Leitkultur-Debatte - Er hat das L-Wort gesagt!

Lange war sie weg, nun hat der Psychologe Ahmad Mansour sie wieder ins Spiel gebracht: die Leitkultur. Braucht Deutschland vor der Bundestagswahl eine neue Debatte über die Regeln, die unsere Gesellschaft zusammenhalten?

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„Ohne Leitkultur macht Willkommenskultur keinen Sinn", schreibt Hamed Abdel-Samad in seinem neuen Buch / dpa

Autoreninfo

Moritz Gathmann leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland

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„Leitkultur ist das Grundgesetz, die Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung,“ so sprach Ahmad Mansour am Tag nach dem jüngsten Integrationsgipfel im Deutschlandfunk, angesprochen auf seine einstige Rede von der „zweifelnden deutschen Seele“. „Wir müssen uns darauf einigen, dass diese Werte unverhandelbar sind. Nur eine Gemeinsamkeit von Werten schafft eine Gesellschaft. Ansonsten ist Willkommenskultur nur Augenwischerei von Menschen, die moralischer sein wollen, aber letztendlich leben sie in ihrer heilen Welt, und die anderen bleiben woanders mit ihren Werten in ihrer Parallelgesellschaft.“

Hugh, Mansour hat gesprochen, und da ist es wieder, das L-Wort.

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Axel Geertz | Mi, 21. Oktober 2020 - 09:16

Leitkultur oder Grundgesetz?

Niemand ist berufen oder kann berufen werden eine „Leitkultur“ für „die Rechte und Pflichten der Menschen in Deutschland“ neu zu definieren. Vorher sollte in einem solchen Fall die Legitimation kommen? Wir haben das Grundgesetz, das das Zusammenleben in Deutschland vorzüglich seit 1949 regelt. Ausdrücklich Dolf Sternberger und Jürgen Habermas sehen in dem Grundgesetz die Basis, sich als Verfassungspatriot fühlen zu können und in diesem Sinn alles Handeln verantworten zu können und zu müssen. Ein jeder - auch ein Oberarzt – kann das Händeschütteln verweigern, wenn es dafür eine vernünftige Begründung gibt. Eine Begründung für die Weigerung „es sei eine Frau“ findet im Grundgesetz keine Basis, denn: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Und das versteht sich auch außerhalb der Lebensumstände, die gesetzlich geregelt sind. Einer „Leitkultur“ bedarf es also nicht.

Bedurfte es nicht einer aufgeklärten westlichen Kultur, um das Grundgesetz entstehen zu lassen? Das Wort „Verfassungspatriotismus“ ist eine kunstvolle intellektuelle Gedanken-Konstruktion, die eindrucksvoll daherkommen will. Solche Sprachverschmutzung dient Intellektuellen wie Habermas dazu, sich der Kritik an ihren „gelehrten“ Gedanken zu entziehen und ihnen nachzuweisen, dass sie häufig im Trüben fischen. Kultur, Patriotismus lassen sich nicht auf das GG zusammenzurren. Sie gehen weit darüber hinaus. Vermeiden wir also nicht den Diskurs darüber.

Richtig, das was westliche Kultur ausmacht, finden wir im Grundgesetz wieder. Sich deutlich zum Grundgesetz als Leitidee zu bekennen, ist bei Weitem keine „Sprachverschmutzung“. Mir gefällt Verfassungspatriotismus weitaus besser als Deutschtümelei mit einer deutschen Leitkultur. Weil im Grundgesetz eben die westliche Kultur ihren Niederschlag gefunden hat. Deutsch müssen wir nicht unbedingt sein!

... das es in Europa auch noch andere Länder gibt, die stolz auf ihr Vaterland sind... Man stelle sich vor, den Franzosen das verbieten zu wollen.... ;-) Aber in Deutschland schämen sich ja schon hochrangige Politiker oder laufen hinter Transparenten: "Deutschland, Du mieses Stück Scheiße!" - kassieren tun sie aber üppig, von dem miesen Stück Scheiße....

Ein Volk, und auch das Deutsche, ist eine, sich durch Zu- und Abwanderung ständig ändernde, sich entwickelnde, dynamische Gemeinschaft von Menschen, die durch Abstammung, Sprache, Kultur und gemeinsam erlebter Geschichte geprägt ist. Das können die Konstrukteure internationalistischer Gebilde natürlich anders sehen. Auch ich halte die Verfassung hoch. Aber sie reicht nicht für ein friedliches Zusammenleben. Es gibt mehrheitlich anerkannte, über Generationen gewachsene, ungeschriebene Regeln und Verhaltensweisen, die im Volk verwurzelt sind. Die Menschen die ich kenne respektieren diese und erwarten von denen, die, aus welchen Gründen auch immer, hierher kommen und hier leben wollen, das sie diese respektieren sich auch entsprechend verhalten. Verfassungspatriotismus: Was für ein kalter, elitärer, künstlicher Begriff.

Genau, am besten stecken wir unseren Kopf weiterhin in den Sand.
Wird schon gut gehen...

1. Was verstehen Sie unter Deutschtümelei?
2. Ist unser Grundgesetz so leicht les- und definierbar, dass es von jedem Zuwanderer verstanden wird, wenn wir es ihm in die Hand drücken? Oder wie würden Sie das handhaben?
3. Geben Sie Ihren Kindern einfache Regeln des Zusammenlebens an die Hand oder verweisen Sie aufs Grundgesetz?
4. Gibt es nichts Wesentliches über uns, unser Verständnis von dem was uns wichtig ist (Liebe und Sorge um Partner, Kinder, Eltern, Tiere, Natur, Technikaffinität, Hilfsbereitschaft, Toleranz, Gärten, Bier, Beruf, Ethik, Gesundheit, Soziales) was uns von anderen Nationen - gerade auch außerhalb Europas - unterscheidet?
Etwas, das zumindest die meisten von uns verbindet - und was so nicht im Grundgesetz steht?
5. Wäre es bei so viel Zuwanderung nicht hilfreich, eine einfacher lesbare "Gebrauchsanweisung" für ein Zusammenleben mit uns zu haben, welche auch die don'ts klar definiert?

Herr Geertz, im Kommentar von Herrn Schimanek wird mit Recht darauf hingewiesen, dass eine Leit-Kultur nur da vorhanden sein kann, wo überhaupt noch Kultur lebendig ist. Ich finde, damit ist des Pudels Kern benannt. Es geht um die Besinnung auf den Rest von dem, was einmal deutsche Kultur war. Kann man sagen, dass eine solche deutsche Rest-Kultur noch lebt, nur weil vor über 70 Jahren einmal das Grundgesetz eingeführt worden ist? Probieren Sie doch einfach mal aus, wer in Deutschland die wohlgebauten Sätze von Habermas noch versteht! Ihr kryptischer Satz: "was westliche Kultur ausmacht, finden wir im Grundgesetz wieder." leuchtet mir ebenfalls nicht ein. Was in den USA, im UK, in Frankreich geschieht, soll zum deutschen Grundgesetz passen?

Nachdenken über Rest- (Leit-)-Kultur ist vielleicht doch nicht so schleccht.

"Mir gefällt Verfassungspatriotismus weitaus besser als Deutschtümelei mit einer deutschen Leitkultur." Da schauen wir uns doch mal die Präambel des GG an: "Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben. Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern,... und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk." Deutschtümelnder geht`s wohl nicht mehr. "Deutsch müssen wir nicht unbedingt sein!" Aber hallo! Wir hatten mal `ne Wehrpflicht; für all das, was im GG seinen Niederschlag gefunden hat, mußten Deutsche einen mehrmonatigen Grundwehrdienst leisten, also dafür auch im Ernstfall geradestehen. Sollte man eigentlich wissen.

Wolfgang Tröbner | Mi, 21. Oktober 2020 - 09:40

Den Herren Mansour und Abdel-Samad sei gedankt, dass sie dieses wichtige Thema ansprechen. Eigentlich sehr bezeichnend, dass es von Menschen mit Migrationshintergrund aufgegriffen werden muss, da die hiesige Politik und die meisten Medien eisern dazu schweigen. Warum eigentlich? Dass es in einer Gesellschaft einer Leitkultur bedarf, müsste eigentlich jedem halbwegs mit Vernunft begabten Menschen klar sein. Und wozu es kommen kann, wenn es keine Leitkultur gibt, zeigt Frankreich gerade auf eine schreckliche Art und Weise: Wo statt einer Leitkultur nur ein großes Vakuum existiert, wird es von Radikalen ganz schnell aufgefüllt. Nebenbei gesagt, eine Leitkultur hierzulande darf auch deutsch sein. Mir konnte bislang noch keiner überzeugend erklären, was an einer deutschen Leitkultur schlecht sein sollte. Man kann nur im Interesse aller hoffen, dass das Thema Leitkultur nicht gleich wieder versandet und es jetzt zu einer echten Debatte kommt.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 21. Oktober 2020 - 09:58

„Leitkultur ist das Grundgesetz, die Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung,“ richtungsweisende Säulen, die inhaltich mit Leben gefüllt werden müssen. Was fordern wir von uns selber ab, was verlangen wir von Menschen, die hier Asyl beantragen, die einwandern, die hier zu Besuch sind, ihren Geschäften zeitlich befristet nachgehen und die mit Migrationshintergrund aufwachsen? Alle reden von Werten und keiner benennt sie. Die links-grünen Ideologen haben Angst vor dieser Debatte, da müssten sie selbst mal konkret werden, was sie von sich selber und ihren Mitbürgern abverlangen. Stattdessen müssen wir um die Säulen unsere Demokratie bangen. Unsere eigenen Politiker fallen ihren Bürgern in den Rücken, weil sie eben genau diese Debatte unterdrücken, nicht führen wollen, sich möglichweise "outen" müssen. In den Behörden gibt es Leitlinien, Handlungsanleitungen, Leiter von Schulen usw. Nur in der Gesellschaft meidet man das. Danke Herr Mansour und Mitstreiter. Wer hört Eure Rufe in DE?

"Union knickt vor Forderung der Grünen ein: Begriff „Rasse“ wird aus Grundgesetz gestrichen"...können sie nachlesen Herr Konrad, dass erste Erfolge erzielt wurden.
Ich sags jetzt mal so wie mir der Schnabel gewachsen ist: "Wie blöd ist das denn?"
Wie sagen wir dann zu Rassismus? Ist der dann auch gestrichen oder wird er mit einem Genter-Begriff ersetzt?
Habeck und die grüne Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteiner Landtags, Aminata Touré, hatten zur Begründung ihrer Forderung erklärt: „Es ist Zeit, dass wir Rassismus verlernen.“
Grüne = hilflose Scheindebatten
Verfassungsgerichtspräsident Harbarth, sieht eine Streichung des Wortes „Rasse“ aus dem Grundgesetz skeptisch.
Widmann-Mauz fordert Einrichtung einer bundesweiten Beratungsstelle für Rassismus-Opfer...die Gute ist noch nicht auf dem neuesten Stand...

Wenn ein leerer Eimer hochgestellt wird, sieht keiner mehr, dass er leer ist.
Ernst R. Hauschka

Hans Jürgen Wienroth | Mi, 21. Oktober 2020 - 09:58

Kann man „Kultur“ in Gesetze schreiben? Das GG regelt das Verhältnis einzelner gegenüber dem Staat, nicht jedoch das Verhältnis untereinander, sofern es nicht die dort definierten Grundrechte jedes Einzelnen betrifft. Ich habe als jur. Laie noch nie von einem GG-Artikel zur Kultur (außer der K-freiheit) gehört.
Die so oft zitierten Werte sind nichtssagende, populistische Allgemeinplätze, sofern sie nicht definiert werden. Welche Werte sollen hier gelten? Die christlichen W. der 50er, nach denen nur noch wenige Leben? Deutsche Pünktlichkeit und Gründlichkeit, die längst Vergangenheit (u. der EU-Einheit geopfert) sind? Politiker und „Zivilgesellschaften“ fordern ständiges, neues Aushandeln der gemeinsamen Werte, aber wer verhandelt da mit wem und wie erfolgt die demokratische Legitimation?
Zuletzt bleibt die Frage: Lassen wir uns noch von der christl. Kultur leiten oder ist Liberalismus die neue „Leitkultur“? Kann es im Multikulti des Liberalismus überhaupt eine gemeinsame Kultur geben?

was mehrere Bedeutungen hat. Dazu gehören Pflege u. Bearbeitung des Bodens, aber auch - auf geistigem Gebiet - Verehrung u. Anbetung.

Zur KULTUR zählt beides: das, was zum leiblichen Wohlbefinden beiträgt und das, was Seele u. Geist nährt. Religio (= Bindung an eine höhere Macht) ist integraler Bestandteil jeder wahren Kultur, wenn diese ihre Verbindlichkeit behalten u. wachsen soll.

Wir müssen uns also in Europa klar entscheiden, ob wir die christlich-freiheitliche
Kultur pflegen u. erhalten wollen o. die islamisch-unfreiheitliche zulassen. Es gibt keine Mischung aus beiden! Zwar können sie eine gewisse Zeit lang nebeneinander existieren, aber nur, bis die aggressivere den Dominanzanspruch erhebt. Ohne Gegenmaßnahmen dauert es m. E. lediglich die Zeit von zwei Generationen, bis der Islam dies in Europa tun wird. Beispiele für die mangelnde Toleranz der islamischen Kultur gegenüber anderen Kulturen gibt es ja zuhauf. Jeder kann diese Zustände in vielen Ländern der Welt beobachten.

helmut armbruster | Mi, 21. Oktober 2020 - 10:00

hatte, bzw. hat, der deutsche Wähler jemals die Chance bekommen per Votum zum Ausdruck zu bringen, ob er mit der seit Jahren andauernden, ungeregelten Zuwanderung einverstanden ist oder nicht?
Ich behaupte, er hatte nie diese Chance.
Denn die Wahlen kann man nicht als Chance betrachten ein Votum für oder gegen Zuwanderung abgeben zu können. Deshalb nicht, weil die meisten Parteien dem Thema ausgewichen sind und sich nicht klar positioniert haben.
De facto fand so eine massive und unkontrollierte Einwanderung statt.
Bevor man also über Leitkultur u.ä. Phantasmen redet wäre es angebracht die Einwanderung per Gesetz klar und deutlich zu regeln. Z.B. bei Vorliegen welcher Kriterien ist Einwanderung möglich bzw. bei Nichtvorliegen nicht möglich.
Anstatt so Ordnung und Eindeutigkeit zu schaffen diskutiert man hierzulande über Leitkultur.

Für die Partei, die das Thema Migration wieder, ja eigentlich permanent an oberster Stelle der politischen Agenda sehen möchte - die AfD?
Der Beitrag zeigt zugleich Wesen, aber auch Dilemma der Rechtspopulisten. Man lebt im Grunde noch immer im Jahr 2015. Beim Thema Corona bietet die AfD ein jämmerliches Bild. Nein, mit den angeblichen Gefahren der Migration liesse sich viel besser Politik machen, in gewohnt schamloser Weise! Und jetzt, nach dem brutalen Mord in Paris, wittert man am rechten Rand Morgenluft!
Volksabstimmungen sollen es richten! Politisch ist man zu schwach, hat vom Wähler nicht den Auftag bekommen, gestaltend zu wirken. Also sollen es Referenden richten - siehe GB und den Brexit. Die Themen? Migration (natürlich), daneben der Euro und die EU, immer der gleiche Quark. Man muss den Wähler richtig bearbeiten, ordentlich Ängste schüren, Schreckenszenarien entwerfen.
Mit demokratischer Leitkultur oder Menschenrechten haben die, die so auftreten nichts bis wenig im Sinn.

Michaela 29 Diederichs | Mi, 21. Oktober 2020 - 10:24

Wenn es doch nur mal wieder Debatten gäbe. Sehr gelungener Artikel. "Weggeprantlt" merke ich mir. Ein sehr passender Ausdruck für unsere derzeitige Debattenkultur.

Christoph Kuhlmann | Mi, 21. Oktober 2020 - 10:57

Parallelgesellschaften? Was fällt denn den Politikern dazu ein, die dieses Phänomen zu verantworten haben? Erzwungene Enkulturationsprozesse sind mit Sicherheit auch verfassungswidrig. Von Händeschütteln steht nichts im Grundgesetz. Da steht etwas davon das niemand wegen seiner Herkunft und/oder Religion diskriminiert werden darf. Wegen des Geschlechts allerdings auch nicht. Also 2 zu 1. Bei dem ganzen verkrampften Rassismus in der Politik, den Tabus und No Goes der projezierenden Rassisten ebenso wie bei den Bekennenden wird keine Debatte möglich sein obwohl sie seit Jahrzehnten überfällig ist. Die normative Verblödung dieses Landes lässt sich in Sätzen wie Wir schaffen das und Schlagworten wie "europäische Werte" zusammenfassen. Den meisten Wählern reicht das.

Holger Jürges | Mi, 21. Oktober 2020 - 11:00

An dieser Stelle nur soviel zum Thema Leitkultur:

Man zeige mir einen Lehrer, der es sich traut, was in Deutschland selbstverständlich sein sollte: Mit Schülern, wo der Anteil islamischer Schüler hoch ist (oder auch nur einer dabei ist) die Besprechung der Mohammed-Karrikaturen zum Thema zu machen.

Karl Napp | Mi, 21. Oktober 2020 - 12:11

In reply to by Holger Jürges

Auch Redakteure, Beamte und Juristen haben oft Familien, Herr Jürges

Jo Steiner | Mi, 21. Oktober 2020 - 12:47

In reply to by Karl Napp

Dann sind wir also an einer Stelle angekommen, wo eigene Mutlosigkeit uns daran hindert, gegen Dinge vorzugehen, die wir nicht wollen ? Die Politik hat uns dann dort, wo sie uns haben will.

Holger Jürges | Mi, 21. Oktober 2020 - 13:25

In reply to by Jo Steiner

...impliziert stets Schwäche, ganz recht Herr Steiner: (Fast) der gesamte Westen kuscht vor Fanatikern, welche, in der Fülle dieser Glaubensgemeinschaft, obendrein die sozialen Netze eben dieser Länder mehr oder weniger (irgendwann) sprengen werden. -
Ja, Karl N., es ist ein Teufelskreis: Niemand wagt ein mutiges Statement - eine weitreichende Diskussion - hinsichtlich der besagten Karrikaturen; von den regierenden Politikern ist zudem erst recht nichts zu erwarten. - Damit befördert man sträflich das Selbstbewusstsein in gewissen Kreisen.

Karl Napp | Mi, 21. Oktober 2020 - 17:45

In reply to by Jo Steiner

Ich weiß nicht wo uns Politiker haben wollen.
Ich vermute, sie möchten halt, dass wir schaffen womit sie uns vertrauensvoll beauftragt haben, Herr Steiner.

Werner Kahn | Mi, 21. Oktober 2020 - 15:46

In reply to by Karl Napp

In Ihrem einen Satz merken Sie selbst und eigentlich müssten es ALLE merken,
in welchen Verhältnissen wir im Augenblick in diesem Land leben. Ich hätte es mir vor 20 Jahren NIE träumen lassen.

dieter schimanek | Mi, 21. Oktober 2020 - 12:27

.. kann es nur geben, wenn die eigenen Werte noch vorhanden sind. Die wurden aber längst über Bord geworfen und durch Multi - Kulti ersetzt. Ob Schulunterricht, Kindergarten und das dortige Essen, das Vermummungsverbot und vieles mehr, alles wurde aus Gastfreundschaft Islamgerecht angepasst. Selbst unsere Kirchenfürsten legen das Kreuz ab vor den Mullas. Kabarett, Kunst und Sprache muß diesem Zeitgeist angepasst werden. Wenn nicht, bleibt die Alternative Arbeitsamt. Welche Leitkultur ist gemeint? Ich sehe keine, die wurde längst begraben.

Armin Latell | Mi, 21. Oktober 2020 - 12:48

darüber vergewissern, nach welchen Regeln wir zusammen leben wollen. Das erinnert fatal an den unsäglichen Spruch, den eine frühere, sogenannte Integrationsministerin, von sich gegeben hat, Aydan Özuguz:
"Unser Zusammenleben muss täglich neu ausgehandelt werden.“ aus Strategiepapier vom 19.09.2015 Masterplan zur Integration der Flüchtlinge.
Nein Herr Gathmann, das müssen wir nicht, jedenfalls noch nicht! Werte ständig neu aushandeln? Dann sind es keine Werte.
Wenn es dann so weit ist, wird es darüber keinerlei Diskussionen mehr geben (dürfen). Wie das dann aussieht, sehen wir aktuell in Frankreich.

Sich vergewissern was gilt und ist, heißt eben gerade nicht, täglich neu auszuhandeln. Das erste konserviert und schützt die Werte unserer Gesellschaft, das zweite stellt sie täglich zur Disposition.

Gerhard Hellriegel | Mi, 21. Oktober 2020 - 14:13

„Leitkultur ist das Grundgesetz, die Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung“. Da die letzteren im grundgesetz stehen, bleibt also das grundgesetz. Schön, ende der debatte.
Nur ist das einigen nicht genug. Dabei haben sie nicht einmal unrecht. Neben dem wortlaut reden wir deshalb auch vom geist der verfassung.
Beispiel gleichberechtigung: wie steht es mit der gleichberechtigung im arbeitsleben? Zwischen arbeitgebern und arbeitnehmern?
Zwischen produzenten und konsumenten? Zwischen arm und reich? Gleicher einfluss auf die entscheidungen? Wie verträgt sich der leistungsgedanke mit dem erbrecht?
Heute streiten sie über das kopftuch, vor 50 jahren haben sie genau so leidenschaftlich über lange männerhaare gestritten: die mähnenschafe, you remember?
Geist, kultur, selbstbewusstsein kann man leben, aber nicht verordnen. Das ergebnis wäre eine spießbürgerkultur wie in der ddr. Nein, danke.

Manfred Sonntag | Mi, 21. Oktober 2020 - 15:02

Die Debatte wäre dringend nötig. Sie wird aber vermutlich nicht stattfinden. Stellen wir uns doch alle mal vor, was passieren würde, wenn der amerikanische Präsident (egal welcher) bei einer Wahlfeier die amerikanische Flagge in den Dreck wirft oder der französische Präsident die Trikolore so behandelt. Aber in unserem Land ist es möglich das die Bundeskanzlerin die schwarz rot goldene Flagge, das bedeutendste Symbol deutscher Demokratie, in den Schmutz wirft (nach der erfolgreichen BT Wahl 2013). Unsere Eliten wollen sich von den 12 Jahren Naziherrschaft reinwaschen und im Europa ohne Grenzen untertauchen. Deshalb verleugnen sie sich, und das ganze Land. Daran Schuld trägt heute jedoch kaum noch ein Mensch. Die Völker haben uns vergeben. Belohnen wir sie und uns mit einem zielstrebigen und konsequenten Kampf für Freiheit und Demokratie. Dazu zählt aber dann auch eine Leitkultur in welcher die Religionen tatsächlich in die Privatsphäre aller Bürger zurückgeführt wird.

kann es nur in einem totalitären Staat geben. Es ist ein absurdes Konstrukt, wer soll sie beaufsichtigen? Brauchen wir einen Gegen-IS, der alles Undeutsche an den Pranger stellt? Im GG steht alles drin, jedoch nicht, ob wer wen wo die Hand zu reichen hat. Da gibt es andere Gewerke und Tanzschulen, die aber nicht verbindlich sind. Die Regeln sind evident oder überflüssig.
Man fragt z.B. höflich: "Warum fürzelt und rülpselt Ihr nicht, hat es Euch nicht geschmecket"? Nun gut, in Deutschland sollte man es lieber bei der Leidkultur belassen, paßt scho.

Markus Michaelis | Mi, 21. Oktober 2020 - 15:25

Mir scheint es fast unvorstellbar wie eine Gesellschaft ohne Leitkultur funktionieren könnte. Mal in Schönwetterphasen, oder man hängt sich irgendwo dran ... aber auf Dauer und in schwierigeren Zeiten? Logisch sind Leitkulturen auch nicht scharf definiert und statisch.

Mit dem GG hat das wenig zu tun, soetwas zu sagen ist grotesk verzerrend, aber leider ein Ausdruck der deutschen Gesellschaft. Das GG sind erst mal unsere Institutionen - ein Streitrahmen ohne Inhalt. Dann haben wir die ersten 19 Artikel, deren Gedanken es mal war gewisse Leitplanken gegen Extreme (Übergriffe des Staates) einzuziehen. Ansonsten wollte das GG eigentlich möglichst viel freilassen ... eben zum politischen Aushandeln.

Heute wollen wir eine absolute Wahrheit und nichts mehr aushandeln - verkaufen das aber als totale Freiheit, zu der alle Menschen dazugehören. Das ist vollkommen weltfremd und verdreht und irgnoriert die Welt und die Menschen.

Da kann man nur noch Gute Nacht wünschen.

Tomas Poth | Mi, 21. Oktober 2020 - 15:56

Unsere gesamte Geschichte die bis heute geht ist unsere Leitkultur. Das frühere Deutsche auch zur NS-Zeit, zum "real existierenden Sozialismus" verleitet wurden gehört leider auch dazu. Dies sind aber keine Leitbilder für uns wenn wir an heute und die Zukunft denken.
Aus der Geschichte lernen und den richtigen Weg zur Selbstbehauptung finden, das sollte uns leiten.

Bernd Muhlack | Mi, 21. Oktober 2020 - 16:39

Mir fiel dieses arabische Sprichwort ein:
„Und weilst du bei einem Volke 40 Tage, so sei einer von ihnen oder wandere weiter“

Zur Sicherheit nochmals gugeln und siehe da, gar ein Fund bei CICERO, ich denke, dass ich das verlinken darf?
https://www.cicero.de/innenpolitik/massenmigration-islamische-werte-fre…

Leitkultur?

Es gibt Leitfiguren, Leithirsche, Rudelführer und dergleichen.
Diese geben die Richtung, das Ziel an, bestimmen was wichtig ist und wie zu handeln ist.
Bei unserer Regierung nennt man das Richtlinienkompetenz, jedoch ist die Kanzlerin eher eine LeiDfigur.

Haben Friesen dieselbe Kultur wie Bayern oder Sachsen?
Ich denke, wir haben in der Tat eine gemeinsame Basis, dass schließt auch viele Europäer ein.

Kinder fragen: "Darf ich mitspielen?"
Ein neuer Gast am Stammtisch: "Darf ich mich dazu setzen?"
Na klar, gerne!

Toleranz immer, jedoch keine Aufgabe des Eigenen.
80 % (?) der "Gäste" stimmen zu - den "Rest" brauchen wir nicht!

Rassist, Nazi!
Nö, im Gegenteil!

Hans Golombek | Mi, 21. Oktober 2020 - 16:53

Natürlich gibt es eine spezifische deutsche Leitkultur. Ihr Kern wird zweifellos vom Grundgesetz ausgedrückt. Aber dazu kommen Elemente, die gerade Deutschland für Zuwanderer besonders attraktiv machen und sie veranlassen, sich gerade für Deutschland zu entscheiden, und nicht z.B. für Frankreich, Spanien, Großbritannien oder Polen, die genauso "westlich" sind wie Deutschland. In vielen Jahren meiner Tätigkeit für den Deutschen Akademischen Austauschdienst und als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache habe ich erlebt, dass sich intelligente junge Leute bewusst für Deutschland entschieden haben wegen seiner spezifischen Kultur, seines Wissenschaftsniveaus, seiner Geschichte und der Bewältigung einer dunklen Vergangenheit, und auch wegen der großzügigen Sozialgesetze, die auch wiederum aus historischen Erfahrungen hervorgehen und damit zur deutschen "Leitkultur" gehören. Der Sachbearbeiterin ist zu danken, dass sie diesem dämlichen arroganten Arzt die Grenzen aufgezeigt hat!

Norbert Heyer | Mi, 21. Oktober 2020 - 17:54

Die Leitkultur ist die Richtschnur für das Zusammenleben von Menschen. Da wir aber allzu bereit waren, unsere Werte, Gesetze, Kultur und Rechte auf den Altar „Multikulti“ bedingungslos zu opfern, haben wir die Deutungshoheit in unserem Land verloren. Wir lassen uns ohne Protest nachsagen, „ dass neben der Sprache hier keine Kultur vorhanden ist“. Es wird widerspruchslos hingenommen, „das Zusammenleben täglich neu ausgehandelt“ werden muss. Da dürfen wir uns doch nicht wundern, dass hier die Dinge aus dem Ruder laufen, wenn wir hier nicht bestimmen - und zwar für alle - was geht und was wir nicht dulden. Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, darf aber nicht zur Unterdrückung der Christen und Juden führen. Wenn Lehrer Angst haben, bestimmte Auswüchse der wahren Religion anzusprechen, Richter milde Urteile aussprechen, um ihre Familie zu schützen, dann sind wir wirklich schon verdammt weit von unserer Leitkultur entfernt. Toleranz ist Teil von Kultur, sie muss auch eingefordert werden.

Karla Vetter | Mi, 21. Oktober 2020 - 19:22

In welche Kultur soll sich der in Deutschland neu Angekommene eigentlich integrieren? Wenn bei uns alles hochgehalten wird, mit Ausnahme der eigenen, durch Jahrhunderte entstandenen Kultur. Das heißt doch nicht, dass wir nicht gerne auch kompatibles Anderes annehmen. Gerade als Land in der Mitte Europas haben wir doch schon viel von anderen Ländern adoptiert. "Prüfet alles, das Gute behaltet". So sieht es Paulus.

Helmut Bachmann | Mi, 21. Oktober 2020 - 19:31

Ja bitte! Woher kommt diese verklemmte Zwangshaltung, dass es in Deutschland nicht deutsch zugehen sollte? Was deutsch ist, bestimmen wir doch heute selbst? Kein Diktator, kein Durchregierer, wir bestimmen das. Geradezu entlarvend ist der fantasierte Gedanke "andere Länder, andere Sitten". Sehr viele dürften auf diese Weise gegenüber Migranten denken. Doch: wir sind nicht in einem anderen Land, sondern in unserem. Und dessen Kultur ist da und wertvoll. Sicher wird sie immer weiter entwickelt, aber hoffentlich nie, nie, nie in die Richtung, dass "Mann" Frauen nicht mehr die Hand gibt. Dazu darf, besser sollte man auch stehen. Das hat nichts mit Faschismus zu tun, dies zu behaupten ist infamer Blödsinn.