reiner Haseloff.“ Das Ziel für die Landtagswahl seien daher „45 Prozent plus X“, damit es für eine eigene Mehrheit reiche.  

Es gab aber auch positive Stimmen aus der Opposition. Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz hatte auf ein solches Ergebnis gehofft, wie sie sagte. „Ich würde es nicht als Vertrauensbruch oder als Wortbruch bezeichnen“, sagte sie. Es sei nachvollziehbar, dass die CDU jetzt so verfahre.  

Keine große Kabinettsumbildung geplant

Eine große Kabinettsumbildung soll es nach der Staffelstabübergabe an der Regierungsspitze nicht geben. Finanzminister Michael Richter (CDU) soll die Administration in Schulzes Wirtschaftsministerium bis zum Wahltermin mit übernehmen. Die operativen Aufgaben will Schulze aus der Staatskanzlei heraus selbst bearbeiten. Die Minister der Landesregierung sollen am Mittag ernannt und später im Parlament vereidigt werden. 

Quelle: dpa

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IngoFrank | Mi., 28. Januar 2026 - 13:09

Ministerpräsident Sachsen Anhalts von Gnaden einer wenn überhaupt einstelligen SPD und einer gerade zweistelligen SED- Erben Partei …..mit mehr Glück als Verstand die nötigen 43 % erreichend ohne Grüner Sekte & FDP die wohl mit 3% mit hoher Wahrscheinlichkeit in der außerparlamentarischen Opposition tätig sein werden.
Fragt sich nur wie lange der „Laden“ zusammenhält bis er auseinander fällt 😂
ODER, die 43% werden in Gänze nich erreicht oder reichen den Parteien der Einheitsfront nicht, was dann ? Wenn eine Mehrheit gegen die AfD theoretisch nicht zusammenkommt ? Dann krachst auch in Berlin ……
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter

Klaus Funke | Mi., 28. Januar 2026 - 14:04

Man wechsle einfach vor der Wahl den MP Haselhoff aus, weil der nach zig Jahren erfolgloser CDU-Politik in Sachsen-Anhalt kaum Chancen gehabt hätte, auf normalem Wege an die Spitze zu kommen. Und nun glaubt man, hätte die CDU eine reale Chance die Riesenkluft zur AfD aufzuholen. Kinderglauben. Naiver und dreister geht wirklich kaum. Und klar, CICERO feiert sowas natürlich. Das ist in 2026 "unsere Demokratie". Einfach nur erbärmlich. Zum Abwinken. Und flux wird gleich nachgeschoben, dass die AfD ein paar Zustimmungspunkte eingebüßt hätte. Auch das ist "unsere Demokratie". Ich kenne Herrn Schulze nicht - ein lächelnder Fettkloß. Ja, so werden im heutigen Deutschland Ministerpräsidenten "gemacht". Einfach eine Rochade und schon sitzt man weiter im Sattel. Sieht ganz nach Merkel´s Idee aus. Die Erfinderin "unserer Demokratie", die Dame (nein, nicht ohne Unterleib) aber dafür ohne jede politische Skrupel. Mal sehen, ob diese Rochade der CDU in Sachsen-Anhalt nützen wird? Ich fürchte nicht.

Warum quallern Sie sich denn so hoch. CICERO tut das, was andere Medien falsch machen. Im von Ihnen kritisierten Beitrag wird nur darüber informiert, was gelaufen ist, ohne jede Wertung. Nur weil Ihnen dieser Vorgang nicht gefällt, spucken sie Gift und Galle. Man kann der AfD jeden denkbaren Erfolg wünschen - tu ich auch. Aber dass die CDU einen nachvollziehbaren Schritt geht, um ihre Macht zu sichern, muss man ihr schon zubilligen. Kein Grund, blind vor Verärgerung herum zu geifern. Das machen nur Flachfeilen.

Wolfgang Borchardt | Mi., 28. Januar 2026 - 18:35

gezwungen, ein Bündnis mit der SPD einzugehen. In den anstehenden Entscheidungen wird sich zeigen, wie "breit" diese Mehrheit wirklich ist.

Andreas Peters | Mi., 28. Januar 2026 - 19:17

Hr. Schulze versammelt demnächst alle Parteien des "Demokratischen Blocks" um sich, um ja den dringend benötigten Wandel aufzuhalten und primär seine Macht zu erhalten.. Und die Bürger sollen das schlucken, weil ihnen erzählt wird, so funktioniert "unsere Demokratie". Demokratie funktioniert schon seit einigen Jahren nicht mehr. Und das merkt man umso besser bei den Leuten, die in jedem Satz dreimal Demokratie rufen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do., 29. Januar 2026 - 06:13

Ja darf ich denn auf einen Wechsel ihrer politischen Präferenzen zugunsten der CDU hoffen?
Herr Schulze will mit Kompetenz punkten und ist sportlich unterwegs.
Er ist von der Ausbildung her Wirtschaftsingenieur, passt doch für Sachsen-Anhalt.
Laut Wiki wuchs Frau Dr. Katja Pähle (SPD) als Tochter einer Pharmazieingenieurin und eines Berufsschulleiters auf...
Hoffentlich erkennen die Wähler politische LEISTUNGEN /an.
Meckern darf jede/r, aber Leistung überzeugt hoffentlich.

Achim Koester | Do., 29. Januar 2026 - 09:15

indem sie auf einen charismatischen MP einen unbekannten, farblosen Nachfolger setzt. Wenn der nicht in der bis zu den Wahlen verbleibenden Zeit überzeugende Arbeit leisten wird, was ich persönlich für unmöglich halte, wird die AfD im September einen triumphalen Erfolg feiern.

Ernst-Günther Konrad | Do., 29. Januar 2026 - 10:50

Ich habe gestern bei den freien Medien eine Straßenumfrage gesehen. In SA kennt den kaum jemand. Und gestern Abend beim Zappen sah ich ein Interview im ZDF -heute-, wo er zweimal gefragt wurde, was er machen würde, wenn er keine Mehrheit bekommen wird, ob er dann mit allen *demokratischen Parteien* sich gegen die AFD stellen würde. Trotz Nachfrage keine Aussage, er gehe davon aus, er gewinne die Wahlen. Ich bin mir sicher, sollte er nur als MP weiter im Amt bleiben können, wird er alle Parteien ins Boot holen, die er für eine Mehrheit braucht. Deshalb braucht SA die absolute Mehrheit für die AFD. Auch er hat schon mal gelogen und wenn er es jetzt indirekt dadurch tut, in dem er seine wahren Absichten nicht vor der Wahl offen erklärt.