Mordversuch an Eritreer - Falsche Hautfarbe

Der Mordversuch an einem Eritreer im hessischen Wächtersbach macht fassungslos. Wie kann jemand in diesem zivilisierten Land aus Rassismus heraus einen wildfremden Menschen töten wollen?

Nahe des Sportplatzes des TSV Kassel sind rote Markierung auf dem Asphalt zu sehen.
Nur noch rote Markierungen deuten auf das Verbrechen hin, das in Wächtersbach geschehen ist / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Das Opfer war offensichtlich willkürlich gewählt. Der junge Mann hatte sich nichts zuschulden kommen lassen – außer in den Augen desjenigen, der wohl sein Mörder werden wollte: seine Hautfarbe. Dreimal schoss der 55-Jährige mit einer Pistole Kaliber 9 Millimeter vom Auto aus auf den Eritreer, eine Kugel verletzte ihn im Bauch lebensgefährlich. Wenig später nahm sich der Täter in seinem Tat- und Fluchtfahrzeug das Leben.

Was geht in einem Menschen vor, der so handelt? Was für eine barbarische Form der Enthemmung manifestiert sich hier, irgendwelche wildfremden Menschen umzubringen, wie auch erst vor wenigen Tagen der völlig anlasslose Mord an einer Frau, die von einem Mann serbischer Herkunft vor eine einfahrende Bahn geschubst wurde. Oder der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der offenbar sterben musste, weil er sich für die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung einsetzte und diejenigen kritisierte, die die Sache anders sehen. 

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Tonicek Schwamberger | Di, 23. Juli 2019 - 16:52

... Herr Schwennicke. Dazu kann ich erst einmal nur sagen: Der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Herr Haseloff, hat völlig recht, anders kann man es nicht formulieren. - Jetzt, wo das Kind schon lange in den Brunnen gefallen ist, was soll man jetzt noch retten? - Und zu denen, die der Politik ganz klar sagen: "Das wollen wir so nicht!" - Zu denen zähle ich mich auch.

Gerhard Lenz | Mi, 24. Juli 2019 - 11:35

In reply to by Tonicek Schwamberger

müsste eigentlich das blanke Entsetzen bei mir ausbrechen - alleine schon aus Erfahrung geschieht das nicht. Obwohl die Tat einhellig verurteilt wird, lese ich fast keine Kritik am gewalttätigen Rechtsextremismus, der mutmaßlich für diese Tat verantwortlich ist, dafür, durchaus verlässlich, die konstanten Anklagen gegen die "Machthabenden" in diesem Staat, das System und natürlich Frau Merkel . Hier und da klingt sogar durch, der Täter sei selbst wohl nur Opfer - eben einer verfehlten Migrationspolitik. Oder die "Sozialisierung" sei wohl fehlgeschlagen.
Nicht überraschend beim einem Anschlag von "Rechts": ein Einzeltäter - also die Art von Täter, die es bei religiös motivierten Anschlägen nicht geben darf.
Gewalt jeder Art ist scharf zu verurteilen. Niemand hat das Recht, AfDler anzugreifen, ja nicht mal deren Wahlplakate zu beschädigen. Aber auch niemand hat das Recht, Menschen mit anderer Hautfarbe oder Gesinnung zu attackieren. Egal, welche Politik in Berlin gemacht wird.

Bernd Windisch | Di, 23. Juli 2019 - 18:10

Der Mordversuch an einem Eritreer im hessischen Wächtersbach ist ganz offensichtlich von einem zutiefst gestörten Menschen begangen worden. Der anschließende Selbstmord spricht Bände. Dieser tragische Vorfall hat rein gar nichts mit der berechtigten Kritik an der ungesteuerten Masseneinwanderung dieser Tage nach Deutschland zu tun. Das kollektive Versagen unserer Nomenklatura gilt es weiterhin wo immer möglich zu benennen und zu kritisieren. Ich hoffe in diesem Zusammenhang sehr auf die anstehenden Wahlen. Dem jungen Mann aus Eritrea von hier aus guter Besserung!

Ich fürchte, Roland K. war genauso wenig ein geistig verwirrter Einzeltäter wie Stefan Ernst oder Anis Amri. Das sind Menschen, die aus ideologischen oder religiösen Motiven Gewalttaten planen und durchführen.
Sachliche Kritik an der Zuwanderungspolitik ist legitim und darf/soll in einer funktionierenden Demokratie weiterhin geäußert werden! Wer dabei allerdings eine demokratisch gewählte Regierung als Regime (oder "Nomenklatura") bezeichnet und bei den anstehenden Landtagswahlen auf eine Partei hofft, die nach Aussage ihres Bundesvorsitzenden von Rechtsextremisten unterwandert ist und in der Begriffe wie "Umvolkung" verwendet werden, der sollte sich fragen, ob er wirklich zu einem konstruktiven und demokratischen Willensbildungsprozess beiträgt.
Aber vielleicht habe ich Sie auch einfach nur falsch verstanden...

die Radikalisierung von AfDlern macht auch in diesem Forum nicht halt, dies ist ein wunderbares Beispiel.

P.S. Natürlich nehme ich nicht an, dass dieser Kommentar wirklich veröffentlicht wird...

Heinz Maier | Di, 23. Juli 2019 - 18:45

Der Gedanke, facebook würde die Gesellschaft formen, ist falsch. Allenfalls spiegelt sich eine drastisch veränderte Gesellschaft hier. Drastisch verändert haben sich alle, die Regierten und die
Regierungen, die Medien und deren Konsumenten.
Beide Seiten stehen sich kritisch bis feindlich, teilweise hasserfüllt gegenüber. Die einen betreiben rücksichtslos und brutal ihre
Machtspielchen (EU Scheinwahlen), die anderen
sind ohnmächtig staunende Zaungäste und wissen sich nicht zu helfen.
Ein scharfes Gebräu für einfache Gemüter.

Heidemarie Heim | Di, 23. Juli 2019 - 18:56

Und die Angst geht um, zumindest bei denjenigen, die das vorherige Gefüge noch kennen!Die Elternhäuser hatten mit intakten sozialen Strukturen statt Hartz-Biografien über Generationen. Wo gutes und faires Benehmen auch in der Volksschule selbstverständlich war statt Mobbing bis zum Suizid. Wo einen der vertraute Klassenlehrer fast sein ganzes Schul-Leben begleitete und die einzigen Stundenausfälle "Hitzefrei" hießen. Wo man statt Malleurlaub eine Dauerkarte fürs unbeheizte Schwimmbad hatte.Wo man statt Zoff mit dem Bademeister anzufangen weil`s 5m-Brett mal wieder gesperrt war, in der gewohnten Ecke seinen ersten Kuss beim Flaschendrehen bekam oder hustend seine erste Zigarette qualmte in trauter Runde statt die neuesten Gangbang-Clips auszutauschen. Wo man sich keinerlei Gedanken machen musste als Mädchen oder Junge nach dem Training im Dunkeln nach Haus zu laufen. Diese Freiheit unter dem Schutz normativer Ethik in unserer Gesellschaft ist zerbröselt und kommt nie mehr wieder! MfG

Frau HEIM, da kann ich Ihnen nur beipflichten. Ich habe die 80 bereits überschritten und noch immer treffen wir uns aus unserem Jahrgang
jeden Monat in lockerer Runde in einem Lokal. Freundschaften halten
über Jahrzehnte. Das ist für mich unbezahlbar, ist Heimat.

Markus Michaelis | Di, 23. Juli 2019 - 20:45

Es stimmt, solche Taten sind zerstörerisch und zersetzen die Gesellschaft. Die sozialen Netzwerke und Chatrooms mögen das begünstigen, aber die Gründe liegen wohl tiefer.

Gerhard Lenz | Mi, 24. Juli 2019 - 11:49

In reply to by Markus Michaelis

...macht mobil. Der Mord an den Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist gerade ein paar Wochen her. Gestern gab es Bombendrohungen gegen Moscheen in Mainz, Mannheim, Köln, Duisburg und Iserlohn. Am gleichen Tag wird mitten in Deutschland aus einem fahrenden Auto auf einen Afrikaner geschossen.
Die wirklich demokratischen Parteien müssen nun handeln. Und die AfD, die sich doch so gerne demokratisch nennt, sollte sich diesem Handeln verbal unterstützend anschließen. Es ist wenig hilfreich, diese Taten ewig nur mit den Randalen beim G20-Gipfel in Hamburg, gewalttätigen Anifa-Aktivisten, der Kölner Silvesternacht vor ein paar Jahren oder zerstörten AfD-Materialien zu relativieren. Es ist für die Glaubwürdigkeit der Partei vernichtend, wenn man die Gelder im Kampf gegen Rechtsextremismus kürzen will, und gleichzeitig Untersuchungsausschüsse gegen Linksextremismus fordert. Hat sich Herr Hoecke eigentlich jemals zum Attentat auf Herrn Lübcke geäussert?

Stefan Jurisch | Mi, 24. Juli 2019 - 08:49

Doch dieser kann und muss man gegensteuern, sonst sind wir hier bald alle nicht mehr so sicher, wie wir gern wären. Manchmal muss man eben auch solchen schlimmen Dingen klein bei geben und einfach mal drüber nachdenken, ob es nicht gerade wegen solcher Dinge gefährlich ist, den Menschen immer mehr Zuwanderung zuzumuten.
Man kann diesen Leuten die Ängste nicht nehmen, und man kann auch nicht alle davon frühzeitig erkennen und wegschließen, ohne allen anderen Bürgern die Freiheit bis zur Unkenntlichkeit einzuschränken. Wollen wir wirklich irgendwann im Schussfeld stehen, während ein Wahnsinniger auf Zugewanderte schießt?

Einfach mal drüber nachdenken.

Nichts desto trotz bleibt so etwas eine grausame Tat, für die ich null Verständnis aufbringe. Solche Menschen gehören weggesperrt, auf Lebenszeit. Sofern sie es uns und sich selbst nicht durch einen feigen Selbstmord ersparen.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 24. Juli 2019 - 08:58

Natürlich ist dieser Mordversuch, wie viele anderen Taten, ob versucht oder vollendet nicht zu akzeptieren. Ob wegen 5€ oder aus politischen oder religiösen Motiven, nichts rechtfertigt eine solche Tat.
Nur bitte vorsicht. Der Täter hat sich selbst gerichtet. Wir wissen nicht was er dachte, wir können nur vermuten. Natürlich liegt auch der Verdacht nah, der Eriträer wurde wegen seine Hautfarbe angeschossen. Das ist keine Frage. Er könnte aber auch aus ganz anderen Motiven "Zufallsopfer" geworden sein. Das macht die Tat nicht besser. Ich lese in anderen Medien, das plötzlich "Zeugen" gehört haben, es hätte sich rechts geäußert. Einige haben es schon immer gewusst, dass er gefährlich sei, andere sind überrascht und trauten ihm das nicht zu. Geben wir doch den Ermittlern die Zeit, soviel wie möglich heraus zu finden. Dann kann man es bewerten. War das Opfer aus rassistischen Gründen ausgewählt, dann muss das genauso klar benannt werden, wie mögliche andere Motive. Es braucht Diskussion.

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