Katja Wolf und Sahra Wagenknecht
Katja Wolf und Sahra Wagenknecht beim thüringischen Landesparteitag des BSW Anfang Dezember 2024 / picture alliance / dpa / Michael Reichel

Machtkampf im BSW - Sahra Wagenknecht zerstört ihre eigene Partei

Die BSW-Gründerin zieht mit der Axt durch die politische Landschaft. Soeben wollte sie mit Katja Wolf die Thüringische Finanzministerin vom Vorsitz des dortigen BSW stürzen. Die Intrige misslang, die Partei ist jetzt gespalten – und dürfte damit keine Zukunft mehr haben.

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb ist Cicero-Autor und war Kultus- und Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört der SPD an.

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Wahrscheinlich wurde in dieser Woche das Ende des BSW eingeläutet. Es ist die Gründerin und Ikone Sahra Wagenknecht selbst, die den Niedergang der erfolgreichsten Parteineugründung Deutschlands besiegelt haben dürfte.

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Chris Groll | So., 27. April 2025 - 19:31

Beide, Frau Wagenknecht und Frau Wolf, sind Kommunistinnen. Somit habe ich für beide nichts übrig.
Zu den Leistungen Frau Wagenknechts kann ich nichts sagen. Frau Wolf hat aus der schönen Stadt Eisenach eine für mich sehr abschreckende Stadt gemacht. Auf den Straßen sah ich mehr Zugereiste als bei uns Westen und das will schon etwas heißen.
Ein Mitreisender Amerikaner, der die Stadt von früher kannte, war ebenso enttäuscht wie wir.

Chris | So., 27. April 2025 - 20:32

.... wird, kann man auch als innerparteilichen Machtkampf sehen, in dem Wagenknecht versucht hat, Personen, die ihren eigenen Weg gehen wollen und für die die Partei anscheinend nur ein willkommenes Vehikel war/ist, im Sinne der Partei einzufangen. Das ist ihr offenbar nicht geglückt.

Michael K | So., 27. April 2025 - 21:57

Frau Wagenknecht ist politisch klug genug zu wissen, dass der Appeal der BSW der Status des Aussenseiters war den das System ausschliessen will. Eine AfD von links sozusagen. Widerstand gegen den liberalen westdeutschen Konsens.

Die Etablierten aber sind den Kommunisten gegenüber viel aufgeschlossener als den Rechten. So wurde die BSW genau das, was sie definitiv nicht sein darf - ein Mehrheitsbeschaffer für den Mainstream.

Während das Establishment die AfD mit der Brandmauer als einzige wirkliche Opposition aufbaut, haben sich die Thüringer Genossen der BSW schon selbst als Politopportunisten diskrediert. Positionen? Wen juckt es wenn es Ämter zu verteilen gibt.

Wer wirklich was verändern will muss diszipliniert Opposition machen bis er die Macht wirklich hat. Bei der AfD ist das Verständnis dafür eher zufällig. Ein Chropalla oder eine Weidel würden liebend gerne Minister werden. Aber die Deppen in der CDU schützen sie ja vor diesem Fehler. Die BSW hat dieses Glück nicht.

Stimmt nur bedingt, eine Weidel würde gerne BK einer Regierung der AfD Mehrheit werden, nicht Ministerin. Sie schützt sich selbst vor dem Fehler, einfach nur Ministerin zu werden, dadurch, dass sie sich und ihrem Programm treu bleibt und nicht verbiegen lässt. Hätten Sie während des "Wahlkampfes" sogar selbstständig erkennen können. Ein "zufälliges" Verständnis der AfD für Disziplin? Disziplin = angepasst, einheitlich, antidemokratisch? Das ist das große Plus der AfD, das nicht zu sein, dafür wird sie in der Gunst des bürgelichen Wählers weiter steigen, die gehirngewaschenen werden eben bis zum Schluss nichts merken. Im übrigen: der Herr heißt Chrupalla. Sollte man bei solcher Art Kommentar schon wissen.

Frank Irle | Mo., 28. April 2025 - 08:04

Man ist nicht anders als die anderen, wenn man bei der ersten Gelegenheit mit den anderen koaliert.

Genau dieses karrieristische Wischi-Waschi hatte Wagenknecht vermeiden wollen.

Leider ist sie über ihre eigene elitäre Haltung gestolpert und hat in erster Linie einfachen Bürgern den Eintritt erschwert, anstatt bei namhaften Leuten, insbesonde ihren Mitpolitikern, genau hinzusehen.

Robert Hans Stein | Mo., 28. April 2025 - 08:46

Gewiss, das BSW ist mehr postkommunistische Kaderpartei als inzwischen z.B. die Linke. Leninismus passt da schon irgendwie, während die Linke bei woken aber eben chaotischen Ideologien anzudocken versuchte (jedenfalls vor dem Auftauchen einer Reichinek). Das Defizit sehe ich im Nichtbenennen eines offensichtlich stark ausgeprägten Charaketerzuges der Ministerin Wolf - sie ist zuerst und vor allen karrieresüchtig und damit prinzipienlos bis in die Knochen. Das BSW war - in diesem Punkt ähnlich der AfD - als Alternative zu den "etablierten" Parteien angetreten. Das war eine wenn nicht DIE Grundlage des anfänglichen Erfolges. Sich dann aus Karrierestreben mit der CDU und SPD (Thüringen) oder nur der SPD (Brandenburg) gemein zu machen, hat wohl im Osten (auf den es in diesem Falle ankommt) mehr Stimmen gekostet, als der autoritäre Führungsstil Wagenknechts. Zunehmend erwarten Wähler klare Konturen statt Kompromisse, die Politiker bis zur Selbstverleugnung entstellen.

Wolfgang Borchardt | Mo., 28. April 2025 - 09:47

sehen. Die Trennung von Parteileitung und Staatsamt erscheint vernünftig. Es wird jetzt deutlich, dass Frau Wolf in ihrem Einstieg in das BSW eine Chance gesehen hat, mehr Macht zu gewinnen. Dazu gehört die Anhäufung von Ämtern. Die Nennung aller Ämter E. Honeckers in den Nachrichten der DDR hat erforderte allein 30 sek (ich verzichte darauf, sie hier zu nennen, aber ich habe sie alle noch im Kopf). Das nächste Ziel ist die Ausschaltung von Frau Wagenknecht. Das wird passieren, wenn es Frau Wagenknecht nicht gelingt, Frau Wolf auszuschalten.

Ernst-Günther Konrad | Mo., 28. April 2025 - 10:11

Mir warf der Hype um das BSW ohnehin völlig übertrieben. Ja, Wagenknecht war bei den LINKEN eine Hausnummer und als Person durchaus respektabel, aber als Marxistin politisch zumindest für mich nicht tragbar. Ja, sie ist sicher ein kluger Kopf, hat manches gesagt, was auch ich unterschreiben hätte können, aber sie ist und bleibt eine Kommunistin. Und alles was die Parteienlandschaft bereinigt und übersichtlicher macht, begrüße ich ausdrücklich. Ich gehe davon aus, sollte das BSW sich zerbröseln, dass deren Politiker und Wähler sich wieder der LINKEN zuwenden werden, jetzt wo eine tätowierte neue Parteivorsitzende linkes Gift in die Diskussionen einbringt. Ich schrieb einstmals zu einem anderen Artikel über Wagenknecht, es wäre besser gewesen, sie hätte sich ganz zurückgezogen. Ich gehe mal davon aus das sie finanziell mit dem Salär von Oskar und dem eigenen ihr Auskommen hat. Politisch jedenfalls läutet aus meiner Sicht für sie das Totenglöckchen.

Armin Latell | Mo., 28. April 2025 - 10:45

aber tot geboren! Eine weitere Blockpartei. "Profitieren würde davon allein die AfD unter Björn Höcke." Das wäre nicht mehr als korrekt und vor allem gerecht. Ich hoffe, dass Herr Höcke und die AfD diese Steilvorlage entsprechend verwandeln. Dass Wahlverlierer ein Land regieren ist wirklich alles, nur nicht demokratisch.

Klaus Funke | Mo., 28. April 2025 - 10:50

Als ich hörte, dass Sahra Wagenknecht, indem sie Putin als einen Verbrecher bezeichnete, einen Kniefall vor dem Mainstream machte, war diese "Ein-Frau-Partei" für mich erledigt und abgehakt. Da muss man gar nicht mehr wissen. Freilich, auch dieser "Untergang" geht auf Oskars Konto. Seine auf gnadenlose Egomanie gegründete Parteienstrategie ist kein Erfolgsmodell. Hau endlich ab, Oskar, Du hast genug Schaden angerichtet! Und die Sahra? Sie sollte Bücher schreiben und sich einen neuen Partner suchen, solange sie noch einer will.

christoph ernst | Mo., 28. April 2025 - 13:11

Der sonst so kluge Herr Brodkorb mag mit seiner Einschätzung des neostalinistischen Narzissmus Wagenknechts zwar nicht falsch liegen, aber Wolf ist eben ein beinhart bornierter SED-PDS-Kader. Die erstickt mit dem kurzfristigen Stillen ihrer Machtgier jede strategische Weitsicht, die Wagenknecht durchaus besitzen dürfte.
Insofern sehe ich Sarah da nicht unbedingt als kontrollwütige Zerstörerin, sondern Katja ebenso sehr als Mogelpackung und faules Ei im Nest.

Hans Süßenguth-Großmann | Mo., 28. April 2025 - 14:36

sind vorbei, in denen einer 15 Jahre in Zürich die Kampfpartei mit handverlesenen Genossen aufbauen und auf die Revolution warten konnte. Zu Sahras perfekten Äußeren sollten auch nur perfekte Genossen kommen. Jetzt muss sich das BSW fragen was es eigentlich will. Gewählt wurde es in den Ostländern von denen gewählt, denen die AfD zu rechts und zu nationalistisch ist, die aber in der Migrationsfrage und in der Außenpolitik in Opposition zur aktuellen und künftigen Bundesregierung sind und so mit der AfD übereinstimmen.

Andreas Turnwald | Mo., 28. April 2025 - 17:10

Herr Brodkorb, wieso ist es eine drollige Behauptung, dass Frau Wolf dem BSW die Bundestagswahl 'versaut' hat? Diese Behauptung untermauern Sie nicht.
Das opportunistische Paktieren mit der CDU hat dem BSW sicherlich stark geschadet, hat Frau Wolf doch gerade die Hauptargumente für das BSW (Friedenspolitik, Corona-Aufarbeitung und andere Wirtschaftspolitik) auf dem Koalitionstisch verramscht für Pöstchen.