Martin Sonneborn über den Wahlsieg: - „Unser Motto lautet Baywatch statt Frontex“

Der Satiriker Martin Sonneborn hat mit seiner Spaßgruppe „Die PARTEI“ einen Sitz im Europaparlament ergattert. Nach einem Monat will er aber sein Mandat wieder abgeben. Ein Interview

Martin Sonneborn, Chef von „Die PARTEI“, nimmt an einer Plakataktion teil
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Vinzenz Greiner hat Slawistik und Politikwissenschaften in Passau und Bratislava studiert und danach bei Cicero volontiert. 2013 ist sein Buch „Politische Kultur: Tschechien und Slowakei im Vergleich“ im Münchener AVM-Verlag erschienen.

So erreichen Sie Vinzenz Greiner:

Herr Sonneborn, Ihre Partei „Die PARTEI“ hat einen Sitz im Europaparlament. Fast jede zehnte Stimme kommt aus Berlin. Woher kommt dieses Berliner Vertrauen?
Die Berliner sind einfach nichts Gutes gewöhnt. Sie kennen nur lausige Lokalpolitik. Da fallen wir mit unserer modernen Turbo-Politik auf. Also Inhaltsleere gepaart mit Populismus.

Ganz leer ist ihr Programmpapier ja nicht. Sie fordern beispielsweise die Errichtung neuer Mauern in Europa. Etwa gegen Flüchtlinge?
Nein. Unser Motto lautet ja Baywatch statt Frontex. Aber man muss den Mauerbau in kompetente Hände legen, damit sie länger hält als die letzte Berliner Mauer. Der Osten muss durch eine Mauer vom Westen getrennt werden, damit wir eine  Abgrenzungsrealität bekommen, wie Oskar Negt es nennt.

Aber die hat man im Osten doch schon mit Russland – insbesondere wenn es geografisch näher an die EU rücken sollte.
Ich bin da nicht so furchtsam. Russland ist und bleibt weit weg. Wir brauchen eine näher gelegene Abgrenzungsrealität. Wir fordern übrigens, bei der Entscheidung über Grenzen im Osten immer erst den Rat eines über 90-Jährige einzuholen. Derjenigen also, die die alten Zeiten ja noch mitgemacht haben.

Eine Generation, die vom Aussterben bedroht ist. Sie haben es ja mit dem Schutz bedrohter Arten, würden am liebsten die Grünen unter Artenschutz stellen. Warum nicht die FDP?
Weil die FDP schon Vergangenheit ist – genauso wie die AfD.

In Italien haben auch Kabarettisten Plätze im EU-Parlament gewonnen. Die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo kommt auf etwa 26%.
Wieso auch? Wir sind keine Kabarettisten! Kabarett bleibt dabei, im Einvernehmen mit dem Publikum Dinge zu beschreiben. Wir machen dagegen Politik mit satirischen Methoden. Aber mit authentischem Willen zur Macht!

Wie wollen Sie das im Parlament durchsetzen?
Gar nicht. Ich gehe selten zur Arbeit.

Sie machen also die Koch-Mehrin?
Nein. Es ist nur so, dass man als Fraktionsloser unter 700 Abgeordneten eigentlich nicht viel machen kann und nur das, was die Kommission vorschlägt, abnicken darf.

Sie haben angekündigt, bereits nach einem Monat Ihren Sitz aufgeben zu wollen. Geht das so einfach? Muss man da nicht persönliche Gründe oder Krankheit angeben?
Ich denke, leichte psychische Deformation oder Heimweh dürften ausreichen.

Und gehen da in Ihrer Partei nicht schon die Intrigen und Verteilungskämpfe um den Platz im Europaparlament los?
Nein. Das war ja von Anfang an so geplant, dass wir eine Liste mit 60 verdienten Kadern aufgestellt haben, die nach und nach jetzt nachrücken und ihre Belohnung bekommen.

Eine Rotation nach Schweizer Vorbild?
Ja, nur besser bezahlt als dort.

Sie haben angekündigt, die EU zu melken wie ein südeuropäischer Staat. Kriegen denn Ihre Berliner Wähler auch was ab?
Klar planen wir für Berlin etwas: Wir wollen EU-Gelder in Höhe von fünf Millionen Euro organisieren und damit die sofortige Sprengung des Stadtschlosses durchführen, direkt nach dem Wiederaufbau.

Warum das Stadtschloss und nicht etwa der BER?
Weil es eine vertane Chance ist – wie so viele in dieser Stadt. Am BER sollen sie ruhig weiterbauen, das ist doch lustig.

Brüssel ist kein Neuland für Sie. Sie sind ja schon einmal für das ZDF im Stechschritt dort herummarschiert. Wollen Sie daran anknüpfen?
Ja, damals hatte ich sogar ein Hitlerbärtchen. Da schlug mir viel Sympathie entgegen. Ich meine, die europäische Idee ist ja nicht so neu. Sturmbannführer Giselher Wirsing hat die schon 1940 formuliert. Wir wollen jetzt vollenden, was Hitler mit der Wehrmacht nicht geschafft hat.

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