Seyran Ateş
Seyran Ateş / picture alliance / Metodi Popow | M. Popow

Nach Eklat in Berliner Moschee - „Wenn ich auswandern sollte, gehe ich nach Israel“

Seyran Ateş kritisiert den Wahlkampfauftritt von SPD, Grünen und Linken in der umstrittenen Dar-Assalam-Moschee scharf. Sie wirft den Parteien politische Doppelstandards vor – und warnt vor einer neuen rot-rot-grünen Regierung in Berlin.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Future For Fridays?“ im Quadriga-Verlag (Bastei Lübbe).

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Seyran Ateş (62) ist Rechtsanwältin, Frauenrechtlerin und Autorin. Sie setzt sich seit Jahrzehnten für die Rechte von Frauen, für einen liberalen Islam und gegen Zwangsheirat und Gewalt im Namen der Ehre ein. Die in Berlin lebende Juristin gründete 2017 die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, die als eine der ersten liberalen Moscheen in Deutschland gilt. Ateş steht seit Jahren unter Polizeischutz und ist eine der prominentesten Stimmen in der Debatte um Integration, Religionsfreiheit und Reformbewegungen im Islam. In ihren Büchern und öffentlichen Auftritten wirbt sie für einen aufgeklärten, pluralistischen Islam und eine offene Gesellschaft.

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Markus Michaelis | Mo., 31. August 2026 - 18:22

das ist interessant - darüber muss ich nachdenken. Die Kritik an Frau Jarasch kann ich verstehen. Frau Jarasch steht für große Teile zumindest der politisch relevanten, staatstragenden Mitte. Man ist dort (immer nach meiner Wahrnehmung) weniger vom politischen Islam begeistert. Der Antrieb ist Weltoffenheit, Zugewandtheit zu allen Menschen, Werteorientierung - und zwar an universellen Werten. Es ist mehr eine Absolutstellung der eigenen Weltsicht und der feste Glaube, damit die Menschheit zu repräsentieren, der hier antreibt. Als Erklärung für alle Reibungen sieht man Diskriminierung, Kapitalismus und Faschismus. Nimmt man noch die real in D lebenden Menschen dazu, bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als auf den Islam und auch den politischen Islam zuzugehen. In der einen oder anderen Variante begeistert der Islam hunderte Millionen und wenn man die Welt nicht als bunt-verschieden denken will, geht es eben zusammen. Was sonst? Japan?

Chris Groll | Di., 1. September 2026 - 14:19

Antwort auf von Markus Michaelis

Die größten Kritiker des "politischen Islam" kommen grundsätzlich aus islamischen Ländern. Und diese Kritiker werden alle mit dem Tode bedroht. Was sagt uns das?

Den Bürgern in westlichen Ländern ist es egal, ob sie mohammedanisch werden oder nicht. Ihre Kinder sind ihnen egal. Es ist diese Unterwerfung und Feigheit, die mir Angst macht.
Frau Ayaan Hirsi Ali (ehemalige Islamistin) spricht eine unbequeme Wahrheit aus: „Europa fällt wie ein Kartenhaus zusammen, und Großbritannien steht am Abgrund. Die Länder fallen wie Dominosteine – ein Albtraum, der durch Besiedlung und die Infiltration von Institutionen, einschließlich politischer Parteien, erreicht wurde.“
Frau Seyran Ateş und Frau Ayaan Hirsi Ali schätze ich sehr.

Markus Michaelis | Mi., 2. September 2026 - 13:54

Antwort auf von Chris Groll

Ich glaube darum geht es den weltoffenen Bürgern im Westen nicht. Der Hauptpunkt ist, dass man selber globale, universelle Menschheitswerte vertritt. Das ist der große Anker. Der Islam ist da vollkommen selbstverständlich eine von vielen Strömungen, die natürlich genau wie alle anderen dazugehört, weil man eben global, universell, menschlich ist. Der Islam bzw. die verschiedenen Islams sehe das aus ihrer Sicht natürlich anders.

Brigitte Miller | Mo., 31. August 2026 - 19:21

lassen es schleifen oder unterstützen die Islamisierung aktiv, der Bürger kann nur hilflos zuschauen.
Dass eine Muslimin wie Frau darüber nachdenken muss, wohin sie fliehen kann, wenn die politische Ausrichtung noch extremer wird,
und dass sie dabei an Israel denkt, ist bemerkenswert und traurig.

C. Schnörr | Mo., 31. August 2026 - 19:36

kontinuierlich über die Medien wahrgenommen, was diese tapfere Frau leistet. Was würde wohl unser Dauer-echauffierter Kanzler sagen, wenn er nur einmal zur Kenntnis nähme, dass diese Frau seit 2006(!) mit Personenschutz leben muss? Das resignierende bittere Interview bestätigt nur einmal mehr: Deutschland schafft sich ab.

Gisela Zabka | Di., 1. September 2026 - 00:01

Frau Ates möge bitte erläutern, wie sie „liberale Moschee“ definiert, abgesehen davon, dass in ihrer Moschee „alle geschlechtlichen Identitäten willkommen sind“. Und was das ist, ein „aufgeklärter, pluralistischer Islam“ – verzichtet der auf die Gewaltsuren („So haut ein auf ihre Hälse und haut ihnen jeden Finger ab“: 8:12) oder auf die Vorschrift, sich „nicht die Juden und Christen zu Freunden“ zu nehmen? „Und wer von euch sie zu Freunden nimmt, siehe, der ist von ihnen. Siehe, Allah leitet nicht ungerechte Leute“: 5:51. Die „ungerechten Leute“, das sind wir – wie soll da ein freundschaftliches Miteinander entstehen?

Nebenbei: Wenn Seyran Ates wüsste, was Goethe in seinen „Noten und Abhandlungen zum west-östlichen Divan“ geschrieben hat, wäre sie wohl kaum auf die Idee gekommen, ihre Moschee auch nach Goethe zu benennen. Etwas sehr Unschönes über den Muslim. Und das noch: Warum Japan oder Israel, warum nicht Ungarn oder Polen? Das gibt es garantiert keine Islamisten.

"...warum nicht Ungarn oder Polen?" Weil sie sich, nach ihrem politischen und menschlichen Selbstverständnis, dort, nicht auf die gleiche Weise ausleben könnte wie das im defekten Deutschland möglich ist. Ob allerdings Israel oder Japan dafür geeignete Orte sind bleibt dahingestellt. So oder so; der Islam gehört nicht zu Deutschland. Diesbezügliche Probleme sind ja nicht vom Himmel gefallen sondern Importprodukte die auf einem falschen Selbstverständnis gemeinsamer "Werte" beruhen.

sagt: "Ablehnung gewalttätiger Interpretationen

Ateş kritisiert, dass viele Menschen eine moderne Auslegung des Korans ablehnen. Sie sieht in der Ablehnung dieser Interpretationen einen zentralen Punkt für den Fortschritt innerhalb der muslimischen Gemeinschaft.

Insgesamt fordert Seyran Ateş eine Reformbewegung, die den Islam von gewalttätigen und patriarchalen Strukturen befreit. Und: "Sie fordert eine kritische Auseinandersetzung mit den Texten, um die gewalttätigen Aspekte zu erkennen und abzulehnen."

Thomas Veit | Di., 1. September 2026 - 12:34

Antwort auf von Brigitte Miller

bei allem Respekt für ihre Arbeit und vor ihrer Haltung, doch aber an die religiösen Führer und geistlichen Gelehrten IHRER RELIGION richten... ..., der einfachen Logik nach? Und was haben in diesem Kontext wir in Deutschland damit zu tun - auf den Punkt gebracht...?

Wäre es da nicht erfolgversprechender für sie persönlich/konkret zum z.B. Christentum zu konvertieren...? 🤔 [rein hypothetisch]

Wenn sich die Menschen mehr mit Israel befassen und nicht nur der gräßlichen, mit Lügen verseuchten Propaganda glauben würden, wüßten sie, daß Israel eine freie Demokratie ist. Wo jeder - Jude / Christ / Mohammedaner /Drusen usw. usw. frei leben können.

Herbert Schultz-Gora | Di., 1. September 2026 - 10:08

...wie Frau Ates es tut, könnte man erstmal gucken, woher das "Ding" kommt und was für ein Anliegen es hat.
Warum...?
Weil das Mittel des "Kampfes" auf Vernichtung zielt und Bedrohung erzeugt und Kräfte weckt, die auf Frontenbildung hinauslaufen... also auf eine Stärkung dessen, was man eigentlich überwinden möchte.

Ernst-Günther Konrad | Di., 1. September 2026 - 12:21

Ich kann mit dem Begriff * liberaler Islam* nichts anfangen. Ja, sie kann ihn ausleben, o er friedlich ist und unser Rechtsystem akzeptiert. Aber auch ich bleibe, wie viele andere hier im Forum und in Deutschland auch dabei, der Islam gehört nicht nach Deutschland. Und ja, auch ich bin verwirrt, wohin Frau Ates fliehen würde, wenn sie es müsste. Immerhin herrscht mit dem Staat Israel und Palästina ein Dauerkrieg. Also ich wollte nicht ständig in einen Bunker rennen wollen. Aber jeder wie er will. Und ja, wie einige Mitkommentatoren richtig bemerken. Vor Islamisten sicher wäre sie gleich um die Ecke. Z.B. in Polen oder Ungarn.

Auch ich fühlte mich in Israel sicher. Trotz der Raketen, die ständig auf das Land niedergingen. Ich fühlte mich sicher, weil ich wußte, daß in Israel Rechtstaatlichkeit herrscht. Auch wenn das hier sehr gerne von Kommentatoren bestritten wird.

Hallo Frau Groll, damit das nicht falsch verstanden wird. Man kan durchaus in Israel sich sicher fühlen, auch wenn man trotz Raketenbeschuss unter Kriegseinflüssen steht. Es geht mir nicht darum, Israel die Rechtsstaatlichkeit abzusprechen, sondern sehe einfach einen Widerspruch darin, ausgerechnet in dieses Land zu flüchten vor den Islamisten, obwohl man vor denen auch in Nachbarländer Deutschlands sicher ist. Man kann mit der israelischen Politik durchaus kritisch umgehen, aber das Existenzrecht des Staates steht für mich genauso wenig in Frage, wie das der Palästinenser.

Hallo Herr Konrad, in welchem von Deutschlands Nachbarländern ist man denn vor Islamisten sicher. Ich dachte einmal, daß man vielleicht in Ungarn leben könnte. Aber auch dort haben sich die Menschen anders entschieden. Auch wenn es in Polen und Ungarn sicherlich noch nicht soo schlimm ist wie in Deutschland und allen westlichen Ländern, so ist der Wandel doch auch dort erkennbar.

Extremisten wohl nirgendwo..., auch in Israel oder Japan nicht, so sie 'Rache!' wollen...

Aber mit dem Prozentsatz der Durchdringung der allgemeinen Bevölkerung mit selbigen steigt die Wahrscheinlichkeit im gewöhnlichen Alltag das Opfer einer extremislamistischen Erziehungsmaßnahme zu werden selbstredend erheblich... - logisch, oder?

Da wären Polen und Ungarn nach wie vor erste Wahl in Europa, falls man/Frau Sicherheit vor islamistischen Extremist:innen suchen müsste. Nur in Israel und wohl auch in Japan bekäme Frau Ateş aber auch finanzielle Unterstützung für ihre Projekte. Genau das aber könnte sie aller Voraussicht nach in Polen oder Ungarn nicht erwarten... - und genau deshalb ist sie ja jetzt auch in Berlin (und keiner anderen deutschen Großstadt), schreibt sie selber indirekt... (lesen!).

So hat ALLES auch eine klare monetäre Seite... ..., auch 'der Kampf gegen {Irgendwas}'... 😉