CDU-Bundeszentrale
Die Uhr vor dem Konrad-Adenauer-Haus, der Bundeszentrale der CDU, steht auf fünf vor zwölf / dpa

Die CDU nach der Bundestagswahl - Mehr zu verlieren als zu gewinnen

Unabhängig von allen anderen ungelösten Fragen steht einer schnellen Erholung der CDU der Wahlkalender im Weg. In den vier Landtagswahlen des nächsten Jahres können die Christdemokraten nicht viel ausrichten. Im Gegenteil: Wenn es schlecht läuft, muss die Union sogar in drei Ländern die Staatskanzlei räumen.

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, darunter einen Interviewband mit Angela Merkel. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der F.A.Z.

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Hugo Müller-Vogg

Zum dritten Mal in ihrer Geschichte muss die CDU/CSU im Bund die Regierungsbank räumen. 1969 konnte sich die Union noch damit trösten, dass der Wechsel der „treulosen“ Freien Demokraten zur SPD sie auf die Oppositionsbänke verbannt hatte. 1998 wurden der „ewige“ Kanzler Helmut Kohl und die CDU/CSU dagegen eindeutig abgewählt. Beim dritten Mal, am 26. September, wurde die stolze Volkspartei vom Wähler geradezu gedemütigt. 24,1 Prozent bedeuteten ein Minus von 8,8 Prozentpunkten gegenüber den ohnehin mageren 32,9 Prozent von 2017.

Wenn die Deutschen für andere Mehrheitsverhältnisse sorgen, dann geben sie der neuen Regierung einige Zeit, sich zu bewähren. Die sozialliberale Koalition hielt sich von 1969 bis 1982. Auch Rot-Grün schaffte es immerhin auf sieben Regierungsjahre. Wie lange die sich abzeichnende Ampel an der Macht bleiben wird, weiß niemand, zumal die Wähler flexibler sind denn je.

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Roswitha Lasser | Mi, 27. Oktober 2021 - 18:17

Wenn die CDU die "härtere Gangart" des alten weissen Mannes aus Oberschwaben mitmacht, wird sie sich nicht nur in Oberschwaben, sondern auch im Breisgau, im Kraichgau und selbst im Rhein- Neckarkreis nicht mehr zeigen dürfen.
Wenn die CDU sich jedoch endlich wieder auf die Bedürfnisse der Bürger, die das Land gross gemacht haben, besinnt, wird sie die Grünen wegfegen.

Christa Wallau | Mi, 27. Oktober 2021 - 18:40

bis sich die Rot-Grünen und die FDP selbst entzaubert haben. Bei den rigorosen Maßnahmen, welche diese Koalition in punkto Energie-Wende vornehmen will, dürfte es nicht allzu lange dauern, bis es zu Widerstand kommt - seitens der Betroffenen in der Bevölkerung und wohl auch seitens der Mitglieder der FDP.

Wenn bis dahin die CDU mit einer ansehnlichen Riege an neuen Gesichtern bzw. klugen Köpfen - männlich, weiblich und meinetwegen auch divers - angetreten ist, dann hat sie die große Chance, sich als Partei der Vernunft zu präsentieren, die allein den grünen Spuk beenden kann.
Evtl. schwenkt die FDP auch schon mitten in der Legislaturperiode um, wenn sie merkt, wie unsinnig dieser ganze Kampf für das Klima
ist, und es gibt Neuwahlen. ...?...
Ach, nein, das ist zu hoch gedacht von dieser Partei.

Tomas Poth | Mi, 27. Oktober 2021 - 18:42

Mit den Merkeljahren hat die CDU schlicht abgewirtschaftet, ist zum Sanierungsfall geworden. Die SPD hat nach dem Niedergang ein kurzes Zwischenhoch erreicht, aber das dürfte nicht von Dauer sein nach meiner Einschätzung.
Die Ampel schaltet sich durch die Energiewende über kurz oder lang selbst ab.
Wer mit den Themen Selbstverantwortung in der EU, Migration und Energiewende richtig umzugehen weiß und dies auch richtig kommuniziert, dem gehört die Zukunft.
Das Auspressen, Erpressen der eigenen Bevölkerung mit Weltenrettungs-Phantasien erschöpft sich und hat keine Zukunft.

Rob Schuberth | Mi, 27. Oktober 2021 - 18:49

Den Aspekt, der Herr MV aufwirft, dass die CDU u. U. in 3 Landtagen bald die Staatskanzlei räumen muss, kann ich gut nachvollziehen.

Und dabei war mein 1. Gedanke:
Ob das von Merkel auch geplant war?
AM denkt doch immer vom Ende her (so sagen die MSM zumindest).

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Indizien (wie z. B. ihre Aussage die CDU sei eine Partei die ihr, nicht sie ihr (!) nahe stehe), die in mir den Gesamteindruck erwecken, es könnte tatsächlich eine Art Plan gegeben haben, nicht nur die CDU zu Grunde zu richten, sondern auch das ganze Land.
Kohl hatte das bereits früh erkannt.

Ich war nie ein Fan von ihm, aber da muss ich ihm Respekt zollen.

Wer in die Opposition geht, der hat verloren.
Und wer sich weigert seine Fehler (also die der Kanzlerin) aufzuarbeiten (z. B. weil er alles abgenickt hat) der ist selber Schuld, wenn er nun noch weiter verliert.

Nur durch konsequentes Aufarbeiten kann ein Neustart gelingen.
AM ist weg. Jetzt muss die Union an AM Kritik üben.

... immer noch eher bereit, "weitere Kröten zu schlucken". Lassen wir doch mal die "Grozis" auch auf Länderebene die Mehrheit erringen ... das Ausmerzen deren Fehler wird dann wohl Jahre dauern, aber anders scheint es das "Volk" nicht zu kapieren. Wenn z.B. der grüne Habeck jetzt schon das Verteilen von Lukaschenkos "Gästen" übernehmen möchte, merkt er garnicht, dass er indirekt als Schleuser agiert - ebenso wie die NGOs (tw. mit Antifa-Flagge) ... Grozis eben ;)

Walter Bühler | Mi, 27. Oktober 2021 - 19:23

Ich könnte mir vorstellen, dass die grün-roten U-Boote in der SPD unter Kühnert, die im Wahlkampf Kreide gefressen haben, bald wieder ihrem intriganten (=linken) Naturell folgen werden und die Regierung Scholz mehr in Schwierigkeiten bringen werden als die Opposition. Dann könnte die CDU punkten.

Die CDU hat aber keine Chance, wenn sie glaubt, sich durch Nachäffen der rot-grünen Politik ein "neues" Profil schaffen zu können. Sie muss Persönlichkeiten finden und in den Vordergrund stellen, die eigenständig denken und handeln können. Funktionärstypen wie Laschet oder ein an FfF orientierter Jugendkult werden hingegen gar nichts bringen, da die Originale das Feld schon beherrschen und die alte Tante SPD schon auf der gleichen Aschenbahn hechelnd hinter dem Zeitgeist her rennt.

Ingofrank | Mi, 27. Oktober 2021 - 19:36

wird es um die CDU werden. Warum? Erst die Glas klare Aufarbeitung des Merkellismus wird die CDU wieder auf die Erfolgsspur bringen.
Und ganz besonders sollte sich die CDU überlegen, ob sie von der Mitte aus linkslastig oder konservativ die eigene Perspektive sieht.
Links der Mitte tummeln sich Rot, Grün + Dunkelrot. Da ist es „voll“ ,und von der CDU kein Blumentopf zu gewinnen.
Auf der anderen Seite, die niemand will sie Partei bei der die Merkel CDU Pate stand, und in Teilen die FDP. Man kann spekulieren was man will, es drehen und wenden wie man will, so lange die CDU die Tatsachen nicht anerkennt, gar verleugnet wird sie weiter Absteigen und macht im Gegenzug die Niemand will sie Partei immer stärker. Vielleicht wird man munter, wenn auch in den alten Bundesländern Zahlen wie in Sachsen + Thüringen erreicht werden. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät. Wir werden es erleben.
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Norbert Heyer | Mi, 27. Oktober 2021 - 19:47

Egal, wie die weitere politische Lage sich entwickelt, die Union ist vorerst für längere Zeit weg vom Fenster. Selbst wenn die neue vermutliche Regierung noch schwächer agiert als die noch aktuelle - die Union wird ohne eine komplette Runderneuerung keine Chance auf eine schnelle Rückkehr an die Macht haben. - und das ist gut so. Die Kanzlerin war die despotisch allein Regierende, der gesamte Regierungsapparat war auf sie fixiert, Widerspruch wurde nicht geduldet. So wurde im Grunde Politik im kleinsten Kreis zelebriert, die Minister agierten an der kurzen Leine von Merkel. Was ist das Fazit: Die gesamte Führungsmannschaft hat sich bequem darauf eingestellt, vielleicht auch untereinander über den Regierungsstil der Kanzlerin ausgeweint, waren aber damit zufrieden, keine Entscheidungen treffen zu müssen. Wie sollten die jetzt ohne Mutti Verantwortung übernehmen können? Es werden einige Jahre vergehen, bis - vielleicht - geeignete Kandidaten für ein Comeback da sind - oder eben nicht.

Christa Wallau | Mi, 27. Oktober 2021 - 20:28

bis sich die Rot-Grünen und die FDP selbst entzaubert haben. Bei den rigorosen Maßnahmen, welche diese Koalition in punkto Energie-Wende vornehmen will, dürfte es nicht allzu lange dauern, bis es zu Widerstand kommt - seitens der Betroffenen in der Bevölkerung und wohl auch seitens der Mitglieder der FDP.

Wenn bis dahin die CDU mit einer ansehnlichen Riege an neuen Gesichtern bzw. klugen Köpfen - männlich, weiblich und meinetwegen auch divers - angetreten ist, dann hat sie die große Chance, sich als Partei der Vernunft zu präsentieren, die allein den grünen Spuk beenden kann.
Evtl. schwenkt die FDP auch schon mitten in der Legislaturperiode um, wenn sie merkt, wie unsinnig dieser ganze Kampf für das Klima
ist, und es gibt Neuwahlen. ...?...
Ach, nein, das ist zu hoch gedacht von dieser Partei.

Urban Will | Do, 28. Oktober 2021 - 07:36

Dank eifriger Mithilfe eben dieser schwarzen Duckmäuser unter ihrer Herrscherin ist dieses Land nun mehr oder weniger komplett auf links gepolt.

Links ist die „Neue Mitte“ und man ist der Schwarzen offensichtlich leid.

Also müsste es heißen:

Wenn es gut läuft, verliert die Union nicht alle diese vier Länder...

Es geschähe ihr allerdings recht.

Ernst-Günther Konrad | Do, 28. Oktober 2021 - 09:33

"Wenn es schlecht läuft, muss die Union sogar in drei Ländern die Staatskanzlei räumen." Selbst gewähltes und erduldetes Schicksal würde ich da mal sagen. Ja, vielleicht wird die BT-Wahl noch nachwirken. Aber vor allem haben die Wähler von dieser entkernten CDU die Nase voll.
Die UNION ist auch derzeit nicht bereit, ihre eigenen Fehler knallhart zu analysieren und zu benennen. Der Merkelismus ist noch immer da und wird weiterhin gepflegt. Es fehlen parteiinterne neue Strukturen, für Nachwuchs ist auch nicht gesorgt und das wichtigste, es fehlt die Bereitschaft zur Rückkehr zu einem konservativen Programm, gepaart mit zukunftsweisendem Denken und dem Einstehen für eine wertkonservative und christlich geprägte Partei. Diese CDU wird nach derzeitiger Einschätzung stramm der italienischen Democrazia Cristiana folgen und sich wahrscheinlich strukturell in kleinere Interessengruppen aufteilen, wenn dort nicht endlich Tabula rasa gemacht wird. Ja, die kommenden Wahlen werden es zeigen.

Oder Point of no Return? Ich stimme den hier gemachten Analysen, auch der von Herrn Dr. Müller-Vogg weitgehend zu. Aber lieber Herr Konrad, sind Sie nicht auch müde, Kommentar um Kommentar zu was zu schreiben, was wir beide und andere hier im Forum schon damals wie die Orakel rauf und runter gebetet haben;)? z.B. Unser beider Meinung zu F. Merz, den wir zwar nicht von der Person her favorisierten jedoch für die Funktion bzw. als aussichtsreichsten Kandidaten hielten, wenn da nicht seine Intimfeindin und Bundeskanzlerin mit am Werk gewesen wäre;). Zumindest ich dachte da schon, "Das war`s für die Union" und habe es entsprechend kommentiert. Gefühlte 100 Fehlentscheidungen der Strippenzieher und deren Gefolge weiter, ist die Union da was wir Cicero-Auguren wie in der Antike aus Vogelflug und Geschrei anderer Tiere;) ihr weissagten. Letzte Chance um jemals wieder meine Stimme/Anteilnahme zu gewinnen wäre eine Rundumerneuerung und vor allem echte wie eine glaubwürdige Oppositionsarbeit! LG

Gerhard Lenz | Do, 28. Oktober 2021 - 15:02

Die Schlussfolgerungen derer, die sich eine Union wünschen, die zum rechten Rand hin offen sein sollte:
Man sollte doch einfach die Ziele der AfD übernehmen, am besten mit ihr zusammenarbeiten. Wenn es sein muss, darf auch noch die FDP mit ins Regierungsboot, vorausgesetzt, die macht einen ordentlichen Kotau vor den Rechtsextremisten.
Und so ermuntert man sich gegenseitig in der eigenen Blase, findet bei anderen, stramm rechtsgewirkten Foristen mal wieder die eigene Meinung bestätigt und wähnt sich als "Lautsprecher" der schweigenden Mehrheit.

Was natürlich völliger Unsinn ist. Rechtsgerichtetes Denken ist höchstens in der eigenen, kleindimensionierten Blase dominant.
Und für die Erneuerung der Union höchst untauglich.