Magazin Cicero im Mai - Der Kampf um Rom

Der Papst mischt den Vatikan auf. Schafft er es, eine der ältesten Machtstrukturen der Welt aufzubrechen?

Titelkünstler: Marco Wagner für Cicero
Titelkünstler: Marco Wagner für Cicero

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Ein Mann wie ein Meteorit: Vor zwei Jahren schlug Papst Franziskus als Nachfolger von Benedikt XVI. in der katholischen Kirche ein, und nichts war wie vorher. Jorge Mario Bergoglio wandte sich persönlich gegen alle Insignien von Prunk und Protz, fordert eine Kirche, die nicht den eigenen Reich­­tum mehrt und verwaltet, sondern den Armen hilft. Er prangerte eine „Glo­balisierung der Gleichgültigkeit“ an, wusch Frauen die Füße und ließ in Rom Duschen für Obdachlose einrichten. „Ich werd’ noch katholisch!“, rief unsere Kolumnistin Amelie Fried damals begeistert.

Etwas später hat die Welt auch Papa Seltsam erlebt. Einen Papst, der Katholiken mit „Karnickeln“ vergleicht, der würdevolles Kinderschlagen nicht falsch findet und im Zusammenhang mit dem Attentat auf Charlie Hebdo Verständnis für Gewalt zeigt.

Dennoch: Frühlingsgefühle hat Papst Franziskus in seinen gut zwei Amtsjahren ausgelöst. Und bei denen, die den Winter lieber mögen, existenzielle Ängste. Des Hochverrats an der katholischen Kirche hat ihn der entmachtete US-Kurienkardinal Raymond Leo Burke geziehen. Der Philosoph Robert Spaemann wirft ihm ein „Chaos“ vor.

Der Kampf ist eröffnet: Seit Franziskus vergangenen Herbst eine erste Familien­synode abhielt, seit er der Kurie offen die Stirn bot und bei ihr 15 Krankheiten diagnostizierte, darunter geistigen Alzheimer, tobt der Machtkampf hinter den dicken Mauern des Vatikans. Die Frage ist: Schafft es dieser Papst, die ältesten und verkrustetsten Strukturen der Welt aufzubrechen und grundstürzende Reformen in Fragen von Ehe und Familie herbeizuführen? Unser Autor Giu­seppe Rusconi, versierter Vatikanreporter und erstklassig vernetzt, beschreibt die Stimmung im Gemäuer, eine Stimmung, die ein wenig an Umberto Ecos „Name der Rose“ erinnert. Der amerikanische Jesuit Joseph D. Fessio versucht im Interview mit Alexander Kissler zu ergrün­den, was sein Ordensbruder Franziskus wirk­lich will.

In einer Umfrage für Cicero spiegeln sich schon jetzt die Erwartungen. Im Oktober werden wir mehr wissen. Dann findet in Rom die zweite Familiensynode statt, dann wird sich Franziskus als eine Art Luther der katholischen Kirche erweisen – oder als konservativer Wolf im populistischen Schafspelz.

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